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Dieter Jaeger
- Geschichte - Düsseldorf -
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Glossen zu Düsseldorf
(letzte
Änderung:
05.03.2010 00:11)
1. Der Mönch ist
weg Aufregung in Unterrath
2. Neue Wache am
Burgplatz
3. Wanderungen
durch Düsseldorf
4. ISS DOME Ein
verlorener Stadtteil Wanderungen durch Düsseldorf
5. GAP 06
6. Seniorenresidenz
in Oberbilk
7. Der Todesbaum
vom Wehrhahn
8. Wanderungen..
Skandal in der Andreasstrasse
9. Laterne
Laterne….
10. Der Alte
Friedhof und die Wehrhahnlinie
11. Schlösser kehrt
heim
12. Das „Mädchen
Rosemarie“ wohnte am „Bolker Stern“.
13. Freizeitpark
Elbsee das letzte wilde Badeparadies
14. Ein Schiff wird
kommen
15. Vom
Tausendfüßler zum Köbogen
16. Das Parkhaus
Ratingerstrasse soll weg
17. FELIX in
DÜSSELDORF
18. Der Vorgänger
des Affenschiffs
19. Copa Cabana am
Stresemannplatz
20. KÖBOGEN – Dilemma seit 200 Jahren
21. Inselstrasse: das
Standesamt in altem Glanz.
22. Leuchttürme auf der
„Ulmer Höh“
23. Warum Tunnels in Bilk und Brücken in Derendorf ?
24. Whisky oder Killepitsch die
neue Plockbrücke über die Völklingerstr
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1. |
Der Mönch ist
weg Aufregung in Unterrath
Nein, er ist
nicht gestohlen. Der Kartäuser Mönch wird nach liebevoller
Restauration wieder an seinem angestammten Platz, dem
Kittelbachpark, stehen.
Der Kartäuser
Orden saß von 1869 bis 1964 in Haus Hain, einer alten Wasserburg,
die im jetzigen Flughafengelände lag. 100 Jahre lang taten die
Mönche Gutes für die Unterrather Bevölkerung, so dass selbst die
Nazis sie trotz Widerstands in Ruhe ließen. Es war die erste
Kartause Deutschlands nach der Säkularisierung überhaupt
Der
Schweigeorden war 1084 in den französischen Alpen(La chartreuse)
gegründet worden. Durch einen Roman von Stendal(la chartreuse de
Parme) wurde er weltberühmt
Haus Hain sagt
viel aus über die merkwürdige Geschichte von Unterrrath.
Vergessen wir
das jetzige Rath und Oberrath: es waren nur Haltestellen der
Eisenbahn im 19.Jh. Nein, nur das jetzige Unterrath ist der
geschichtsträchtige uralte Boden von Rath
Düsseldorf hatte
drei Königshöfe: Kaiserswerth, der Burghof in Bilk und der Königshof
in Rath. Der Rather Königshof war von 12 adeligen großen Höfen
umgeben, von denen einige bis ins heutige Gedächtnis überlebt
haben: Volkardey, Haus Hain, Große Burg, Alte Burg, Röttgen, Gather
Hof, Ikter Hof.
Der Königshof
war der heutige Hofer Hof. An ihn erinnert nur die Strasse: “am
Königshof“ Er wird 1247 erstmals erwähnt, ist aber viel älter. Die
Fränkischen Könige (Salier), dann die Stauffer haben sich seit dem
11.Jh. in dieser Gegend aufgehalten. Mitten im Wald gelegen bot der
Königshof ideale Voraussetzungen für glanzvolle königliche
Jagdgesellschaften
Gleich neben dem
Königshof liegt seit 1347 Düsseldorfs ältestes Kloster „Maria Not“
der Franziskanerinnen, dem die noch ältere Rather Kapelle von 1227
zugrunde liegt. Die heutige Pfarrkirche an dieser Stelle „Maria
unter dem Kreuz“ stammt von 1869 und das „Damenhaus“ daneben der
„Töchter vom heiligen Kreuz“ aus dem Jahr 1857 ist heute ein Haus
für geistig u körperlich Behinderte.
Vergessen wir
also für einen Augenblick die Jesuiten, die Ursulinen, die
Karmelitessen, selbst die uralten Kreuzherren (Gerresheim war ein
Stift, kein Kloster, genauso wie Lambertus). Abgesehen vom
Benedektinerkloster des Heiligen Suitbertus in Kaiserswerth ist also
Unterrath der Beginn der Düsseldorfer Klostergeschichte
Die
Sonderstellung dieser Region zeigt sich auch daran, dass das
oberste Gericht, dem auch Ddorf unterstellt war, immer zwischen
Kaiserswerth und Rath also in Kreuzberg (Gebiet der heutigen
Diakonissenanstalt) lag. Dieser „Kreuzberg“ war nur 2m höher als das
Umland, aber wegen des Hochwassers entscheidend für unsere
Vorfahren: sie nannten diese Anhöhen „In der Luft“ oder schöner „Im
Himmelreich“
Das alte Rath am
vergessenen Kittelbach (damals viel wichtiger als die Düssel) ist
heute im umtriebigen Flughafen fast verschwunden. Freuen wir uns,
dass nur einige 100 m neben dem alten Königshof jetzt wieder das
Leben tobt: im ISS Dome an der Theodorstrasse in Unterrath.

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2. |
Neue Wache am
Burgplatz
So neu ist sie
gar nicht Die Hauptwache der Bürgerwehr, die seit Mittelalter für
die Bewachung der Tore und Mauern zuständig war, lag immer am
Burgplatz
Seit der
brutalen Messerstecherei in der Altstadt wird neben der
Videoinstallation am Bolker Stern über eine zweite Videoüberwachung
am Burgplatz nachgedacht. Die Polizeiwache, die früher in der
Mühlenstr
saß, soll wieder in den Brennpunkt der Altstadt, also zum Burgplatz
Die Bürgermilitz
war am Anfang eine ernste Angelegenheit. Die Bruderschaften, die
Schützenvereine , die Zünfte gehen auf sie zurück. Seit 1600
verdrängen Söldner die wehrhaften Bürger. Ddorf wird eine
Garnisonsstadt. Unter den Bürgern gab es damals vier Kompanien: drei
Altherrenkompanien und eine Junggesellenkompanie, die sich auf die
vier Stadtquartiere verteilten: Flingerstrasse, Altstadt, Burgplatz,
Marktplatz. Die Hauptwache lag genau zwischen den beiden Plätzen
(Markt
und Burgplatz), ging also vom heutigen Pissoir zur Eisdiele. Sie war
1733 vom Hofbaumeister Nosthofen gebaut worden. Auf einem Gemälde
von 1855 ist sie noch zu sehen. Heinrich Heine hat hier seinen
geliebten Vater verewigt.

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3. |
Wanderungen
durch Düsseldorf
Das „Schlonz“
wird abgerissen (Ratinger Strasse)
Der Künstler Tim
Eiag bindet eine letzte rosa Schleife in das durch und durch mit
schwarzem Trauerflor vernetzte Haus. Ein Hoffnungsschimmer? Nein.
Das „Schlonz“ wird abgerissen. Nun wurde hier, an der Ratinger
Mauer, schon immer abgerissen. Die etwas westlich liegende „Retematäng“
in den siebziger Jahren, vorher das Haus „zur Landskrone“ ( der
angrenzende Weiher bekam den Namen „Landskrone“), zur Heinezeit
„Haus Paffrath“. Die Räuberhöhle Paffrath war so gefürchtet, dass
die Polizei nur ungern einschritt. Nach der Schleifung der
Stadtmauer 1801 wurde wegen der Mahl- und Schlachtsteuer eine
provisorische Zollmauer aus Brettern errichtet: ideales
Schmugglergebiet. Heine verewigt einen der Schmuggler: “Er machte
geographische Untersuchungen in fremden Taschen, wurde deshalb
wirkendes Mitglied in einer öffentlichen Spinnanstalt, zerriss die
eisernen Bande, die ihn an diese und an das Vaterland fesselten, kam
glücklich über das Wasser und starb in London durch eine allzu enge
Krawatte, die sich von selbst zugezogen, als ihm ein königlicher
Beamter das Brett unter den Beinen wegriß“
Dieter Jaeger

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4. |
ISS DOME Ein
verlorener Stadtteil Wanderungen durch Düsseldorf
Die Geschichte
von Rath ist die von etwas , das es gar nicht gibt. Unterrath ist
Rath und Rath und Oberrath sind Neubildungen oben am Wald: eine
Bahnstation, mehr nicht 2006 ist Rath wieder in aller Munde, einmal,
weil die DEG da ist, zum andern, weil der ISS DOME ein verrückter
Bau ist: eine Art UFO, gelandet in der Wüste von Rath.
Man denkt an
Eliots "Waste Land"(Wüstes Land), wenn man heute in der weiten
Industriebrache des alten Mannesmanngeländes steht. Eine
Wüstenei war dieses Land aber schon immer. Ein schmaler
Siedlungssaum zwischen den Sümpfen im Osten am Fuß des Aaper Waldes
und den Golzheimer Heiden im Westen am Rhein
Als die freche
"Rheinische Eisenbahn" als dritte Konkurrenzbahn Düsseldorfs 1874 am
Fuße des Grafenberger Waldes von Köln nach Ratingen und ins
Ruhrgebiet fuhr, machte sie beim Aaper Wald einen Halt. Die um
diesen Halt wachsende Industriegemeinde der Sack, Mannesmann,
Rheinmetall nannte sich jetzt stolz "RATH". Zwar war schon 1845 die
"Cölln Mindener Eisenbahn" durch den Urkern von Rath gezogen, leider
ohne Halt. So kam es, dass der Königshof Rath mit seinem ältsten
Ddorfer Kloster(heute Haus Joseph) an Bedeutung verlor und zu
Unterrath degradiert wurde.
Aber alles ist im
Fluss: das "Wüste Land" von Rath wird bald ein riesiger Büro-und
Wohnkomplex werden. Der "Rather Kreuzweg" verbindet Unterrath mit
Rath, der ISS Dome versöhnt Alt mit Modern. Die mythische "Eins" der
Ddorfer Strassenbahnen wird hierhin umgeleitet.
Das "Wüste Land"
wird fruchtbar, und wir können mit T.S. Eliot singen:
April is the
cruellist of months breeding
Lilacs out of the dead land
Winter kept us warm covering
Earth in forgetfull snow
Summer surprised us
With a shower of rain
We stopped in the colonnade
And went on in sunlight
Into the Hofgarten

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5. |
GAP 06
Adolf heißt
heute keiner mehr und den Graf Adolf nutzen nur einige Pappnasen aus
der Glatzenecke als Aufwertung. Es gibt leider keine Wilhelm- oder
Johannplätze für verdienstvollere Fürsten. Adolf V war nun mal der
erste, nicht der erste Berger als Besitzer, aber der erste Gründer, der
dieses kleine Fischerdorf auf einem wasserfreien Hügel mit Fähre und
zwei Grenzflüssen: Eder und Düssel an der Goldader Rhein entdeckt. Er
gründet auch das Stift mit der heiklen Aufgabe, einen kirchlichen
Vertreter zu schicken, denn der Erzbischof saß als Gefangener auf
seiner Burg. Er macht auch als erster den Bruch mit den Kölner
Erzbischöfen, denen Berg den Aufstieg verdankt. Fünf Erzbischöfe hatte die Ddorfer
Urfirma Berg gestellt. 2 Grafen waren als brave Gefolgsleute
in den Kreuzzügen umgekommen. Fast alle Berger heißen Adolf, dann
kommt Limburg mit Wilhelm, und Jülich u Kleve folgen ebenfalls mit
Gerhard, Johann, aber vor allem Wilhelm. Die Hohenzollern haben so Verwandtschaft mit Ddorf entdeckt. Der Gesandte des Adolf fünf
geht nach
Brüssel Brabant, um den mächtigsten Verbündeten Jan Primus ins Boot
gegen Köln zu holen. Er hieß ERWIN und aus Janprimus wird Gambrinus:
König der Biertrinker. In der Altstadt von heute wäre er auch jetzt ein guter Verbündeter
Der GAPlatz hat
eine tolle Karriere gemacht. Von der Walachei zum zentralen Platz der Stadt. Düsselsümpfe
an dieser Stelle brüteten Malariafieber aus. Nur Soldaten war das
zuzumuten, es war die schrecklichste Ecke, nur hier im unbesiedelten
Süden konnte die Eisenbahn bauen. Der Bahn folgte die Gastronomie, dann
das Sündenbabel um die Aderstrasse. Der alte Norden klagte: alles zog
in den vornehmen preussisch protestantischen Süden. Die königliche Post,
das
Telegraphenamt, das Schauspielhaus waren nur einige Etappen
Ein abgewinkelter
Stadtgraben mit zwei Türmen als Eingang zur vornehmen Friedrichstadt
(heute Turmstrasse). 2 Bahnhöfe mit ihrem Touristenrummel. Nightlifecenter
des 19.20. Jh. Später der "Gummibahnhof" aller Omnibusse, dann die
sensationellen K- und D-Bahnen (Krefeld, Duisburg) mit Speisewagen,
einmalig in Deutschland.
Heute ist der
GAP wie die ganze Graf Adolf Strasse ein Sozialfall
Eine Bauruine an
der Kö, ein Pissoir in der Mitte.
Zeit für Rettungsaktionen.

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6. |
Seniorenresidenz
in Oberbilk
Altenheim ist
out. Macht nichts, gut ist, dass die Alten mitten in die Stadt
geholt werden , anstatt irgendwo im Wald bei Hubbelrath
herumzulaufen. Beim Namen hat man etwas gemogelt: „Lessingplatz“
klingt besser als „Industriestrasse“. Aber für die Arbeiter im
Industriestadttteil Oberbilk hatten die Stadtplaner keine großen
Ideen: Dreieckstrasse, Linienstrasse oder eben Industriestrasse. Auf
dem Gelände des neuen Seniorenhauses stand bis vor kurzem der letzte
Schornstein Oberbilks, des einstigen Zentrums Düsseldorfer
Industrie: es war die Firma Limon Flume, die hier für den
Eisenbahnbedarf arbeitete. Und Oberbilk war ja auch das Zentrum des
Düsseldorfer Gleisdreiecks mit Bahnanschluß an fast jeden Betrieb.
Später haben die Düsseldorfer diesen Stadtteil vergessen. Sie
verbannten ihn hinter hohe Eisenbahndämme. Aber es tut sich was: die
Juristen ziehen an die Werdener Strasse, die Kölnerstrasse belebt
sich allmählich und die Mindener Strasse wird bald einen großen bunt
gemischten Siedlungdkomplex sehen. Quer gegenüber dem Altenheim
liegt der Puff. Aber das ist nicht so schlimm: das Leben geht
weiter.

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7. |
Der Todesbaum
vom Wehrhahn
Die Wehrhahnlinie macht einen respektvollen
Bogen um einen uralten, riesigen Baum, der mitten auf der Strasse
„Am Wehrhahn“ steht Zu Recht!
Die vielleicht 300 Jahre alte Platane wurde an
der Stelle gepflanzt, wo das „Blutkreuz“ oder der „Blutstein“ zur
Zeit Jan Wellems stand. Das große steinerne Kreuz war 1716 von
Heidelberg hierher gekommen, geriet 1778 auf den ersten Friedhof
ausserhalb der Stadtmauer( bis 1803), der an der Ecke der jetzigen
Kö/Steinstrasse lag, also beim heutigen Juwelier Cartier, kam dann
über Umwege zum berüchtigten „Roten Haus“ in Unterrath und von dort
zum alten Lohauser Friedhof, wo es noch heute steht. Der Blutstein
vom Wehrhahn, von der Kö, vom Roten Haus gab den Namen für den „Flinger
Steinweg“, die heutige Schadowstrasse.
Um dieses Kreuz und um den alten Baum herum
wurde drei mal der zum Tode Verurteilte geführt, um danach den
letzten Gang zum Galgen anzutreten, der auf dem heutigen
Schillerplatz stand. Das Zooviertel von einst war trotz des
drohenden Galgens eine Verbrechergegend
Vom Baum zum Galgen führte das „Galgengässchen“(die
Wielandstr-Güterbahnhof: etwa am „Olio“ und „Les Halles“ vorbei)
Als der Galgen 1764 zum Spiechernplatz in
Derendorf versetzt wurde, erhielt sich der alte Brauch um den
Blutstein herum. Das neue „Galgengässchen“ verlief über die
„Brauerei Frankenheim“zur Adlerstr und von Pempelfort immer an der
Düssel entlang (Prinz Georgstr gab es nicht) bis zu den Derendorfer
„Geisten“, d.h. einer Anhöhe, die bis heute „Ulmer Höh“ heißt

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8. |
Wanderungen..
Skandal in der Andreasstrasse
Die Kurze
Strasse war schon immer kurz und arm. Die Kötter(Kätner), die nur
eine Kate hatten, wohnten hier. Aus Kötter wird „Kurze“. Bis vor
kurzem gingen die Düsseldorfer ungern hierhin. Es roch zu sehr nach
Döner und Mini Pizza, nach Touris, nach Provinz eben. Das änderte
sich schlagartig seit zwei Jahren. Jetzt ist es die „Megameile“ des
Szenevolks. Auf Neudeutsch: Die hot spots sind hier, wo die events
abgehen, die beautiful people tanzen im „Baby Love“, „Quhstall“ und
„Anaconda“. Nun will man den Boom ausweiten auf die ruhige
Andreasstrasse. Die vornehmen Tanten wohnen hier(Tante Anna, Benders
Marie) und der ruhigste Vertreter von allen: der Leichenbestatter
Salm. Gegenüber sitzt die Kirche: es ist die ruhigste und frömmste
Strasse der Altstadt
Skandal!
Ausgerechnet die Wildesten der Wilden: die US-Firma Coyote Ugly
zieht in den leeren Cikos ein. Man munkelt von spärlich bekleideten
Westerngirls, die auf dem Tresen tanzen
Auf den lauten
Protest hin hatte der Betreiber den Traditionsnamen Cikos
beibehalten. Es hieß nun „Cikos Ugly“, aber im Hintergrund,
aufgemalt an die Wand, heulte ein Koyote.
Heute (2009)ist
alles vorbei. Die Sittenwächter hatten jede Nacht Spione ausgesandt,
um die erste nackte Frau zu sichten. Der Amerikaner warf das
Handtuch hin. Heute können Sie dort sittlich einwandfrei indisch
essen
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9. |
Laterne
Laterne….
Die Düsseldorfer
kämpfen in diesen Tagen um ihre Laternen. Es gibt nur wenige Städte,
die so etwas haben
Der Anfang der
Gasbeleuchtung war, wie jeder Anfang, dramatisch
London hatte das
neue Licht seit 1820, Paris folgte 1835, jetzt musste Düsseldorf
ran, schließlich waren die Laternen Jan Wellems berühmt gewesen.
400 an der Zahl
waren es gewesen, 50 davon vergoldet um das Schloß herum. Der
Unternehmer Sebus besorgte 2jähriges sauberes Rüböl, das 7 Füller
und 11 Gehilfen verarbeiteten, 6 Nachtwächter versahen die
Stadttore.
Die Engländer
hatten ihre Laternen noch an die Häuser gehängt: Positionslichter,
die Berliner erfinden die Pfosten, der absolutistische Louis 14.
lässt alle 20 m helle Sonnen von Haus zu Haus über die Strasse
ziehen, so konnte er die Pariser Meute besser in Schach halten. In
der Revolution wird man deshalb auch als erstes die Laternen
abschaffen, sie wurden der ideale Galgen für den feudalen Feind, „a
la lanterne!“ hieß der grausame Ruf
Nach Jan Wellems
Tod wurde es erst einmal duster in Ddorf.
Dann kam das
Gas, griechisch: chaos, und chaotisch war es zunächst auch.
„Die Bogenlampen
sind 10mal heller als zuvor, unsere Enkel werden erblinden“, rief
entsetzt Ludwig Börne. Lichtschutz musste her: Lampen, Gardinen:
der feine Mousselinstoff begeisterte dann auch die Frauen mit viel
zu dünnen Kleidern: Erkältungswellen waren die Folge.
In Frankreich
verschoben sich die Essenszeiten. Aus Frühstück wird Mittagessen (dejeuner),
die Arbeiter blieben noch bei der alten Zeit vor der Dämmerung
12.00Uhr, die Handwerker aßen um drei, die Unternehmer um 5, die
Minister um 7, und die ganz Vornehmen erfanden ein neues Essen: das
diner um Mitternacht
Zum ersten Mal
wurde das traute Heim um Feuer und Herd bedroht durch
ferngesteuertes Licht aus riesigen Gasanstalten
So gab es Gas am
Anfang nur in Fabrikhallen, Korridoren, vielleicht noch in Küchen,
das heilige Wohnzimmer blieb dem vertrauten Kerzenlicht vorbehalten
In Ddorf fuhr
der erste Gashersteller Middendorf aus der Breite Strasse mit einem
Möbelwagen herum, um das in Schweinsblasen abgepackte neue Zeug zu
verkaufen, es stank zum Himmel, man vertrieb ihn aus der Altstadt,
Kinder lärmten hinter ihm her „Middendorf Schiddendorf“.
Sinzig, der
zweite Gashersteller aus der Klosterstrasse verbrannte Öle, Häute,
Fette, es war entsetzlich, nur den Franziskanern und den
zweitrangigen Realschülern war diese Strasse zuzumuten. Lehrer
Zech benutzte nur die Mitte des Fahrdamms, weil er sich in dieser
ohnehin verpesteten Strasse nicht auch noch dem Mief der lüftenden
Hausfrauen aussetzen wollte.
Berühmt wurde
der immer betrunkene Latänepitsch von der „Sööße Eck“ in der
Ritterstrasse. Kinder nahmen ihm die Anpitschstange weg und
besorgten dann sein Geschäft, allerdings auf ihre Weise: sie
zwängten in die Glaskästen junge Hunde und Katzen, so dass das
nächtliche Geheul eine Art Weltuntergang verkündete.
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10. |
Der Alte
Friedhof und die Wehrhahnlinie
Mit großer
Behutsamkeit berührte die Wehrhahnlinie 2009 an der Ecke Graben/Kasernenstrase
den ersten jüdischen Friedhof Düsseldorfs. Die Vorfahren Heines
lagen hier. Bei der Einrichtung der Mittelstrasse als Zugang zur
neuen Karlstadt hatte man schon 1787 den Friedhof schließen müssen,
auch die Kapuzinerkirche an der Flingerstr/Mittelstr. wurde
abgebrochen Die Synagoge entsteht dann 1792 auf dem alten
Friedhofsgelände an der heutigen Grabenstrasse.
Die Juden
mussten schon zur Jan Wellem Zeit ihre Toten ausserhalb der Stadt
begraben. Jan Wellem hatte den jüdischen Friedhof 1702 nördlich
seiner Kaserne und seines Hospitals eingerichtet. Das Militär war,
ähnlich wie die Juden, auf einem katholischen Friedhof unerwünscht.
Es hatte einen eigenen Friedhof südlich der Kaserne auf der heutigen
Wasserstrasse.
Der jüdische
Friedhof lag an der heutigen Kasernenstrasse, etwa zwischen Graben-
und Benratherstr ausserhalb der alten Stadtmauer, die ja zur Jan
Wellem Zeit noch an der Wallstrasse lag. Über das heute noch so
genannte „Stadtbrückchen“(Verlängerung der Neustrasse über Pavillion
durch das Marxhaus hindurch), das über den von der Düssel gespeisten
20m breiten Stadtgraben führte, gelangte man zum Friedhof und zu den
Kasernen.
Der Friedhof
kommt 1787 nach Pempelfort am „Bongard“ an der Düssel, wo später
das erste katholische Krankenhaus(Marien) entstehen wird, 1887 dann
zur Ulmenstrasse, wo er heute noch liegt.
Karl Theodor
hatte 1766 auch für Katholiken alle innerstädtischen Friedhöfe, also
auch den an der Lambertuskirche, schließen lassen
Der erste neue
katholische Friedhof ausserhalb der Stadt kommt 1766 an die heutige
Kö, südlich der Steinstr(im heutigen Kögalleriegelände). Wahrzeichen
wurde ein Hochkreuz, das von Jan Wellems Galgengelände des heutigen
Spichernplatzes kam(Ulmer Höh). Später kaufte das Friedhofsgelände
ein reicher Bürger, der Oberbürgermeister wurde und aus dem Friedhof
einen Garten der Lust machte „Schnabels Lustgarten“: Eingang etwa an
der Stephanienstrasse.
Nach der
Schleifung der Stadtmauer 1801 wurden alle nahen Friedhöfe in die
Vororte verlegt. Der Köfriedhof schließt und der neue Hauptfriedhof
, jetzt auch für Protestanten(Nordteil), ist der 1804 eröffnete
Golzheimer Friedhof.
Die Protestanten
mussten vorher auf den schon 1565 angelegten Pestfriedhof an der
Nordstrasse, Ecke Kaiserswrthersr. Am McDonaldhaus( jetzt Starbuck)
liest man immer noch „Kapellchen“. Es war die Leichenhalle und
Kapelle des „Friedhofs am Kapellchen“
Ebenfalls
verschwunden ist der Derendorfer Friedhof, der neben der alten
Dreifaltigkeitskirche lag, also zwischen Jordan- und Jülicherstr
(heute Vinzenzkrankenhaus). Die Mauer an der Jülicherst ist zum Teil
noch die alte Friedhofsmauer.
Ich liebe
Amerika, aber die Kaffeetrinker von „Woyton“ und „Starbuck“ an der
Mittelstrasse sitzen auf tausend toten Gebeinen
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11. |
Schlösser kehrt
heim
Die Brauerei
Schlösser kehrt nach 40ig jährigem Exil am 19. Juni 2009 in ihre
Urstrasse Ratinger-Altestadt zurück. Und jetzt wird gefeiert 8 Tage
und Nächte lang
Nach vielen
Scharmützeln mit der Dortmunder Brau und Brunnen, dann Radeberger,
alles unter der Oberleitung des Oetker Konzerns, nach älteren
Turbulenzen mit der Dietrich Brauerei, mit Schwabenbräu und
Hirschbrauerei und Fremdgehen in den Stadtteil Pempelfort/ Derendorf
prangt der alte Name Schlösser jetzt an erster Stelle an dem
palastartigen Riesenbau in der Ratinger Strasse.
Das Haus hatte
im Vorfeld der Bauzeit verschiedene Namen: Bürgerforum, Henkelsaal,
IDR Bau, Jonges Haus. Das ist es ja auch alles, aber der Name
Schlösser hat sich an die erste Stelle gesetzt. Und weil wir alle
französisch sprechen ( siehe quartier central, quartier Andre) nennt
sich Schlösser nun Quartier Boheme
Das hat
allerdings eine amüsante Vorgeschichte. 1932 kaufte Schlösser, der
schon seit 1873 in der „Altestadt“ saß, die „Altestadt 1“, seit
1842 bekannt als das Weinhaus „Rosenkränzchen“. Im „Rosenkränzchen“
traf sich die Düsseldorfer Welt der Jahrhundertwende: Detlev
Liliencron, Herbert Eulenberg, Hans Heinz Ewers, Kurt Kamlah, vor
allem Herrmann Harry Schmitz: „Ich träume, ich liege in einer
Hängematte, die tätowierte Angora aus der Hundsrückstr über mir und
wir schaukeln in den Himmel hinein“.
1933, und jetzt
kommts, heißt das Haus „Boheme“. Aus der frommen
Rosenkranzbruderschaft des 15. Jh wird das frivole „Boheme“, wo
„grell geschminkte Damen Zigaretten rauchten und bei atonaler
Jazzmusik das Tanzbein schwangen“. Im Sudhaus nebenan gründeten 36
Heimatfreunde die „Jonges“
1712 hatten die
Brauer ein eigenes Zunftrecht erhalten. Sie waren vorher mit den
Bäckern zusammen, weil beide sich mit der unkontrollierbaren Hefe
rumschlagen mussten. Auch Schlössers Vorfahren sind alle Bäcker
gewesen. 1873 schließlich gründet Josef Schlösser eine Brauerei in
der „Altestadt“. Beim alten Obergärigen sind sie geblieben, auch als
„Dietrich“ als erster mit der von Linde erfundenen Kühlmaschine
sein modisches Untergäriges präsentierte.
Zwischen „Ohme
Jupp“ und „Hinter der Mauer“ gab es bis 1945 12 Häuser:
Nr 19-41. Die
Zahlen 25-41 nimmt jetzt das stolze Schlösserhaus ein. Von den
alten 8 Häusern mit Namen wie „Grunewald“, „Blaues Schaaf“,
„Traube“, „Rotes Laken“ waren die Eckhäuser 27 und 41 von besonderer
Art. 41 hieß „Landskron“ und gehörte der Adelsfamilie Landskron,
die die Fischerei der Düssel besaß und daher den Namen
„Landskronweiher“ schuf. 27 war das „Abenteuerhaus“, weil von hier
aus auf Napoleon ein Attentat verübt worden war. Später wurde es die
„Retematäng“. Retematäng steht für die gesamte Ratingerstrasse, bei
vielen für ganz Düsseldorf.
Der Ursprung des
Namens ist so abenteuerlich wie das Haus.
Ein Zahnarzt
habe hier gewohnt und ein Patient habe geschrien: „Rette min Zäng,
Rette min Zäng!“
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12. |
Das „Mädchen
Rosemarie“ wohnte am „Bolker Stern“.
Neben der Treppe
am Schlossturm gehört der Bolker Stern zu den neuralgischen Orten
Ddorfs, an denen sich Bürgerunmut kundtut
Ein schöner Name
für ein hässlich Ding. Die Polizei prägte diesen Begriff. Sechs
Strassen münden hier, Billigbuden säumen ihn, sodass er immer
überfüllt scheint. Zu allem Überfluß durchfurchen ihn mehrere
Strassenbahnen.
Merkwürdig war
er schon immer, dieser Platz.
Rosemarie
Nitribitt wohnte an der Ecke Hunsrückenstrasse
Die
Bolkerstrasse endete früher an der Hunsrückenstrasse, die hier
durchgehend Richtung Kasernenstrasse verlief. Parallel zu ihr
verlief nördlich ebenfalls durchgehend die Neustrasse.
Im 17. JH hatten
die Ddorfer beim heutigen Mc Donald ein neues kleines Tor in die
Stadtmauer geschnitten, die im Zuge der Heineallee stand. Die
Durchfahrt vom Tor in die Altstadt stieß natürlich auf zwei
Hindernisse: die Neu- dann die Hunsrückenstrasse. Eine enge
„Kommunikationsgasse“ führte schließlich bis zur Bolkerstrasse. Als
sich hier ein Unfall ereignete, musste der protokollierende
Schutzmann passen. Er konnte das Wort Kommunikation nicht schreiben.
Die Bürger der
Bolkerstrasse ärgerten sich: Als 1801 die Stadtmauer gefallen war,
konnten sie wegen der engen Gasse immer noch nicht raus auf den
breiten Boulevard, die heutige Heineallee.
Es dauerte 136
Jahre (1936) bis das letzte Haus beseitigt war ( also nicht durch
den Krieg) und der große Platz vor der Bolkerstrasse entstand: der
heutige „Bolker Stern“
Im Haus
Hunsrücken 22 (heute Imbissbude) stand bis vor kurzem an der
Schelle:Nitribitt. Das „Mädchen Rosemarie“ verbrachte hier ihre
Jugend
In Frankfurt
wird die berühmteste Hure Deutschlands 1953 ermordet.
Sie ist auf dem
Nordfriedhof begraben. Vor einem Jahr kam schließlich auch der Kopf
ins Düsseldorfer Grab.
Das Haus 22 hieß
früher „zum roten Hut“. Bei den Begrüßungsfeiern für Carl Theodor
1749 waren an den meisten Häusern quer über die Strasse große
Tranparente angebracht. An Rosemaries Haus stand: „Ihr Wolken taut
herab,
Ihr Himmel
regnet Erben, so sei es dann, dass nie, dass nie der Stamm mög
sterben“.
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13. |
Freizeitpark
Elbsee das letzte wilde Badeparadies
Unterbach war
out, Elbsee war in, damals in den 50iger Jahren. Wir liebten das
Baggerloch am Ende der Düsseldorfer Welt. Es war das letzte
Paradies. Braun wie die Afrikaner kamen wir nach einem langen Tag
zurück und müde, aber wir waren glücklich, wir hatten gekämpft gegen
Inselpiraten, wir fürchteten uns vor Schlangen und Echsen, wir
waren alle Tom Sawyer und Huckleberry Finn.
Jetzt wird es
zum schicken Freizeitzentrum umgebaut, raffinierter als der
Unterbacher See. Boote wird es geben und Taucher, Surfer und
Nudisten.
Elb- und
Unterbacher See waren Naturseen, nachgeholfen, gewiß, mit Baggern,
Aber sie entstanden von selbst, nicht einmal ein Fluß hatte sie
geschaffen: der Elbbach, den man später in Eselsbach umtaufen wird,
floss an ihnen vorbei.
Die Seen
gehörten zu den Naturwundern der Rheinlandschaft. An der unteren
Terrassenkante trat das Grundwasser zu Tage. Es folgte nicht dem
Joch der Terrassen, die der Rhein recheckig geschaffen hatte. Der
Grundwasserstrom floss im runden Bogen von den Höhen des
Schiefergebirges hinunter zum Rhein. An den Innenkanten der geraden
Terrassen musste er heraustreten, gleichsam den eleganten Bogen des
Wassers wiederherstellend. Wo es nicht zum großen See reichte,
entstanden Sumpf- und Bruchgebiete: des Menschen Feind, aber für
uns Kinder das Paradies
Diese Ostgebiete
von Düsseldorf sind spät, wenn überhaupt, besiedelt worden. Sie
bilden bis heute den „Wilden Osten“ der Stadt. Tiefen-, Lichten-
Mörsenbroich, Vennhausen, Lierenfeld, Eller. Einige Wasserburgen
beherrschten das Land.
Später siedelte
man die Arbeiter hier an. Dann kamen die Ausgestossenen, die Sinti,
die Roma, die Abenteurer, die Künstler eines Stückchens Erde, das
sie „Freiheit“ nannten. Im Zigeunerlokal „Carmen“ „tanzten weisse
Mäuse auf den Tischen“ und „die Weiber liefen halbnackt herum“.
„Geboren am
Ufer des Flusses, auf dessen Hängen die Torheit wächst“, so hat es
Heine gesagt. Schöner kann man es nicht sagen.
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14. |
Ein Schiff wird
kommen
Vom Schiffsfund
in Kaiserswerth
Ein
sensationeller Schiffsfund aus dem 18. Jh. im Sumpfufer von
Kaiserswerth!
Hoffentlich
zerbröselt er nicht, wie die Stadtmauer vor zwei Jahren hinter dem
Museum am Grabbeplatz.
Köln war die
Grenze zwischen „Oberländer“- und „Niederländer“- Schiffen, beide
Flachbodenschiffe, wobei der „Niederländer“ bauchiger und größer
war, oft mit Seitenschwertern. Wichtig für beide Schiffstypen: der
Treidelmast, an dem die Leine hing, die zum Leinpfad führte, auf dem
5-8 Pferde die Schiffe Strom aufwärts zogen.
In Kaiserswerth
hatte man, wenn man von Duisburg kam, gerade ein Hindernis
bezwungen: den breiten Angerbach hinter Wittlar, über den die Pferde
mit einer Fähre übergesetzt werden mußten. Man ruhte sich im heute
noch bestehenden Haus Werth aus, dann kam schon das nächste
Hindernis und die dazugehörende Rast: südlich der Pfalz lag der
„Bär“, eine Kribbe, die als Eis- und Strombrecher vor der Burg
geplant worden war. Die Pferde wurden am Marktplatz ausgespannt
und durch die Stadt über die Strasse Suidbert zum heutigen
„Fährhaus“ gebracht, was den Kaiserswerthern eine Stange Geld: das
„Pflastergeld“ einbrachte. Die Schiffe selbst mussten mit langen
Leinen um den Bär herum gezogen werden. Die Spuren an der Stadtmauer
sieht man heute noch. Ausserdem wurde gegessen, getrunken, der
Bart gestutzt: eine feine Sache, die unter großem Wehklagen mit dem
Aufkommen der Dampfschiffe um 1840 zu Ende ging. Kaiserswerth wurde
arm.
Eins dieser
Frachtschiffe aus der Warteschleife nördlich von Kaiserswerth ist
nun ausgegraben worden
Nach der
katastrophalen Zerstörung von Kaiserswerth 1702 (Spanischer
Erbfolgekrieg) waren nur noch sechs Häuser stehen geblieben, u.a.
das wuchtige Zollhaus
Als eines der
ersten neu erbauten Häuser „im goldenen Boden“, d.h. dem
westlichsten Teil des Marktplatzes neben der Anlegestelle, wurde
1733 das „Schiffchen“ gebaut, für Schiffer, Zöllner, Treidelknechte
und Kaufleute: ein beliebter Ort. Später kommen die Krefelder
Seidenweber und die Ddorfer Maler dazu.
Selbst nach dem
Einbruch der Kaiserswerther Blüte durch die Dampfschiffahrt ging es
hier lustig weiter.
Um 1910 fuhr
Käpten Segermann das erste knallrote Automobil und zwei
Personendampfer zwischen Ddorf und Kwerth. Die Schiffe legten erst
ab, wenn im „Schiffchen“ die Glocke geläutet worden war und alle
bezahlt hatten
Heute zahlen die
Gäste ein bisschen mehr und nehmen nicht mehr das Dampfschiff, dafür
aber Düsseldorfs einzigen Dreisternekoch Claude Bourgueil
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15. |
Vom
Tausendfüßler zum Köbogen
Als Friedrich
Tamms 1958 seine 500 m lange „Hochstrasse“ vorstellte und Ende 1960
beim Beginn des Baus der Südzipfel der Landskrone zugeschüttet
werden sollte, zogen am 15 Januar 1961 10 000 Menschen auf die
Strasse: wütender Protest der „Vaterstädtischen
Arbeitsgemeinschaft“. Jetzt wird er abgerissen ,aber nun wollen
ihn viele wieder erhalten: den TAUSENDFÜßLER, der, wie in Tokio
durch Häuserschluchten an Bürofenstern vorbeirast, fast in eine alte
Kirche hinein, ein bisschen Achterbahn a la Kirmes in Oberkassel
Er ist nur aus
seiner Zeit heraus zu verstehen
Ddorf hatte 1955
650 000Ew , 150 000 mehr als vor dem Krieg 1939, die Höchstmarke 720
000 wird 1962 erreicht, man marschierte auf die Millionengrenze.
Die Menschen
stiegen aufs Auto um. Ampeln ersetzten Verkehrspolizisten. Die
Rheinbahn reduzierte ihre Linien (5 oder 17). Brücken ersetzten alte
Gierponten ( z. B. von Grimmlinghausen- Volmerswerth). Strassen
wurden verbreitert oder entstanden neu: die Fischerstrasse, die
Immermannstr, die Jacobistr, die Steinstr, die Karlstr, am
gewaltigsten aber die Trasse parallel zur Kö: im Süden: Mecum-,
Corneliusstr. und nördlich ein ganz neuer Name „Berliner Allee“ mit
Willi Brandt 1960 als Taufpate. Fünf Strassen verschwanden (Eck-,
Viktoria-, Logen-, Hofgartenstrasse, Alexanderplatz), Häuserblocks
wurden abgerissen, die größte Platzanlage „Königsplatz“ zerstört,
vorhandene Strassen bekamen neue Richtungen(Stein-,, Grünstrasse),
die Johanneskirche sollte verschwinden.
Durch die
Gartengrundstücke der Stein-, Kreuz-, Marien-, Alexanderstr zog man
geschickt die riesige neue Trasse, so dass nicht alle alten
Leitungen zerstört werden mussten
Mitten im
autogerechten Jubel kamen aber schon die ersten Zweifel.
Alexander
Mitscherlich schrieb sein Buch über die „Unwirtlichkeit der
Städte“, Städteplaner, wie Bahrdt, forderten die Zähmung des Autos
zugunsten des öffentlichen Verkehrs. „Steinerne Plätze“ in der Mitte
sollten wieder zu einer Art mediterraner Kommunikation zurückführen.
Tamms dachte an
den genialen Kompromiss: 2 Zentren für Bahn und Bus(HBF und Jan
Wellem Platz), verbunden durch eine gigantische Immermannstrasse,
den steinernen Platz (Gründgens) in der Mitte.
Dann aber
,statt der Ringautostrecke um die City herum, die viele Planer
wollten, eine breite Autoachse Nord-Süd: den „Tausendfüßler“ plus
Berliner Allee.
Das Leben ist
unvorhersehbar und immer anders als geplant:
Der Steinerne
Gründgensplatz ist eine Kathastrophe, der Jan Wellem Platz nicht
minder, die Immermannstrase wurde Klein Tokio, die Berliner Allee
zerschneidet die City und ist selber tot.
Das Viertel, das
von Tausenfüßler und Köbogen betroffen ist, war Anfang des 19. Jh
das Herz von Düsseldorf. Die Preussenzeit machte daraus zwischen Kö
und Oststrasse ihre „Königssstadt“ wie in Berlin mit einem alles
beherrschenden „Königsplatz“, in den 6 Strassen mündeten: König-,
Blumen-, Eck-, Marien-, Pfarrscheid-,(Bismarck), Josephinenstrasse.
In der Mitte des Platzes stand später die größte protestantische
Kirche Deutschlands (Johannes). Vom Königsplatz kam man über die
Blumenstr zum kleinen Schadowplatz, eine Grünanlage, die aus dem
hier früher liegenden Kälbermarkt entstanden war. Weiter nördlich
schloß sich das vornehmste Viertel überhaupt an: über Logen-,
Viktoria-, Goltsteinstrasse zum Urhofgarten und seiner nobelsten
Strasse: der Hofgartenstrasse, die am Wasserbogen zwischen
Mühlenweiher (Landskrone) und Kögraben lag: unser künftiger „Köbogen“
In dieser
Königstadt lebte und traf sich „Tout Düsseldorf“: der Adel, die
Offiziere, die Maler, die Musiker, die Literaten. Treffpunkte waren
das Friedrichsbad, die Loge, die Gartenlokale von Geissler und
Hansen, die Salons der Schadow und Sybel
Die brutale
Gasse der Berliner Allee zerstörte, durch den Krieg unterstützt, das
filigrane Geflecht dieser Königsstadt
Zwischen
Altstadtmauer und Eisenbahn, dh zwischen 1800 und 1850, liegt in
Deutschland fast immer das diffizile Viertel, das man City nennt
Seit den
Planungen eines Vagedes haben die Düsseldorfer es nie in den Griff
bekommen, so ist es auch jetzt
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16. |
Das Parkhaus
Ratingerstrasse soll weg
Der
„Schandfleck“ Eingang Ratinger Strasse gleich hinter dem vornehmen
Entree der Ratinger Tore soll weg. Aber der Investor, der in den
Neubau ziehen soll, zögert noch. Vielleicht eine Galgenfrist für die
grelle „Sankt Pauli“ Kneipe; das bescheidene „Soul Center“ hatte
schon vorher das Handtuch geworfen.
Das Parkhaus hat
eine kuriose Vorgeschichte
Weil die alte
Stadtmauer (Mühlengässchen-Hinter der Mauer) schräg, die neue,
jetzige Heineallee dagegen kerzengerade von Süd nach Nord verlief,
wurden die Grundstücke zwischen Allee und Mauer nach Norden zu immer
größer. Auf so einem riesigen Grundstück( das heutige Parkhaus)saß
seit 1860 Kommerzienrat Scheidt. Er hatte in Amerika ein Vermögen
gemacht und erbaute hier seine pompöse „Villa New York“.
Bald jedoch
wurde es unheimlich um dieses Haus. Scheidt besaß exotische Tiere
und wie selbstverständlich in damaliger Zeit schwarze Boys als
Dienstboten.
Die braven
Hausfrauen der Ratinger Strasse gingen erschauernd am durch Bäume
und Gebüsch getarnten Anwesen vorbei. Schwarze Messen, so hieß es,
würden hier zelebriert. Entblößte Frauenleiber, schwarze Boys den
schwarzen Panthern zum Fraß geopfert. Schauerlich!
Scheidt hatte
tatsächlich viel mit Tieren zu tun. Er stiftete um die
Jahrhundertwende dem kränkelnden Zoo eine halbe Million, damit er
„auf ewig“ erhalten bliebe.
Später wird Lore
Lorenz sagen: „ein Düsseldorfer ist jemand, der seinen Zoo
wiederhaben will“. Das ist allerdings zu bezweifeln. Mit stinkenden
Giraffen haben die vornehmen Einwohner des Zooviertels nichts am
Hut.
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17. |
FELIX in
DÜSSELDORF
Die Welt feiert
in diesen Tagen Felix Mendelsohn Bartholdy das „Wunderkind“, den
zweiten Mozart. 200 Jahre Geburtstag
In Ddorf war er
vor Schumann der erste Star, der von 1833-35 die „Rheinischen
Musikfeste“, die 1818 in Düsseldorf zum 1. Mal stattgefunden hatten,
zur Wallfahrtsstätte a la Bayreuth machte. So wohnte er denn auch
beim anderen Düsseldorfer Star seiner Zeit, dem 46jährigen
Akademiedirektor Wilhelm von Schadow in der heutigen Schadowstr 30
(jetzt FotoKoch)
Biedermeier in
Düsseldorf: „eine Zeit des seligsten Rausches“(Uechtritz) „ein
zweites medicäisches Zeitalter“(Stöcker).
Die Realität sah
etwas anders aus. Die „Tonhalle“ von damals: das Ausflugslokal eines
Konditors, eine Bretterbude; das Theater am Markt: „ein
nichtswürdiges Gebäude“, in dem Zuschauer schon mal durch die
morschen Balken durchbrachen. Mendelsohn: “Man ist hier von fatalen
Exemplaren umgeben, Predigern, die jede Freude bei sich und anderen
versalzen, trockene prosaische Hofmeister, die ein Konzert für
Sünde, einen Spaziergang für verderblich, ein Theater für den
Schwefelpfuhl und den Frühling mit Baumblüten und schönem Wetter für
ein Moderloch ausgeben“.
Bei solch
prosaischer Beschreibung der Stadt haben die Stadtväter sein Denkmal
vor der Oper schnell eingeschmolzen. Es war schlimmer: er war Jude
und es war Nazizeit. Aber auch seine Strasse in Flingern, die
Mendelsohnstrasse, ist ganz ganz klein.
Der 24- jährige
Musikdirektor, ein Weltstar, und der 38 jährige TheaterIntendant
Immermann, der über ihn bestimmen wollte, das ging nicht gut.
Felix, der Glückliche, war unglücklich in Düsseldorf, und so hat er
diese Stadt nach nur 2 Jahren verlassen.
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18. |
Der Vorgänger
des Affenschiffs
Die Monkey
Gemeinde trauert. Seit drei Jahren nun schon ist das kultige Monkey
Island geschlossen. Seitdem gibt es verzweifelte Versuche, etwas zu
retten, was es nicht mehr gibt oder zumindest Erinnerungen daran. Da
sind die Monkey Restaurants im „Gap“, da ist ein neuer Sandkasten in
der „Cantinery“ auf der Weizenmühlensstrasse, da ist der Club in der
Steinstrasse. Der große Coup aber sollte werden: das Affenschiff:
ein schwimmendes neues „Monkey Island“.
Das ist nun so
gut wie vorbei. Ein Paar Erinnerungen:
Genau an der
Stelle neben der Schnellenburg, wo das Monkey Island Schiff starten
sollte, lagen 1870 zwei riesige Schiffe.
Die Fracht war
allerdings ganz anderer Art.
Die
Abfallbeseitigung war noch in den Anfängen. Der Lukenteerer ging
durch die Altstadtstrassen, um die Kellerluken, die an jedem Haus
waren, gegen zwei Mißstände zu schützen: das fast alljährliche
Hochwasser und die Geruchsbelästigung, die von den Jauchebehältern
im Keller ausging.
Der
Latrinenreiniger holte einmal im Monat mit einem Pferdefuhrwerk die
Jauche ab.
Früher ließ man
das meiste einfach über die Mittelrinne der Strasse ablaufen.
Jan Wellem
beschwerte sich in seiner „Polizeiordnung“ aus dem Jahre 1710.
Artikel 5:
„Ferkelställe und heimliche Gemächer sollen versteckt sein, damit
der Nachbar nit verstänke“. Artikel 19: „es ist aufs schärfste
verbotten, Nachtgeschirr und andere Unsauberkeiten, als wodurch
Vorbeygehender an seiner Kleidung beschädigt und beschimpft wird,
aus den Fenstern auf die Gasse zu schütten. Und damit es nicht auf
die unvermögenden Dienstboten geschoben werde, soll die Herrschaft
selbst, bei der die Magd dient, dafür angesehen werden, sich selber
beizumessen, dass sie solch liderliches Gesindel in ihren Dienst
genommen“. Und noch einmal Artikel 24: „es ist verbotten, Kot aus
den Fenstern zu werfen, wo derselbe leicht durch passierendes
Gefährt oder sonstige Ombstände auseinander getreten wird und damit
die Gasse in die größte Unsauberung versetzet wird.“
Die gesamte
Jauche landete schließlich in zwei riesigen Schiffen neben der
Schnellenburg, die man sinnigerweise „Parfümerie I“ und
„Parfümerie II „ nannte.
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19. |
Copa Cabana am
Stresemannplatz
Es
war einmal eine sehr schöne Strasse, die Visitenkarte von
Düsseldorf, das billet déntree in die Stadt: die Rede ist von der
Graf Adolf Strasse, die 1890 eröffnet wurde. Sie führte vom neuen
Hauptbahnhof zur Königsallee: eine Zierde der aufstrebenden
Industriestadt, die verrücktesten Cafes, die aufwendigsten
Restaurants, die aufregendsten Nachtclubs, die Strasse der neun
Kinomatographen, aber auch die Strasse der modernsten Geschäfte, die
stolz die Produkte der Stadt (z. B. Werkzeugmaschinen) ausstellten.
Das ist nun
alles Geschichte. Peep shows, Beate Uhse, Billigketten, lärmender
Verkehr. Sechs Strassen münden in den Stresemannplatz, unter anderen
die Ackerstr. vom alten Flingern her ,jetzt Karlstr genannt: alle
schrecklich, am schrecklichsten die Strasse, die den Namen des
frömmsten aller Düsseldorfer Maler trägt: Mintropstrasse. Mintrop
malte immer Heilige und Madonnen. Unheilig geht es in seiner Strasse
zu. Der Babystrich ist nicht weit
Nun versucht
man, die Zeit zurückzudrehen. Ein Anfang war schon gemacht worden:
neue Verkehrsführung, neue Fahradwege, neue Haltestellen. Dann
folgte der große Coup: Copa cabana am Stresemannplatz, latin
feeling, 67 Yuccapalmen, nachts in goldenes Licht getaucht.
Geben wir dem
Platz eine Chance! 1860 hieß es hier: „am Tunnel“. Die Eisenbahn
fuhr auf der jetzigen Graf Adolf Strasse auf vier Gleisen nach
Wuppertal oder nach Berlin. Der Bahnhof lag am Graf Adolf Platz. Der
Tunnel unter den Gleisen führte von der Bahn- zur Ellerstrasse.
Unten: hastende Arbeiter auf dem Weg zur Maloche in Oberbilk, oben:
fauchende Lokomotiven. Nebenan: rauchende Schlote von acht großen
Fabriken zwischen Oststrasse und jetzigem Stresemannplatzplatz. Es
kann nur besser werden.
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20. |
KÖBOGEN – Dilemma seit 200 Jahren
Die Königsallee
soll an den Hofgarten geführt werden, damit das hässliche
Durcheinander von Schnellstrasse (Elberfelder), Wüstenei und
Strassenbahnen ein Ende hat. Die Kö endet heute abrupt in diesem
Chaos.
Als ein Stück
vom heiligen Hofgarten wegen der Hochstrasse 1961 vom Städteplaner
Friedrich Tamms angekratzt wurde, gingen die Bürger auf die Strasse.
Jetzt gehen sie wieder auf die Strasse. Der berühmte Architekt
Libeskind besänftigt vielleicht die Gemüter. Der berühmte Architekt
Adolf von Vagedes scheiterte 1830, als er die Königsallee an den
Ostteil der Stadt anbinden wollte: auch er wollte den Hofgarten
verändern. Beim Hofgarten verstehen die Düsseldorfer keinen Spaß.
Die Sache war
von Anfang an falsch gelaufen: 1645 schließen die Bürger ihr altes
Flinger Tor, um nach neusten Regeln der Festungstechnik das neue
Flinger Tor in die Mitte der Kurtine (Stadtmauer)zwischen Mühlen-
und Flinger Bastion zu setzen( eine Bastion war das Kernstück der
Stadtmauer, die Mühlenbastion lag auf dem heutigen Grabbeplatz, die
Flinger Bastion dort, wo heute das Marxhaus steht). Zum
Missvergnügen der Düsseldorfer führte dieses neue Flinger Tor aber
nicht, wie gewollt, in die Bolkerstrasse, sondern 30 m. weiter
nördlich beim jetzigen Mc Donald gegen die Wand der Neustrasse. Es
brauchte fast 300 Jahre, genau bis 1932 (aus dem Torweg war ein
ganzer Platz geworden: der heutige „Bolker Stern“), um das zu
korrigieren. Damit nicht genug: hinzu kam, dass die Bolkerstrasse,
anders, als es die alte Flingerstrasse getan hatte, nicht zur Stadt
hinausführte, sondern auf einen “Kälbermarkt“. Heute ist es ein
Strassenbahndepot mit Namen Jan Wellem Platz und dahinter liegt der
noch schrecklichere Gründgensplatz.
Die Schließung
des alten und der Bau des neuen Tores nur 100 m weiter nördlich,
also zwei Tore in unmittelbarer Nachbarschaft nebeneinander führten
also zum heutigen Dilemma des Jan Wellem Platzes.
Aus dem neuen
Tor führte 1803 die später so genannte Elberfelderstrasse dann
Kaiserstrasse heraus mit einem Bogen um den Landskronenweiher herum
.Den Bogen
nannte man Hofgartenstrasse. Er wird künftig „Köbogen“ heißen
Landskronenweiher und Kö-Stadtgraben waren verbunden. Zwei Brücken
führten hinüber: Elberfelderstr und Benratherstr.
An der
Hofgartenstrasse entwickelten sich vornehme Häuser in exquisiter
Lage direkt am Wasser, so z.B. das Sterbehaus Schadows. Der Adel saß
hier und dann zogen die Industriekapitäne und Banker, die auch gern
adelig sein wollten, in die verarmten Adelshäuser, z. B. der
Bankier Trinkaus, der das Haus des Hofmarschalls von Prietzelwitz
übernahm. Direkt daneben lag das ungewöhnliche „Friedrichbad“ mit
Dampf- und Heilbädern. Ein Weg dahinter führte zur noblen „Loge“.
Heute
protestiert das Steigenberger Hotel gegen die profane Adresse
„Corneliusplatz“, es wird „Königsallee 1a“ heißen. Und der Begriff „Köbogen“?
Das wird die tollste Adresse. Trinkaus ist allerdings schon
abgesprungen.
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21. |
Inselstrasse: das
Standesamt in altem Glanz.
Das Standesamt, das eine
Zeit lang in die Mühlenstrasse ausquartiert worden war, ist wunderbar
renoviert an den alten Ort zurückgekehrt.
Die Inselstrasse, in
bester Wohnlage am Hofgarten, hatte im 19. Jh. viele solcher Prachthäuser.
Neben dem heutigen Standesamt stand um 1850 die Villa Nuova , berühmt für
die rauschenden Ballnächte der Maler, die hier ihre Sommereinzugs- und
Winterauszugsfeste feierten.
Hinter der Inselstrasse
liegt die Scheibenstrasse. Sie war gefährlich: Das Militär hatte dort seine
Schießscheiben. Einige Bürger fürchteten um ihr Leben. Auf eine Klage des
Kommerzienrats Schmitz hin, der am Bein verletzt worden war, stellte die
Garnison einen Hauptmann ab, der hinter dem Schießwall die Kugeln zählen
musste, die hinüberflogen. Schließlich mussten wegen der vielen Prozesse die
Schießstände in den Aaper Wald verlegt werden.
Ganz früher führte die
Inselstrasse zur Golzheimer Insel, auf der hoch aufgerichtet der Galgen
stand. Alles in allem: eine gefährliche Gegend.
„Trau Dich“, heißt
heute einer der Hochzeitsslogans Ist Heiraten gefährlich? Wir halten es mit
dem Dichterwort: “Drum prüfe, was sich ewig bindet, ob sich das Herz zum
Herzen findet.“
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22 |
Leuchttürme auf der
„Ulmer Höh“
Da gehören sie auch hin,
weit sichtbar über ganz Derendorf. „Lighthouse“ heißt der schicke künftige
Büro-und Wohnkomplex auf dem ehemaligen Rheinmetallgelände an der
Ehrhardtstr
Allerdings waren die
Leuchttürme von Rheinmetall eher Leuchtfeuer von Geschützen und Kanonen.
Rheinmetall war nach Krupp die zweite Waffenschmiede Deutschlands mit
zuletzt 80 000 Beschäftigten. Im Krieg 70/71 hatte man den Feind noch mit
gewaltigen „Lichttürmen“ aus Bogengaslampen erschreckt. 1914 erfand Ehrhardt
immer effektivere Feuermaschinen, die Tod und Verderben brachten
Heinrich Ehrhardt, der
Erfinder nahtloser, nicht geschweißter Rohre, beliefert 1890 die ganze Welt
mit Feuerwaffen, auch Engländer und Amerikaner. So schoss 1914 Rheinmetall
auf Rheinmetall
Neben der Rheinmetall
liegt der Knast “Ulmer Höh“. Die Ulmer Höh war ein Hügel auf der Ulmenstr,
3-5m nur, auf den man 1702, weithin sichtbar, den Galgen gesetzt hatte. 1889
wird das Gefängnis von der Schulstr hierher verlegt. Nur dem Militär, das
liegt gleich um die Ecke(Tannenstr), und dem Todesfabrikant und den
Todgeweihten vom Knast war dieser Ort zuzumuten. Später sitzt hier noch die
Müllabfuhr. Bis heute wohnt man nicht gerne auf dem Spichernplatz.
Das alte Hauptgebäude
auf der Ulmer Höh hat an der Hauptfassade verschämt den ungeliebten Namen
„Rheinmetall“ gelöscht, nicht gelöscht ist die Waffenproduktion.
Deutschland ist der Welt drittgrößter Waffenexporteur.
Der Tod ist ein Meister
aus Deutschland. Er wirkte ganz nah bei uns, in Derendorf, auf der Ulmer
Höh.
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23 |
Warum
Tunnels in Bilk und Brücken in Derendorf?
Die
Eisenbahnbrücke Ackerstr wird renoviert, sie ist 120 Jahre alt. Man führte
die alte Ackerkoppelstrasse vom Worringer Platz auf einen künstlichen Berg,
danach wieder allmählich runter nach Flingern. Noch dramatischer musste die
Erkratherstr mit Kurve auf einen Berg gebracht werden (Langerstr), um die
Gleise zu überbrücken, sie beruhigt sich erst wieder bei der Albertstr. Erst
nach dieser Prozedur konnten diese „Bergstrassen“ ab 1900 bebaut werden.
Zur
Zeit des Umbaus der drei Privatbahnen zu der einen preussischen Staatsbahn
und seit der Gründung des jetzigen HBf, also um 1885 durch den Stadtplaner
Stübben, waren die „Planübergänge“, die Kollisionen von Strasse und Bahn, zu
einem Problem geworden. Stübben liebte diese Kollisionen, er konnte hier
Strassen bündeln und zu einem Stern machen, seine Lieblingsidee(Derendorf
hat 6 Stübbensterne).
Ddorf
HBF und Bilk haben Tunnels, der Norden und Osten dagegen Brücken. Warum
ist das so?
Die
erste Eisenbahn von 1838 brauchte weder Brücken noch Tunnel, sie fuhr
schnurstracks vom Graf Adolf Platz durch Flingern bis Gerresheim und nutzte
dann die einzige größere Öffnung im Gebirgskörper: das Düsseltal. Später
folgten Trassenbauer(die gab es seit der Kanalzeit vor der Eisenbahn) und
hier bei Erkrath der Seilbahntrick: die runterfahrende Lok zog die andere
hoch.
Die
zweite Bahn 1845 führt schon sehr früh (1860) zur ersten Strassenbrücke
Wehrhahn an dieser wichtigsten Oststrasse, der alten Reichstrasse 1
Die
erste Eisenbahnbrücke über den Rhein 1870 lag hoch auf einem Damm(vor den
Brücken hatten „Trajekte“ mit Hilfe von Fähre und zwei Lifttürmen die Züge
vom niederen Wasserspiegel auf die Ufer hochgehievt(z.B. Oberhausen). Auf
alten Hamm Bildern sieht man immer den hohen Bahndamm mit der kleinen
Puffbahn drauf. Der gesamte HBF wurde nun hochgesetzt auf das Niveau der
Hammer Eisenbahnbrücke. Bilk bekam jetzt mit dem Damm sieben
Tunnels(Hüttenstr, Oberbilker, Cornelius, Weber, Brunnen, Bach,
Volmerswerther).Der Hbf konnte nur mit Bahnsteigen betreten werden(bis
heute so).Wobei das Wort “einsteigen“ noch älter ist: die Waggons lagen aus
statischen Gründen hoch, man musste hochsteigen, eben „steigen“, daher auch
der Begriff „Perron“ vom italienischen petrone: einem Stein im Hof zum
Besteigen der Pferde. Besonders
Whisky
oder Killepitsch die neue Plockbrücke über die Völklingerstr
Schnitzler, der Uerige Baas, will eine Whiskyfabrik im Medienhafen quasi
dem Killepitsch gegenüber. Er braucht Platz an der Holzstrasse und will im
Tausch sein Grundstück abgeben, das der neuen Plockbrücke noch fehlt.
Das
Nadelöhr Plockstrasse, d.h. der Zugang zum Hafen durch heiliges Hamm Land,
war von Anfang an eins der Hauptprobleme gewesen. Karl Plock, der erste Mann
des Hafens, bekam als letzter seine Strasse, aber die Probleme waren nicht
gelöst.
Im
eleganten Bogen werden nun Plock- und Völklingerstrasse verbunden.
Die
Völklingerstrasse hat eine interessante Geschichte Es gibt sie erst seit
Gründung des Südfriedhofs 1904, dann mit breiter Platanenallee 1927 seit der
Anbindung an die Südbrücke.
Jan
Wellem hatte seine „Neustadt“ bis zum heutigen Stadttor(Hafen) geplant. Der
gekrümmte „Lahnweg“ mit den einfachen Reihenhäusern gibt bis heute genau die
südlichste Bastionsspitze wieder. An der Hauptstrasse, der Neusserstasse,
lag seit 1709 die erste Synagoge. Daraus wird 1773 das Hubertusstift, 1800
das erste Krankenhaus(all dies: Neusserstr 25, heute noch zu sehen).
Gegenüber plante Jan Wellem sein neues Schloss, es reichte nur für die große
Cavalleriekaserne der Husaren viel später 1820 (heute Polizeipräsidium).
Wo der
Knick in der Neusserstr ist (Tellstr), verließ man Jan Wellems Neustadt,
entweder links zur Loretokapelle (heute Bilker Dom) oder rechts über die
Dorfstrasse nach Hamm („Brückenstr“ seit der Hammer Eisenbahnbrücke 1870).
Auf dem Weg nach Hamm baute JW die Schneidemühle(heute Killepitsch), ein
Sägewerk, später einsame Verbrecherbude und Viehstall der Jesuiten, die für
die Loretokapelle verantwortlich waren und im Jesuitenhof saßen(heute Kneipe
„Frida“ gegenüber Bilker Dom). Sie hatten einen großen Düsselweiher(die
frühere Mühle) mit Forellenzucht(Weiherstrasse). Ihnen gehörte auch die
jetzt noch bestehende Jan Wellem Kapelle( 1668 zum Gedenken an JW Geburt an
der Fährstr gestiftet). Von hier aus ging man in 7 „Fußfällen“ zur
Lambertuskirche (3km: genau die Strecke, die Jesus vom Herodespalast bis
Golgatha ging). Zwei der sieben Stationen gibt es heute noch am
Kapellweg(neben dem Hochsicherheitsknast). Der Kapellweg verlief bis zur
Brückenstr, dann Neusser-Altstdt. Auf dem Weg nach Hamm kam beim UciKino
eine kleine Insel ( Carl Theodorinsel), dahinter die große Lauswardinsel,
erst hinter dem Inselgewirr konnten die Treidelschiffer vom linken
Heerdtufer auf die rechtsrheinische Hammseite rüber. Die beiden Inseln
werden 1836 verkauft. Freiherr von Diergard aus Haus Roland (Grafenberg)
eröffnet 1860 auf der Lausward in englischer Mode die Pferderennbahn.
Zurück
zur Neusserstr:
Die
Rückseite: Hubertusgasse, heute Moselstr, grenzte direkt an den Rhein. Der
Hafen 1896 ist also mit den ersten drei Becken(Fernsehturm) direkt in den
Rhein hinein gebaut worden, der hier enorm breit war. Buhnen und
Wellenbrecher in der gefährlichen Kurve besänftigten die Strömung. An der
Ecke Hubertusstr(später Gewerschaftshaus) gab es eine sittsame
„Zellenbadeanstalt“, in der Damen, zugeknöpft bis oben, unbeobachtet, ihre
nackten Füsse baden konnten. Zwischen Moselstr und Brückenstr lag „die wahre
Höhle des Jammers“: die Irrenanstalt von 1826, die vom Hubertusstift Neusser
25 hierhin verlegt wurde. Daraus wird sehr viel später das Studiengebäude
der VHS und heute das Stadttor
Die
Eisenbahn von 1870 zur Hammer Brücke verlief auf der Haroldstr bis zum
Rhein, dann ein Knick und kerzengerade auf die Brücke zu. Sie schafft
neben der alten Brückenstr eine neue „Uferstrasse“, heute Stromstr. Die „Kampfsche
Windmühle“, Ecke Fürstenwall/ Neusserstr, aus der mehrere Dampfmühlen
entstehen, initiiert plus Eisenbahn eine Reihe von Industrien, am größten
die Kammgarnspinnerei Bockmöhl ,Lippestr, hinter der heutigen „Curry“Kneipe,
mit 120 weiblichen Beschäftigten. Um sie wurde in der „Sööße Eck“ Ritterstr
heiß gekämpft.
Nun
aber die „VÖLKLINGER“, entschuldigen Sie den Umweg.
Sie
startet zunächst als Hafenzufahrt (Völklingen: berühmter Erzbinnenhafen),
dann Friedhofstr 1904 und schließlich 1927 als enorm verbreiterte
Platanenallee. Mehrer Strassen verschwanden: Emscherstr(Siegstr),
Holterweg(zwei Höfe stehen noch quer in der Flur), am Haselbusch( ein
verlassenes Geisterhaus steht noch).
Die
Völklinger entstand auf der Trasse des „Bilker Damms“, eines damals
berühmten Deiches
.Alle
Rheinschutzdeiche liegen im Süden, denn von hier kam die Gefahr. Der
Stoffeler Damm schloß nahtlos an den Aderdeich an (beide noch da). Das
Doppelpack Volmerswerther- und Fleherstr. zog sich auf einer Hügelkette hin
(Tetelberg, Schwarze Berge, Gantenberg), bot also einen natürlichen Schutz.
Das ungeschützte gefährdete Gebiet lag zwischen jetzigem Mr Wash und
Stadttor. Also schuf man hier 1850 den Bilker Damm.
Die
heutige Völklinger ist der alte Bilker Damm
Als
der Tunnel gebaut wurde, floß der Verkehr der B1, also der Rheinuferstr,
auf Stelzen am Landtag vorbei zur Völklingerstr. Wir gingen zur „Nana“
(heute „Curry“ unter den Stelzen über wüstes Land, Unkrautwiesen, hässlicher
nur noch durch das Mannesmann Parkhaus. Die Sprengung der Stelzenstrasse
1986 war eine kleine Sensation.
Als
alles zu Ende war, als der alte Hafen starb, wurde noch einmal richtig auf
die Pauke gehaun
Im
verlotterten Ziegelbau des Zollhofs gab es sexy Modeschauen, im Aquarium von
Maassen zitterten die Fische. Am schönsten war es in der Ruine der
Kammgarnspinnerei in der Lippestrasse. Ein französischer Zirkus „Der sieben
Sinne „ lud ein. Wir schlürften Sekt aus wunderschönen Bauchnabeln, wir
lauschten Posaunen und Trompeten, wir gingen ins Dunkel und wieder ins Licht
und wir tauchten blind unsere Hände in Fensterhöhlen, erschauernd, weil wir
nicht wussten, waren es kalte Frösche oder weibliche Brustspitzen, die wir
berührten. Römische Dekadenz.
den
Düsseldorfern entgegen, weil auf diese Weise das hässliche qualmende
Oberbilk hinter Deichen verschwunden war. Ddorf behielt den Charakter einer
gepflegten Gartenstadt.
Im
Norden, in Derendorf, lässt man die Bahn wieder runter, sie musste nicht auf
eine Rheinbrücke hoch. Jetzt müssen die Strassen als Brücken
rüberkrabbeln(heute „Dreibrückenstadt“)
„Bahndamm“ ist in Düsseldorf einschlägig belegt. Wenn der Zug, aus Köln
kommend, auf Gleis 18 landete, kippte er vorher fast um, zu sehr lockte
einseitig die Sünde. Seitdem gibt es Sichtblenden. Schade, ein bißchen Sünde
tat gut.
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Whisky
oder Killepitsch die neue Plockbrücke über die Völklingerstr
Schnitzler, der Uerige Baas, will
eine Whiskyfabrik im Medienhafen quasi dem Killepitsch gegenüber. Er braucht
Platz an der Holzstrasse und will im Tausch sein Grundstück abgeben, das der
neuen Plockbrücke noch fehlt.
Das Nadelöhr Plockstrasse, d.h. der
Zugang zum Hafen durch heiliges Hamm Land, war von Anfang an eins der
Hauptprobleme gewesen. Karl Plock, der erste Mann des Hafens, bekam als
letzter seine Strasse, aber die Probleme waren nicht gelöst.
Im eleganten Bogen werden nun Plock-
und Völklingerstrasse verbunden.
Die Völklingerstrasse hat eine
interessante Geschichte Es gibt sie erst seit Gründung des Südfriedhofs
1904, dann mit breiter Platanenallee 1927 seit der Anbindung an die
Südbrücke.
Jan Wellem hatte seine „Neustadt“
bis zum heutigen Stadttor(Hafen) geplant. Der gekrümmte „Lahnweg“ mit den
einfachen Reihenhäusern gibt bis heute genau die südlichste Bastionsspitze
wieder. An der Hauptstrasse, der Neusserstasse, lag seit 1709 die erste
Synagoge. Daraus wird 1773 das Hubertusstift, 1800 das erste
Krankenhaus(all dies: Neusserstr 25, heute noch zu sehen). Gegenüber plante
Jan Wellem sein neues Schloss, es reichte nur für die große
Cavalleriekaserne der Husaren viel später 1820 (heute Polizeipräsidium).
Wo der Knick in der Neusserstr ist (Tellstr),
verließ man Jan Wellems Neustadt, entweder links zur Loretokapelle (heute
Bilker Dom) oder rechts über die Dorfstrasse nach Hamm („Brückenstr“ seit
der Hammer Eisenbahnbrücke 1870). Auf dem Weg nach Hamm baute JW die
Schneidemühle(heute Killepitsch), ein Sägewerk, später einsame
Verbrecherbude und Viehstall der Jesuiten, die für die Loretokapelle
verantwortlich waren und im Jesuitenhof saßen(heute Kneipe „Frida“ gegenüber
Bilker Dom). Sie hatten einen großen Düsselweiher(die frühere Mühle) mit
Forellenzucht(Weiherstrasse). Ihnen gehörte auch die jetzt noch bestehende
Jan Wellem Kapelle( 1668 zum Gedenken an JW Geburt an der Fährstr
gestiftet). Von hier aus ging man in 7 „Fußfällen“ zur Lambertuskirche (3km:
genau die Strecke, die Jesus vom Herodespalast bis Golgatha ging). Zwei der
sieben Stationen gibt es heute noch am Kapellweg(neben dem
Hochsicherheitsknast). Der Kapellweg verlief bis zur Brückenstr, dann
Neusser-Altstdt. Auf dem Weg nach Hamm kam beim UciKino eine kleine Insel (
Carl Theodorinsel), dahinter die große Lauswardinsel, erst hinter dem
Inselgewirr konnten die Treidelschiffer vom linken Heerdtufer auf die
rechtsrheinische Hammseite rüber. Die beiden Inseln werden 1836 verkauft.
Freiherr von Diergard aus Haus Roland (Grafenberg) eröffnet 1860 auf der
Lausward in englischer Mode die Pferderennbahn.
Zurück zur Neusserstr:
Die Rückseite: Hubertusgasse, heute
Moselstr, grenzte direkt an den Rhein. Der Hafen 1896 ist also mit den
ersten drei Becken(Fernsehturm) direkt in den Rhein hinein gebaut worden,
der hier enorm breit war. Buhnen und Wellenbrecher in der gefährlichen Kurve
besänftigten die Strömung. An der Ecke Hubertusstr(später Gewerschaftshaus)
gab es eine sittsame „Zellenbadeanstalt“, in der Damen, zugeknöpft bis oben,
unbeobachtet, ihre nackten Füsse baden konnten. Zwischen Moselstr und
Brückenstr lag „die wahre Höhle des Jammers“: die Irrenanstalt von 1826, die
vom Hubertusstift Neusser 25 hierhin verlegt wurde. Daraus wird sehr viel
später das Studiengebäude der VHS und heute das Stadttor
Die Eisenbahn von 1870 zur Hammer
Brücke verlief auf der Haroldstr bis zum Rhein, dann ein Knick und
kerzengerade auf die Brücke zu. Sie schafft neben der alten Brückenstr
eine neue „Uferstrasse“, heute Stromstr. Die „Kampfsche Windmühle“, Ecke
Fürstenwall/ Neusserstr, aus der mehrere Dampfmühlen entstehen, initiiert
plus Eisenbahn eine Reihe von Industrien, am größten die Kammgarnspinnerei
Bockmöhl ,Lippestr, hinter der heutigen „Curry“Kneipe, mit 120 weiblichen
Beschäftigten. Um sie wurde in der „Sööße Eck“ Ritterstr heiß gekämpft.
Nun aber die „VÖLKLINGER“,
entschuldigen Sie den Umweg.
Sie startet zunächst als
Hafenzufahrt (Völklingen: berühmter Erzbinnenhafen), dann Friedhofstr 1904
und schließlich 1927 als enorm verbreiterte Platanenallee. Mehrer Strassen
verschwanden: Emscherstr(Siegstr), Holterweg(zwei Höfe stehen noch quer in
der Flur), am Haselbusch( ein verlassenes Geisterhaus steht noch).
Die Völklinger entstand auf der
Trasse des „Bilker Damms“, eines damals berühmten Deiches
.Alle Rheinschutzdeiche liegen im
Süden, denn von hier kam die Gefahr. Der Stoffeler Damm schloß nahtlos an
den Aderdeich an (beide noch da). Das Doppelpack Volmerswerther- und
Fleherstr. zog sich auf einer Hügelkette hin (Tetelberg, Schwarze Berge,
Gantenberg), bot also einen natürlichen Schutz. Das ungeschützte
gefährdete Gebiet lag zwischen jetzigem Mr Wash und Stadttor. Also schuf
man hier 1850 den Bilker Damm.
Die heutige Völklinger ist der alte
Bilker Damm
Als der Tunnel gebaut wurde, floß
der Verkehr der B1, also der Rheinuferstr, auf Stelzen am Landtag vorbei
zur Völklingerstr. Wir gingen zur „Nana“ (heute „Curry“ unter den Stelzen
über wüstes Land, Unkrautwiesen, hässlicher nur noch durch das Mannesmann
Parkhaus. Die Sprengung der Stelzenstrasse 1986 war eine kleine Sensation.
Als alles zu Ende war, als der alte
Hafen starb, wurde noch einmal richtig auf die Pauke gehaun
Im verlotterten Ziegelbau des
Zollhofs gab es sexy Modeschauen, im Aquarium von Maassen zitterten die
Fische. Am schönsten war es in der Ruine der Kammgarnspinnerei in der
Lippestrasse. Ein französischer Zirkus „Der sieben Sinne „ lud ein. Wir
schlürften Sekt aus wunderschönen Bauchnabeln, wir lauschten Posaunen und
Trompeten, wir gingen ins Dunkel und wieder ins Licht und wir tauchten blind
unsere Hände in Fensterhöhlen, erschauernd, weil wir nicht wussten, waren es
kalte Frösche oder weibliche Brustspitzen, die wir berührten. Römische
Dekadenz.
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