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Dieter Jaeger
- Geschichte -  Düsseldorf -


   

Glossen zu Düsseldorf
(letzte Änderung: 05.03.2010 00:11)

  1. Der Mönch ist weg   Aufregung in Unterrath
  2. Neue Wache am Burgplatz
  3. Wanderungen durch Düsseldorf
  4. ISS DOME  Ein verlorener Stadtteil Wanderungen durch Düsseldorf
  5. GAP   06
  6. Seniorenresidenz in Oberbilk
  7. Der Todesbaum vom Wehrhahn
  8. Wanderungen.. Skandal in der Andreasstrasse
 
9. Laterne Laterne….
10. Der Alte Friedhof und die Wehrhahnlinie
11. Schlösser kehrt heim
12. Das „Mädchen Rosemarie“ wohnte am  „Bolker Stern“.
13. Freizeitpark Elbsee das letzte wilde Badeparadies
14. Ein Schiff wird kommen
15. Vom Tausendfüßler zum Köbogen

16. Das Parkhaus Ratingerstrasse soll weg
17. FELIX  in DÜSSELDORF

18. Der Vorgänger des Affenschiffs
19. Copa Cabana am Stresemannplatz
20. KÖBOGEN – Dilemma seit 200 Jahren
21. Inselstrasse: das Standesamt in altem Glanz.
22. Leuchttürme auf der „Ulmer Höh“
23. Warum Tunnels in Bilk und Brücken in Derendorf ?

24. Whisky oder Killepitsch  die neue Plockbrücke über die Völklingerstr

 

   
 
  1.

Der Mönch ist weg   Aufregung in Unterrath

Nein, er ist nicht gestohlen. Der Kartäuser Mönch wird nach liebevoller Restauration wieder an seinem angestammten Platz, dem Kittelbachpark, stehen.

Der Kartäuser Orden saß von 1869 bis 1964 in Haus Hain, einer alten Wasserburg, die im jetzigen Flughafengelände lag. 100 Jahre lang taten die Mönche Gutes für die Unterrather Bevölkerung, so dass selbst die Nazis sie trotz Widerstands  in Ruhe ließen. Es war die erste Kartause Deutschlands nach der Säkularisierung überhaupt

Der Schweigeorden war 1084 in den französischen Alpen(La chartreuse) gegründet worden. Durch einen Roman von Stendal(la chartreuse de Parme) wurde er weltberühmt

Haus Hain sagt viel aus über die merkwürdige Geschichte von Unterrrath.

Vergessen wir das jetzige Rath und Oberrath: es waren nur Haltestellen der Eisenbahn im 19.Jh. Nein, nur das jetzige Unterrath ist der geschichtsträchtige uralte Boden von Rath

Düsseldorf hatte drei Königshöfe: Kaiserswerth, der Burghof in Bilk und der Königshof in Rath. Der Rather Königshof war von 12 adeligen großen Höfen umgeben, von denen einige bis ins  heutige Gedächtnis überlebt haben: Volkardey, Haus Hain, Große Burg, Alte Burg, Röttgen, Gather Hof, Ikter Hof.

Der Königshof war der heutige Hofer Hof. An ihn erinnert nur die Strasse: “am Königshof“  Er wird 1247 erstmals erwähnt, ist aber viel älter. Die Fränkischen Könige (Salier), dann die Stauffer haben sich seit dem 11.Jh. in dieser Gegend aufgehalten.  Mitten im Wald gelegen bot der Königshof ideale Voraussetzungen für glanzvolle königliche Jagdgesellschaften

Gleich neben dem Königshof liegt seit 1347 Düsseldorfs ältestes Kloster „Maria Not“ der Franziskanerinnen, dem die noch ältere Rather Kapelle von 1227 zugrunde liegt.  Die heutige Pfarrkirche an dieser Stelle „Maria unter dem Kreuz“ stammt von 1869 und das „Damenhaus“ daneben der „Töchter vom heiligen Kreuz“ aus dem Jahr 1857 ist heute ein Haus für geistig u körperlich Behinderte.

Vergessen wir also für einen Augenblick die Jesuiten, die Ursulinen, die Karmelitessen,  selbst die uralten Kreuzherren (Gerresheim war ein Stift, kein Kloster, genauso wie Lambertus). Abgesehen vom Benedektinerkloster des Heiligen Suitbertus in Kaiserswerth ist also Unterrath  der Beginn der Düsseldorfer Klostergeschichte

Die Sonderstellung dieser Region zeigt sich  auch daran, dass das oberste Gericht, dem auch Ddorf unterstellt war, immer zwischen Kaiserswerth und Rath also in Kreuzberg (Gebiet der heutigen Diakonissenanstalt) lag. Dieser „Kreuzberg“ war nur 2m höher als das Umland, aber wegen des Hochwassers entscheidend für unsere Vorfahren: sie nannten diese Anhöhen „In der Luft“ oder schöner „Im Himmelreich“

Das alte Rath am vergessenen Kittelbach (damals viel wichtiger als die Düssel) ist heute im umtriebigen Flughafen fast verschwunden. Freuen wir uns, dass nur einige 100 m neben dem alten Königshof jetzt wieder das Leben tobt: im ISS Dome an der Theodorstrasse in Unterrath.

  

 
     
  2.

Neue Wache am Burgplatz

So neu ist sie gar nicht Die Hauptwache der Bürgerwehr, die seit Mittelalter für die Bewachung der Tore und Mauern zuständig war, lag immer am Burgplatz

Seit der brutalen Messerstecherei in der Altstadt wird neben der Videoinstallation am Bolker Stern über eine zweite Videoüberwachung am Burgplatz nachgedacht. Die Polizeiwache, die früher in der Mühlenstr saß, soll wieder in den Brennpunkt der Altstadt, also zum Burgplatz

Die Bürgermilitz war am Anfang eine ernste Angelegenheit. Die Bruderschaften, die Schützenvereine , die Zünfte gehen auf sie zurück. Seit 1600 verdrängen Söldner die wehrhaften Bürger.  Ddorf wird eine Garnisonsstadt. Unter den Bürgern gab es damals vier Kompanien: drei Altherrenkompanien und eine Junggesellenkompanie, die sich auf die vier Stadtquartiere verteilten: Flingerstrasse, Altstadt, Burgplatz, Marktplatz. Die Hauptwache lag genau zwischen den beiden Plätzen (Markt und Burgplatz), ging also vom heutigen Pissoir zur Eisdiele. Sie war 1733 vom Hofbaumeister Nosthofen gebaut worden. Auf einem Gemälde von 1855 ist sie noch zu sehen. Heinrich Heine hat hier seinen geliebten Vater verewigt.

 
     
  3.

Wanderungen durch Düsseldorf

Das „Schlonz“ wird abgerissen (Ratinger Strasse)

 

Der Künstler Tim Eiag bindet eine letzte rosa Schleife in das durch und durch mit schwarzem Trauerflor vernetzte Haus. Ein Hoffnungsschimmer? Nein. Das „Schlonz“ wird abgerissen. Nun wurde hier, an der Ratinger Mauer, schon immer abgerissen. Die etwas westlich liegende „Retematäng“ in den siebziger Jahren, vorher das Haus „zur Landskrone“ ( der angrenzende Weiher bekam den Namen „Landskrone“), zur Heinezeit „Haus Paffrath“. Die Räuberhöhle Paffrath war so gefürchtet, dass die Polizei nur ungern einschritt. Nach der Schleifung der Stadtmauer 1801 wurde wegen der Mahl- und Schlachtsteuer eine provisorische Zollmauer aus Brettern errichtet: ideales Schmugglergebiet.  Heine verewigt einen der Schmuggler: “Er machte geographische Untersuchungen in fremden Taschen, wurde deshalb wirkendes Mitglied in einer öffentlichen Spinnanstalt, zerriss die eisernen Bande, die ihn an diese und an das Vaterland fesselten, kam glücklich über das Wasser und starb in London durch eine allzu enge Krawatte, die sich von selbst zugezogen, als ihm ein königlicher Beamter das Brett unter den Beinen wegriß“

Dieter Jaeger

 
     
  4.

ISS DOME  Ein verlorener Stadtteil Wanderungen durch Düsseldorf

 

Die Geschichte von Rath ist die von etwas , das es gar nicht gibt. Unterrath ist Rath und Rath und Oberrath sind  Neubildungen oben am Wald: eine Bahnstation, mehr nicht 2006 ist Rath wieder in aller Munde, einmal, weil die DEG da ist, zum andern, weil der ISS DOME ein verrückter Bau ist: eine Art UFO, gelandet in der Wüste von Rath.

Man denkt an Eliots "Waste Land"(Wüstes Land), wenn man heute in der weiten Industriebrache des alten Mannesmanngeländes steht.  Eine Wüstenei  war dieses Land aber schon immer. Ein schmaler Siedlungssaum zwischen den Sümpfen im Osten am Fuß des Aaper Waldes und den Golzheimer Heiden im Westen am Rhein

Als die freche "Rheinische Eisenbahn" als dritte Konkurrenzbahn Düsseldorfs 1874 am Fuße des Grafenberger Waldes von Köln nach Ratingen und ins Ruhrgebiet fuhr, machte sie beim Aaper Wald  einen Halt. Die um diesen Halt wachsende Industriegemeinde der Sack, Mannesmann, Rheinmetall nannte sich jetzt stolz "RATH". Zwar war schon 1845 die "Cölln Mindener Eisenbahn" durch den Urkern von Rath gezogen, leider ohne Halt. So kam es, dass der Königshof Rath mit seinem ältsten Ddorfer Kloster(heute Haus Joseph) an Bedeutung verlor und zu Unterrath degradiert wurde.

Aber alles ist im Fluss: das "Wüste Land" von Rath wird bald ein riesiger Büro-und Wohnkomplex werden. Der "Rather Kreuzweg" verbindet Unterrath mit Rath, der ISS Dome versöhnt Alt mit Modern. Die mythische "Eins" der Ddorfer Strassenbahnen wird hierhin umgeleitet.

Das "Wüste Land" wird fruchtbar, und wir können mit T.S. Eliot singen:     

April is the cruellist of months breeding
Lilacs out of the dead land
Winter kept us warm covering
Earth in forgetfull snow
Summer surprised us
With a shower of rain
We stopped in the colonnade
And went on in sunlight
Into the Hofgarten


                                                                          

     
  5.

GAP   06

Adolf heißt heute keiner mehr und den Graf Adolf nutzen nur einige Pappnasen aus der Glatzenecke als Aufwertung.  Es gibt leider keine Wilhelm- oder Johannplätze für verdienstvollere Fürsten.  Adolf V war nun mal der erste, nicht der erste Berger als Besitzer, aber der erste Gründer, der dieses kleine Fischerdorf auf einem wasserfreien Hügel mit Fähre und zwei Grenzflüssen: Eder und Düssel an der Goldader Rhein entdeckt. Er gründet auch das Stift mit der heiklen Aufgabe, einen kirchlichen Vertreter zu schicken, denn der Erzbischof saß als Gefangener auf seiner Burg. Er macht  auch als erster den Bruch mit den Kölner Erzbischöfen, denen Berg den Aufstieg verdankt. Fünf Erzbischöfe hatte die Ddorfer Urfirma Berg gestellt. 2 Grafen waren als brave Gefolgsleute in den Kreuzzügen umgekommen. Fast alle Berger heißen Adolf, dann kommt Limburg mit Wilhelm, und Jülich u Kleve folgen ebenfalls mit Gerhard, Johann, aber vor allem Wilhelm. Die Hohenzollern haben so Verwandtschaft mit Ddorf entdeckt. Der Gesandte des Adolf fünf geht nach Brüssel Brabant, um den mächtigsten Verbündeten Jan Primus ins Boot gegen Köln zu holen. Er hieß ERWIN und aus Janprimus wird Gambrinus: König der Biertrinker. In der Altstadt von heute wäre er auch jetzt ein guter Verbündeter

Der GAPlatz hat eine tolle Karriere gemacht. Von der Walachei zum zentralen Platz der Stadt. Düsselsümpfe an dieser Stelle brüteten Malariafieber aus. Nur Soldaten war das zuzumuten, es war die schrecklichste Ecke, nur hier im unbesiedelten Süden konnte die Eisenbahn bauen. Der Bahn folgte die Gastronomie, dann das Sündenbabel um die Aderstrasse.  Der alte Norden klagte: alles zog in den vornehmen preussisch protestantischen Süden. Die königliche Post, das Telegraphenamt, das Schauspielhaus waren nur einige  Etappen

Ein abgewinkelter Stadtgraben mit zwei Türmen als Eingang zur vornehmen Friedrichstadt (heute Turmstrasse). 2 Bahnhöfe mit ihrem Touristenrummel. Nightlifecenter des 19.20. Jh. Später der "Gummibahnhof" aller Omnibusse, dann die sensationellen K- und D-Bahnen (Krefeld, Duisburg) mit Speisewagen, einmalig in Deutschland.

Heute ist der GAP wie die ganze Graf Adolf Strasse ein Sozialfall

Eine Bauruine an der Kö, ein Pissoir in der Mitte.

Zeit für  Rettungsaktionen.

 
     
  6.

Seniorenresidenz in Oberbilk

 

Altenheim ist out. Macht nichts, gut ist, dass die Alten mitten in die Stadt geholt werden , anstatt irgendwo im Wald bei Hubbelrath herumzulaufen. Beim Namen hat man etwas gemogelt: „Lessingplatz“ klingt besser als „Industriestrasse“. Aber für die Arbeiter im Industriestadttteil Oberbilk hatten die Stadtplaner keine großen Ideen: Dreieckstrasse, Linienstrasse oder eben Industriestrasse. Auf dem Gelände des neuen Seniorenhauses stand bis vor kurzem der letzte Schornstein Oberbilks, des einstigen Zentrums Düsseldorfer Industrie: es war die Firma Limon Flume, die hier für den Eisenbahnbedarf arbeitete. Und Oberbilk war ja auch das Zentrum des Düsseldorfer Gleisdreiecks mit Bahnanschluß an fast jeden Betrieb. Später haben die Düsseldorfer diesen Stadtteil vergessen. Sie verbannten ihn hinter hohe Eisenbahndämme. Aber es tut sich was: die Juristen ziehen an die Werdener Strasse, die Kölnerstrasse belebt sich allmählich und die Mindener Strasse wird bald einen großen bunt gemischten Siedlungdkomplex sehen. Quer gegenüber dem Altenheim liegt der Puff. Aber das ist nicht so schlimm: das Leben geht weiter.

 
     
  7.

Der Todesbaum vom Wehrhahn

 

Die Wehrhahnlinie macht einen respektvollen Bogen um einen uralten,  riesigen Baum, der mitten auf der Strasse „Am Wehrhahn“ steht  Zu Recht!

Die vielleicht 300 Jahre alte Platane wurde an der Stelle gepflanzt, wo das „Blutkreuz“ oder der „Blutstein“ zur Zeit Jan Wellems stand. Das große steinerne Kreuz war 1716 von Heidelberg hierher gekommen, geriet 1778 auf den ersten Friedhof ausserhalb der Stadtmauer( bis 1803), der an der Ecke der jetzigen Kö/Steinstrasse lag, also beim heutigen Juwelier Cartier, kam dann über Umwege zum berüchtigten „Roten Haus“ in Unterrath und von dort zum alten Lohauser Friedhof, wo es noch heute steht. Der Blutstein vom Wehrhahn, von der Kö, vom Roten Haus gab den Namen für den „Flinger Steinweg“, die heutige Schadowstrasse.

Um dieses Kreuz und um den alten Baum herum wurde drei mal der zum Tode Verurteilte geführt, um danach den letzten Gang zum Galgen anzutreten, der auf dem heutigen Schillerplatz stand. Das  Zooviertel von einst war trotz des drohenden Galgens eine Verbrechergegend

Vom Baum zum Galgen führte das „Galgengässchen“(die Wielandstr-Güterbahnhof: etwa am „Olio“ und „Les Halles“ vorbei)

Als der Galgen 1764 zum Spiechernplatz in Derendorf versetzt wurde, erhielt sich der alte Brauch um den Blutstein herum.  Das neue „Galgengässchen“ verlief über die „Brauerei Frankenheim“zur Adlerstr und von Pempelfort immer an der Düssel entlang (Prinz Georgstr gab es nicht) bis zu den Derendorfer „Geisten“, d.h. einer Anhöhe, die bis heute „Ulmer Höh“ heißt

 

 
     
  8.

Wanderungen.. Skandal in der Andreasstrasse

 

Die Kurze Strasse war schon immer kurz und arm. Die Kötter(Kätner), die nur eine Kate hatten, wohnten hier. Aus Kötter wird „Kurze“. Bis vor kurzem gingen die Düsseldorfer ungern hierhin. Es roch zu sehr nach Döner und Mini Pizza, nach Touris, nach Provinz eben. Das änderte sich schlagartig seit zwei Jahren. Jetzt ist es die „Megameile“ des Szenevolks. Auf Neudeutsch: Die hot spots sind hier, wo die events abgehen, die beautiful people tanzen im „Baby Love“, „Quhstall“ und „Anaconda“. Nun will man den Boom ausweiten auf die ruhige Andreasstrasse. Die vornehmen Tanten wohnen hier(Tante Anna, Benders Marie) und  der ruhigste Vertreter von allen: der Leichenbestatter Salm.  Gegenüber sitzt die Kirche: es ist die ruhigste und frömmste Strasse der Altstadt

 Skandal! Ausgerechnet die Wildesten der Wilden: die US-Firma Coyote Ugly zieht in den leeren Cikos ein. Man munkelt von spärlich bekleideten Westerngirls, die auf dem Tresen tanzen

Auf den lauten Protest hin hatte der Betreiber den Traditionsnamen Cikos beibehalten. Es hieß nun „Cikos Ugly“, aber im Hintergrund, aufgemalt an die Wand, heulte ein Koyote.

Heute (2009)ist alles vorbei. Die Sittenwächter hatten jede Nacht Spione ausgesandt, um die erste nackte Frau zu sichten. Der Amerikaner warf das Handtuch hin. Heute können Sie dort sittlich einwandfrei indisch essen

     
  9.

Laterne Laterne….

 

Die Düsseldorfer kämpfen in diesen Tagen um ihre Laternen. Es gibt nur wenige Städte, die so etwas haben

Der Anfang der Gasbeleuchtung war, wie jeder Anfang, dramatisch

London hatte das neue Licht seit 1820, Paris folgte 1835, jetzt musste Düsseldorf ran, schließlich waren die Laternen Jan Wellems berühmt gewesen.

400 an der Zahl waren es gewesen, 50 davon vergoldet um das Schloß herum. Der Unternehmer Sebus besorgte 2jähriges sauberes Rüböl, das 7 Füller und 11 Gehilfen verarbeiteten,  6 Nachtwächter versahen die Stadttore.

 

Die Engländer hatten ihre Laternen noch an die Häuser gehängt: Positionslichter, die Berliner erfinden die Pfosten, der absolutistische Louis 14. lässt alle 20 m helle Sonnen von Haus zu Haus über die Strasse ziehen, so konnte er die Pariser Meute besser in Schach halten. In der Revolution wird man deshalb auch als erstes die Laternen abschaffen, sie wurden der ideale Galgen für den feudalen Feind, „a la lanterne!“ hieß der grausame Ruf

 

Nach Jan Wellems Tod wurde es erst einmal duster in Ddorf.

Dann kam das Gas, griechisch: chaos,  und chaotisch war es zunächst auch.

„Die Bogenlampen sind 10mal heller als zuvor, unsere Enkel werden erblinden“, rief entsetzt Ludwig Börne.  Lichtschutz musste her: Lampen, Gardinen: der feine Mousselinstoff begeisterte dann auch die Frauen mit viel zu dünnen Kleidern:  Erkältungswellen waren die Folge.

In Frankreich verschoben sich die Essenszeiten. Aus Frühstück wird Mittagessen (dejeuner), die Arbeiter blieben noch bei der alten Zeit vor der Dämmerung 12.00Uhr, die Handwerker aßen um drei, die Unternehmer um 5, die Minister um 7,  und die ganz Vornehmen erfanden ein neues Essen: das diner um Mitternacht

 

Zum ersten Mal wurde das traute Heim um Feuer und Herd bedroht durch ferngesteuertes Licht aus riesigen Gasanstalten

So gab es Gas am Anfang nur in Fabrikhallen, Korridoren, vielleicht noch in Küchen,   das heilige Wohnzimmer blieb dem vertrauten Kerzenlicht vorbehalten

In Ddorf fuhr der erste Gashersteller Middendorf aus der Breite Strasse mit einem Möbelwagen herum, um das in Schweinsblasen abgepackte neue Zeug zu verkaufen,  es stank zum Himmel,  man vertrieb ihn aus der Altstadt, Kinder lärmten hinter ihm her „Middendorf Schiddendorf“.

Sinzig, der zweite Gashersteller aus der Klosterstrasse verbrannte Öle, Häute, Fette, es war entsetzlich, nur den Franziskanern und den zweitrangigen Realschülern war diese Strasse zuzumuten.   Lehrer Zech benutzte nur die Mitte des Fahrdamms, weil er sich in dieser ohnehin verpesteten Strasse nicht auch noch dem Mief der lüftenden Hausfrauen aussetzen wollte.

 

Berühmt wurde der immer betrunkene Latänepitsch von der „Sööße Eck“ in der Ritterstrasse.   Kinder nahmen ihm die Anpitschstange weg und besorgten dann sein Geschäft, allerdings auf ihre Weise: sie zwängten in die Glaskästen junge Hunde und Katzen, so dass das nächtliche Geheul eine Art Weltuntergang verkündete.

     
  10.

Der Alte Friedhof und die Wehrhahnlinie

 

Mit großer Behutsamkeit berührte die Wehrhahnlinie 2009 an der Ecke Graben/Kasernenstrase den ersten jüdischen Friedhof Düsseldorfs. Die Vorfahren Heines lagen hier. Bei der Einrichtung der Mittelstrasse als Zugang zur neuen Karlstadt hatte man schon 1787 den Friedhof schließen müssen, auch die Kapuzinerkirche an der Flingerstr/Mittelstr. wurde abgebrochen Die Synagoge entsteht dann 1792 auf dem alten Friedhofsgelände an der heutigen Grabenstrasse.

Die Juden mussten schon zur Jan Wellem Zeit ihre Toten ausserhalb der Stadt begraben. Jan Wellem hatte den jüdischen Friedhof 1702 nördlich seiner Kaserne und seines Hospitals eingerichtet. Das Militär war, ähnlich wie die Juden, auf einem katholischen Friedhof unerwünscht. Es hatte einen eigenen Friedhof südlich der Kaserne auf der heutigen Wasserstrasse.

Der jüdische Friedhof lag an der heutigen Kasernenstrasse, etwa zwischen Graben- und Benratherstr ausserhalb der alten Stadtmauer, die ja zur Jan Wellem Zeit noch an der Wallstrasse lag. Über das heute noch so genannte „Stadtbrückchen“(Verlängerung der Neustrasse über Pavillion durch das Marxhaus hindurch), das über den von der Düssel gespeisten 20m breiten Stadtgraben führte, gelangte man zum Friedhof und zu den Kasernen.

Der Friedhof kommt  1787 nach Pempelfort am „Bongard“ an der Düssel, wo später das erste katholische Krankenhaus(Marien) entstehen wird, 1887 dann zur Ulmenstrasse, wo er heute noch liegt.

Karl Theodor hatte 1766 auch für Katholiken alle innerstädtischen Friedhöfe, also auch den an der Lambertuskirche, schließen lassen

Der erste neue katholische Friedhof ausserhalb der Stadt kommt 1766 an die heutige Kö, südlich der Steinstr(im heutigen Kögalleriegelände). Wahrzeichen wurde ein Hochkreuz, das von Jan Wellems Galgengelände des heutigen Spichernplatzes kam(Ulmer Höh). Später kaufte das Friedhofsgelände ein reicher Bürger, der Oberbürgermeister wurde und aus dem Friedhof einen Garten der Lust machte „Schnabels Lustgarten“: Eingang etwa an der Stephanienstrasse.

 Nach der Schleifung der Stadtmauer 1801 wurden alle nahen Friedhöfe in die Vororte verlegt. Der Köfriedhof schließt und der neue Hauptfriedhof , jetzt auch für Protestanten(Nordteil), ist der 1804 eröffnete Golzheimer Friedhof.

 

Die Protestanten mussten vorher auf den schon  1565 angelegten Pestfriedhof an der Nordstrasse, Ecke Kaiserswrthersr. Am  McDonaldhaus( jetzt Starbuck) liest man immer noch „Kapellchen“. Es war die Leichenhalle und Kapelle des „Friedhofs am Kapellchen“

Ebenfalls verschwunden ist der Derendorfer Friedhof, der neben der alten Dreifaltigkeitskirche lag, also zwischen Jordan- und Jülicherstr (heute Vinzenzkrankenhaus). Die Mauer an der Jülicherst ist zum Teil noch die alte Friedhofsmauer.

Ich liebe Amerika, aber die Kaffeetrinker von „Woyton“ und „Starbuck“ an der Mittelstrasse sitzen auf tausend toten Gebeinen

     
  11.

Schlösser kehrt heim

 

Die Brauerei Schlösser kehrt nach 40ig jährigem Exil  am 19. Juni 2009  in ihre Urstrasse Ratinger-Altestadt zurück.  Und jetzt wird gefeiert 8 Tage und Nächte lang

Nach vielen Scharmützeln mit der Dortmunder Brau und Brunnen, dann Radeberger, alles unter der Oberleitung des Oetker Konzerns,   nach älteren Turbulenzen mit der Dietrich Brauerei, mit Schwabenbräu und Hirschbrauerei und Fremdgehen in den Stadtteil Pempelfort/ Derendorf prangt der alte Name Schlösser jetzt an erster Stelle an dem palastartigen Riesenbau in der Ratinger Strasse.

 Das Haus hatte im Vorfeld der Bauzeit verschiedene Namen: Bürgerforum, Henkelsaal, IDR Bau, Jonges Haus. Das ist es ja auch alles, aber der Name Schlösser hat sich an die erste Stelle gesetzt.  Und weil wir alle französisch sprechen ( siehe quartier central, quartier Andre) nennt sich Schlösser nun Quartier Boheme

 

Das hat allerdings eine amüsante Vorgeschichte. 1932 kaufte Schlösser, der schon seit 1873 in der „Altestadt“ saß,  die „Altestadt 1“, seit 1842 bekannt als das Weinhaus „Rosenkränzchen“. Im „Rosenkränzchen“ traf sich die Düsseldorfer Welt der Jahrhundertwende: Detlev Liliencron, Herbert Eulenberg, Hans Heinz Ewers, Kurt Kamlah, vor allem Herrmann Harry Schmitz: „Ich träume, ich liege in einer Hängematte, die tätowierte Angora aus der Hundsrückstr über mir und wir schaukeln in den Himmel hinein“.

 

1933, und jetzt kommts, heißt das Haus „Boheme“. Aus der frommen Rosenkranzbruderschaft des 15. Jh wird das frivole „Boheme“,  wo „grell geschminkte Damen Zigaretten rauchten und bei atonaler Jazzmusik das Tanzbein schwangen“.  Im Sudhaus nebenan gründeten 36 Heimatfreunde die „Jonges“

1712  hatten die Brauer ein eigenes Zunftrecht erhalten. Sie waren vorher mit den Bäckern zusammen, weil beide sich mit der unkontrollierbaren Hefe rumschlagen mussten. Auch Schlössers Vorfahren sind alle Bäcker gewesen. 1873 schließlich gründet Josef Schlösser eine Brauerei in der „Altestadt“. Beim alten Obergärigen sind sie geblieben, auch als „Dietrich“ als erster mit der von  Linde erfundenen Kühlmaschine sein modisches Untergäriges präsentierte.

Zwischen „Ohme Jupp“ und „Hinter der Mauer“ gab es bis 1945 12 Häuser:

 Nr 19-41.  Die Zahlen 25-41 nimmt jetzt das stolze Schlösserhaus ein.  Von den alten 8 Häusern mit Namen wie „Grunewald“, „Blaues Schaaf“, „Traube“, „Rotes Laken“ waren die Eckhäuser 27 und 41 von besonderer Art.  41 hieß „Landskron“ und gehörte der Adelsfamilie Landskron, die die Fischerei der Düssel besaß und daher den Namen „Landskronweiher“ schuf.  27 war das „Abenteuerhaus“, weil von hier aus auf Napoleon ein Attentat verübt worden war. Später wurde es die „Retematäng“. Retematäng steht für die gesamte Ratingerstrasse,  bei vielen für ganz Düsseldorf.

Der Ursprung des Namens ist so abenteuerlich wie das Haus.

Ein Zahnarzt habe hier gewohnt und ein Patient habe geschrien: „Rette min Zäng, Rette min Zäng!“   

     
  12.

Das „Mädchen Rosemarie“ wohnte am  „Bolker Stern“.

 

Neben der Treppe am Schlossturm gehört der Bolker Stern zu den neuralgischen Orten Ddorfs, an denen sich Bürgerunmut kundtut

Ein schöner Name für ein hässlich Ding.  Die Polizei prägte diesen Begriff. Sechs Strassen münden hier, Billigbuden säumen ihn, sodass er immer überfüllt scheint. Zu allem Überfluß durchfurchen ihn mehrere Strassenbahnen.

Merkwürdig war er schon immer, dieser Platz.

 Rosemarie Nitribitt wohnte an der Ecke Hunsrückenstrasse

Die Bolkerstrasse endete früher an der Hunsrückenstrasse, die hier durchgehend Richtung Kasernenstrasse verlief. Parallel zu ihr verlief nördlich ebenfalls durchgehend die Neustrasse.

Im 17. JH hatten die Ddorfer beim heutigen Mc Donald ein neues kleines Tor in die Stadtmauer geschnitten, die im Zuge der Heineallee stand. Die Durchfahrt vom Tor in die Altstadt stieß natürlich auf zwei Hindernisse: die Neu- dann die Hunsrückenstrasse. Eine enge „Kommunikationsgasse“ führte schließlich bis zur Bolkerstrasse. Als sich hier ein Unfall ereignete, musste der protokollierende Schutzmann passen. Er konnte das Wort Kommunikation nicht schreiben.

  Die Bürger der Bolkerstrasse ärgerten sich:  Als 1801 die Stadtmauer gefallen war, konnten sie wegen der engen Gasse immer noch nicht raus auf den breiten Boulevard, die heutige Heineallee.

Es dauerte 136 Jahre (1936) bis das letzte Haus beseitigt war ( also nicht durch den Krieg) und der große Platz vor der Bolkerstrasse entstand: der heutige „Bolker Stern“

Im Haus Hunsrücken 22 (heute Imbissbude) stand bis vor kurzem an der Schelle:Nitribitt. Das „Mädchen Rosemarie“ verbrachte hier ihre Jugend

In Frankfurt wird die berühmteste Hure Deutschlands 1953 ermordet.

Sie ist auf dem Nordfriedhof begraben. Vor einem Jahr kam schließlich auch der Kopf ins Düsseldorfer Grab.

Das Haus 22 hieß früher „zum roten Hut“. Bei den Begrüßungsfeiern für Carl Theodor 1749 waren an den meisten Häusern quer über die Strasse große Tranparente angebracht. An Rosemaries Haus stand: „Ihr Wolken taut herab,

Ihr Himmel regnet Erben, so sei es dann, dass nie, dass nie der Stamm mög sterben“.

     
  13.

Freizeitpark Elbsee das letzte wilde Badeparadies

 

Unterbach war out, Elbsee war in,  damals in den 50iger Jahren. Wir liebten das Baggerloch am Ende der Düsseldorfer Welt. Es war das letzte Paradies. Braun wie die Afrikaner kamen wir nach einem langen Tag zurück und müde, aber wir waren glücklich, wir hatten gekämpft gegen Inselpiraten,  wir fürchteten uns vor Schlangen und Echsen, wir waren alle Tom Sawyer und Huckleberry Finn.

 

Jetzt wird es zum schicken Freizeitzentrum umgebaut, raffinierter als der Unterbacher See.  Boote wird es geben und Taucher, Surfer und Nudisten.

 

Elb- und Unterbacher See waren Naturseen, nachgeholfen, gewiß, mit Baggern, Aber sie entstanden von selbst, nicht einmal ein Fluß hatte sie geschaffen: der Elbbach, den man später in Eselsbach umtaufen wird,  floss an ihnen vorbei.

 

Die Seen gehörten zu den Naturwundern der Rheinlandschaft. An der unteren Terrassenkante trat das Grundwasser zu Tage.  Es folgte nicht dem Joch der Terrassen, die der Rhein recheckig geschaffen hatte. Der Grundwasserstrom floss im runden Bogen von den Höhen des Schiefergebirges hinunter zum Rhein. An den Innenkanten der geraden Terrassen musste er heraustreten, gleichsam den eleganten Bogen des Wassers wiederherstellend.  Wo es nicht zum großen See reichte, entstanden Sumpf- und Bruchgebiete:  des Menschen Feind, aber für uns Kinder das Paradies

Diese Ostgebiete von Düsseldorf sind spät, wenn überhaupt, besiedelt worden. Sie bilden bis heute den „Wilden Osten“ der Stadt. Tiefen-, Lichten- Mörsenbroich, Vennhausen, Lierenfeld, Eller.  Einige Wasserburgen beherrschten das Land.

Später siedelte man die Arbeiter hier an. Dann kamen die Ausgestossenen, die Sinti, die Roma, die Abenteurer, die Künstler eines Stückchens Erde, das sie „Freiheit“ nannten. Im Zigeunerlokal „Carmen“ „tanzten weisse Mäuse auf den Tischen“ und „die Weiber liefen halbnackt herum“.

 „Geboren am Ufer des Flusses, auf dessen Hängen die Torheit wächst“, so hat es Heine gesagt. Schöner kann man es nicht sagen.

     
  14.

Ein Schiff wird kommen

Vom Schiffsfund in Kaiserswerth

 

Ein sensationeller Schiffsfund aus dem 18. Jh. im Sumpfufer von Kaiserswerth!

Hoffentlich zerbröselt er nicht, wie die Stadtmauer vor zwei Jahren hinter dem Museum am Grabbeplatz.

 

Köln war die Grenze zwischen „Oberländer“- und „Niederländer“- Schiffen, beide Flachbodenschiffe, wobei der „Niederländer“ bauchiger und größer war, oft mit Seitenschwertern. Wichtig für beide Schiffstypen: der Treidelmast, an dem die Leine hing, die zum Leinpfad führte, auf dem 5-8 Pferde die Schiffe Strom aufwärts zogen.

In Kaiserswerth hatte man, wenn man von Duisburg kam, gerade ein Hindernis bezwungen: den breiten Angerbach hinter Wittlar, über den die Pferde mit einer Fähre übergesetzt werden mußten. Man ruhte sich im heute noch bestehenden Haus Werth aus, dann kam schon das nächste Hindernis und die dazugehörende Rast:  südlich der Pfalz lag der „Bär“, eine Kribbe, die als Eis- und Strombrecher vor der Burg geplant worden war.  Die Pferde wurden am Marktplatz ausgespannt  und durch die Stadt über die Strasse Suidbert zum heutigen „Fährhaus“ gebracht, was den Kaiserswerthern eine Stange Geld: das „Pflastergeld“ einbrachte. Die Schiffe selbst mussten mit langen Leinen um den Bär herum gezogen werden. Die Spuren an der Stadtmauer sieht man heute noch.  Ausserdem wurde gegessen, getrunken,  der Bart gestutzt: eine feine Sache, die unter großem Wehklagen mit dem Aufkommen der Dampfschiffe um 1840 zu Ende ging. Kaiserswerth wurde arm.

  

Eins dieser Frachtschiffe aus der Warteschleife nördlich von Kaiserswerth ist nun ausgegraben worden

Nach der katastrophalen Zerstörung von Kaiserswerth 1702 (Spanischer Erbfolgekrieg) waren nur noch sechs Häuser stehen geblieben, u.a. das wuchtige Zollhaus

Als eines der ersten neu erbauten Häuser „im goldenen Boden“, d.h. dem westlichsten Teil des Marktplatzes neben der Anlegestelle,   wurde 1733 das „Schiffchen“  gebaut, für Schiffer, Zöllner, Treidelknechte und Kaufleute: ein beliebter Ort.   Später kommen die Krefelder Seidenweber und die Ddorfer Maler dazu.

Selbst nach dem Einbruch der Kaiserswerther Blüte durch die Dampfschiffahrt ging es hier lustig weiter.

Um 1910 fuhr Käpten Segermann das erste knallrote Automobil und zwei Personendampfer zwischen Ddorf und Kwerth.   Die Schiffe legten erst ab, wenn im „Schiffchen“ die Glocke geläutet worden war und alle bezahlt hatten

 

Heute zahlen die Gäste ein bisschen mehr und nehmen nicht mehr das Dampfschiff, dafür aber Düsseldorfs einzigen Dreisternekoch Claude Bourgueil

     
  15.

Vom Tausendfüßler zum Köbogen

 

Als Friedrich Tamms 1958 seine 500 m lange „Hochstrasse“ vorstellte und Ende 1960 beim Beginn des Baus der Südzipfel der Landskrone zugeschüttet werden sollte, zogen am 15 Januar 1961 10 000 Menschen auf die Strasse: wütender Protest der „Vaterstädtischen Arbeitsgemeinschaft“.   Jetzt wird er abgerissen ,aber nun wollen ihn viele wieder erhalten:  den TAUSENDFÜßLER, der,  wie in Tokio durch Häuserschluchten an Bürofenstern vorbeirast, fast in eine alte Kirche hinein, ein bisschen Achterbahn a la Kirmes in Oberkassel

Er ist nur aus seiner Zeit heraus zu verstehen

Ddorf hatte 1955 650 000Ew , 150 000 mehr als vor dem Krieg 1939, die Höchstmarke 720 000 wird 1962 erreicht,  man marschierte auf die Millionengrenze.

 Die Menschen stiegen aufs Auto um. Ampeln ersetzten Verkehrspolizisten. Die Rheinbahn reduzierte ihre Linien (5 oder 17). Brücken ersetzten alte Gierponten ( z. B. von Grimmlinghausen- Volmerswerth). Strassen wurden verbreitert oder entstanden neu: die Fischerstrasse, die Immermannstr, die Jacobistr, die Steinstr, die Karlstr,  am gewaltigsten aber die Trasse parallel zur Kö: im Süden: Mecum-, Corneliusstr. und nördlich ein ganz neuer Name „Berliner Allee“ mit Willi Brandt 1960 als Taufpate.  Fünf Strassen verschwanden (Eck-, Viktoria-, Logen-, Hofgartenstrasse, Alexanderplatz), Häuserblocks wurden abgerissen, die größte Platzanlage „Königsplatz“ zerstört, vorhandene Strassen bekamen neue Richtungen(Stein-,, Grünstrasse), die Johanneskirche sollte verschwinden.

Durch die Gartengrundstücke der Stein-, Kreuz-, Marien-, Alexanderstr zog man geschickt die riesige neue Trasse, so dass nicht alle alten Leitungen zerstört werden mussten

Mitten im autogerechten Jubel kamen aber schon die ersten Zweifel.

Alexander Mitscherlich schrieb sein Buch über die „Unwirtlichkeit der Städte“,  Städteplaner, wie Bahrdt, forderten die Zähmung des Autos zugunsten des öffentlichen Verkehrs. „Steinerne Plätze“ in der Mitte sollten wieder zu einer Art mediterraner Kommunikation zurückführen.

Tamms dachte an den genialen Kompromiss: 2 Zentren für Bahn und Bus(HBF und Jan Wellem Platz), verbunden durch eine gigantische Immermannstrasse, den steinernen Platz (Gründgens) in der Mitte.

 Dann aber ,statt der Ringautostrecke um die City herum, die viele Planer wollten,  eine breite Autoachse Nord-Süd: den „Tausendfüßler“ plus Berliner Allee.

 

 Das Leben ist unvorhersehbar und immer anders als geplant:

Der Steinerne Gründgensplatz ist eine Kathastrophe, der Jan Wellem Platz nicht minder, die Immermannstrase wurde Klein Tokio, die Berliner Allee zerschneidet die City und ist selber tot.

Das Viertel, das von Tausenfüßler und Köbogen betroffen ist, war Anfang des 19. Jh das Herz von Düsseldorf. Die Preussenzeit machte daraus zwischen Kö und Oststrasse ihre „Königssstadt“ wie in Berlin mit einem alles beherrschenden „Königsplatz“, in den 6 Strassen mündeten: König-, Blumen-, Eck-, Marien-, Pfarrscheid-,(Bismarck), Josephinenstrasse. In der Mitte des Platzes stand später die größte protestantische Kirche Deutschlands (Johannes).  Vom Königsplatz kam man über die Blumenstr zum kleinen Schadowplatz, eine Grünanlage, die aus dem hier früher liegenden Kälbermarkt entstanden war. Weiter nördlich schloß sich das vornehmste Viertel überhaupt an: über Logen-, Viktoria-, Goltsteinstrasse zum Urhofgarten und seiner nobelsten Strasse: der Hofgartenstrasse, die am Wasserbogen zwischen Mühlenweiher (Landskrone) und Kögraben lag: unser künftiger „Köbogen“

In dieser Königstadt lebte und traf sich „Tout Düsseldorf“: der Adel, die Offiziere, die Maler, die Musiker, die Literaten. Treffpunkte waren das Friedrichsbad, die Loge, die Gartenlokale von Geissler und Hansen, die Salons der Schadow und Sybel

Die brutale Gasse der Berliner Allee zerstörte, durch den Krieg unterstützt, das filigrane Geflecht dieser Königsstadt

Zwischen Altstadtmauer und Eisenbahn, dh zwischen 1800 und 1850, liegt in Deutschland fast immer das diffizile Viertel, das man City nennt

Seit den Planungen eines Vagedes haben die Düsseldorfer  es nie in den Griff bekommen, so ist es auch jetzt

     
  16.

Das Parkhaus Ratingerstrasse soll weg

 

 

Der „Schandfleck“ Eingang Ratinger Strasse gleich hinter dem vornehmen Entree der Ratinger Tore soll weg. Aber der Investor, der in den Neubau ziehen soll, zögert noch. Vielleicht eine Galgenfrist für die grelle „Sankt Pauli“ Kneipe; das bescheidene „Soul Center“ hatte schon vorher das Handtuch geworfen.

Das Parkhaus hat eine kuriose Vorgeschichte

Weil die alte Stadtmauer (Mühlengässchen-Hinter der Mauer) schräg, die neue, jetzige Heineallee dagegen kerzengerade von Süd nach Nord verlief, wurden die Grundstücke zwischen Allee und Mauer nach Norden zu immer größer.  Auf so einem riesigen Grundstück( das heutige Parkhaus)saß seit 1860 Kommerzienrat Scheidt. Er hatte in Amerika ein Vermögen gemacht und erbaute hier seine pompöse „Villa New York“.

Bald jedoch wurde es unheimlich um dieses Haus. Scheidt besaß exotische Tiere und wie selbstverständlich in damaliger Zeit schwarze Boys als Dienstboten.

Die braven Hausfrauen der Ratinger Strasse gingen erschauernd am durch Bäume und Gebüsch getarnten Anwesen vorbei.   Schwarze Messen, so hieß es, würden hier zelebriert.  Entblößte Frauenleiber, schwarze Boys den schwarzen Panthern zum Fraß geopfert.   Schauerlich!

Scheidt hatte tatsächlich viel mit Tieren zu tun. Er stiftete um die Jahrhundertwende dem kränkelnden Zoo eine halbe Million, damit er „auf ewig“ erhalten bliebe.

Später wird Lore Lorenz sagen: „ein Düsseldorfer ist jemand, der seinen Zoo wiederhaben will“. Das ist allerdings zu bezweifeln. Mit stinkenden Giraffen haben die vornehmen Einwohner des Zooviertels nichts am Hut.

     
  17.

FELIX  in DÜSSELDORF

 

Die Welt feiert in diesen Tagen Felix Mendelsohn Bartholdy das „Wunderkind“, den zweiten Mozart. 200 Jahre Geburtstag

In Ddorf war er vor Schumann der erste Star, der von 1833-35 die „Rheinischen Musikfeste“, die 1818 in Düsseldorf zum 1. Mal stattgefunden hatten, zur Wallfahrtsstätte a la Bayreuth machte. So wohnte er denn auch beim anderen Düsseldorfer Star seiner Zeit, dem 46jährigen Akademiedirektor Wilhelm von Schadow in der heutigen Schadowstr 30 (jetzt FotoKoch)

Biedermeier in Düsseldorf: „eine Zeit des seligsten Rausches“(Uechtritz) „ein zweites medicäisches Zeitalter“(Stöcker).

Die Realität sah etwas anders aus. Die „Tonhalle“ von damals: das Ausflugslokal eines Konditors, eine Bretterbude; das Theater am Markt: „ein nichtswürdiges Gebäude“, in dem Zuschauer schon mal durch die morschen Balken durchbrachen.  Mendelsohn: “Man ist hier von fatalen Exemplaren umgeben, Predigern, die jede Freude bei sich und anderen versalzen, trockene prosaische Hofmeister, die ein Konzert für Sünde, einen Spaziergang für verderblich, ein Theater für den Schwefelpfuhl und den Frühling mit Baumblüten und schönem Wetter für ein Moderloch ausgeben“.

  Bei solch prosaischer Beschreibung der Stadt haben die Stadtväter sein Denkmal vor der Oper schnell eingeschmolzen. Es war schlimmer: er war Jude und es war Nazizeit. Aber auch seine Strasse in Flingern, die Mendelsohnstrasse, ist ganz ganz klein.

Der 24- jährige Musikdirektor, ein Weltstar, und der 38 jährige TheaterIntendant Immermann, der über ihn bestimmen wollte, das ging nicht gut.  Felix, der Glückliche, war unglücklich in Düsseldorf, und so hat er diese Stadt nach nur 2 Jahren verlassen.

     
  18.

Der Vorgänger des Affenschiffs

 

Die Monkey Gemeinde trauert. Seit drei Jahren nun schon ist das kultige Monkey Island geschlossen.  Seitdem gibt es verzweifelte Versuche, etwas zu retten, was es nicht mehr gibt oder zumindest Erinnerungen daran. Da sind die Monkey Restaurants im „Gap“, da ist ein neuer Sandkasten in der „Cantinery“ auf der Weizenmühlensstrasse, da ist der Club in der Steinstrasse. Der große Coup aber sollte werden: das Affenschiff: ein schwimmendes neues „Monkey Island“.

Das ist nun so gut wie vorbei. Ein Paar Erinnerungen:

Genau an der Stelle neben der Schnellenburg, wo  das Monkey Island Schiff starten sollte, lagen 1870 zwei riesige Schiffe.

Die Fracht war allerdings ganz anderer Art.

Die Abfallbeseitigung war noch in den Anfängen. Der Lukenteerer ging durch die Altstadtstrassen, um die Kellerluken, die an jedem Haus waren, gegen zwei Mißstände zu schützen: das fast alljährliche Hochwasser und die Geruchsbelästigung, die von den Jauchebehältern im Keller ausging.

Der Latrinenreiniger holte  einmal im Monat mit einem Pferdefuhrwerk die Jauche ab.

Früher ließ man das meiste einfach über die Mittelrinne der Strasse ablaufen.

Jan Wellem beschwerte sich in seiner „Polizeiordnung“ aus dem Jahre 1710.

Artikel 5:  „Ferkelställe und heimliche Gemächer sollen versteckt sein, damit der Nachbar nit verstänke“.  Artikel 19: „es ist aufs schärfste verbotten,  Nachtgeschirr und andere Unsauberkeiten, als wodurch Vorbeygehender an seiner Kleidung beschädigt und beschimpft wird, aus den Fenstern auf die Gasse zu schütten.  Und damit es nicht auf die unvermögenden Dienstboten geschoben werde, soll die Herrschaft selbst, bei der die Magd dient, dafür angesehen werden, sich selber beizumessen, dass sie solch liderliches Gesindel in ihren Dienst genommen“.  Und noch einmal Artikel 24: „es ist verbotten, Kot aus den Fenstern zu werfen, wo derselbe leicht durch passierendes Gefährt oder sonstige Ombstände auseinander getreten wird  und damit die Gasse in die größte Unsauberung versetzet wird.“

 

Die gesamte Jauche landete schließlich in zwei riesigen Schiffen neben der Schnellenburg, die man sinnigerweise  „Parfümerie  I“ und „Parfümerie  II „  nannte.

     
  19.

Copa Cabana am Stresemannplatz

 

 Es war einmal eine sehr schöne Strasse, die Visitenkarte von Düsseldorf, das billet déntree in die Stadt: die Rede ist von der Graf Adolf Strasse, die 1890 eröffnet wurde. Sie führte vom neuen Hauptbahnhof zur Königsallee: eine Zierde der aufstrebenden Industriestadt, die verrücktesten Cafes, die aufwendigsten Restaurants, die aufregendsten Nachtclubs, die Strasse der neun Kinomatographen, aber auch die Strasse der modernsten Geschäfte, die stolz die Produkte der Stadt (z. B. Werkzeugmaschinen) ausstellten.

 Das ist nun alles Geschichte.  Peep shows, Beate Uhse, Billigketten, lärmender Verkehr. Sechs Strassen münden in den Stresemannplatz, unter anderen die Ackerstr. vom alten Flingern her ,jetzt Karlstr genannt: alle schrecklich, am schrecklichsten die Strasse, die den Namen des frömmsten aller Düsseldorfer Maler trägt: Mintropstrasse. Mintrop malte immer Heilige und Madonnen. Unheilig geht es in seiner Strasse zu. Der Babystrich ist nicht weit

    Nun versucht man, die Zeit zurückzudrehen. Ein Anfang war schon gemacht worden: neue Verkehrsführung, neue Fahradwege, neue Haltestellen. Dann folgte der große Coup:  Copa cabana am Stresemannplatz, latin feeling, 67 Yuccapalmen, nachts in goldenes Licht getaucht.

 Geben wir dem Platz eine Chance! 1860 hieß es hier: „am Tunnel“. Die Eisenbahn fuhr auf der jetzigen Graf Adolf Strasse auf vier Gleisen nach Wuppertal oder nach Berlin. Der Bahnhof lag am Graf Adolf Platz. Der Tunnel unter den Gleisen führte von der Bahn- zur Ellerstrasse. Unten: hastende Arbeiter auf dem Weg zur Maloche in Oberbilk,  oben: fauchende Lokomotiven. Nebenan: rauchende Schlote von acht großen Fabriken zwischen Oststrasse und jetzigem Stresemannplatzplatz.   Es kann nur besser werden.

 

     
  20.

KÖBOGEN – Dilemma seit 200 Jahren

 

Die Königsallee soll an den Hofgarten geführt werden, damit das hässliche Durcheinander von Schnellstrasse (Elberfelder), Wüstenei und Strassenbahnen ein Ende hat. Die Kö endet heute abrupt in diesem Chaos.

Als ein Stück vom heiligen Hofgarten wegen der Hochstrasse 1961  vom Städteplaner Friedrich Tamms angekratzt wurde, gingen die Bürger auf die Strasse. Jetzt gehen sie wieder auf die Strasse. Der berühmte Architekt Libeskind besänftigt vielleicht die Gemüter. Der berühmte Architekt Adolf von Vagedes scheiterte 1830, als er die Königsallee an den Ostteil der Stadt anbinden wollte: auch er wollte den Hofgarten verändern. Beim Hofgarten verstehen die Düsseldorfer keinen Spaß.

 

 Die Sache war von Anfang an falsch gelaufen: 1645 schließen die Bürger ihr altes Flinger Tor, um nach neusten Regeln der Festungstechnik das neue Flinger Tor in die Mitte der Kurtine (Stadtmauer)zwischen Mühlen- und Flinger Bastion zu setzen( eine Bastion war das Kernstück der Stadtmauer, die Mühlenbastion lag auf dem heutigen Grabbeplatz, die Flinger Bastion  dort, wo heute das Marxhaus steht). Zum Missvergnügen der Düsseldorfer führte dieses neue Flinger Tor aber nicht, wie gewollt, in die Bolkerstrasse, sondern 30 m. weiter nördlich beim jetzigen Mc Donald gegen die Wand der Neustrasse.  Es brauchte fast 300 Jahre, genau bis 1932 (aus dem Torweg war ein ganzer Platz geworden: der heutige „Bolker Stern“), um das zu korrigieren. Damit nicht genug: hinzu kam, dass die Bolkerstrasse, anders, als es die alte Flingerstrasse getan hatte,  nicht zur Stadt hinausführte, sondern auf einen “Kälbermarkt“. Heute ist es ein Strassenbahndepot mit Namen Jan Wellem Platz und dahinter liegt der noch  schrecklichere Gründgensplatz.

Die Schließung des alten und der Bau des neuen Tores nur 100 m weiter nördlich, also zwei Tore in unmittelbarer Nachbarschaft nebeneinander führten also zum heutigen Dilemma des Jan Wellem Platzes.

Aus dem neuen Tor führte 1803 die später so genannte Elberfelderstrasse dann Kaiserstrasse heraus mit einem Bogen um den Landskronenweiher herum

 

 .Den Bogen nannte man Hofgartenstrasse. Er wird künftig „Köbogen“ heißen

 

Landskronenweiher und  Kö-Stadtgraben waren verbunden. Zwei Brücken führten hinüber: Elberfelderstr und Benratherstr.

An der Hofgartenstrasse entwickelten sich vornehme Häuser in exquisiter Lage direkt am Wasser, so z.B. das Sterbehaus Schadows. Der Adel saß hier und dann zogen die Industriekapitäne und Banker, die auch gern adelig sein wollten,  in die verarmten Adelshäuser, z. B. der Bankier Trinkaus, der das Haus des Hofmarschalls von Prietzelwitz übernahm. Direkt daneben lag das ungewöhnliche „Friedrichbad“ mit  Dampf- und Heilbädern. Ein Weg dahinter führte zur noblen „Loge“.

 Heute protestiert das Steigenberger Hotel gegen die profane Adresse „Corneliusplatz“, es wird „Königsallee 1a“ heißen. Und der Begriff „Köbogen“? Das wird die tollste Adresse. Trinkaus ist allerdings schon abgesprungen.

 

     
  21.

Inselstrasse: das Standesamt in altem Glanz.

Das Standesamt, das eine Zeit lang in die Mühlenstrasse ausquartiert worden war, ist wunderbar renoviert an den alten Ort zurückgekehrt.

 Die Inselstrasse, in bester Wohnlage am Hofgarten, hatte im 19. Jh. viele solcher Prachthäuser. Neben dem heutigen Standesamt stand um 1850 die Villa Nuova , berühmt für die rauschenden Ballnächte der Maler, die hier ihre Sommereinzugs- und Winterauszugsfeste feierten.

Hinter der Inselstrasse liegt die Scheibenstrasse. Sie war gefährlich: Das Militär hatte dort seine Schießscheiben. Einige Bürger fürchteten um ihr Leben.  Auf eine Klage des Kommerzienrats Schmitz hin,  der am Bein verletzt worden war, stellte die Garnison einen Hauptmann ab, der hinter dem Schießwall die Kugeln zählen musste, die hinüberflogen. Schließlich mussten wegen der vielen Prozesse die Schießstände in den Aaper Wald verlegt werden.

 Ganz früher führte die Inselstrasse zur Golzheimer Insel, auf der hoch aufgerichtet der Galgen stand. Alles in allem: eine gefährliche Gegend.

 „Trau Dich“, heißt heute einer der Hochzeitsslogans Ist Heiraten gefährlich? Wir halten es mit dem Dichterwort: “Drum prüfe, was sich ewig bindet, ob sich das Herz zum Herzen findet.“ 

     
  22

Leuchttürme auf der „Ulmer Höh“

 

Da gehören sie auch hin, weit sichtbar über ganz Derendorf. „Lighthouse“ heißt der schicke künftige Büro-und Wohnkomplex auf dem ehemaligen Rheinmetallgelände an der Ehrhardtstr

Allerdings waren die Leuchttürme von Rheinmetall eher Leuchtfeuer von Geschützen und Kanonen. Rheinmetall war nach Krupp die zweite Waffenschmiede Deutschlands mit zuletzt 80 000 Beschäftigten. Im Krieg 70/71 hatte man den Feind noch mit gewaltigen „Lichttürmen“ aus Bogengaslampen erschreckt. 1914 erfand Ehrhardt immer effektivere Feuermaschinen, die Tod und Verderben brachten

Heinrich Ehrhardt, der Erfinder nahtloser, nicht geschweißter Rohre, beliefert 1890 die ganze Welt mit Feuerwaffen, auch Engländer und Amerikaner. So schoss 1914 Rheinmetall auf Rheinmetall

Neben der Rheinmetall liegt der Knast “Ulmer Höh“. Die Ulmer Höh war ein Hügel auf der Ulmenstr, 3-5m nur, auf den man 1702, weithin sichtbar, den Galgen gesetzt hatte. 1889 wird das Gefängnis von der Schulstr hierher verlegt.  Nur dem Militär, das liegt gleich um die Ecke(Tannenstr), und dem Todesfabrikant und den Todgeweihten vom Knast war dieser Ort zuzumuten. Später sitzt hier noch die Müllabfuhr. Bis heute wohnt man nicht gerne auf dem Spichernplatz.

 

Das alte Hauptgebäude auf der Ulmer Höh hat an der Hauptfassade verschämt den ungeliebten Namen „Rheinmetall“ gelöscht, nicht gelöscht ist die Waffenproduktion.  Deutschland ist der Welt drittgrößter Waffenexporteur.

Der Tod ist ein Meister aus Deutschland. Er wirkte ganz nah bei uns, in  Derendorf, auf der Ulmer Höh.

     
  23

Warum Tunnels in Bilk und Brücken in Derendorf?

 

Die Eisenbahnbrücke Ackerstr wird renoviert, sie ist 120 Jahre alt. Man führte die alte Ackerkoppelstrasse vom Worringer Platz auf einen künstlichen Berg, danach wieder allmählich runter nach Flingern. Noch dramatischer musste die Erkratherstr mit Kurve auf einen Berg gebracht werden (Langerstr), um die Gleise zu überbrücken, sie beruhigt sich erst wieder bei der Albertstr. Erst nach dieser Prozedur konnten diese „Bergstrassen“  ab 1900 bebaut werden.

Zur Zeit des Umbaus der drei Privatbahnen zu der einen preussischen Staatsbahn und seit der Gründung des jetzigen HBf, also um 1885 durch den Stadtplaner Stübben, waren die „Planübergänge“, die Kollisionen von Strasse und Bahn, zu einem Problem geworden. Stübben liebte diese Kollisionen, er konnte hier Strassen bündeln und zu einem Stern machen, seine Lieblingsidee(Derendorf hat 6 Stübbensterne).

Ddorf HBF und Bilk haben Tunnels,  der Norden und Osten dagegen Brücken.   Warum ist das so?

Die erste Eisenbahn von 1838 brauchte weder Brücken noch Tunnel, sie fuhr schnurstracks vom Graf Adolf Platz durch Flingern bis Gerresheim und nutzte dann die einzige größere Öffnung im Gebirgskörper: das Düsseltal. Später folgten Trassenbauer(die gab es seit der Kanalzeit vor der Eisenbahn) und hier bei Erkrath der Seilbahntrick: die runterfahrende Lok zog die andere hoch.

   Die zweite Bahn 1845 führt schon sehr früh (1860) zur ersten Strassenbrücke Wehrhahn an dieser wichtigsten Oststrasse, der alten Reichstrasse 1

Die erste Eisenbahnbrücke über den Rhein 1870 lag  hoch auf einem Damm(vor den Brücken hatten „Trajekte“ mit Hilfe von Fähre und zwei Lifttürmen die Züge vom niederen Wasserspiegel auf die Ufer hochgehievt(z.B. Oberhausen). Auf alten Hamm Bildern sieht man immer den hohen Bahndamm mit der kleinen Puffbahn drauf. Der gesamte HBF wurde nun hochgesetzt auf das Niveau der Hammer Eisenbahnbrücke. Bilk bekam jetzt mit dem Damm sieben Tunnels(Hüttenstr, Oberbilker, Cornelius, Weber, Brunnen, Bach, Volmerswerther).Der  Hbf konnte nur mit Bahnsteigen betreten werden(bis heute so).Wobei das Wort “einsteigen“ noch älter ist: die Waggons lagen aus statischen Gründen hoch, man musste hochsteigen, eben „steigen“, daher auch der Begriff „Perron“ vom italienischen petrone: einem Stein im Hof zum Besteigen der Pferde. Besonders

Whisky oder Killepitsch  die neue Plockbrücke über die Völklingerstr

Schnitzler, der  Uerige Baas, will eine Whiskyfabrik im Medienhafen quasi dem Killepitsch gegenüber. Er braucht Platz an der Holzstrasse und will im Tausch sein Grundstück abgeben, das der neuen Plockbrücke noch fehlt.

Das Nadelöhr Plockstrasse, d.h. der Zugang zum Hafen durch heiliges Hamm Land, war von Anfang an eins der Hauptprobleme gewesen. Karl Plock, der erste Mann des Hafens, bekam als letzter seine Strasse, aber die Probleme waren nicht gelöst.

Im eleganten Bogen werden nun Plock- und Völklingerstrasse verbunden.

Die Völklingerstrasse hat eine interessante Geschichte Es gibt sie erst seit Gründung des Südfriedhofs 1904, dann mit breiter Platanenallee 1927 seit der Anbindung an die Südbrücke.

Jan Wellem hatte seine „Neustadt“ bis zum heutigen Stadttor(Hafen) geplant. Der gekrümmte „Lahnweg“ mit den einfachen Reihenhäusern gibt bis heute genau die südlichste Bastionsspitze wieder. An der Hauptstrasse, der Neusserstasse, lag seit 1709 die erste Synagoge. Daraus wird 1773 das Hubertusstift,  1800 das erste Krankenhaus(all dies: Neusserstr 25, heute noch zu sehen). Gegenüber plante Jan Wellem sein neues Schloss, es reichte nur für die große Cavalleriekaserne der Husaren viel später 1820 (heute Polizeipräsidium).

Wo der Knick in der Neusserstr ist (Tellstr), verließ man Jan Wellems Neustadt, entweder links zur Loretokapelle (heute Bilker Dom) oder rechts über die Dorfstrasse nach Hamm („Brückenstr“ seit der Hammer Eisenbahnbrücke 1870). Auf dem Weg nach Hamm baute JW die Schneidemühle(heute Killepitsch), ein Sägewerk, später einsame Verbrecherbude und  Viehstall der Jesuiten, die für die Loretokapelle verantwortlich waren und im Jesuitenhof saßen(heute Kneipe „Frida“ gegenüber Bilker Dom). Sie hatten einen großen Düsselweiher(die frühere Mühle) mit Forellenzucht(Weiherstrasse). Ihnen gehörte auch die jetzt noch bestehende Jan Wellem Kapelle( 1668 zum Gedenken an JW Geburt an der Fährstr gestiftet). Von hier aus ging man in 7 „Fußfällen“ zur Lambertuskirche (3km: genau die Strecke, die Jesus vom Herodespalast bis Golgatha ging). Zwei der sieben Stationen gibt es heute noch am Kapellweg(neben dem Hochsicherheitsknast). Der Kapellweg verlief bis zur Brückenstr, dann Neusser-Altstdt. Auf dem Weg nach Hamm kam beim UciKino eine kleine Insel ( Carl Theodorinsel),  dahinter die große Lauswardinsel, erst hinter dem Inselgewirr konnten die Treidelschiffer vom linken Heerdtufer auf die rechtsrheinische Hammseite rüber.  Die beiden Inseln werden 1836 verkauft.  Freiherr von Diergard aus Haus Roland (Grafenberg) eröffnet 1860 auf der Lausward in englischer Mode die Pferderennbahn.

Zurück zur Neusserstr:

 Die Rückseite: Hubertusgasse, heute Moselstr, grenzte direkt an den Rhein. Der Hafen 1896 ist also mit den ersten drei Becken(Fernsehturm) direkt in den Rhein hinein gebaut worden, der hier enorm breit war. Buhnen und Wellenbrecher in der gefährlichen Kurve besänftigten die Strömung. An der Ecke Hubertusstr(später Gewerschaftshaus) gab es eine sittsame „Zellenbadeanstalt“, in der Damen, zugeknöpft bis oben, unbeobachtet, ihre nackten Füsse baden konnten. Zwischen Moselstr und Brückenstr lag „die wahre Höhle des Jammers“: die Irrenanstalt von 1826, die vom Hubertusstift Neusser 25 hierhin verlegt wurde. Daraus wird sehr viel später das Studiengebäude der VHS und heute das Stadttor

Die Eisenbahn von 1870 zur Hammer Brücke verlief auf der Haroldstr bis zum Rhein, dann ein Knick und kerzengerade auf die Brücke zu.   Sie schafft neben der alten Brückenstr eine neue „Uferstrasse“, heute Stromstr.  Die „Kampfsche Windmühle“, Ecke Fürstenwall/ Neusserstr, aus der mehrere Dampfmühlen entstehen, initiiert plus Eisenbahn eine Reihe von Industrien, am größten die Kammgarnspinnerei Bockmöhl ,Lippestr, hinter der heutigen „Curry“Kneipe, mit 120 weiblichen Beschäftigten. Um sie wurde in der „Sööße Eck“ Ritterstr heiß gekämpft.

 

Nun aber die „VÖLKLINGER“, entschuldigen Sie den Umweg.

Sie startet zunächst als Hafenzufahrt (Völklingen: berühmter Erzbinnenhafen), dann Friedhofstr 1904 und schließlich  1927 als enorm verbreiterte Platanenallee. Mehrer Strassen verschwanden: Emscherstr(Siegstr), Holterweg(zwei Höfe stehen noch quer in der Flur), am Haselbusch( ein verlassenes Geisterhaus steht noch).

 Die Völklinger entstand auf der Trasse des „Bilker Damms“, eines damals berühmten Deiches

.Alle Rheinschutzdeiche liegen im Süden, denn von hier kam die Gefahr. Der Stoffeler Damm schloß nahtlos an den Aderdeich an (beide noch da). Das Doppelpack Volmerswerther- und Fleherstr. zog sich auf einer Hügelkette hin (Tetelberg, Schwarze Berge, Gantenberg), bot also  einen natürlichen Schutz. Das ungeschützte  gefährdete Gebiet lag zwischen jetzigem Mr Wash und Stadttor. Also schuf man hier 1850 den Bilker Damm.

Die heutige Völklinger ist der alte Bilker Damm

Als der Tunnel gebaut wurde, floß der Verkehr der B1, also der Rheinuferstr,  auf Stelzen am Landtag vorbei zur Völklingerstr. Wir gingen zur „Nana“ (heute „Curry“ unter den Stelzen über wüstes Land, Unkrautwiesen, hässlicher  nur noch durch  das Mannesmann Parkhaus. Die Sprengung der Stelzenstrasse 1986 war eine kleine Sensation.

Als alles zu Ende war, als der alte Hafen starb, wurde noch einmal richtig auf die Pauke gehaun

Im verlotterten Ziegelbau des Zollhofs gab es sexy Modeschauen, im Aquarium von Maassen zitterten die Fische. Am schönsten war es in der Ruine der Kammgarnspinnerei in der Lippestrasse. Ein französischer Zirkus „Der sieben Sinne „ lud ein.  Wir schlürften Sekt aus wunderschönen Bauchnabeln, wir lauschten Posaunen und Trompeten, wir gingen ins Dunkel und wieder ins Licht und wir tauchten blind unsere Hände in Fensterhöhlen, erschauernd, weil wir nicht wussten, waren es kalte Frösche oder weibliche Brustspitzen, die wir berührten. Römische Dekadenz.

den Düsseldorfern entgegen, weil auf diese Weise das hässliche qualmende Oberbilk hinter Deichen verschwunden war. Ddorf behielt den Charakter einer gepflegten Gartenstadt.

 Im Norden, in Derendorf, lässt man die Bahn wieder runter, sie musste nicht auf eine Rheinbrücke hoch. Jetzt müssen die Strassen als Brücken rüberkrabbeln(heute „Dreibrückenstadt“)

„Bahndamm“ ist in Düsseldorf einschlägig belegt. Wenn der Zug, aus Köln kommend, auf Gleis 18 landete, kippte er vorher fast um, zu sehr lockte einseitig die Sünde. Seitdem gibt es Sichtblenden. Schade, ein bißchen Sünde tat gut.

     
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Whisky oder Killepitsch  die neue Plockbrücke über die Völklingerstr

 

Schnitzler, der  Uerige Baas, will eine Whiskyfabrik im Medienhafen quasi dem Killepitsch gegenüber. Er braucht Platz an der Holzstrasse und will im Tausch sein Grundstück abgeben, das der neuen Plockbrücke noch fehlt.

Das Nadelöhr Plockstrasse, d.h. der Zugang zum Hafen durch heiliges Hamm Land, war von Anfang an eins der Hauptprobleme gewesen. Karl Plock, der erste Mann des Hafens, bekam als letzter seine Strasse, aber die Probleme waren nicht gelöst.

Im eleganten Bogen werden nun Plock- und Völklingerstrasse verbunden.

 

Die Völklingerstrasse hat eine interessante Geschichte Es gibt sie erst seit Gründung des Südfriedhofs 1904, dann mit breiter Platanenallee 1927 seit der Anbindung an die Südbrücke.

 

Jan Wellem hatte seine „Neustadt“ bis zum heutigen Stadttor(Hafen) geplant. Der gekrümmte „Lahnweg“ mit den einfachen Reihenhäusern gibt bis heute genau die südlichste Bastionsspitze wieder. An der Hauptstrasse, der Neusserstasse, lag seit 1709 die erste Synagoge. Daraus wird 1773 das Hubertusstift,  1800 das erste Krankenhaus(all dies: Neusserstr 25, heute noch zu sehen). Gegenüber plante Jan Wellem sein neues Schloss, es reichte nur für die große Cavalleriekaserne der Husaren viel später 1820 (heute Polizeipräsidium).

 

Wo der Knick in der Neusserstr ist (Tellstr), verließ man Jan Wellems Neustadt, entweder links zur Loretokapelle (heute Bilker Dom) oder rechts über die Dorfstrasse nach Hamm („Brückenstr“ seit der Hammer Eisenbahnbrücke 1870). Auf dem Weg nach Hamm baute JW die Schneidemühle(heute Killepitsch), ein Sägewerk, später einsame Verbrecherbude und  Viehstall der Jesuiten, die für die Loretokapelle verantwortlich waren und im Jesuitenhof saßen(heute Kneipe „Frida“ gegenüber Bilker Dom). Sie hatten einen großen Düsselweiher(die frühere Mühle) mit Forellenzucht(Weiherstrasse). Ihnen gehörte auch die jetzt noch bestehende Jan Wellem Kapelle( 1668 zum Gedenken an JW Geburt an der Fährstr gestiftet). Von hier aus ging man in 7 „Fußfällen“ zur Lambertuskirche (3km: genau die Strecke, die Jesus vom Herodespalast bis Golgatha ging). Zwei der sieben Stationen gibt es heute noch am Kapellweg(neben dem Hochsicherheitsknast). Der Kapellweg verlief bis zur Brückenstr, dann Neusser-Altstdt. Auf dem Weg nach Hamm kam beim UciKino eine kleine Insel ( Carl Theodorinsel),  dahinter die große Lauswardinsel, erst hinter dem Inselgewirr konnten die Treidelschiffer vom linken Heerdtufer auf die rechtsrheinische Hammseite rüber.  Die beiden Inseln werden 1836 verkauft.  Freiherr von Diergard aus Haus Roland (Grafenberg) eröffnet 1860 auf der Lausward in englischer Mode die Pferderennbahn.

Zurück zur Neusserstr:

 Die Rückseite: Hubertusgasse, heute Moselstr, grenzte direkt an den Rhein. Der Hafen 1896 ist also mit den ersten drei Becken(Fernsehturm) direkt in den Rhein hinein gebaut worden, der hier enorm breit war. Buhnen und Wellenbrecher in der gefährlichen Kurve besänftigten die Strömung. An der Ecke Hubertusstr(später Gewerschaftshaus) gab es eine sittsame „Zellenbadeanstalt“, in der Damen, zugeknöpft bis oben, unbeobachtet, ihre nackten Füsse baden konnten. Zwischen Moselstr und Brückenstr lag „die wahre Höhle des Jammers“: die Irrenanstalt von 1826, die vom Hubertusstift Neusser 25 hierhin verlegt wurde. Daraus wird sehr viel später das Studiengebäude der VHS und heute das Stadttor

Die Eisenbahn von 1870 zur Hammer Brücke verlief auf der Haroldstr bis zum Rhein, dann ein Knick und kerzengerade auf die Brücke zu.   Sie schafft neben der alten Brückenstr eine neue „Uferstrasse“, heute Stromstr.  Die „Kampfsche Windmühle“, Ecke Fürstenwall/ Neusserstr, aus der mehrere Dampfmühlen entstehen, initiiert plus Eisenbahn eine Reihe von Industrien, am größten die Kammgarnspinnerei Bockmöhl ,Lippestr, hinter der heutigen „Curry“Kneipe, mit 120 weiblichen Beschäftigten. Um sie wurde in der „Sööße Eck“ Ritterstr heiß gekämpft.

 

Nun aber die „VÖLKLINGER“, entschuldigen Sie den Umweg.

Sie startet zunächst als Hafenzufahrt (Völklingen: berühmter Erzbinnenhafen), dann Friedhofstr 1904 und schließlich  1927 als enorm verbreiterte Platanenallee. Mehrer Strassen verschwanden: Emscherstr(Siegstr), Holterweg(zwei Höfe stehen noch quer in der Flur), am Haselbusch( ein verlassenes Geisterhaus steht noch).

 Die Völklinger entstand auf der Trasse des „Bilker Damms“, eines damals berühmten Deiches

.Alle Rheinschutzdeiche liegen im Süden, denn von hier kam die Gefahr. Der Stoffeler Damm schloß nahtlos an den Aderdeich an (beide noch da). Das Doppelpack Volmerswerther- und Fleherstr. zog sich auf einer Hügelkette hin (Tetelberg, Schwarze Berge, Gantenberg), bot also  einen natürlichen Schutz. Das ungeschützte  gefährdete Gebiet lag zwischen jetzigem Mr Wash und Stadttor. Also schuf man hier 1850 den Bilker Damm.

Die heutige Völklinger ist der alte Bilker Damm

Als der Tunnel gebaut wurde, floß der Verkehr der B1, also der Rheinuferstr,  auf Stelzen am Landtag vorbei zur Völklingerstr. Wir gingen zur „Nana“ (heute „Curry“ unter den Stelzen über wüstes Land, Unkrautwiesen, hässlicher  nur noch durch  das Mannesmann Parkhaus. Die Sprengung der Stelzenstrasse 1986 war eine kleine Sensation.

 

Als alles zu Ende war, als der alte Hafen starb, wurde noch einmal richtig auf die Pauke gehaun

Im verlotterten Ziegelbau des Zollhofs gab es sexy Modeschauen, im Aquarium von Maassen zitterten die Fische. Am schönsten war es in der Ruine der Kammgarnspinnerei in der Lippestrasse. Ein französischer Zirkus „Der sieben Sinne „ lud ein.  Wir schlürften Sekt aus wunderschönen Bauchnabeln, wir lauschten Posaunen und Trompeten, wir gingen ins Dunkel und wieder ins Licht und wir tauchten blind unsere Hände in Fensterhöhlen, erschauernd, weil wir nicht wussten, waren es kalte Frösche oder weibliche Brustspitzen, die wir berührten. Römische Dekadenz.

     
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