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Dieter Jaeger
- Geschichte - Düsseldorf -
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I. Die Düsseldorfer Stadtteile
II.
Essen und Trinken einst und jetzt |
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(letzte
Änderung:
19.12.2011 17:48) |
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I.
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Die Düsseldorfer Stadtteile
Parallel zur
Serie der RP: die Stadtteile
1. Pempelfort, die heimliche Hauptstadt
2. BILK das andere
Dorf an der Düssel
3. Flehe an der
Fleeth
4. Garath und
Hellerhof- Rosa Schmetterlinge und
Grüner Turm
5. Heerdt in die
Ecke gedrängt
6. Flingern-
Nord Düsseldorfs Lieblingskiez
7. Urdenbach, das
Dorf mit Herz
8. Eller ein
mächtiges Rittergeschlecht
9. Benrath-schmachtende Liebe hinter Tapetentüren
10. Hassels--- die
Siedlung im Wald
11. Angermund die
Rosenstadt
12. Lörick uralt
und hochmodern
13. Flingern-Süd es
lebe Fortuna
14. Kaiserswerth
Leben wie im Himmel
15. Ludenberg schon mal gehört?
16. Lichtenbroich
hinter der letzten Landebahn
17. Kalkum Idylle
pur
18. Unterbilk
der Renner
19.
Oberkassel Insel der Seligen - Oder?
20. Mörsenbroich
„die Frösch“ von den „Benden“
21. Holthausen
alles Henkel oder was
22. Derendorf
bunter Batzen dickes Ding
23. Vennhausen reif für die Insel ?
24. Hamm alles nur Kappes?
25. Itter Fluß
ohne Wiederkehr
26. Carlstadt
die junge Altstadt
27. Düsselthal der
vornehme Zoo
28. Volmerswerth die Pirateninsel
29. Lohausen der Flughafen
30. Wittlar der weiße Grund
Worpswede am Rrhein
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II. |
Essen und Trinken einst und jetzt
xx. Die letzte
Bastion der Düsseldorfer, die Retematäng, die
Ratingerstrasse,
wankt.
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1. |
Pempelfort, die heimliche Hauptstadt
Pempelfort war
kein Ort, nicht mal ein Weiler, nur ein einzelner Hof an der Furt
über die Düssel, der dem Bauer Pempel gehörte
Aber später wird
aus dem herzoglichen Gemüsegarten des 16.Jh und dem Jagdzeughaus des
Jan Wellem die erste Osterweiterung der Stadt zur alten Hauptstrasse
Köln-Duisburg hin. Das Jagdhaus wird im 18.Jh zum Schloß, der
Gemüsegarten zum 1. Garten Deutschlands, zum Prunkstück aller
Touristik und Pempelfort wird seit Jacobi und Goethe zur heimlichen
Hauptstadt, wo alle wohnen wollen.
Hier entsteht
mit Prinz Friedrich und Fürst Karl Anton im 19.Jh eine Art neuer Jan
Wellem, ein neuer Sonnenkönig. Die Hofgartenstr und alle Strassen um
das Schloß herum avancieren im 19/ 20 Jh zur vornehmsten Gegend der
Stadt. Alle Maler wohnen hier, das Militär, die Literaten, die
Industrieanten, die creme de la creme. Die Kirche wird dann auch
zum „Dom“ von Düsseldorf.
Vom Zentralen
Marktplatz aus an der Furt ging man an Jan Wellems Marstall mit dem
schönen Giebel vorbei nach Düsseldorf zur Ratingerstrasse,
entgegengesetzt über die Düsselthalerstr zur größten
Touristenattraktion des 18. Jh, dem unheimlichen Trappistenkloster
in Düsselthal, über die Adlerstrasse ins alte Flingern und über die
Derendorferstr nach Derendorf und Rath, und man saß natürlich an
der Kutschenhauptstrasse zwischen Köln und Duisburg, ein Privileg,
das Düsseldorf nicht hatte
Pempelfort war
Düsseldorfs Sommerresidenz. Wer es konnte, hatte hier sein
Sommerhaus mit großem Garten.
Der Pempelforter,
der zwar seinen zentralen Platz und seine Kirche verloren hat,
strahlt heute noch etwas von seiner alten Würde aus. Fast fürchtet
man sich vor ihm. Am Rande des Stadtteils, an der Moltkestrasse z.
B. nennt man sich schüchtern eher einen Bauern oder Soldaten von
Derendorf.
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2. |
BILK das andere
Dorf an der Düssel
1980 feierten
sie „Düsseldorf bei Bilk“, und Recht haben sie, die Bilker. Lange vor Ddorf
erwähnt, Mutterkirche von St Lambertus, heute stolzer Kiez um
Brunnen- Merowingerstr herum. Der Bilker ist eine Sonderform des
Düsseldorfers
Der Ursprung an
der Martinstr auf dem Tetelberg mit der ältesten Ddorfer Kirche und
Friedhof ist heute etwas vergessen. Die Entwicklung ging der Düssel
entlang an der Suitbertusstr bis zur Fruchtstr, auf der man mit den
Feldfrüchten heimkehrte.
Der Rest
entsteht am Ende des 19. Jh. Geschichtsbewußt bei der Namensgebung
für die neuen Strassen fährt man in Bilk (auch wenn man nie ankommt)
auf Merowinger- und Karolingerstrasse zur Kaiserpfalz nach
Aachen(Aachener Strasse), denn nur hier in Bilk gab es einen
karolingischen Königshof (Burghofstrasse)
Himmelgeist war
die Endstation aller Rheinfahrer, die die gefährlichen
Mäander(Kurven) bei Ddorf fürchteten: die Himmelgeister Strasse
sind sie dann die Reststrecke geritten, heute Brunnenstr (von den
Himmelgeister/ Fleher Wasserwerken her), Die Brunnenstrasse ist das
jetzige Zentrum von Bilk.
Die andere
Hauptstrasse führte seit Urzeiten vom Gerresheimer Neusser Tor über
Bilk nach Neuss. Es ist die Oberbilker- Bilker Allee, die allerdings
zunächst die Bachstrasse nutzte. Die Bilker Urkneipen sitzen hier: Manes
„Haus der Freude“ früher „Paulushaus“, Haus der Freiheit“, „Zwölf
Apostel“, die andere Urkneipe sitzt neben der alten Kirche: „Deutzer
Hof“
Im 20. Jh kommt
das Krankenhaus, schließlich die Uni mit der medizinischen Fakultät
nach Bilk, vorher gab es hier schon die Sternwarte, und so haben
viele Strassennamen hier mit der Medizin oder den Sternen zu tun.
Ddorfs
zweitältestes Industrieviertel (nach Pempelfort: beide hängen von
der Düssel ab) hat wenige Spuren hinterlassen: Auto Becker`s großer
Turm( eine Papierfabrik) und vor allem der Salzmann Bau (wiederum
Papier) der Firma Jagenberg mit „Jazzschmiede“, „Offene Radio
Werkstatt, „Leben in der Fabrik“, „Bürgerhaus Bilk“.
Bilk ist der
größte aller alten Stadtteile, dh der kleinen Siedlungen, die schon
1390 mit Flingern, Derendorf, Hamm zur Stadt Ddorf gehören. Jan
Wellem lockte sie, von Bilk weg in die Stadt innerhalb der
Stadtmauer zu ziehen. Steuerfreiheit gab es und eine eigene Strasse:
die Strasse ihres Heiligen Martin: die Mertensgasse. Aber die Bilker
blieben standhaft, sie sitzen heute noch da, wo sie immer saßen.
Die Sonderrolle
unterstreicht, warum es auch nur hier das einzige noch erhaltene
Vorstadtkino , das „Metropol“gibt.
Dummerweise
macht die Düssel am Tetelberg einen Knick nach Nord, sie mündet
nicht in Bilk, sonst wäre Bilk heute Düsseldorf

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3. |
Flehe an der
Fleeth
Flehe liegt auf
der hohen Kante 2m höher als Volmerswerth, die Insel, die immer
unter Wasser lag. Aber Volmerswerth hatte den fruchtbaren Lehmboden,
Flehe hatte nur Sand. Volmerswerth war daher größer, hatte eine
Kirche, Flehe nicht
Die Fleeth, eine
Altarmrinne des Rheins, trennt die beiden feindlichen Schwestern.
Sie ist heute noch sehr gut zu sehen im „Draap“ südlich von Hamm
oder im alten Volmerswerther Friedhof, heute ein Park. Ein Deich
hinter der Fleeth, der Aderdeich schützte bald Ddorf an seiner
verwundbarsten Stelle. Auch er ist ganz erhalten
Die Fleher
ärgerten die Volmerswerther: sie waren die ersten in der fremden
Kirche, nahmen ihnen die besten Plätze weg Da rächen sich die
Volmerswerther. Ein Holzgestell, fast eine Kirche, stand eines Tages
an der Fleher Strasse. Streit, Krieg, die Fäuste flogen, ein Pferd
wurde erstochen. Heute haben auch die Fleher eine Kirche
Am Ende der
Fleherstr gibt es zwei Berge: den Gantenberg und den Bückerberg, so
hoch liegt Flehe. Es ist zwar das vorletzte Flußbett des Rheins,
die so genannte Niederterrasse, aber auf diesem alten Flußbett gibt
es oft kleine Sandverwehungen, die die Ddorfer „Geisten“(holländisch
Geest, Himmelgeist z.B.) oder eben „Berge „ nennen.
Der
Kutschenfranz von der Fleherstr saust mit seiner Kutsche und den
Pferden Max und Moritz die Berge hinunter in die Altstadt, wo er
Touristen die Stadt zeigt. Früher zog die tanzfreudige Jugend den
Berg hinauf zum „Fleher Hof“, wo die Post abging.
Und wenn es sehr
spät war, zogen sie weiter zum Fluß und hielten sich einander fest.
Wenn die Liebe vorbei war, gingen sie wieder zum Fluß und schauten
dem ewigen Strömen zu. Das war wie ein großer Trost
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4. |
Garath und
Hellerhof- Rosa Schmetterlinge und Grüner Turm
Als Howard
Ebenezer 1902 sein Buch „Garden Cities“ schrieb, war das eine
Sensation. Stadt und Land miteinander verbinden, weg mit den
düsteren Slums der industriellen Revolution.Le Corbusier verfeinerte
das 1933(Charta von Athen): strenge Trennung von Wohnen und
Arbeiten. Heute sieht man das wieder ganz anders: der Trend ist eher
zurück in die Stadt, wo alle Lebenfunktionen vereint sind. Arbeiten,
Wohnen, sich Amüsieren, die „Altstadt“ eben als Idealfall
Garath war so
eine Gartenstadt 1961 geboren, aber sie kam in den 70igern einer
Strafversetzung gleich: hohe Wohnkomplexe, Beton, Aussiedler, eine
einzige Kneipe in Hellerhof. Ratingen West und Garath wurden zu
Schreckgespenstern: ein Heizturm statt einer Kirche als Wahrzeichen,
die hohen Bahnsteige der S-Bahn als zentraler Markt.
Heute sieht man
vieles in milderem Licht. Eine hervorragende Freizeitstätte, der
bequeme öffentliche Verkehr, die vielen Vereine, der „Alte Rhein“
vor der Tür.
1961 hatte
Friedrich Tamms, der Erbauer des Tausendfüßlers und der
„Brückenfamilie“ die neue Stadt quasi aus der Wiese heraus
geschaffen: vier große Strassenbögen mit Stichstrassen in den Bogen
hinein, das war die alte Ebenezer-Idee
Zuerst im NW:
die Architektenstadt mit Strassennamen seiner Kollegen, dann der SW:
das Literatenviertel, dann die Ostseite mit den Ostsiedlern und im
SO den Widerständlern gegen Hitler, in der Mitte am Bahnhof: die
gerade verklungene Adenauerzeit(Schumacher, Ollenhauer, Erler). Aus
Garath Süd wird dann mit kleinerer Bauweise in den 80igern Hellerhof
(Logo: ein rosa Schmetterling)
Am Mühlenbach
schließlich der Ursprung: Schloß Garath
Die Römer waren
von ihrem Kastell Bürgel, das vor 2000Jahren noch linksrheinisch
lag(Altarm Urdenbacher Kämpe) an der Stelle, wo die gefährdete Aue
und Niederterrasse am schmalsten, also am schnellsten zur
schützenden höheren Mittelterrasse hin überquert werden konnte, am
heutigen Heller Hof und Haus Garath vorbei zum uralten Mauspfad
vorgestoßen, der rechtsrheinisch auf der geschützen Mittelterrasse
an Morp und Haus Unterbach vorbei Richtung Ruhrtal führte. Der
römische Vorgänger von Haus Garath hatte also Schutzfunktion über
diesen wichtigen Rheinübergang und seine Fortsetzung zum Mauspfad.
Die Herren von „Garderode“
werden erst 1271 erwähnt. Der berühmteste Besitzer von Haus Garath
war später die Adelsfamilie Vellbrück (seit 1550). Ein Vellbrück
baute den heute noch vorhandenen Torturm 1610, ein Vellbrück
begleitet Jan Wellem auf seiner Cavalierstour 1674-77, ein anderer
wird Fürstbischof von Lüttich und ab 1730 sitzen die Vellbrücks
auch im heutigen Stadtmuseum Bäckerstrasse, dem schönsten
Adelspalais von Ddorf
Graf Vellbrück
von Garath/Lüttich war ein feuriger Liebhaber und Tänzer, die
Lütticher haben ihm das ein wenig übel genommen. Für Garath tuts
gut. Tanzen und Lieben rosa Schmetterling und grüner Turm
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5. |
Heerdt in die
Ecke gedrängt
Wenn man von
Heerdt nach Neuss will, kommt man im lieblich klingenden
Barbaraviertel (uralte Barbarakapelle) durch eins der grausigsten
Gebiete Düsseldorfs. Es ist, als ob Neuss den Abfall, den Verrat
durch bestrafend scheußliche Bauten offenkundlich machen will.
Heerdt liegt sowieso im Abseits, schwer erreichbar. Umgekehrt gibt
es die gleiche Distanz. Wenn die Oberkasseler nach Ddorf fahren,
sagen sie „in die Stadt“, die Heerdter sagen „nach Düsseldorf“.
Vom Rhein
bedroht, wie sonst niemand, von Neuss begehrt, später von Ddorf,
dann aber fallen gelassen wie der Mohr, der seine Schuldigkeit
getan, denn Oberkassel wurde das Objekt der Begierde. Heerdt blieb
nur die Rolle einer riesigen Verkehrsspinne. Heute brausen wir auf
Autobahnen über Heerdt und an Heerdt vorbei
Das Kirchspiel
Heerdt, also der Mittelpunkt des linksrheinischen Düsseldorf mit den
Bauernschaften Ober- Niederkassel und Ober-Niederlörick, war zwar
von Anfang an Neuss und somit Köln untertan, entwickelte aber im
Kampf um den Hafen bald eine eigene Position. Um z.B. dem Mühlenbann
der Geismühle (existiert immer noch, 10 km weit bei Ossum) unter Amt
Linn zu entgehen( Köln besaß die Ämter Neuss, Kempen, Uerdingen
und Amt Linn mit 5 Kirchspielen, darunter Heerdt und Büderich),
kauft Heerdt 1574 eine eigene Mühle mit Mühlenbann auf dem
Himmelsberg(Sie wurde 1923 von belgischen Soldaten als Schießplatz
benutzt, dann abgerisen, heute gibt es neben dem Friedhof nur noch
die Strasse “am Mühlenberg“)
Am Anfang von
Heerdt standen zwei Damen: das Damenstift von Haus Meer im Norden
und das Damenstift von Quirinus Neuss im Süden( als Kloster von
Gladbach aus schon 950 gegründet). Später kommen die Städte Neuss
und Ddorf und mit ihnen zwei Machtbereiche Köln gegen Jülich/ Berg
Heerdt steht
immer in der Mitte und wird zerrissen
Die mächtigen
Damen von Neuss (eine Äbtissin, Schwester des Papstes, hatte die
Gebeine des Märtyrers Quirinus von der via appia in Rom nach Neuss
geholt) bauen 1100 den Hof Heerdt und 1150 die Kirche. Neuss wurde
Hauptstadt im Kölner Niederstift und in den Wirren der Reformation,
des Kölner Truchsesskrieges, werden dann Neuss und Heerdt zerstört
Seit 1250 etwa
beginnt die Tragödie von Neuss.
Der Rhein
prallt vom Hochufer Grimmlinghausen ab in Richtung Hamm, zerstört
dabei 1446 das Dorf Niel, verlegt sein Hauptbett von Neuss weit weg
nach Osten. Der Zoll war 1372 nach Zons verlegt worden Seit dieser
Zeit suchen die Neusser nun schon 800 Jahre lang wieder neuen Zugang
zum Rhein. Sie lenken die Erftmündung vom Süden weg in einen Altarm
des Rheins (Erftkanal),der südlich von Heerdt in den neuen jetzigen
Rhein mündet. Im 19. Jh bietet das dann die genutzte Chance, einen
Riesenhafen zwischen Erftkanal und Rhein zu bauen, größer als in
Ddorf, der in diesen Tagen ja auch Ddorf schluckt
Damals gehörte
die neue Erftmündung aber zu Heerdt und damit beginnt der Kampf
Neuss gegen Heerdt.
Heerdt besaß in
seiner Blütezeit im 19. Jh die Mündung des Neusser Erftkanals, dann
einen eigenen Hafenkai, dazu die einzige Eisenhütte weit und breit.
Aber Heerdt pokerte zu hoch, lavierend zwischen Ddorf und Neuss
verlor es am Ende seine eigene Seele.
Heerdt liegt
ähnlich wie Neuss auf der höheren Niederterrassenkante Der Rhein muß
hier am Himmelsberg eine Kurve zurück machen, weil aber diese früher
sanfte Kurve durch die Rheinverlagerung immer spitzer geworden war,
kommt es beim „Heerdter Loch“ 1784 zur Katastrophe. Um Ddorfs
Deiche zu retten, wird Heerdt geopfert, später wird es wieder
geopfert, diesmal, um Oberkassel zu feiern
Auf der alten
Kirmeswiese nördlich vom Krankenhaus erinnert ein Stein an die
gewaltigen Geröll- und Sandmasen, die hier hineinschossen.
Das Strassendorf
Heerdt(Alt Heerdt) liegt in der Verlängerung der
Schießstr-Lörickerstr nach Lörick, weil Jan Wellem 1702 im Kampf um
Kaiserswerth mit dem Habsburger Kaiser gegen die Franzosen von
Lörick nach Stockum eine neue Fähre gebaut hatte ( die
Kaiserswerther Fähre war versenkt worden) Der Feldweg in Stockum
heißt bis heute Neußer Weg und endet im Nichts. Lörick war also
wichtig, nicht die kleinen Höfe von Ober- und Niederkassel
Wegegelder sind
im 18.Jh eine gute Quelle für Städte, hier für die Stadt Neuss. Die
Zollbarriere stand an der wichtigsten Wegegabelung: Neuss oder
Krefeld, dazu noch an der ältesten Strasse: der Römerstr B9 (vom
Römerlager Novaesium über Neuss –Meer - Uerdingen nach Xanten.
Die Barriere ist
der bekannteste Wegweiser von Ddorf geworden, der
„Handweiser“,
und hier liegt noch ein Unikum: Pfarrer Klinkhammers Bunkerkirche
Bei der
Eingemeindung der Bürgermeisterei Heerdt (zum Kreis Neuss gehörend)
in den Stadtkreis Düsseldorf 1909 wehrte sich Heerdt länger als alle
anderen „neuen“ Stadtteile bis zuletzt. Der Hauptplatz heißt heute
Nikolaus Knopp Platz, aber die Altheerdter grollen ihrem letzten
Bürgermeister immer noch. Er hat ihre Gemeinde „verraten“ und als
„Judaslohn“ auch noch den Posten des Ddorfer Beigeordneten bekommen.
Als Herdter Bürgermeister verlegte er fast alle Amtsstellen nach
Oberkassel. Die Bürgermeisterei firmierte früher stolz „Heerdt am
Rhein“, dann ab 1900 „Oberkassel bei Düsseldorf“
In der Ecke am
Handweiser hatten belgische Soldaten 1923 Baracken gebaut, die
später zum Schönauviertel mutierten, was gar nicht so schön war.
Tapfere Leute siedelten gleich nebenan in dieser unwirtlichen
Gegend: die Rheinbahn, die Teekanne und die Rheinische Post.
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6. |
Flingern-
Nord Düsseldorfs Lieblingskiez
Licht und Wärme
kommen aus Flingern, so hieß es um die Jahrhundertwende. Von wegen!
Zunächst kamen Dreck und Gestank daher, Gaswerk, EWerk,
Verbrennungsanlage, alles aus Flingern
Die Malocher aus
dem Flinger Broich kämpften gegen die feinen Pinkel aus dem
Zooviertel, Fortuna gegen DEG. Aber es gibt eine ausgleichende
Gerechtigkeit in der Geschichte. Heute ist es umgekehrt: Flingern
boomt, der Zoo dämmert dahin.
Das heißt, man
muß unterscheiden: nur Flingern-Nord ist der Darling.
Hier fing ja
auch alles an.
Den Edelherren
von Flingern gehörte im 12. Jh quasi der gesamte Bereich der
heutigen Altstadt, so z. B. die wichtigste Mühle an der jetzigen
Mühlenstrasse, und so führt dann die wichtigste Ausfallstrasse
vom 1390 erweiterten Düsseldorf nach Flingern und heißt in der
Altstadt Flingerstrasse, fortgesetzt als „Flinger Steinweg“, heute
Schadowstrasse
Der Haupthof war
vielleicht das jetzige „Tönnchen“ an der Lindenstrasse. An dieser
Strasse, der Dorfstrasse, lagen alle anderen Höfe: der Engerhof, der
Kürtenhof (heute noch erhalten) und der Euler Hof
Die
Ackerstr(Ackerkoppelstr) war die Grenze zu den abgekoppelten
Ackerflächen. In der „Dreifelderwirtschaft“ mussten immer zwei der
wechselnden drei “Zelgen“ vor dem weidenden Vieh abgezäunt werden.
Die Flurstrasse gab die Grenze der Wirtschaftsfläche, der „Flur“ zur
gesamten Gemarkung. An der Grenze zum östlichen Sumpfland
(Bruchstrasse), zu Kittelbach, Düssel und Zoppenbrück, zur Ödnis
also, waren diese Begriffe wichtig und haben sich als Strassennamen
erhalten
Im Zooviertel
saß bald das Großbürgertum, seine Strassennamen spiegeln die
deutsche Kultur(Goethe Schiller Schumann). Für das Arbeiterviertel Flingern hatte man nur Bäume und Blumen(Fichte, Kiefern, Birke,
Rosmarien), noch weiter östlich sind wir im Märchenland (Rapunzel-
Schneewittchenstrasse)
Die Ackerstr
wurde um 1900 zur dichtestbesiedelten Strasse von Ddorf
Heute ist sie
Kult
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7. |
Urdenbach, das
Dorf mit Herz
Völlig richtig.
Kaum irgendwo sonst ist es so atmosphärisch dicht, gehegt und
gepflegt, eine kuschelige Ecke in unserem großen Dorf. Und ein
Unikum dazu oder zwei
Unikum Nr 1: der
einzige, bei uns noch erhaltene, und bei Hochwasser aktive Altarm
des Rheins
Unikum Nr 2: die
älteste evangelische Kirche, ein Jahr vor Neander in der Altstadt.
Da muss also was dran sein an diesem Urdenbach
1374 bei einer
gewaltigen Hochwasserkatastrophe verlässt der Rhein sein altes
Bett(heute der Bach“Alter Rhein“)und sucht sich den neuen jetzigen
Lauf, bringt auf diese Weise Haus Bürgel ( römisches Kastell und
damit das älteste Haus der ganzen Region Ddorf) auf die rechte
Rheinseite- weiß der Teufel, wie die das überlebt haben.
Urdenbach ist
älter als diese Katastrophe (Jahreszahl 1301 an einem Haus). Die
Herren von Benrode (heute Benrath) hatten hier an der Mündung der
Itter ihren Hafen. Der „Alte Rhein“ musste hier am Steilufer zur
„Niederterrasse“ (so wird ein älteres Flussbett genannt 50 000 Jahre
zurück) eine Kurve nach Westen machen. An so einem „Prallhang“
entsteht eine tiefe Rheinrinne, ideal für einen Hafen. Auch als der
Rhein langsam wegdriftet( heute 800m vom Hafen entfernt), bleibt der
Unterbacher Hafen, ausgebaggert, noch über Jahrhunderte schiffbar.
Es entsteht ein wichtiger Holzhafen(Flößerstr), eine Handelsstation.
Nur in Urdenbach gibt es den hanseatischen Begriff „Kauffahrteihof“=
Handelskontor für Schiffahrt. Es ist das heutige„Strohnsche“
Gebäude, hoch- wassersicher „Auf dem Ufer“ 5-13. Daneben stand die
Mühle.
Wilhelm der
Reiche (das ist der Schwiegervater unserer berühmten, im Schloßturm
gemeuchelten Jacobe von Baden, 150 Jahre vor Jan Wellem) verlegte
die Benrather Mühle hierhin an die Ittermündung. Seine Nachfolger
lassen die Itter jetzt nur noch in Urdenbach enden. Die Itter
hatte sich früher in Benrath in zwei Arme geteilt und die Dörfer
Hassels, Reisholz, Holthausen Elbroich, Itter und Himmelgeist
geschaffen. Alles Itterwasser wurde aber nun für das Wasserschloß
Benrath benötigt und mündete dann in Urdenbach. Die anderen hatten
das Nachsehen, keine Itter mehr, nur noch Brunnen
Wie wichtig der
Urdenbacher Hafen und damit der Ort war (Urdenbach=Ort am Bach),
zeigt das alte Gerichtsgebäude an der „Dorfstrasse“46 aus dem 16.Jh.
Nicht nur Rechtsprechung für das Amt Monheim (die Grafschaft Berg
hatte 8 Ämter, darunter Monheim), auch die Landstände: Ritterschaft
und Städtebund(Vorläufer des späteren Ständehauses)tagten hier schon
mal
Sehr früh kommt
zu diesem Handelsplatz das Töpferhandwerk(Töpferstrasse). Es ist so
berühmt, dass Peter der Große aus Petersburg seine Leute hierhin in
die Lehre schickt
Unikum 2: die
evangelische Kirche, 1689 gebaut
Sehr früh,
gleich nach Luther und Calvin im 16.Jh kommt die Reformation ins
Herzogtum Berg von Elberfeld bis Urdenbach. Wilhelm der Reiche auf
Schloß Düsseldorf, dem schon ein Land so groß wie das heutige NRW
gehörte, fuhr einen toleranten mittleren Weg zwischen den
Konfessionen, duldete Katholiken und Protestanten. Er gründet auch
mit einem Gesetz den Ruhm des späteren Wuppertals als
Textilstandort: Vorreiter der Düsseldorfer Industrie.
Später kommen
die Glaubensflüchtlinge, Niederländer hauptsächlich und Hugenotten
nach Krefeld, Elberfeld und Urdenbach. Sie sind alle
Textilexperten. Urdenbach wird Leineweberort und somit auch
protestantischer Mittelpunkt. Später schützen die protestantischen
Preussen, die nebenan in „Mark“ regierten, die Protestanten von
Düsseldorf und Urdenbach. Im 19.Jh wird daraus eine enge
Freundschaft zur Hohenzollernfamilie(Kaisereiche) Das führt zu einer
Merkwürdigkeit: nur hier in Urdenbach werden die dubiosen, von den
Preussen hochgeschätzten Afrikakämpfer der Kolonialzeit in
Strassennamen geehrt.
Gehen wir noch
einmal von der „Böke Pomp“, Bücherstr/Hochstr, am uralten
Spritzenhaus vorbei die Dorfstr hinunter zum Hafen, zum bösen
Müller. Alle Müller waren „böse“, weil sie den Mühlenbann(alle waren
gezwungen, hier zu mahlen) besaßen, selbst aber kein Korn anbauen
durften und weil sich alle Bauern immer vom Müller betrogen fühlten.
Darum war hier Streit bei Höchststrafe verboten. Es herrschte der
„Mühlenfrieden“. Mit Frieden im Herzen schauen wir von hier hinab in
die wunderschöne Aue
Urdenbach am
Ende der Welt, aber was für ein schönes Ende.
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8. |
Eller ein
mächtiges Rittergeschlecht
Schlittschuhfahren auf dem Schlossgraben, eine Jugenderinnerung für
viele Düsseldorfer, auch für mich. Ich ahnte nicht, was das alles
war.
Die Wasserburg
Eller, eine Wasserburg, wie so viele im sumpfigen Osten von
Düsseldorf? Mitnichten! Was für eine Burg, was für ein Schloß!
Die Herren von
Elnere(Sumpf) waren verwandt mit dem Haus Oefte an der Ruhr, die
ihren Urahn im berühmten Roland sehen, dem Held Karls des
Großen(800) gegen die Sarazenen. Das „chanson de roland“ ist der
Anfang der französischen Literatur.
Sie waren
verwandt mit Arnold von Tyvern, dem die innerste Altstadt
gehörte(Lieferhaus, Lambertuskirche)und dem die Grafen von Berg das
Lieferhaus, ihre erste Burg, abkauften. Kein Wunder, dass Eller dann
in der Frühgeschichte Ddorfs mitwirkte. Eller gehörte das berühmte
Marienbild an der Ratingerstr, aus dem die Kreuzherrenkirche werden
wird. Für die Pilger zu diesem Marienbild (heute steht es in
Lambertus links vor dem Chor)bauen die Elleraner den „Gastes“,
erstes Gasthaus (es stand neben “Bobbys Schnapsbude“) Sie stehen
somit am Anfang der Düsseldorfer Gastronomie. Sie beglaubigen die
Stadterhebungsurkunde(1288), stiften zwei von sechs Kanonikerstellen
für das Lambertusstift.
Reichtum und
Ansehen der Ritter von Eller waren sprichwörtlich. Gumbert, der
Ahnherr, Dietrich, der Kämpfer von Worringen, später Rütger und
Konrad, Amtmann von Monheim und Schultheiß von Gerresheim, sie sind
alle seit 1909 in den neueren Strassennamen von Eller verewigt. Im
15. Jh verlieren die Ritter von Eller gegen die alten Rivalen, die
Herzöge von Berg
Aber auch die
späteren Besitzer von Eller sind nicht ohne. Der Ritter von Quade
baut den Turm, der heute noch erhalten ist, er baut auch den
Gerresheimer Quadenhof. Ein Nachfolger, die Herren von Landskron,
besitzen die Fischereirechte der Düssel, ihr Name lebt im „Laerkauft
das Schlndskronweiher“ im Hofgarten fort. Die Edlen von Harff stehen
am Anfang von Wersten.
Die
berühmtesten Besitzer der Neuzeit werden Prinz Friedrich von Preusen
und seine kranke Gemahlin Wilhelmine Luise von Bernburg. Die neue
Strasse um Eller herum heißt ab 1909 Bernburgstr. Prinz Friedrich
von Preussen, Chef der Garnison Ddorf, eine Art neuer Jan Wellem auf
Schloß Jägerhof, lässt die Zufahrt von Ddorf nach Eller, zu seinem
Schloß, durch eine breite Reitallee ausbauen: die heutige
schnurgerade Ellerstr. Sie verlief, bevor die Eisenbahn kam, weiter
als Ellerstr bis zur Friedrichstadt , wird dann später Luisenstr
genannt nach eben derselben Wilhelmine Luise von Schloß Eller.
Das kleine
Straßendorf Eller an der Ellerkirchstr, wo die erste große Kirche
stand(Ecke Gumbertstr, von Schinkelschule erbaut)) entwickelt sich
entlang der Reitallee nach Ddorf über Schlossallee- Gumbertstr
(früher Kaiserstr)- Ludwigshafener –durch den Weiler Kleineller-
früher dann weiter über Geusen-Heerstr. zur Ellerstrasse. Die
westlichen Seitengassen von dieser Haupttrasse werden um 1900 den
neuen Marktplatz mit Rathaus und neuer Gertrudiskirche bilden.
Weitere Seitengassen führen im Norden zu Arbeitersiedlungen
(Industrieort Eller mit zB Piedboeuf, Poensgen) an der Stelle des
versunkenen Geisterdorfes Cruithoven( ein kleiner Weg erinnert an
Cruithoven). Es lag am Ickbach, von dem noch Reste in der „Wäschlackstr“
zu finden sind.
Das
Schlesienviertel geht schon auf die 20iger Jahre zurück(Arbeiter aus
Oberschlesien) Den Preussen eng verbunden durch den Schlossbesitzer
Prinz Friedrich machen die Elleraner einigen preussischen Unsinn
mit: die Flottenstrasse verherrlicht die Flottenmacke von Wilhelm
II, dem letzten Kaiser(Kaiserstrasse). Im schlesischen Viertel
werden alle Siege des „Alten Fritz“ noch mal gefeiert (Oelser-Glogau-Leuthenstr).
Bis in die Nachkriegszeit erfolgen kleine Nadelstiche gegen Polen:
Oelser-, Trebnitzer-, Festenbergstr (heute alles polnische Städte),
was man dann mit der neuen Hedwigkirche(polnische Königin) zu
besänftigen sucht
Streit gab es
zwischen staatlicher Eisen- und lokaler Straßenbahn. Anfangs waren
Überführungen verboten. Die Rheinbahngäste mussten am „Anhalter“
aussteigen, um erst hinter der Bahn weiterzumachen. (Anhalter hat
nun wieder mit Prinzessin Luise zu tun, Sachsen-Anhalt, passt aber
hier schön)
Wenn man heute
durch die alte Haupt- und Prachtstr „Ludwigshafener“ geht, packt
einen Wehmut. Sie sieht armselig aus, eine Sackgasse, wo der Glanz
nur noch zu erahnen ist. Sic transit gloria mundi.
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9. |
Benrath-
schmachtende Liebe hinter Tapetentüren
„Mit einem
tiefen Seufzer schlang Rosalie die Arme um den Nacken des Jungen:
Ken Ken, stammelte sie, ich liebe dich“. Wir sind hinter der
geheimen Tapetentür im Benrather Schloß
Thomas Mann in
der Novelle „Die Betrogene“ nutzt Filzpantoffel und Geheimgänge im
Schloß für eine Liebesszene a la Dustin Hoffman und Mrs Robinson
Das Schloß war
als „Morgengabe“ nach der Hochzeitsnacht von Herzog Philipp Wilhelm
für seine später mit 17 Kindern geplagte Gemahlin Elisabeth 1661
gebaut worden. 100 Jahre später wird daraus das heutige Schloß
Benrath, wiederum für eine Elisabeth gebaut, diesmal vom
eifersüchtigen Kurfürst Carl Theodor, der damit seine brüchige Ehe
retten wollte. Die neue Elisabeth war eine göttliche Jägerin,
allerdings nicht nur nach Hirschen, auch schöne Knaben waren ihr
Ziel, und so passt sie gut als Vorgängerin von Thomas Manns Rosalie.
Ganz früher
hatten die Herren von Benrode hier an der Itter ihre Burg und eine
Mühle. Zur Burg gehörte etwas nördlich auf einem Hügel die
Eigenkirche „Cäcilien“. Um die Kirche herum entwickelte sich
Benrath und viele Höfe, die alle an der Itter lagen.
Diese Itter gibt
es nicht mehr, sie kam von Hilden, zweigte in der Capitostr. im
Viertel „Paulsmühle“ zum Hoxbach, Oerschbach nach Norden und zur
Cäcilienkirche nach Westen, wo sie sich südlich im „Schmeeds Loch“,
dem späteren Schlossweiher, nochmals teilte in die Itter nach
Urdenbach und die Itter nach Holthausen, Itter und die Mündung
Himmelgeist. Alles Wasser wurde zum Wasserschloß Benrath
umgeleitet in einem großen heute noch bestehenden Kanal, dem
„Kapuzinerkanal“, auch „Schweißgraben“ genannt, nach der
schweißtreibenden Arbeit des Hand- u Spann- Dienstes. Dass die
Dörfer plötzlich kein Wasser mehr hatten, störte die hohen Herren
nicht sonderlich.
Stattdessen gab
es eine Wallfahrt zur Kapelle „Einsiedeln“ der „Schwarzen Madonna“(
wo der Kanal beginnt an der heutigen Einsiedelstrasse)
Das Viertel um
die Paulsmühle erzählt noch von der einstigen Pracht der Ur-Itter.
Mehr noch vom Reichtum der Industrie, die Benrath zur „reichen
Braut“ machen wird bei der Eingemeindung nach Ddorf
Die
Cöln-Mindener Eisenbahn von 1845 und ihr Bahnhof bringen
Eisenpioniere, wie die Siegerländer Flender, Capito, Klein und
schließlich die gewaltige DEMAG nach Benrath ins Paulsmühlenviertel.
Benrath ist also nur etwas später als Oberbilk seit 1850/60 und
lange vor der IDR (Industrieterrain Reisholz mit Henkel) die Urzelle
der Düsseldorfer Industrie
Als die
selbstbewusste Bürgermeisterei auf dem Weg zur Stadtgemeinde
(gewaltiges Rathaus 1907, die Teile Garath, Hellerhof, Urdenbach,
Hassels, Reisholz, Itter, Holthausen gehörten zu Benrath) von der
preussischen Königsfamilie 1911 das Schloß abkauft, hatten sie sich
übernommen. Henkel und andere müssen helfen. Geschwächt und
widerwillig kommt die einst „reiche Braut“ 1929 zu Düsseldorf.
Heute
zerschneidet eine Betonwanne(Autobahn) die Hauptstrasse. Schade.
Das Schloß ist
der schönste Rokokobau am Rhein
Wenn die
Düsseldorfer Besuch haben, fahren sie nach Benrath, sie haben nichts
Schöneres.
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10. |
Hassels--- die
Siedlung im Wald
Die letzte
Eiszeit endete vor ca 12 000 Jahren. Die Eismasse der Nordkugel
reichte vom Pol bis Hamburg. Düsseldorf hatte sibirische Zustände:
Flechten-Tundrenvegetation. Der Rhein pendelte auf einer
Riesenfläche, wie Ob oder Lena heute, zwischen Krefeld und Hilden in
vielen Armen hin und her. Diese Riesenfläche wegen des fast
ständigen Hochwassers eine FASTEBENE, heißt „Niederterrasse“, weil
es in den letzten 2 Millionen Jahren noch 2 höhere Rheinebenen
gegeben hat: die „Mittel- und Hauptterrasse“. Seit 12 000 Jahren
gräbt der Rhein in der jetzigen Warmzeit mit größerer
Geschwindigkeit, weil es Abfluß gibt, und daher mit größerer Kraft
sein heutiges Bett.
Den vielen
Gewässern, die vom Rheinischen Schiefergebirge herunterkommen und
zum Rhein wollen, ist eins gemeinsam: sie stauen sich am Gebirgsfuß,
einmal wegen des eigenen Schuttes, den sie hier anhäufen und zum
andern, weil die Strecke zum Rhein ohne Gefälle zu lang ist (5-10
km).Der Randstreifen am Bergfuß von Ratingen im Norden bis Garath
im Süden, ist siedlungsfeindliches Sumpfland.
Die wenigen
Pioniere, die sich hier hineinwagen, haben daher in ihrem Namen den
Hauptfeind: die nasse Natur (Lichtenbroich, Mörsenbroich,
Vennhausen(Fehn= Moor),Eller(Sumpf) oder das schwierige Roden
dieses Feuchtwaldes( Benrath, Garath, Rath)
Reisholz und
Hassels(Has=Moor) gehören zu diesen Pionieren.
Der Hoxbach kam
parallel zur Itter aus dem Hülsen Hildener Raum, dann floß er beim
alten Exerzierplatz der Husaren südlich der Hülsenstrasse in die
heutige Hoxbachstr in Hassels. An ihm lag alles: der Hasseler Hof,
die Töniskapelle, das „Dinghaus“ auf der Alten Brücke (Altenbrückstr).
Er floß bis zur Wilckesfurth, wo man beim Bauer Wilcke rüberkonnte.
Er wechselt hier den Namen in Oerschbach.
Heute hat man
den Leben spendenden Bach aus dem Ort verjagt, an die Autobahn
verlegt. ( Er schuf wenigstens vorher den Friedhof und heute einige
Grünflächen zwischen Tönis- und Heiligenhausstr, schließlich
Sportplätze nördlich der alten Brücke(Altenbrück)). Das nördliche
Hoxbachtal ist heute mit Plattenbauten zugeknallt („Klein Manhattan“
an der Potsdamerstr, in Hassels leben mehr Menschen(18 000) als in
Hamm, Flehe, Volmerswerth zusammen)
Wenn man früher
die Benrather Hauptstr weiterging bis zur Kreuzung mit der
Forststr. kam man auf dem Hasseler Weg am Buscherhof vorbei zum
Hasseler Hof(wo heute das Kriegerdenkmal steht), also zur Mitte von
Hassels.
Dann gab es nur
noch den Schönekamp: eine lange Strasse von Eller nach Hilden und
den kleinen Tönisweg zur Pestkapelle St Tönis (Antonius war der
Schutzheilige für das Vieh). Vom Wald her führte der „Richtweg“
(später Eberswalderstr, dann ganz verschwunden) zum „Dinghaus“ auf
der alten Brücke. Das war ein Gerichtsgebäude für
Waldangelegenheiten unter Vorsitz der Herren von Eller. In Eller
zur Grenze nach Hassels gibt es deshalb auch einen „Hasseler
Richtweg“, der zu diesem HaUS führte. .Berühmte Piloten der ersten
Fliegerei (Preussner, Purucker) zeigten 1910 waghalsige Flugkünste,
wobei sie den geraden Hasseler Richtweg als Landebahn nahmen
Nach einem
Exkurs von 2 Millionen Jahren über Eis- und Warmzeiten lassen Sie
uns wie die Piloten auch wieder den Richtweg nach Hassels nehmen
Meine Frau geht
oft zur Maxkirche, zum Heiligen Antonius von Padua, wenn sie etwas
verloren hat, was sie dann mit seiner Hilfe wiederfindet. Antonius
oder Tönis ist ja nicht nur für Schweine im Hasseler Wald da.
Lieber Antonius,
auch ich habe etwas Interessantes gefunden
Ich fand dort
eine Strasse, wo ich geboren bin, nicht direkt hier, nein, weit
weit weg. Die traurige kleine Strasse in Hassels verweist nur auf
meinen Ort: Marienburg an der Weichsel
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11. |
Angermund die
Rosenstadt
Von „Kellnerei“
und „Freiheit“ hören wir, gibt es hier Freibier oder andere lose
Verhältnisse?
Da liegt sie
nun die letzte schmucke Braut, die sich Ddorf 1975 holte. Überall
Rosen auf geschnitzten Straßenschildern, einmalig in Ddorf, wie die
eigene telefonische Vorwahl. Überall Flieder, Wacholder, Espen und
Hollunder und schöne unbekannte Damen Klara und Melanie (Strassennamen).
Nur 6000 Ew, aber der größte von allen 49 Stadtteilen
Und das ist auch
richtig so.
Angermund hatte
das Sagen in gerichtlichen Dingen über Düsseldorf bis 1371. Nur über
den grausamen „Gerichtschreiberweg“(heißt heute noch so) kommt man
vom Gerichtsort Kreuzberg(Kaiserswerth), wo das Urteil gefällt, zum
Sitz des Amtmanns nach Angermund, wo es vollstreckt wurde. Kein
Wunder, dass es schaurige Geschichten gibt, vom „JungfernSchall“(wimmernde
Hexen) und „Suitbertusmord“(Hinterhalt für die Gefährten des
Suitbertus). Die Häuser „Sack“ und „Schall“, beide an der Anger,
gibt es noch. Die Wirklichkeit war schaurig genug. In der Burg, der
“Kellnerei“(8 m tiefe Keller) wurde eingekerkert, gefoltert,
ertränkt.
Die Wallburg an
der Mündung in einen Altarm des Rheins ist an dieser strategisch
wichtigen Stelle vielleicht schon von Kelten gegründet worden.
Hier, an der
Grenze Franken gegen Sachsen (800), ist sie noch wichtiger geworden.
Unter den Ottonen (Sachsenkaiser 10.JH ) beliebtes Jagdrevier, von
Barbarossa, dem Staufer, 1160 verstärkt, in den Besitz des Kölner
Erzbischofs 1188, dann vom Heiligen Engelbert, der ein Berger Graf
und Kölner Erzbischof war,1218 als Lehen erhalten. Von jetzt ab
heißt es Amt Angermund, eines von acht Verwaltungszentren der
Grafschaft Berg. Residenz Witwensitz Partyschloß der Berger in den
folgenden Jahrhunderten.
Im „Kuhkrieg“
Berlin gegen Düsseldorf 1654 (nur ein Paar Kühe bei Pempelfort
mussten dranglauben) zwischen dem Großen Kurfürst und dem Großvater
von Jan Wellem wird die Festung Angermund zerstört.
Die Grafschaft
Berg ,um 1000 an der Erft entstanden (1. Sitz Altenberg, heute
Zisterzienserabtei), 1380 Herzogtum, 1690 Teil eines Kurfürstentums,
1806 Großherzogtum, 1822 preussische Rheinprovinz, 1946 zu NRW
(Hauptstadt immer Düsseldorf)
Die straffe
Verwaltung haben alle Landesfürsten (Grafen oder Herzöge) der
karolingischen Hofverwaltung abgeschaut (seit Karl dem Großen(800),
verfeinert vom Sachsenkaiser Otto(950).)
Die 5
wichtigsten Hofämter und ihre Bewährungsprobe(zunächst real, dann
symbolisch) waren:
Der Marschall
(Mähre+ Schalk=Knecht, also Cowboy) mußte bis zur Brust in einen
Haufen Hafer reiten. Für Militär verantwortlich
Der Mundschenk
reichte einen Becher Wein, für Küche verantwortlich
Der Kämmerer,
später Schatzmeister, trug eine Kanne und ein Handtuch.
Der Truchsess,
(auf der Truhe sitzend) oder Seneschall (Senior), der älteste,
erfahrenste Diener, schnitt von einem Ochsen eine Scheibe ab, später
heißt er Hofverwalter, Hofmarschall. Er war der wichtigste
Hofbeamte.
Der Kanzler
(Schreiber hinter einem Gitterschrank=cancellari, meist
Hofgeislicher, später Siegelbewahrer) Der Begriff hat die tollste
Karriere gemacht. Alle diese Amtsleute(später „Beamter“) wurden
„Kammerherren“ genannt
Für die
Verwaltung des Territoriums Berg gab es die Einteilung in 8
Ämter(eine Art Regierungsbezirk):Angermund, Mettmann, Solingen,
Monheim, Bensberg, und heute fast unbekannte, wie Steinbach(Olpe),
Bornefeld (Remscheid), Miseloh(Leverkusen). Zum Amt Angermund
gehörten Wittlar, Kalkum, Bockum, Rath, Mündelheim, Rahm, aber auch
Kaiserswerth, Ratingen und Lintorf
An der Spitze
des Amtes standen drei Beamte: der Chef=Amtmann, der auch höchster
Richter war, unter ihm: der Schultheiß (Vertreter des Amtmanns in
Gerichtsachen), der Kellner=Rentmeister für Pachten, Zinsen, Zölle
und Naturalien im Riesenkeller(z.B.Angermund 8m tief)
Das erste und
oberste Gericht für die gesamte Grafschaft war anfangs der Ort
Kreuzberg bei Kaiserswerth (seit span. Erbfolgekrieg 1702
verschwunden)Kreuzberg lag im Amt Angermund, unterstreicht noch
einmal die Wichtigkeit von Angermund Später bekommt jedes Amt sein
Schöffengericht, gegliedert nach Hauptland- Land- Hofgericht.
Der Ort neben
der Burg wird zur „Freiheit“(niedere Stadt mit Erdwall, statt
Steinmauer) mit drei Stadttoren(alle um die „Engelbertstr“), ab 1826
heißt sie „Stadt“
Um 1880 sah
Angermund immer noch wie im Mittelalter aus: es gab nur die eine
Engelbertstr, sonst nichts. Es gab Rat, Schöffen, Bürgermeister, 4
Jahrmärkte, eine Schusterzunft. Und es gab zwei „Bierzapfer“, womit
wir wieder bei der „Kellnerei“ sind.
Der Bahnhof
stand im freien Gelände. 1896 Einweihung, Sensation.
Als die Bahn
1846 gebaut wurde, sollten die Gleise mitten durch die Scheune von
Bauer Rademacher.
Der Enkel
erzählt: “Ja, leeve Jott,“ riep do mieh Gruhsvatter, „dat geit
äver nit“. „Haben Sie keine Angst, es wird reichlich vergütet“. „Öm
die paar Mark, do gäv ech nix drom. Äver die Moleste, die ech domet
han“. „ Moleste, wieso?“ „Ja, denkt Ihr denn, ech wör suh doll on
stönd emmer nett parat ond diet jiedesmohl, wenn sonne Zoch kömpt,
die Schüreporz op on to mahke.“
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12. |
Lörick uralt
und hochmodern
Das „Paradies“
liegt hier, und wo das Paradies ist, ist der Teufel nicht weit. Im
Löricker Pappelwäldchen trieb der Massenmörder Peter Kürten sein
Unwesen Der „Vampir von Düsseldorf“ stach mit einer Schere zu und
trank vom Blut seiner Opfer
Dabei war hier
heiliges Land: die strengen Mönche vom Trappistenorden saßen auf dem
„Löricker Werth“, der „Mönchinsel“oder Mönchenwerth. Die Bauern von
Niederlörick und das Hochwasser setzten ihnen so zu, dass der
gnädige Jan Wellem sie auf die „angere Sick“ nahm, nach Düsselthal,
wo sie das spätere Zooviertel vorbereiteten.
Niederlörick ist
von Oberlörick aufgefressen, liegt auch jenseits der Grenze. Heute
sprechen wir nur noch von Lörick
Der Yachthafen
und das Freibad sind Reste der Inselvergangenheit. Vor der Insel gab
es bei extremem Niedrigwasser die „Steinbrück“, das waren
herausragende Steine von der Sohle des Rheinbettes, „Lochquarzite“,
über die man fast trockenen Fußes rüberkonnte. Bei der Sprengung
dieses Hindernisses für die Schiffahrt Ende 19.Jh. nutzten die
Sprengmeister die natürlichen Löcher der Lochquarzite, um mit
Stahltauen die Trümmer aus der Fahrmitte auf die Seite zu ziehen(
bei Niedrigwasser kann man diese Trümmer mit den Löchern sehen).Die
Löcher entstehen durch eingeschlossene Wurzeln, ähnlich, wie die
Fliegen beim Bernstein. Jan Wellem nutzte diese seichte Stelle für
seine Fähre 1702 von Kaiserswerth nach Neuss (die Kw. Fähre war im
Erbfolgekrieg Frankreich gegen Habsburg)versenkt worden. Altheerdt
ist ganz auf diese Lörickerstr ausgerichtet. Lörick nach Heerdt war
ein Katzensprung, Ober- und Niederkassel lagen weit weg. Deswegen
fühlte sich Lörick immer zu Heerdt und Neuss gehörig. Heerdt und
Lörick kämpften deshalb gemeinsam gegen den Düsseldorfer Feind (bei
der Eingemeindung 1909).
Das uralte
Lörick (-ick oder -ich sind die ältesten Ortsnamen, heißt: „Besitz
des“ Laurus z. B.) hat aus der Treidelstation im Kern an der
Bonifatiusstr ein Sternerestaurant gemacht. Die Treidelschiffahrt
(flussauf von Pferden gezogen)ging immer nur einseitig an der
Innenseite der Rheinbögen, weil dort die Strömung nicht stark ist,
also von Kwerth bis Stockum, dann übersetzen von Lörick bis Heerdt,
dann übersetzen auf der Hammer Seite (Schneidemühl)weiter.
Die jungen
Siedlungen in der Löricker Flur entstanden an der sensationellen
Kleinbahnstrecke der Rheinbahn nach Krefeld(K-Bahn), aus der die
breite Hansaallee wird, an der sich dann trassenartig die Industrie
niederlässt (Ehrenreich, Krieger usw.). Zuerst die „Rote Kolonie“
Arbeitervierel mit der Ambossstrasse (Stahlwerk Krieger). Als die
Arbeiter 1907 eine Radrennbahn bekamen, beleidigt sie Hitler 1932
mit einer Großkundgebung ausgerechnet hier im kommunistischen Lager.
Die Beleidigung ging mit einer Spatensiedlung weiter(Angestellte der
Rheinbahn, die „Bahner“)westlich des alten Lohwegs (jetzt
Grevenbroicherstr), also direkt neben den Arbeitern mit Namen der
Hitlerjugend (heute Schiefbahn- Glehnstr. usw) Die Radrennbahn(in
den 60igern abgerissen) mit15 000 Plätzen, einer 600m Bahn, lag am
Ende der Sportstr. rechts, wo jetzt die Strasse „am
Kirschbaumwäldchen“ liegt.
Mit der Nordbrücke 1957 beginnt die Geschichte
der Düsseldorfer Brückenfamilie und die Geschichte des Heerdter
Dreiecks und des Löricker Sterns. Der „Seestern“ im alten Löricker
Ziegeleienland wurde bahnbrechend für die Idee, nicht cityständige
Einrichtungen (die in der City nichts zu suchen haben)aus der City
zu verbannen an den Rand der Stadt, um so Luft für die Innenstadt zu
bekommen
Heute
ist das ein riesiger Büro- und Hotelkomplex, der immer weiter wächst
in die Industriebrachen hinein an der Hansaallee (Prinzenpark,
Hansapark, Heinegärten). Aber das ist eine andere Geschichte.
Löricker sind stur, von den Olympiaideen des OB
Erwin hielten sie nicht viel.
Für ein Paradies ist das auch zu laut.
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13. |
Flingern-Süd es
lebe Fortuna
Es wachsen keine
Kiefern auf der Kiefernstrasse und auch keine Fichten nebenan. Keine
Linden, Birken, Platanen, Pinien, die Strassen heißen nur so, ein
wenig Hoffnung, Illusion für Illusionslose
Und doch fiebert
in diesen Monaten Ddorf mit Flingern Süd, mit der Fortuna, der
Glücksgöttin.“Toni, du bist ein Fußballgott“. Noch ein Gott. Glück
und Glas, wie leicht bricht das. Fortuna ist die Mannschaft mit dem
turbulentesten Auf und Ab im deutschen Fußball. Eigentlich gehört
Fortuna schon zu Flingern Nord, gefühlsmäßig ist es der Süden.
Flingern Süd ist
die Heimat des „Vampirs von Düsseldorf“, eine Strasse weiter
sprengte ein Desperado sein Haus in die Luft, um die Ecke an der
Haltestelle Ackerstr. versuchten Terroristen, russische Juden zu
töten. Es ist, als ob das Unglück andere magisch anzieht.
Als die erste
Düsseldorfer Eisenbahn (die vierte von Deutschland) am 20. Dez. 1838
vom Graf Adolf Platz nach Erkrath(später Wuppertal) fuhr, nahm sie
kerzengerade genau die Strecke, auf der jetzt die berühmteste
Strasse des Viertels liegt: die Kiefernstrasse(„verlassener
Bahnkörper“ steht auf den Karten) Stellen Sie sich nach dem Knick
auf die Strasse und blicken nach Westen durch das Orontogelände und
alles Häusergewirr hindurch: Gehen Sie virtuell los, dann kommen Sie
kerzengerade zum Graf Adolf Platz, dem 1. Bahnhof von Düsseldorf
Im Grunde war
die Kiefernstrasse die einzige Wohnstrasse 1910 im industriellen
Flingern: schöne große Häuser der Gründerzeit.
Flingern Süd war
anfangs wüst und leer. Es gab den kleinen Ort Icklack(heute „An der
Icklack“) und den Carlshof (heute Erkratherstr).
Drei Feldwege:
die Gerresheimer- Behrensstr nach Gerresheim , vorher aber in den
Sumpf des Flinger Broichs und dh zur FORTUNA,
die
Erkratherstr. von der Klosterstr. her nach Eller u Erkrath
und den Höher
Weg im Sumpf nach nirgendwo. Es gab immer schon den Feldweg vom
Oberbilker Markt zum Carlshof, die spätere Fichtenstr und den Weg
vom Oberbilker Markt nach Icklack, den man „Albertstr“ nannte (die
Nazis mochten Poensgen nicht, also nahm man den Vornamen)
Die Eisenbahn
änderte alles.
Die erste
„Bergisch Märkische Eisenbahn“ kam 1838 für Flingern zu früh, es gab
noch keine Industrie. Erst die zweite „Cöln Mindener Bahn“ 10 Jahre
später löst in Ddorf die industrielle Revolution aus: im Süden von
Flingern, in Oberbilk.
Das „Oberbilker
Gleisdreieck“ mit den Schenkeln: Eisen-Mindenerstr und Worringerstr
plus der „Verbindungsbahn“ enthält alle großen Namen der Ddorfer
Eisenindustrie von 1850 -60. Um 1860 war das Dreieck zugebaut.
Jetzt erst greift man in die Nachbarschaft nach Lierenfeld und
Flingern über.
DIE „Cöln
Mindener“, die als erste ins Ruhrgebiet fährt(da spielte die
Musik) brauchte zwei Bögen, die Schenkel des Dreiecks, um von ihrer
Linie Köln-Duisburg zum Graf Adolph Platz zu kommen
1866 kapiert
auch die Urbahn von 1838, dass man ins Ruhrgebiet muß. Sie baut die
„Ruhrthalbahn“, und das ist nun Flingern. Die Bahn ging von der
Urbahn etwa beim leckeren „Club Portugues“ Erkratherstr. nach Norden
ab und schuf dann alle Industrien von Flingern: das Gaswerk(1885,
das erste stand in der Klosterstr, dann Luisenstr), mit dem Gas dann
das E-Werk(1891), nach dem Krieg 1957 die Verbrennungsanlage, Hein
Lehmann1889, Habersang1891 und vor allem 1907 Peter Klöckner, der
Schiffsbauersohn aus Koblenz mit seiner riesigen „Düsseldorfer
Eisen- Draht Industrie“. Als Klöckner 1975 stillgelegt wurde,
entstanden die „Kiefernstr“, „ZAKK“, „Tor Drei“, also die
Kreativcenter des Viertels, die Kaderschmiede der Ddorfer Szene.
Parallel zur Bahn entstand zunächst die „Ruhrthalstrasse“( heute
eine winzige Einbahnstr, aber die Gleise kann man immer noch sehen
am Höherweg) vom Oberbilker Markt bis zur Hoffeldstr und weiter bis
zum Zoo. Die Ruhrtalstrasse ist die spätere Kiefernstr vor dem
Knick. Klöckner lag parallel zur Strasse. Flingern braucht
dringend einen historischen Industriepfad, so spannend ist es hier.
Heute gibt es
das Wohnviertel von Icklack und Flinger Geisten (um die
Mettmannerstr herum), die Automonster Erkratherstr und
Kettwiger(ganz jung), und die Zigeunerstr „Höher Weg“(Sinti Roma),
die zur Hochglanz- Automeile wurde
Und natürlich
Fortuna, immer noch im hintersten Sumpfwinkel des Flinger Broichs.
Wir fiebern mit, wieder einmal, und einige seufzen: “Ja, wenn der
Janes und der Knöd heut noch Fußball späle tät“.
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14. |
Kaiserswerth
Leben wie im Himmel
Wenn man im hochwassergefährdeten Kaiserswerth
2M höher wohnte, im Clemensviertel z.b., lebte man „in der Luft“
oder schöner „im Himmel“. K ist der schönste von allen 49
Stadtteilen
K hat einfach alles: den Anfang unserer
Düsseldorfer Christenheit, den Anfang auch Ddorfer Geschichte, den
Ort, wo Weltgeschichte geschrieben wurde, den Anfang weltweiter
Diakonie, den Anfang des Gerichtswesens, das Ende der Inquisition,
eine wunderschöne gewachsene Stadt mit fast
mittelalterlichem Flair, die älteste Stadt im Ddorfer Großraum, eine
herrliche Landschaft am großen Strom und zu allem Überfluß auch noch
den besten Koch
Aber auch im Himmel gibt es die Hölle, die
gefallenen Engel kommen daher.
Im Zuchthaus(Stockhaus) (Stockhausgasse) wurde
fleißig geprügelt, in den Kasernen auf dem „Hohen Wall“(jetzt sehr
schick trotz Bunker)wurde gedrillt und schikaniert, in der düsteren
Invalidenkaserne(1815 für Soldaten der Befreiungskriege, Ecke
Markt/am Mühlenturm) war der Wahnsinn zu Hause(„Heim für
Gemüthskranke“). Dann gab es unzählige Kriege( ständiger
Machtwechsel einer wichtigen Zollstation und Wegekreuzung) bis zur
völligen Zerstörung. Im Stockhaus sah die Begrüßung (der „Willkomm“)eines
kahlgeschorenen Neulings 20 Stockschläge öffentlich im Hof vor. Die
Arbeitszeit ging von 4.30-17.00 Uhr. Weil die Zuchthäuser im 18.J h
auch Spinnereien waren, sagt man bis heute zu einem dem Knast
Verdächtigen „Du spinnst ja wohl“.
Der „Gruhselige Berg“= Kreuzberg,
Kaiserswerther Vorort, hatte neben dem 5000Jahre alten Menhir, dem „Blutstein“(Ecke
Landstr/Zeppenheimerstr) das Hoch- und Blutgericht mit
entsetzlichen Todesstrafen. Es war das oberste Gericht für die ganze
Grafschaft Berg.
Alles beginnt mit einem Herrenhof auf einer
Insel, die dem Urgroßvater Karls des Großen, dem Karolinger Pippin
gehört.(Merowinger u Karolinger stammen von den Franken(Freie) ab,
die um 400 das Römische Reich aufrollen. Die Ripuarier (ripa= Ufer)
waren die Rheinfranken, die Salfranken (sal=Macht) saßen im Maas-
Schelderaum.) Pippin gibt Hof und Insel Suitbert dem
angelsächsischen Benedektinermönch aus dem mächtigsten englischen
Territorium Northumbrien bei York. Irland, England waren sehr früh
(5.Jh) christianisiert worden. Die Insel war ein gefährlicher
Außenposten der Karolinger gegen die Sachsen. (Die feindlichen
Sachsen, später „Ottonen“, werden die Nachfolger der Karolinger).
Suitbert gründet um 700 ein Kloster, das bald zu einem Stift
wird(freieres Kloster von Stifter abhängig). Daraus entsteht im
12.Jh. die heutige Basilika.
Aus dem Hof neben der Kirche wird eine
Königspfalz, ein Stützpunkt des Reisekönigtums im Mittelalter. (Palas,
Palast, Pfalz= vom Palatinhügel Roms, auf dem die Regierung saß. Die
„Pfalz“ in der Nähe des Kaisersitzes Aachen ist der Besitz der
Pfalzgrafen=die höchsten Beamten des Königs oder Kaisers).
Karolinger und Ottonen beachten den Pippinhof noch nicht. Die
Salier(Nachfolger der Ottonen und wiederum Franken, wie einst die
Karolinger, Name wahrscheinlich von „Salfranken“) machen
Kaiserswerth berühmt. Das denkwürdigste kidnapping der
Geschichte(der böse Kölner Erzbischof Enno kidnappt 1064 den
12jährigen Heinrich IV, der springt ins eiskalte Aprilwasser) findet
hier statt. Noch berühmter wird Barbarossa, ein rotblonder,
schlanker Mann (Staufenkaiser Friedrich I.), der 1184 die heutige
Pfalz baut. Die Stadt entwickelt sich aus dem Markt: der
verbreiterten Hauptstrasse und Kreuzung von Hellweg und Römerstr.
Das alles passiert 300 Jahre vor Düsseldorf
Im16.Jh wird K. zur wichtigsten kurkölnischen
Festung mit z.Teil heute noch bestehenden fünf Bastionen und
Mauern. Friedrich Spee, Sohn des Burgvogts, schreibt 1631 das
Buch, das den Hexenwahn beenden wird. Unser Carl Theodor
(Carlstadt) lässt 1769 protestantische Seidenweber aus Krefeld
einwandern. Kaiserswerth wird Seidenweberstadt.
Ein junger Mann landet im Mai 1822 mit
Schwester und zwei Brüdern in einem wackeligen Kahn ( Dreitagesfahrt
von Mainz)auf dem „Bähr“(Festungsvorsprung in den Rhein hinein)
und gründet die heute weltweite Diakonie.
Kaiserswerth ,1702 völlig zerstört, 1822 bei
Theodor Fliedners Ankunft zutiefst verarmt( ohne Treidelschiffahrt,
ohne Seidenweber), von der Aussenwelt durch die neue verhasste
„Franzosenstrasse“ (heute Alte Landstr) gänzlich abgeschnitten,
aber die Insel eines Kaisers rappelt sich wieder auf.
Gehen wir an der berühmtesten Düsseldorfer
Pommesbude vorbei(Clemensplatz) über die Clemensbrücke(Kölner
Kurfürst Clemens August 1756)hinunter und hinüber auf die Insel.
Auf dem Barbarossawall, der kleinsten und schönsten Lindenallee der
Welt, zum Maulbeerbaum, zum Kuhtor (alte Hauptstrasse), am „Ritter“(Kneipe),an
der „Freiheit“ (Poetensitz) vorbei zum Rhein, da, wo alles begann.
Jetzt ist nur noch die uralte Ruine neben
uns und der noch ältere Strom. Es ist wunderschön hier, die
Kaiserswerther leben im Himmel?
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15. |
Ludenberg schon mal gehört?
Vielleicht ist es gut, dass
es noch Geheimnisse gibt, ein solches Geheimnis ist Ludenberg
Ludenberg östlicher
Stadtteil von Ddorf, liegt beiderseits der Ludenberger- dann
Bergischen Landstrasse, früher Elberfelderstr, noch früher
„Reichsstrasse 1“ von Brügge bis Nowgorod. Lose verstreute
Siedlungen, kein Zentrum, der alte Ludenberger Hof lag abseits im
heute südlichen Gerresheim an der Pilgerstrasse. Aus dem Flurnamen
wird im 19.Jh. eine Gemeinde, die mit Gerresheim 1909 eingemeindet
wird
Ludenberg ist Grafenberg,
Tierpark, Rennbahn, Rochus Club, Galgenberg, Hexenhof und noch
vieles mehr.
Die einzige Ostausfahrt von
Düsseldorf nach Elberfeld(Schadow-Wehrhahn-Grafenberger) ist schuld,
dass wir die drittälteste deutsche Eisenbahn bekommen und damit
wirtschaftlich nach vorne katapultieren. Heute auch wieder eine
grausam belastete Autostrecke war sie schon 1820 die meistbefahrene
_Strasse Westdeutschlands. Eine Million Zentner an Gütern wurden
hier mit der Kutsche jährlich befördert, 12 000 Postpersonen. Nur
Berlin war noch toller. Also musste 1838 das neuste Verkehrsmittel,
die Eisenbahn her: Ddorf- Elberfeld, denn Elberfeld war das Zentrum
der Vorindustrie
Der Hafen ist schuld, dass
wir den Grafenberger Wald bekamen. Die Pferderennbahn auf der
Lausward mußte 1898 dem neuen Hafen weichen. OB Lindemann greift
sofort zu, er hatte schon
früher in Berlin für den Erwerb des
Staatsforstes geworben. Mit dem Aaper Wald dazu hat Ddorf jetzt
einen riesigen Erholungswald.
Gleich gab es verrückte
Pläne. Stadtplaner Stübben(Hbf und drei Strassenringe um Ddorf 1885)
wollte am Bergfuß und an seinem Aussenring einen „Tivoli“Vergnügungspark
einrichten (heute Reste davon mit den eher traurigen „Scarlet“,
„Jägerhaus mit Türmchen“) Dann kamen „Licht und Luftbad“,
„Waldschule“ für schwächelnde Kinder. Verrückt war es schon 1814
zugegangen, als General Hühnerbein im Wald mit Düsseldorfer Bürgern
die Völkerschlacht bei Leipzig(Napoleons Ende) nachspielen wollte.
Die hatten damit nicht viel am Hut und blieben in den Kneipen
hängen. Hühnerbein:“Niederträchtiges Volk!“
Immer schon turbulent war es
im heute eisentorbewehrten Haus Roland (uralter Rittersitz) eine Art
„Sankt Moritz“ in den Düsseldorfer Bergen: Napoleons schöne Marie
Luise und die creme de la creme, später die Malerschule mit
rauschenden Festen. Im Krieg arg gebeutelt ( Bäume für Gewehrschäfte,
Fichtensamen zur Ölgewinnung, Eicheln für Kaffee), schützt man den
Wald durch Tierpark(1927), Rochusclub 1929(auf der alten „Fahneburg“
nach dem gewaltigen Historiker Fahne)
Weil
der Grafenberger Wald Düsseldorfs einziger Berg ist, holen wir etwas
aus, zurück zu den Geschichten, die uns die Geologen erzählen.
Das Fleckchen Erde, auf dem
Düsseldorf steht, hat in der Erdgeschichte eine rasante Reise hinter
sich: vom Äquator zur jetzigen Breite 54 (Kontinentalverschiebung),
und wegen der Eiszeiten besitzt Düsseldorfs Boden zusätzlich alle
Vegetationen und Lebewesen: vom tropischen Regenwald bis zur
arktischen Tundra
Von den 6Milliarden
Lebenszeit der Erde erforschen die Geologen die letzten 600
Millionen Jahre. Das heutige Bild entsteht zum großen Teil in der
letzten Million(Quartärzeit).Wandern wir ein bißchen durch Ludenberg
und weiter, so wandern wir durch 600 Millionen Jahre Erdgeschichte.
400 Millionen: wir liegen
am Äquator, westlich von uns beginnt ein Hochgebirge bis
Kanada(Kaledonisch). In 5 Autostunden sind wir in Vancouver, den
Atlantik gab es nicht.
380 Millionen: immer noch
Äquatornähe, nördlich von uns ein Meer, das 100m dicke durch
kalkschalige Organismen gebaute Kalksteine ablagert: die
Neanderthalhöhlen
300Millionen: etwa
Saharabreite, wieder ein Hochgebirge, diesmal im Süden(Variskisch),
nördlich: ein Flachmeer mit Sumpfwäldern=spätere Steinkohle. Das
Nördliche Meer wird bleiben bis heute.
180 Millionen: der Atlantik
beginnt
35 Millionen: die
„Niederrheinische Bucht“ bricht ein, so wie sie heute ist.
30 Millionen: Lage:
Nordafrika, letzte Meeresüberflutung für Ddorf. 30m hohe feine
Meersande werden abgelagert (hohe gelbe Wand hinter der Gerresheimer
Glashütte, 1887 abgegraben zur Auffüllung des jetzigen Hauptbahnhofs
25Millionen: immer noch
subtropisches Klima, Waldsümpfe im Nordmeer= spätere Braunkohle
Ville.
20Millionen: der Rhein
beginnt, zunächst eher in der Erft-Maasrinne, dann ab 5 Millionen:
heutiger Lauf
5 Millionen: (heutige
Breite) Abkühlung bis „Eiszeit“
1 Million: 4 starke
Eiszeiten und 4 Warmzeiten dazwischen. Der Rhein schafft sich die
jetzigen drei Rheinterrassen=ehemaliges Flussbett
800 000: Grafenberger
Wald=Hauptterrasse
400ooo:
Gerresheim=Mittelterrasse der Neanderthaler taucht auf
100 000 : Staufenplatz=
Niederterrasse
12 000: Ende der letzen
Eiszeit, Anfang der jetzigen Warmzeit bis heute (Holozän) Man teilt
seit Tertiär(30 Millionen Jahre) ein in zän=griechisch= Zeitalter,
paläo=alt, mio=mitte, holo=jüngst usw.
Wo gehen wir hin? Zur
Wolfsschlucht, zur Knitkuhl, zum Hexenhof?
Keine Angst! Heute reiten
die Damen auf Pferden .
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16. |
Lichtenbroich
hinter der letzten Landebahn
Vom Verkehr
umbraust und doch schwer zu finden, am besten vom Autobahnkreuz
hinter dem Flughafentunnel die alte Kiesheckerstr finden (nur einmal
blitzt „Lichtenbroich“ kurz auf), die unter der Autobahnwirrnis und
über die Eisenbahn ins Zentrum führt
Es war die
nördlichste Bastion Düsseldorfs bei der Eingemeindung 1909,
eine
Eisenbahnersiedlung an der Ureisenbahn von 1838. In den 30iger
Jahren knallt man die Reichsautobahn (Nördlicher Zubringer) vom
Mörsenbroicher Ei aus direkt auf die Grenze zu Ratingen.
Lichtenbroich ist jetzt eingekeilt zwischen Bahn und Bahn, und 2002
wird der Ort vollends zugemacht mit der Flughafenbrücke, dh der
Schließung der alten DüBoDo Autobahn 44 aus den
70igern(Düsseldorf-Bochum-Dortmund).
Früher gab es
nur die Kiesheckerstr von Lohausen zur Volkardey (also Lohausener
Dorfstr- Flughafenstr- Kiesheckerstr.-Volkardeyer Weg) An dieser
Strasse wurden die ersten Empfangsgebäude des Flughafens angelegt.
Das Auto konnte man bis in die 70iger an dieser Strasse vor dem
Flughafen parken. 1955 geht der Flugbetrieb wieder los, die LTU
(Luftfrachttransport) wird gegründet. Der Familienausflug zur
Freiluftterrasse des Flughafens war ein Muß. Alles war Anfang,
zusammen mit den großen Vögeln fingen wir an zu träumen. 1957
startete das erste Düsenflugzeug
Die Ratherstr
von der Pempelforter Schlossstr. her über Derendorf-Unterrath-
Lichtenbroicher Weg endete hier in Lichtenbroich im Wald. Heute
steht hier die schöne ungewöhnliche Kirche an der einzigen Kreuzung
zur Kranenburg und Volkardey. Nach dem Krieg kamen viele
Siedlungen der Ostflüchtlinge in den Ort
Tiefenbroich,
Mörsenbroich, Lichtenbroich: wir sind in der Morastecke, dem
feuchten Oststreifen von Düsseldorf, aber das ist lange her.
Kaum eine Gegend
ist derart mit uralten Wallburgen gespickt wie Lichtenbroich, es muß
hier, an der engsten Stelle zwischen Schwarzbach und Kittelbach eine
entscheidende Grenze gegeben haben. (Kelten-Germanen?
Sachsen-Franken?)
Von der
Ikterburg am Kittelbach über Haus Hain zur Volkardey: die erste
Defenslinie, dahinter mit Alter, Großer Burg, Heiligendonk die
zweite Reihe.
Vielleicht war
es so
Es war eine
verwunschene Gegend, wenn wir Kinder an den Resten von Alter Burg
und Großer Burg am Kittelbach standen. Am abenteuerlichsten war
immer die „Volkardey“, das klang nach Völkerwanderung. Waren hier
nicht die Burgunder durchgekommen, jenes sagenhafte Volk von
Bornholm bis zum Rhein nach Worms, wo sie als „Nibelungen“ unter
Krimhilds Rache sterben, im Königreich der Provence wieder
auferstehen und schließlich als stolzes Herzogtum Burgund zum
Kulturmittelpunkt werden, zum überragenden Vorbild von Berg,
Jülich, Kleve, Mark.
Die Kartause
Hain lag geheimnisvoll fern aller Welt. Der Kartäuserorden war 1869
in die alte Burg gezogen und wieder gingen unsere Gedanken zurück zu
der „Chartreuse“ in den Alpen 1084 und dem Roman von Stendhal, den
wir verschlungen hatten, „Die Kartause von Parma“
Der Ikter Hof,
die best erforschte Wasserburg(Motte), liegt nördlich der
Kiesheckerstr unter dem Terminal A, Große und Alte Burg liegen unter
dem Autobahnkreuz Flughafen, Haus Hain ist im Kaufring, C&A, E-Plus
begraben. Nur die Volkardey hat alles überlebt, gehen Sie mal hin.

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17. |
Kalkum Idylle
pur
Wer seine
Liebste beeindrucken will, geht in Kalkum spazieren, es gibt nichts
Romantischeres
Uralte Mühle vor
uralter Kirche neben uraltem Schloss, toller geht’s nicht.
Kein Laden,
keine Kneipe, keine Schule, keine Bank, fast ein Geisterdorf.
Die Geister zu
stören, ist gar nicht so leicht. Sackgassen, Einbahnstrassen,
Sonderstrassen, nur der Einheimische kommt hier durch. Das sind
durchweg gut situierte, sehr kulturbewußte Bürger (eigene
wissenschaftliche Schriftreihe).
Wo Kalkstrasse
und Schwarzbach aufeinandertreffen, lag der älteste Hof, ein
Königshof sogar, mit Eigenkirche und Mühle, die Mühle zählt zu den
ältesten von ganz Deutschland. König Arnulf, aus der
Karolingerreihe, schenkt 892 dem Damenstift Gandersheim im Harz
seinen Besitz Kalkum. Die Lambertuskirche ist noch älter, denn die
Damen von Gandersheim hatten mit Lambertus nicht viel zu tun.
Erstaunlich, wie bei den damaligen Wegeverhältnissen jemand aus
Gandersheim sich um Kalkum kümmern konnte. Im Grunde musste der
Besitzer ständig reisen, um vor Ort nach dem Rechten zu sehen. Viele
Siedlungen fangen ja als Besitz geistlicher Institutionen an. Die
Pfründe= praebenda =Unterhalt waren adeliger Grundbesitz, der an
die Kirche als Stiftung abgegeben wurde. Das Seelenheil, das man
damit erkaufte, war das entscheidende Motiv. Die Kirche, hier Stift
Gandersheim, wurde so sehr reich begütert.
Die Damen des
Stiftes Gandersheim (es sind mit Essen, Herford, Quedlinburg die
ältesten Stifte in Deutschland) waren einigermaßen frei: kein ewiges
Gelübde, es waren unverheiratete Damen des Hochadels, die so
versorgt waren. Gebet und Keuschheit waren die wichtigsten Gebote.
Roswitha von Gandersheim(950) schrieb Bücher, wobei ihr die
Keuschheit schwer fiel: “Brennende Röte übergoß mein Gesicht, denn
ich musste mit dem Griffel festhalten die abscheuliche Torheit
verbuhlter Knaben“.
Das Stiftsgut
wird allmählich von den einheimischen „Hintersassen“, die adelig
werden, aufgekauft. So kommt Kalkum zu den Raubrittern von Kalkum,
den Herren von Winkelhausen, von Hatzfeld. Die Hatzfelds haben bis
heute das Bild geprägt.
Ein uraltes
Geschlecht von der Burg Hatzfeld in Hessen (mit höchsten Ämtern
versehen, wie Reichsgraf, Feldmarschall, Kanzler) bekommt 1739 durch
Heirat mit denen von Winkelhausen das Schloss Kalkum. Graf Edmund
heiratet 1824 seine Cousine Sophie aus einer anderen Linie von
Hatzfeld. Damit beginnt eine dreißigjährige Ehetragödie von großer
Tragweite, denn die „Rote Gräfin“ und ihr glühender Verteidiger im
Ehescheidungsprozess(31 Instanzen) Ferdinand Lassalle schreiben
Düsseldorfer Geschichte. Der 20jährige Nichtjurist Lassalle und die
40jährige Gräfin, das war Stoff für die damalige Boulevardpresse.
Lassalle, Gründer der sozialdemokratischen Partei, war einer von
jenen von “Torheit verbuhlten Knaben“, die schon Roswitha von
Gandersheim gegeißelt hatte; an einer dieser Torheiten ist er dann
auch zugrunde gegangen. “In Fieberhitze lieg ich hier, in Wollust
nach Dir… Du kannst doch nicht befriedigt sein von den hektischen
Umarmungen eines alten Graukopfes, komm zu mir, und wenn unsere
Lüste um die Wette rennen, will ich die Deinigen zu Tode hetzen“
Bei Kalkum zu
Tode kam Leo Schlageter, ein verlorener Offizier aus dem ersten
Weltkrieg, als er 1923 100m südlich der Schlossallee die
Eisenbahnbrücke über den winzigen Haarbach sprengte und von den
Franzosen dafür erschossen wurde.
In Unterkalkum
liegt Düsseldorfs schönster Biergarten „Meyer Freemann“, etwas
weiter, als Badegeheimtipp gehandelt, liegen die Kalkumer
Baggerlöcher. Als das nackte Treiben überhand nahm, organisierten
die Bauern eigene Kontrollen mit Hund und Schlagbaum. Wer unbedingt
die Abkürzung „Heiderpatt“ benutzen wollte, musste sich ausweisen
und die Zielperson benennen, das wurde dann telefonisch hinterfragt.
Gar nicht so
einfach, die Sache mit der Lust
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18. |
Unterbilk der Renner
Von der
stinkenden Walachei zum Darling, was für eine Karriere! Unterbilk
schlägt Bilk, unglaublich. Alles Zufall?
Am Anfang ein
Nichts, ein paar Häuser nördlich der Eisenbahn ohne Namen, dann
Industrieviertel, Slum, Hausbesetzerszene „UNterbilk UNS!“. Und
jetzt wollen sie alle hier wohnen
Es ist das
Kunterbunte, glaub ich, die unglaubliche Vielfalt in diesem Viertel
Flingern hat fast nur die Ackerstrasse, hier gibt es die „LO“ (Loretostr),das
Friedensplätzchen, die Manesecke(Paulushaus, Haus Rhein) =Mischung:
urig Ddorf mit Heavy Metal „Blende“, „Mengwasser“(jetzt der hippe
Herr Spoerl), die Seifenhorstecke(am Dom), die rote „Villa Jück“(
Sozialistenghetto um fürstenwall und konkordia), die Miniwelt der
Reichsgasse, Spoerl und die Feuerzangenbowle(Fürstenwall), das
Parkjuwel Kaiserteich/ Schwanenspiegel, Flora und Friedenskirche:
die ersten Touristikattraktionen der Jahrhundertwende mit erster
Pferdebahn, die Griechenecke mit „Pegasos“ und „Kreta“, die
Brückenstr mit „clash of civilizations“, der große Turm, das
Riesentor, der geheimnisvolle Bilker Bürger Park “Stonehenge“ mit
großen Steinen auf nicht begehbaren Wegen, alles kleine Welten für
sich.
Wolfgang
Wilhelm: Großvater von Jan Wellem, hatte an der noch heute
entscheidenden Wegkreuzung: Martin- Volmerswertherstr seinen Sohn
Philipp Wilhelm nach gefährlicher Cavalierstour in die Arme genommen
und als Dank eine Marienfigur an diese Kreuzung gesetzt. Daraus wird
unter Jan Wellem die „casa di loreto“, das Geburtshaus Jesu aus
Nazareth, das von Engeln über Ägäis und Adria nach Loreto(südlich
Ancona) getragen worden war und das nun in der Barockzeit in vielen
Städten nachgebaut wurde. Daraus entsteht die Loretokirche, der „Bilker
Dom“. Die Farbholzmühle daneben, an der Kreuzung Düssel/ Bilker
Allee, des späteren Bürgermeisters Rompold wird zum Jesuitenhof, der
für die Loretoprozessionen verantwortlich war.
Eine andere
Mühle am Fürstenwall, die Eichenlohe zur Ledergerbung verarbeitete,
stank so sehr, dass man das ganze Viertel „Die Walachei“ nannte:
ein Malaria brütendes Sumpfloch, das die Soldaten der
Kasernenstrasse krank machte. Der große Gartenmann Weyhe half und
verwandelte 1825 die Baggerlöcher in Kaiserteich und
Schwanenspiegel.
Jan Wellem
hatte sein Ddorf bis zum Fürstenwall vergrößern wollen, übrig von
den Plänen blieben stattliche Häuser(Hubertusstift) und
Riesengrundstücke(Polizeipräsidium) an der Neusserstr. In der Schule
am Fürstenwall (altes Geschw. Scholl Gymn., jetzt Berufskolleg) litt
Heinrich Spoerl und verprügelte nachts mit anderen Pennälern in der
dunklen Reichgasse die ungelieben Lehrpersonen. Bömmel: “Nee, wat
habt ihr für ne fiese Charakter“
Das
Strassensystem der Zitadelle hatte die Richtung der „Neustadt“
gegeben (Neusserstr), die Friedrichstadt 1854 verläuft als
Fortsetzung der N-S Carlstadt. Um beide Systeme zu verbinden,
entsteht das dreieckige Friedensplätzchen mit der alten Badeanstalt
zur samstäglichen Körperpflege
Meine Tante
Ernie war Tochter des ersten Harley Davidson Fahrers in Ddorf. Seine
Tankstelle mit Durchfahrt (Neusserstr 27) zur Moselstr existiert
noch. Gehen Sie durch den Torbogen von 1709 und berühren Sie die
alte Handpumpe. April 1945 kamen die Amerikaner um die Ecke
Fürstenwall/neusserstr. Das Präsidium, am 17. April eingenommen,
bedeutete für uns das Ende des Krieges. Einen Tag vorher hatte man
noch sechs tapfere Bürger unter Polizeihauptmann Jürgens erschossen.
Ernie
Claassen: “Ich hab durch den Torbogen um die Ecke gekuckt, da ist
auch schon ein Panzer angerollt, ich bin weggelaufen, hab mich in
unsere Küche gesetzt und weiter mit meiner Mutter Schach gespielt.
Auf einmal steht da so ein Baum von Mann in der Tür mit seinem
Gewehr, ein Schwarzer, sagt nichts, guckt nur eine halbe Stunde
lang. Er ist dann wiedergekommen, hat Süßigkeiten gebracht, dann
eines Tages war er weg für immer.“
Der
Portobelloturm hatte die Volkschule von 1870 verdrängt, der
Kindergarten wehrte sich. Stararchitekt Döring musste um ihn herum
bauen, die Kinderkes haben jetzt 2m Auslauf, dann knallen sie an die
braune Wand.
Unterbilk ist
allerdings auch die Brücken-, die Erft-, die Wupperstr. „Offlimit“
seinerzeit, heute allererste Sahne. Unfeine Methoden der
Hausbesitzer, um die Armen rauszukriegen und gegenüber OGehry 1500
EURO Mieten zu verlangen. Es ist ein Ghetto, man nahm ihnen die
schicke Siemensbrücke über die Völklinger und ihre Kirche „Canisius“,
man sollte sie mal fragen nach all dem Hype im Hafen, direkt neben
dem sozialen Wohnungsbau gibt es die goldumwickelten Currwürste.
Starten wir
den Tag bei „Frida“ oder den Sambamädchen gegenüber(Bossa Nova) oder
im „Tagtraum“, wo der „Überblick“ begann, ein Bummel über die
geliebte Lo, wo man noch Transistorradios kaufen kann, aber auch
Verrucht Seidiges oder Begräbniskarten. Mittagessen bei den urigen
„12 Apostel“ oder “Grenzenlos“, Kaffee zum „Seifenhorst“ im
kaputten Gebäude der Gründerzeit, spazieren im Florapark, beim
Türken zum Friseur, daneben zum Hosenkürzen, gegenüber Türli,
Dolmasie und Riesenbohnen kaufen, abends lecker bei „DEVini“,
danach Abhängen im schrägen „Modigliani“, ein Absacker bei
„Alexander“ daneben oder doch zurück zu den Wurzeln
„Hubertusklause“, die jetzt „Ora“ heißt.
Unterbilk ich
singe Dein Lied
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19. |
Oberkassel Insel der Seligen - Oder?
Natürlich
gehen wir alle nach Oberkassel, weil wir da so lecker essen können
Aber….
Vielleicht, nein ganz bestimmt, ist es mein Vorurteil.
Es gibt
herrliche Geschichten, fangen wir gleich mit einer am Belsenplatz
an. Die Bistrots wechseln jedes Jahr, egal. „Bels“, glaub ich oder
„Liebevoll“, jetzt der große „Hülsmann“. Frühstück wunderbar! Die
Toilette. Wandelnde Klobrillen, Musik von Zarah Leander, gut,
kannten wir alles schon. Duft von Guccio Gucci, auch gut. Ich bin
eingeseift und jetzt? Ein Boudoir aus Edelholz, die Seife kam
irgendwoher, aber jetzt, wo ist der Wasserhahn? Wo kann hier
überhaupt etwas abfließen? So steh ich da, eingeseift, bepudelt, wo
sind denn wenigsten Handtücher? Ich hab mich tatsächlich
trockengetucht, bevor ich das Wasser fand.
Manchmal
möchte ich bei „Saita“ reinschneien wie der Penner Muggel oder Big
Lebowski Jeff Bridges, unrasiert, unbeschuht. Früher dachte ich
„extra Klamotten für Okassel“, mit dem Alter gibt sich das. Wir
können heute ja alle Hummer richtig zerlegen, wir wissen Barossa
Valley zu unterscheiden von Barbera d Asti, ich glaube, die Leute
lernen hier französisch: sommelier und fromager affineur geht ihnen
von den Lippen
Die „Hallöchensager“,
die „ich denk denn mal“, die Syltautos, die Schoßhündchen.
Ist ja gut,
sag ich heute, let it be, let it be, ich bin ja selbst reich,
unglaublich reich an Erfahrung
OKassel ist
eine Erfindung der „Industrianten“, wie Lueg, Bagel, Heye Poensgen,
der gewieften Politiker wie Marx, Knopp, Spiekenheuer, sie erfinden
die IDR(Industrie Terrain Reisholz) oder die „Rheinbahn“. Sie bauen
Brücken, wie seinerzeit Jan Wellem und Eisenbahnen und Industrien
und ganz nebenbei ein neues Stadtviertel Oberkassel. Mit ihren
Visionen verbinden sie Stadtlandschaften wie Krefeld, Duisburg durch
modernste Verkehrsmittel.(erste elektrische Kleinbahn
Deutschlands).Es sind Visionen des heutigen 10 Mill Raums Rhein
Ruhr.
Eigentlich
haben wir ja mit der „schääl sick“ nichts am Hut: Römerland,
Welsches Land, Franzosen, Belgier, Köln
Der Rhein als
unerbittliche Grenze. Fähren: Kaiserswerth, Neuss, aber auch
Ddorf:1248 schon.
Dann die
Franzosen. Sie wollen den Rhein als Grenze. Der Raubritter und
Sonnenkönig Louis xiv attackiert, sein Bewunderer und Feind Jan
Wellem kontert 1684 mit seinem Fort „Düsselburg“(wo die JH ist,)
1689 folgt zum Fort hin von der Zollstr aus seine „Fliegende
Brücke“(feste Fähre). Das Fort ist ein trojanisches Pferd: die
Feinde nutzen es. Drei mal Angriff von hier aus auf die schwache
Rheinseite von Ddorf: Die Preussen( alte Dessauer 1758)und wieder
die Franzosen (1733 Louis xv und 1794 die Revolution). Ddorf
verliert jedes Mal, also weg mit dem Ding. Aber das Fort (mit der
Düsseldorferstr nach Heerdt)war der Beginn des neuen Oberkassel.
Unter Napoleon
im „Departement de la Rur“ gehen 30 linksrheinische Herrschaften
unter. Oberkassel gehört jetzt zur Mairie Heerdt, zum Canton Neuss,
zum Arrondissement Krefeld. Sogar Köln geht unter. Oberkassel wird
jetzt Zollgrenze zwischen Frankreich und Deutschland(Berg). Und die
Franzosen bauen eine Fähre von Okassel zur Neusserstr, die die
jetzige Kniebrücke vorwegnimmt.
Am 10. Okt
1813 jagen Kosaken und Preussen die Franzosen durch die Retematäng
(Ratingerstr) über den Rhein.
Europa wird
neu geordnet. Preussen bekommt die „Wacht am Rhein“
Köln kommt
zurück, wehrt sich mit Stapelrecht und verliert. Seit 1831 gibt es
mit der „Rheinschiffahrtsakte“ den „freien Rhein“. Belgien
entsteht 1831, will einen „Eisernen Rhein(Eisenbahn). Die
belgischen Eisenbahnen(Lüttich) verändern die Welt.
1838 bezahlt
Berlin die erste “Stehende Brücke“(Schiffsbrücke)des Rheins von der
Zollstr nach Oberkassel an Stelle der alten „Fliegenden Brücke“ Jan
Wellems. Neuss bekommt nur eine Fähre(Auf den Steinen).
Die
„Rheinische Eisenbahn“ fährt 1853 um Neuss herum nach Oberkassel zu
einem eigenen Bahnhof auf der heutigen Kirmeswiese(„Rheinstation“),
Die Eisenbahnstrecke verlief auf der jetzigen Wildenbruch-
Sonderburgstr zum Bhf Belsenplatz. Vom Graf Adolf Platz nahm man
die Bahn bis Zollstr, dann musste man umsteigen auf die Wackelbrücke
zur Eisenbahn auf der Kirmeswiese, von dort dann weiter nach Paris.
Neben dem Bahnhof gab es bis 1900 einen kleinen Nothafen für die bei
Sturm ausgefahrenen Brückenteile.
Der badische
Ingenieur Tulla hatte 1809 mit Rheinbegradigungen und Deichen
angefangen. 1896 mit dem Lauswardhafen werden gleichzeitig das
Düsseldorfer Rheinufer 30m westwärts verschoben (Rheinuferstr
entsteht) und die Golzheimer Insel angedockt (der Rheinpark:
Gelände für Weltausstellungen, entsteht)
Jetzt schlägt
LUEG zu mit seiner Oberkasseler Brücke, seiner RheinBahn, seinem
neuen Stadtviertel Oberkassel
Die neue
Brücke in der Mitte des Rheinbogens trifft genau den alten nutzlos
gewordenen Hafen, wo Damenbad und Rekrutenbad pikant nebeneinander
gelegen hatten, genau die Stelle zwischen Kunstakademie und
Hofgarten, wo der größte Boulevard begann (Heineallee)
Genialer
Vorschub des Oberkasseler Deiches um 400m und man hatte Platz für
die Konstruktion des Planers Stübben: die zentrale Achse der
Rheinbahn und mehrer Ringe, die sich dem Rheinbogen anpassen, hinter
dem Bahnhof, säuberlich vom Wohnen getrennt, die Industrie
Das Viertel
war von Anfang an für gut betuchte Großbürger vorgesehen, oft
“Ostländer“, die eifrigen preussischen Protestanten aus Berlin, die
ab 1850 in Ddorf die Oberschicht bilden. Wunderschöne
Jugendstilhäuser, die wir heute wieder bewundern(Gründerzeit war
lange out). Weil alle Oberkasseler gebildet sind, fliegt in den
Strassen die ganze deutsche Geschichte an uns vorbei, von Wodan bis
Kaiser Wilhelm. Das Tolle ist: Kaiser Drusus und die Cherusker, sie
sind ja alle tatsächlich hier vorbeigefahren
Die
Eingemeindung 1909 ging nicht ohne Blessuren ab. Das alte
dominierende Heerdt ist abgemeldet, Lörick auch, Niederkassel in
Nussbäumen versteckt,
überlebt.
Der Krieg und
danach :Trizonesien damals schon 1919: Engländer Franzosen Belgier.
Belgisches Oberkassel war absolutes Ausland. Wenn es zu bunt wurde
in der Stadt mit Spartakisten, Separatisten, Rheinlandwehr,
Freicorps, floh man über die Dächer und den Rhein ins Ausland
Oberkassel.
Die
Sebastianer zogen sehr früh über die Brücke “Größte Kirmes am Rhein“
Mit dem neuen
Namen „Apollinariskirmes“ wäre ich vorsichtig, wir feiern zwar jedes
Jahr im Juli den Namenstag des Märtyrers, des Stadtpatrons, die “Kirchmesse“(Kirmes)des
Apollinaris also. Aber die Geschichte, wie die Gebeine nach
Düsseldorf kamen, ist gelinde gesagt eine Räuberpistole. Wir feiern
auf der größten Kirmes am Rhein eine Räubertat
Die Urstrasse
Oberkasselerstr hinter dem alten Deich mit dem Dorfanger ist noch
da. „Vossen links“ ist noch da mit dem Heiligenhäuschen, wo der
verlorene Sohn heimkehrte aus dem Napoleonischen Grauen des
Moskaufeldzuges 1812
Aber Vossen
links, Rheinlust, Lido, Confetti, Sasafras, Pauls, d.h der Beginn
von Oberkassel mit Brücken und Eisenbahn ist heute fast vergessen
Im „Muggel“
versöhn ich mich wieder mit Oberkassel. Im „Souterrain“,
eingequetscht mit Kinofreaks wie ich, das große Vorführrad hinter
mir, die Kaffeetasse in der Hand, Bogart, der Unvergleichliche vor
mir (ihm zulieb wäre ich fast Zigarettenraucher geworden), der
Gong, der Vorhang. Vielleicht bin ich sentimental, ich bin
glücklich.
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20. |
Mörsenbroich
„die Frösch“ von den „Benden“
„Die Frösch“, so
nannte man die Mörsenbroicher, die „Benden“ war ihr Land.
Vor 100 Jahren
(1910) beschrieb ein Mörsenbroicher seine Heimat.
„Murmelnd hupft
der Kittelbach vorüber. Über die Brückchen rechts vom Mörsenbroicher
Weg rumpelten die Heuwagen, hoppelten die Karnickel. In der endlosen
Niederung blinzelte ein Wasserloch und ein breiter See neben dem
anderen zum lachenden Sommerhimmel. Riedgräser, Rohrkolben sorgten
für eine würdige Fassung. Fasan und Feldhuhn, Wildenten und
Schnepfen. Im feuchten Element veranstalteten Frösche und Kröten
einen ganzen Sommer lang ihr ohrenbetäubendes Konzert. Das war das
Land der Mörsenbroicher, der „Frösch“. Nach der Schneeschmelze
überschwemmte der Kittelbach Kilometer weit das flache Land.
Nach dem Bau der Heinrichstrasse und dem kanalisierten,
eingezwängten Kittelbach war die Freiheit, die unberührte Schönheit
vorbei. Störche und Reiher verschwanden, die quakende Sippe ging
zurück. Wohl rattert heute noch ein Pflug über das Steinpflaster,
blökende Schafherden und buntscheckige Kühe ziehen zur Weide, aber
auch solche Bilder werden bald vorbei sein“
Der Kittelbach,
in Urzeiten berühmter als die Düssel, durchquert zusammen mit der
Düssel die „Zoppenbrück“ in Grafenberg. Er entsprang nicht weit
davon aus einer berühmten Quelle: Jan Wellems Brunnen, der seit
einiger Zeit wieder bestaunt werden kann.
Mörsenbroich,
sehr jung (18.Jh), entstand mit einigen Häusern, wo Münsterstr(
erste Notkirche u. Schule) und Mörsenbroicher Weg, Vogelsanger Weg
und Kittelbach zusammentrafen. Wegen des grausamen Verkehrs an
dieser Stelle hat Mörsenbroich bis heute keinen Mittelpunkt.
Der König von
Preussen, Friedrich Wilhem III. 1815 zur „Wacht am Rhein“ über die
Franzosen berufen, baute zuerst seine beiden Hauptstrassen nach
Berlin zu „Chausseen“ aus: die alte Reichsstrasse 1 (Schadowstr.-
Grafenberger Allee) und die Münsterstrasse, von der Retematäng (Ratingerstr)
über Ratingen nach Münster. Sie fuhr an Derendorf und Mörsenbroich
vorbei.
Mörsenbroich,
Rather Broich, Aaper Broich, da musste man durch, meist auf
Knüppeldämmen, bis die sichere Höhe von Ratingen erreicht war. Bis
ins 14.Jh hinein floß hier am Rand des Schiefergebirges einer der
vielen Altarme des Rheins.
Die zwei
Strassen, die Mörsenbroich schließlich völlig veränderten, waren die
Heinrich- und die Franziskusstrasse.
Die Stadtplaner
um 1900 kannten kein Pardon. Stübben zog um 1890 seine drei Ringe
um Ddorf. Der „Aussenring“ wurde die Heinrichstrasse. In den
Planspielen von 1910 sah man Düsseldorf, eine in „amerikanischem
Tempo wachsende Stadt“, die um 1940 die Millionengrenze
überschreiten würde.
Die dritte
private Eisenbahngesellschaft, die „Rheinische Bahn“, hatte
kackfrech von Grafenberg herkommend in großer Schleife ihren Bhf an
die Rethelstr (neben dem Puff) gesetzt, nun musste sie zurück zur
Strecke in Grafenberg. Am 2. Febr 1876 fährt sie mitten durch
Mörsenbroich. Am 1.Okt 1908 mußte sie diese Strecke zurücknehmen und
dort fahren, wo sie jetzt noch fährt vom Vogelsanger Weg mit großer
Kurve nach Rath.
Die alte
aufgegebene Strecke wird die kerzengerade Franziskusstrasse.
Als 1936 Hitler
in die entmilitarisierte Zone Ddorf(ein Überbleibsel der
Besatzungszeit nach dem 1. Weltkrieg)Soldaten einmarschieren ließ
und sich kein internationaler Protest regte, wurde Ddorf unter Jubel
wieder zur alten Garnisonsstadt mit neuen Kasernen. Eine davon ist
die Reitzensteinkaserne, die jetzt zum Wohnviertel (Gartenstadt
Reitzenstein) umgebaut wird(Freiherr von Reitzenstein war um 1900
Chef des 7. westfälischen Artillerieregiments).
Mit weniger
Drill geht es nebenan zu in der „Heine Gesamtschule“ plus
Rethelgymnasium (friedlich vereint?), dazu noch das „lycee francais“.
Das
Mörsenbroicher Ei, in allen Radiosendern bekannt, entstand, wo 7
Strassen aufeinanderprallen. Nicht weil es ein Ei ist, es sieht nur
so aus.
Dem Osterhasen
wäre ein anderes Ei lieber gewesen
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21. |
Holthausen
alles Henkel oder was
Kann man fast so
sagen, Ata, Imi, Pril, Rei, Somat, Pritt, Schwarzkopf, Polycolor,
alles Henkel, alles Holthausen. „Für Gabi tu ich alles“(letzter
Slogan der Henkelaner:Gabriele Henkel).
Ein Glück, dass
es vor Henkel immer schon den Berg gibt, auf den die Itter prallte
und somit den „Langen Weiher“ schuf: der Grund, warum Holthausen
existiert. Auf alten Karten heißt es nur „Langer Weiher“. „Holthausen“
bürgert sich erst im 18.Jh. ein. Der „Kamper Acker“ von
heute(Zentrum des Ortes) ist der „Lange Weiher“ von 1760, als die
Itter versiegt, weil das Benrather Schloß gebaut wurde. Der „Kamper
Hof“(1932 abgerissen, heute Restaurant) stand auf der Westseite des
Weihers, um den die alte Kölner Strasse(jetzt Bonnerstr), wie heute
noch, einen Bogen machen mußte
Und Holthausen
hatte das Glück, an der Urstrasse Köln- Duisburg zu liegen, die
älter als Ddorf ist, parallel zum noch älteren „Mauspfad“ von
Marseille bis Rotterdam. Holthausen bildet ab1898 mit dem Kirchdorf
Itter eine Dorfgemeinde, daher liegen die ältesten Häuser an der
Itter- und Bahlenstrasse. Da liegt auch Elbroich und damit sind wir
am Anfang der neueren Zeit:
Der 25 jährige
Christian Gottfried Jaeger, ein Weinhändler, kommt 1782 mit seinem
Kompagnon Pfeifer und seinem Neffen Trinkaus aus Trabach an der
Mosel nach Düsseldorf, um Farbhölzer zu verkaufen. Ddorf wurde ab
1800 der Hafen und das Färbereizentrum (türkisch rot, indigoblau)für
die Textilumgebung (Viersen, Krefeld oder Elberfeld, Barmen)
Am modernen
Carlplatz entwickelt sich Jaeger zum Großkaufmann, der 1798 mit
anderen den Vorläufer der heutigen Handelskammer gründet. Christian
Gottfried Trinkaus erbt das Ganze und bildet die erste Dorfer Bank.
Er war Sohn eines Hofmeisters mit Hang zum Adel. So bezog er 1832
das prächtige Adelspalais des verarmten Freiherrn von Pritzelwitz
an der vornehmsten Strasse der Stadt, der Hofartenstr: dem künftigen
Köbogen. (Trinkaus wollte 2008 in den Köbogen, stieg dann aber aus).
Trinkaus hatte durch adelige Verwandte Schloss Elbroich geerbt.
Durch Heirat kommen Trinkaus und Heye zusammen.
1838 im Jahr der
ersten westdeutschen Eisenbahn vom Graf Adolf Platz über Gerresheim
nach Erkrath, später Elberfeld, wird Ferdinand Heye, Bremer
Kaufmannsohn, geboren. Die Eisenbahn hatte Raseneisenerze, enorme
Sandmassen, vor allem den Bhf Gerresheim hervorgebracht. Heye
gründet hier die Gerresheimer Glashütte. Heye konnte durch den
Trinkausbesitz von Elbroich in Holthausen makeln. Er kauft die Höfe
Ober-und Niederheid, baut im nirgendwo einen Bhf Reisholz und seine
Großtat: er gründet 1897 die Firma IDR (Industrie Terrains
Reisholz), die bis heute Ddorf gestaltet (Automeile Theodorstr,
Elbsee, KIT, Schloss Eller, Schlösser Ratingerstr, Fernsehturm)
Die IDR ist
Ddorfs größtes Industriegebiet.
Und jetzt sind
wir bei Henkel
Fritz Henkel
startet in Aachen 1876, dann 1878 in Ddorf seine Bleich Soda Fabrik
auf den Schießständen der Schützenstr, wo schon ein anderer Chemiker
saß: der Bleiweißhersteller Deus Moll. Umzug nach Icklack (Flingern)(
an der Stelle wird der Mörder Kürten 1929 die 11jährige Anna K.
erstechen und vergraben.) Henkel legt 1899 seine Fabrik als einer
der ersten ins neue IDR Viertel, dh. nach Holthausen
Es geht um Fett
(Öle, Walöl z.B. Henkels Walfängerschiff „Jan Wellem“ 1936), das zu
Seife wird, um Herstellung von Wasserglas aus Sand und Sulfaten,
also ein echter Hüttenbetrieb, die Bindung von Wasserglas an Soda,
um die Zerstäubung des Ganzen, das dann in die richtige Verpackung
gerät, und gerade bei der Packungsform mit einem Markennamen war
Fritz Henkel ein Meister.
Persil (PERborat
SILikat)1907 war eine Sensation. Weil es das erste „selbsttätige
Waschmittel“ der Welt war, wie durch Geisterhand wirkend, taucht es
in Verbindung mit der „Weißen Frau“(die ermordete spukende Jacobe
von Baden) auf und bekommt als Persil Uhr einen Ehrenplatz auf dem
Burgplatz neben dem Schlossturm. Drei Ehrenbürger von Dorf gehören
zur Henkelfamilie.
Erste
Großreklame 1910, erster Fernsehspot 1956, „voll fett und geil“
würde mein Enkel sagen
Gehen wir von
der Ikea Welt in Oberheid den Berg runter zur Niederheid(es waren
wirklich sandige Heidehügel). Am „Langen Weiher“ auf dem „Kamper
Acker“, dem Zentrum also, im tosenden Verkehr von Bus, Strassen-und
U-Bahn machen Sie bitte die Augen zu. Es gibt eine hübsche
Simulation von Reinhard Pott von Holthausen-online: der „Lange
Weiher“ist wieder da, Gondeln, Markusplatz, Venedig in Holthausen.
Oder noch
besser: nach Elbroich. Der Urbesitzer war jener Arnold von Tyvern,
dem ganz Ddorf gehörte(die Grafen von Berg kauften es ihm ab).
Vieles spricht dafür, dass von Tyvern hier seinen Wohnsitz hatte.
Holthausen, der
Anfang von Düsseldorf, das ist doch was.
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22. |
Derendorf
bunter Batzen dickes Ding
Fast schon ein
zweites Düsseldorf, so bunt, so groß. Wer sich verlaufen will,
fahre ins herrlich chaotische Derendorf.
Ich habe ein
zärtliches Verhältnis zu dem Ort, meine erste große Liebe kam daher.
Es gab anfangs
schon 5 Strassensysteme mit verschiedenen Richtungen: die uralte
Münsterstr.(die „Pilgerstraat“), die Düsselstrassen (Derendorfer und
später Prinz Georg), die Torstrassen(zum Ratinger Tor) :
(Winkelfeld, Stern, später Garten Rosen), die zum
Trappistenkloster wollten( Bagel u. Düsselthaler), die durch die
Heide gehen( Rather, Ulmer, Roß), die Urstrasse: Köln-Duisburg.
In dieses an
sich schon chaotische System setzt der Stadtplaner Stübben 1885 noch
6 seiner geliebten Sternplätze, Plätze, in die 4, 5 Strassen
münden(Bagel, Mostert, Moltke, Collenbach, Glocken, Spichern).
Wilhelm I hatte was gegen die „Strasseneckigmacher“, Stübben, sein
gelehriger Schüler, baut runde Sterne. Derendorf, eine schwierige
Schöne, die erobert werden will.
Derendorf ist in
den Köpfen der Menschen viel größer, als es die Stadtteilgrenze
will. Nordstr und Moltkestr fühlen sich als Derendorfer, der
Kennedydamm ist für die meisten die Grenze nach Golzheim. Ich meine
dieses größere Derendorf.
Derendorf war
von Anfang an dabei. Die vier Urgemeinden der Stadt extra muros (Flingern,
Derendorf, Bilk und etwas später Hamm, Golzheim und Volmerswerth
schlabbern wir mal)) werden 1384 vom „eigentlichen Stadtgründer“,
dem ersten Herzog von Berg Wilhelm I wegen der Düssel eingemeindet.
Mit Derendorf und Bilk hatte er die ganze Düssel unter Kontrolle.
Hamm besorgte den Abschluß des großen Rheinbogens, die Herren von
Flingern waren eh die ersten Besitzer von Ddorf
Die Fürsten
versuchten natürlich, diese Aussengemeinden in ihre ummauerte Stadt
zu bringen. Den Bilkern gab man mit ihrem Heiligen Martin die
Mertensgasse, die Derendorfer bekamen die Randstrasse Hunsrück,
andere „Ausländer“ durften dann später auch hierhin, z.B. die
Millowitschfamilie vom Kölner Hänneschentheater( das hören die
Kölner nicht so gern). Alles, was an Strassen N-S lief (Hunsrück,
Mertens), war nicht so wertvoll, wie die Urdüsselstrassen( dem Lauf
der Düssel folgend) Ratinger, Bolker, Flinger.
Derendorf war
ärmer als Bilk oder Hamm, bekam daher spät, aber immerhin als erster
Ort der neueren Zeit 1692 eine eigene Kirche Trinitatis(Aus ihr
werden um die Jahrhundertwende 6 Tochterkirchen in Groß -Derendorf
entstehen)
Die Düssel ist
an vielem schuld: an ihrem Aussenbogen (wie immer), der Becherstr=Bach,
entsteht das Dorf (so alt wie Düsseldorf). Die Düssel muß dann erst
einmal rheinaufwärts fahren, bis sie in Pempelfort die Kurve kriegt
und das Dörfchen Ddorf hervorbringt. Zwischen Becher-und Münsterstr
steht dann auch die erste Kirche. Früher mussten die Derendorfer zur
Hochzeit oder zum Tod bis Ddorf laufen. Der Weg war so weit, dass
der Dichter Grabbe aus der Altstadt, wenn er seinen Gönner
Immermann(Collenbachstr) besuchte, nie alleine hinfand. Er war dann
so verwirrt, dass er der schönen Gastgeberin in die Hand biss (Ende
der Freundschaft). Der erste Friedhof liegt neben der Kirche(heute
St Vinzenskrankenhaus). Die neue Trinitatis wird 1891 100m südlich
versetzt, ausgerechnet auf den von Stübben hier vorgesehenen zweiten
Ring. So steht sie nun verkehrsumbraust auf einer Insel, die
Gläubigen rennen um ihr Leben zum Seelenheil
Der Stadtteil
hatte nicht immer einen guten Ruf. Jan Wellem legte die
Siechenhäuser der Leprakranken, aus denen Verbrecherbuden wurden,
nach Derendorf(Annastr), er verlegte auch den Galgen vom heutigen
Zoo auf einen gut sichtbaren Hügel, aus dem später die „Ulmer Höh“
wird. Das hätte er mit Bilk oder Hamm nicht machen können. Viel
viel später kommt dann auch die RAF hierhin(Augustastr)
Derendorf/Pempelfort
wird wegen der Düssel Ddorfs erstes großes Industriegebiet. 8
Fabriken gruben sich gegenseitig das Wasser ab. Es ging um Textil
und vor der Dampfmaschine brauchten sie alle Wasser. Möhlau ´s „Derendorfer
Blaudruck“(lag an der Annastr)wird weltberühmt mit Preisen auf der
Londoner Ausstellung 1851
Den Stempel
aufgedrückt auf diesen Stadtteil haben die Soldaten mit 20 Namen
seiner Strassen und Plätze (9 preuss. Generäle vom uralten Schwerin,
über den“Alten Fritz“ (Zieten, Seidlitz) zu Napoleon und schließlich
zu den damals 1880 aktuellen Heroen des Krieges 70/71. 9
Schlachtfelder von Weißenburg bis Spichern, 2 Regimenter (Ulanen,
Füsiliere).
Zeit für eine
Entmilitarisierung.
Die großen
Carrees an der Roßstr, auf denen heute Archiv(die „Rostlaube“) oder
Versorgungsamt stehen, waren die ersten Kasernen der Ulanen und
Husaren, auch der Ziegelbau Ecke Schwerin/Nord ist eine alte
Kaserne. Dann kam die Tannenstrasse, die jetzt mit dem „Baumhaus“
Furore macht.
Auf stolzen
Rössern zog die Kavallerie auf der Roßstr zum Exerzierfeld auf der
Heide, das man nach dem Besuch des Kaisers „Kaiserhain“ nannte(heute
Strasse: „am Hain“ in Golzheim)
Neben die
Soldaten und den Knast zog „Rheinmetall“, Waffenschmiede, die den
Tod brachte für Freund und Feind. Der Derendorfer Güterbahnhof(einer
der ganz großen in Europa!) war der ideale Verkehrsanschluß. In
Zukunft träumt hier „Klein Paris“ (Wohnviertel mit nur französischen
Namen).Damit alles stimmt, liegt neben „Les Halles“, wie in Paris,
der Puff.
Vielleicht wegen
Schlachthof, Milchhof, Großmarkt, die alle in Derendorf am BHf
liegen, ist dieser Stadtteil auch zum Mekka der Gourmets geworden,
auch die Brauereien kommen hierher(Hirschchen, Rosen, Dietrich,
Schlösser)
Bei „Sansone“,
Ulmenstr haben wir alle angefangen mit Spaghetti und Co. Aus den
verspotteten Makkaronis sind die Lieblinge der Gastroszene geworden.
Wer von der intellektuellen Fakultät ist, geht nur zu “Da Forno“ zum
Nougateis und zu „Michele“, er singt sogar mit, auch wenn er sonst
über den Dingen steht. Alle 10 Jahre kommen neue Delikatessen auf.
Farfelle, Pappardelle waren vor kurzem noch unbekannt. Zuerst gab es
nur Cappucino, heute ist das out, man muß die ganze Machiato Latte
runterleiern, ciao Luigi, come va? Immer neue dolce erfreuen unser
Herz, tiramisu, einst der Renner, heute geht’s um panettone,
granita und buccelatini
Und bei all dem
Süßen muß ich wieder an meine Liebe denken und an die Bank in
Derendorf, wo wir uns zum ersten Mal küssten.
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23. |
Vennhausen reif für die Insel ?
Willkommen im
Niederen Venn“, im Moor also. Am Ende des Eller Forstes, wo ein
kleiner „Baggerteich“ war, aus dem dann der große Unterbacher See
wird, kann man im Waldstück „Fette Erde“ tief in die pechschwarze
Torferde hineinsehen. Und manche Erlen im nassen Boden haben
mangrovenartige breite Luftwurzeln, ein bisschen „Everglades“ hier,
der Alligator lauert an der Ecke.
Gleich daneben
war der Sand. Die Kraft des Westwindes reichte mal gerade aus, um
den Sand auf das höhere Unterbach zu tragen. Ganz Unterbach war Sand
und die Unterbacher Sandträger schufen die ersten Wege durch
Vennhausen: den „Sandträgerweg“ und den „Kikweg“. Weil es
lebensgefährlich war im Moor, baute man den Kikweg kerzengerade zum
„durchkieken“ im Fall einer Not
Vennhausen ist
auf drei Inseln gebaut
Vor der Dammer
Mühle bildeten zwei Düsselarme die erste Insel mit Freibad südlich
der Mühle. Hier schon, an der Badeanstalt, trennten sich die beiden
Süddüssel(Bilk und Schulstr)und Norddüssel(Pempelfort, Altstadt) auf
ewig.
Das heutige
Spaltwerk Höherhof kam viel später.
Die Haltestelle„Knuppertbrück“
(Glashüttenstr über die Düssel) erinnert noch an die alte
Düsselbrücke.
Beide
Düsselläufe liefen dann nahe beieinander, so das sich hier der
Begriff „Alte Insel“ entwickelte, ein Stadtteil, den Gerresheim
unbedingt für sich in Anspruch nimmt, denn hier war einer der großen
Siedlungskerne der Glasarbeiter. Man lebte mit der Katharinenkapelle
„auf der Insel“, von den vornehmen Meisterburgen(Höherhofstr,
Flaschenstr) durch die Düssel getrennt.
Die Ursüddüssel
gibt es heute nicht mehr, sie floß in wunderschönen Krümmungen
zwischen Kamperweg und Vennhauser Allee. Seien Sie ein Pionier und
suchen Sie die Spuren dieser Düssel. Bei der Bebel- Lassalle-und
Zwickauerstr und um die Fabrik herum werden Sie fündig.
Erst in den
30igern machte man dann die dritte “Neue Insel“, indem ein Kanal
vom neuen Spaltwerk Höherhof zum Kamperweg geführt wurde. Heute
gibt es nur noch diesen Kanal. Neben dem Kanal die Tannenhofsiedlung
der 30iger Jahre.
„Auf einer Insel
wird die Freiheit wohl grenzenlos sein“, könnte man singen. Und so
ist es. Es gab 2mal die Siedlung „Freiheit“, die große, heute noch
bestehende, und die „Freie Erde“: eine wilde Siedlung besonderer Art
1921 in den
Nachkriegswirren sponserte der jüdische Fabrikant die „Siedlung
Freiheit“ mit ihren Helden in den Strassennamen (Berten=Ddorfer
Arbeiterführer, Bebel, Lassalle, Engels) schönfeld wird von den
nazis ermordet
Die freie Erde
(südlich Gödinghover Weg im Wald) war im Grund nur ein Haus, in dem
mehrere Familien in neuer freier Art nach Ideen des Journalisten
Landauer lebten(freie Liebe, nun ja, es war alles schon mal da). Wie
so oft wurde die Idee von Extremleuten missbraucht. Dann zur
Touristenattraktion, wo der Bürger erschauern konnte, schließlich
Avantgardisten (Maler, Schauspieler, Gruendgens z.B.)
Und Vennhausen
fragen Sie? Wo liegt nun Vennhausen?wir finden nur den Namen
Knuppertbrück Das Zentrum am ehesten noch auszumachen „In den
Kötten/ am Kamper Weg“, Daneköthen, Blotschekothen (an der Düssel
also, bei den Kätnern, den Armen, die nur eine Kate besaßen), aber
eigentlich war es nur ein Flurname, ein einziges Haus, welches? Wo
liegt Vennhausen? Im Nirgendwo.
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24. |
Hamm alles nur Kappes?
Mitnichten. Hamm
ist eine Burg, uneinnehmbar. Wer es dennoch wagt, einzudringen,
bleibt ein „Zugereister“, ein Fremder, sein Leben lang. Die stolzen
Bauern besaßen halb Neuss, das Riesengebiet drüben heißt immer noch
„Hammfeld“, die Hammer fuhren seelenruhig rüber, um dort Spargel zu
stechen.
Linksrheinisches Neussland heute war damals rechtsrheinisch Hamm
Die Bauern
beherrschen bis heute mit ihren Traktoren die Strasse, die Töchter
reiten hoch durch Hammer Land
Um jeden Meter
wird erbittert gerungen. Zuviel hatte man ihnen abgenommen: die
Lausward, den Draap mit Kläranlage und Monte
Klamott(Kriegsschuttberg). Hammer Land, heiliges Land, das spüren
die Hafenbetreiber, die aus dem Hafen nur mit einer schmalen
Plockstrasse rauskommen
Auf der
Lausward(heute Medienhafen) saß der älteste wichtigste Hof „Hammer
Hof“ oder “Brongewanges“Hof( nach Baron Wange, heute Spedition
Karcher)
1866 gab es hier
die erste Pferderennbahn und daneben das Strandbad „Onin“.
Hamm reichte im
Norden bis zum „Eigelstein“, Stromstr, wo die Düsseldorf- Hasser das
falsche Bier trinken, im Osten bis Mr Wash, im Süden bis zum
Friedhof.
Die vielen
Inseln nördlich von Hamm: Lausward, Carl Theodor, dann links:
Oelgang, Schandert, Tipers zwangen die Treidelschiffer, von Heerdt
aus auf die rechte Rheinseite überzuwechseln, in den Innenbogen zu
gehen, wie immer ist hier am Gleithang die schwächere Strömung. So
entsteht auch erst hier, fern von allem Inselwirrwarr, die älteste
Düsseldorfer Fähre von Hamm-Auf den Steinen nach Neuss. Durch die
vielen Mäander des Rheins auf seiner Verlagerung von Neuss nach
Hamm(13.Jh.) war Hamm selbst etwas ins Hinterland an einen Altarm
gekommen. Hamm brauchte einen Hafen: “Auf den Steinen“, hier konnte
man bei Niedrigwasser auf festem Gestein (Lochquarzite) fast
trockenen Fußes rübergehen. „Auf den Steinen“ ist heute eine Ruine,
vom Rhein überrollt, die Hauptstrasse endet abrupt im Wasser, ein
anderes Dorf „Niel“ verschwand ganz.
Von manchen
Bauern erzählt man sich, sie haben im Garten einen erschlagenen
Franzosen begraben oder einen Hannoveraner, einen Brandemburger,
einen Schweden. Hamm war das Aufmarschgebiet der Feinde, die
Soldateska verwüstete das Land. Man musste Ddorf von oberhalb
erobern, so besaß man den Rhein vor der Stadt. Die „Batteriestr“
führt heute noch zu einer verschwundenen französischen
Geschützstellung (am jetzigen Segelhafen).
Die Kappesbauern
sitzen auf gutem Boden. Während im Norden(Golzheimer Heide) noch der
nacheiszeitliche Sand, von Westwinden hergetragen, die Gegend
unfruchtbar macht, hatte Hamm immer die großen Überschwemmungen,
die den fruchtbaren tiefen Lehmboden brachten. So war und ist Hamm
zum Gemüse- Blumengarten von Düsseldorf geworden (Kappes und „Schawu“=choux
de Savoie),
Das stolze
Hamm(im Hamme=Im Bogen des Rheins), so alt wie Ddorf, mit eigener
Gerichtsbarkeit und zusätzlichem Hofgericht, mit einer Kirche
vielleicht älter als Lambertus, mit einem uralten Schützenverein,
mit der ältesten Brauerei (Möhker 1830), ist dann doch von Ddorf
1394 eingemeindet worden. Ddorf wollte unbedingt die wichtige Fähre
haben.
Bei Hochwasser
ist Hamm wieder eine Insel. Das Hochwasserbett reicht bis zum
Borris- Kapellweg, dh bis zur 3m hohen Kante der Niederterrasse.
Auf diesem gesicherten Weg(heute am Hochsicherheitstrakt vorbei)
gingen die Gläubigen in sieben Fußfällen von der Jan Wellem
Kapelle(1658 zu seinem Geburtstag gebaut) zum Kalvarienberg neben
Lambertus. Die 3km lange Strecke sollte genau den Leidensweg Christi
in Jerusalem wiederholen vom Herodespalast nach Golgatha.
Auf demselben
Weg kommt man in anderer Richtung zu den Urhöfen
Ader-, Boris-, Holterhof. Gehen Sie auf dem Feldweg
mutig über den tosenden Südzubringer weiter zum einzig noch
stehenden Borishof. Beim Holterhof an der Friedhofsmauer kratzen Sie
nur noch einige Ziegel hervor(drei Strassen kreuzten sich hier
einst: immer noch zu erahnen). Der Aderhof (unter der Strassenbrücke)
ist ganz verschwunden. Aber der Urdeich(Aderdeich), hinter dem diese
Höfe standen, ist noch da, er setzt sich in der Strasse „Auf der
Böck“ fort.
Lebhaftes
Treiben gibt und gab es neben der Pestkapelle(1675) am Deichtor auf
dem „Ponteberg“(„Ponte“ war die Fähre): heute Kirmes und
Schützenzelt, früher Ausflugslokale: Esser, Stern, Hecker. Auf dem „Blääk“,
dem “Bleichplatz“, dem Zentrum, steht die neue Kirche
St.Blasius(1910), mächtig den Reichtum der Hammer verkündend.
Die
Eisenbahnbrücke, erste Ddorfer Brücke überhaupt, führte 70/71 in
den Krieg. Sie hat bis heute die Reste eines Gefechtsstandes, eines
„Sperrforts“, in dem jetzt ein Indianerclub tagt
Die erste
Beschreibung von Ddorf ist uns aus Hamm überliefert. Albrecht Dürer
nimmt 1520 die berühmte Fähre auf einer Reise in die Niederlande. Er
weiß nicht viel zu berichten, aber das Wenige klingt
verheißungsvoll: “von Nays zum Stain, dort übernachtete ich, weiter
nach Ddorf, ein Städtlein. Ich aß und trank dort gut für 6
Weißpfennige“.
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25. |
Itter Fluß
ohne Wiederkehr
Sie ist dahin,
unwiederbringlich, aus vorbei. „Seine Majestät brauchen Wasser“, die
Bauern wurden nicht gefragt. Philipp Wilhelm der Vater von Jan
Wellem baute 1660 das erste Benrather Wasserschloß. Viel Wasser
musste her. Die Itter, der stolze Fluß, der Hilden hervor gebracht
hatte, Haan und Benrath, Urdenbach, Cäcilienstr, münchenerstr(ein
breiter altarm des rheins, den die itter benutzte)Reisholz,
Holthausen, Elbroich, Himmelgeist, also den ganzen Süden Ddorfs, sie
ist nicht mehr, ihre Spuren muß man suchen im Unterholz. Ich wollte
es herausfinden durch Feld und Weide, Privat- und Öffentliche
Gärten, im Kampf mit Hunden und Hundebesitzern, mit Zäunen und
Wildhütern. Ich war ihnen nicht geheuer, ein Sittenstrolch
vielleicht, ein Hühnerdieb. Ich hab sie gemocht, meine Itter.
Einmal war ich ihr ganz nahe, ich konnte ihren Herzschlag spüren,
die Füße im tiefen Morastgraben, die Hände von Brombeeren zerrissen.
Es war „am Haferkamp“ neben Ickerswarderstr, hinter einem öden
Autoparkplatz
Wer es genau
nachwandern will: Hildenerstr(Benrath) bei Schimmelpfennig ins
Paulsmühlenviertel, in der „Hessestr“ im Garten, zur
Paulsmühlenstr(am Ende, wo noch ein anderer Bach dazukam),Capitostr
10(im Hinterhof), Unterführung zum Rest vom Pritschauhof neben dem
Friedhof, dann runter(man spürt es) zum Marktplatz(hier teilte sich
die Itter in Hauptzweig nach Itter und Urdenbachzweig), Urdenbacher
Zweig: Sistenichstr bis „Schmeeds Loch=späterer Schlossweiher, dann
nach Urdenbach. Der Hauptzweig: Cäcilienstr, Münchenerstr(alter
Rheinarm, den die Itter benutzte)),Kappeler Hof (Riesenhof damals
Ecke Nürnbergerstr/Kappelerstr), Sportanlage Niederheid (über
dieFußgängerbrücke) zum Reiterhof mit Urbaum, dann Bonnerstr bei
Heggemannstr im Garten gucken, immer Bonner entlang bis zum Berg
Holthausen, wo es nicht weiter geht(heute noch 5M höher), dort
entstand „Langer Weiher“(heute eine Strasse), Linkskurve am Berg
vorbei zum Elbroichpark ( im Knick der „Bahlenstr“ hinein, am „Falder“
raus), Bahlenstr bis Wokerstr: dann im Grünstreifen parallel zu
„Haferkamp“, unter der Autobahn westlich: schwieriges matschiges
Gelände, westlich von „Wetsche“ bis „Steinebrück“, „auf Winkel“
nach Süden, dann scharfe Ostkurve bis Hauptstrasse von Itter: „Broichgraben“.
Der Altrhein
floß nicht weit davon zwischen „Jücht“(eine Insel) und Kaldenberg.
Bei seinem langsamen Wegrücken von Itter entstand der riesige „Itterdamm“
mit dem gesicherten „Kölner Weg“ dahinter. Auch Himmelgeist liegt
noch in der alten Itterdamm- Richtung. Je mehr der rhein Itter
verlässt, umso größer der neue Rheinhafen Himmelgeist als fährstelle.
Die
Hubertuskirche, eine der vier ältesten von Ddorf liegt genau im
alten Bachbogen. Siedlungen liegen immer am Aussenbogen(Prallhang),
dass war etwas höher und sicherer und hatte immer Wasser, die
Gegenseite( Gleithang) war trocken(wie Oberkasse in anderer
Größenordnung). Itter an der Ittermündung, (wie Düsseldorf an der
Düsselmündung) war früher viel größer Holthausen an der Itter
gehörte dazu (der Itter Friedhof liegt im heutigen Holthausen, auch
die einzige Kneipe). Die beiden bilden später eine Gemeinde, so wie
Himmelgeist mit Wersten zusammenging, weil zuerst ein Nebenzweig des
Werstener Brückerbaches hier mündete.
Zwei Kirchen
(ein Kirchspiel war ja schon weit oben in der Hierarchie der
dörflichen Siedlungen) direkt nebeneinander, das geht nicht gut.
Die „Steinbrück“ über die Itter (Denkmal!) trennt die feindlichen
Schwestern. Bis heute haben die beiden nicht viel miteinander zu tun
Vater Rhein,
der Grausame,(in alten Mythen verschlingt er die Kinder sündiger
Frauen) ist auch grausam zu seinen Kindern, den Nebenflüssen
Oft lässt er sie
km weit neben sich herlaufen, bevor sie münden dürfen.
(Mündungsverschleppung sagen die gelehrten Geographen dazu) Der
seitliche Erosionsschutt ist so hoch, dass das Bächlein nicht durch
kann. So geschieht es mit der Süddüssel, die eigentlich schon in
Hamm münden wollte, mit der Anger, dem Schwarzbach, dem Kittelbach
Und auch die
Itter wollte ja schon in Niederheid rein, bumms in Holthausen stößt
sie an einen hohen Berg, nun geht gar nichts mehr. Wenn sie dann
weiter nach Itter fließt, treibt der böse Rhein seine Scherze mit
ihr, er lässt sie in Richtung Köln, also zurückfahren, ätsch ,dann
merkt sie den Irrtum, kehrt um und wird am Ende vom Nebendorf
reingelegt
Etwas traurig da
Ganze. Aber die Itterer sind fröhliche Leute, sie leben in einer
wundersamen Landschaft. Der Bogen bis zur „Jücht“ ist Ddorfs urigste
Natur

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26. |
Carlstadt
die junge Altstadt
„Welch ein
himmelweiter Unterschied zwischen dem düsteren Köln und dem reinlich
hellen Düsseldorf!“
So fangen viele
Reiseberichte des 18. Jh. an, es geht um die Carlstadt, ein gerade
entstandener, neugierig machender Stadtteil
Die
Hauptstrassen verliefen(entgegen zur alten Düsselrichtung W-O in der
Altstadt) kerzengerade genau auf einem Meridian(Mittagslinie N-S),
die Blöcke waren, dem Zitadellblock abgeschaut, sehr groß, die
Häuser, klassizistisch, standen ohne Zwischenraum mit durchgehender
Fassade an breiten Strassen.
Die Carlstadt
ist immer noch reinlich, hell und schön und sehr smart dazu, ein
In-Viertel mit hohen Preisen. Eingeteilt in Kultur: Bilkerstr(Heine,
Schumann, Frankreich „Pain quotidien“ kann allerdings keiner
aussprechen, Theater),
Essen Trinken:
Hohestr(Jeronimos lecker,“Kontor“ sehr schick),
Antiquitäten:
Bastionstr,
Geld und
Industrie: Kasernenstr,
Mode: Breitestr.
Wohnen: Post- Südstr
und den
Markt, das heimliche Herz von Ddorf: Anfang der wilden
Fastnachtweiber, Anfang der Radschläger, laut, chaotisch, prall.
Murat, ein in
bunten Göringuniformen karnevalesk auftretender Chef(von Napoleons
Gnaden) des Großherzogtums „Berg“ mit Hauptstadt Düsseldorf, ritt
über die einzige Brücke aus seiner neuen Carlstadt heraus
querfeldein nach Benrath in 20 Minuten. Ist heute kaum mit der UBahn
zu toppen. Brücke und Strasse heißen immer noch „Benrather“.
Die Carlstadt
war der Höhepunkt und gleichzeitig das Ende der Festung Ddorf
Eine Zeit, in
der „Düsseldorf 2/3 seiner Fläche dem Krieg, den Rest den Menschen
zum Leben gab“ (Trottmann). Das Festungsgelände reichte von der
Kasernenstr bis zur Berliner Allee, von der Zicke/Stadtmuseum bis
zum Ständehaus. In der letzten Phase gab es nur einen Ausgang (Elberfelderstr),
das Bergertor war wegen Wassergefahr dauernd geschlossen. Wer z.B in
der Bastionstr wohnte, musste also bis zum heutigen Kaufhof, um
rauszukommen
Jan Wellem, wie
so oft, hatte angefangen. Seine Pläne( schon seit 1684)gingen bis
zum Fürstenwall(ein Wall war schon ausgehoben, aber das Geld reichte
nicht) die Stadt wäre 5mal größer gewesen als die Altstadt
1702 reicht es
immerhin für eine Kaserne (Ostseite Kasernenstr von GAP
Hochhaus-Stahlhof bis Nordende Luisengymnasium) und ein Hospital
mit Kirche nördlich der Kaserne (bis zur Benratherstr,
Commerzbank).
Skandal, als
1718 dem Ausländer Marbais ein Teil der Kaserne für eine Fabrik
gegeben wird. „Unsere Steuergelder!“ „Strafe Gottes!“, als in
grandiosem Naturschauspiel die Blitze 1781 gebündelt in die gerade
erfundenen Blitzableiter am Hospital einschlugen
Keiner wollte
hier wohnen, es waren nur die Soldaten der Kaserne und die Armen im
Hospital. Der Zugang war das kleine Stadtbrückchen bei der
Neustrasse(heute noch vorhanden als Strassenbezeichnung, gehen Sie
durch das Marxgebäude durch zum Cafe do Brazil, wo im Sommer beim
Fußballweltsieg- und sie siegen immer- die nackten Sambamädchen
tanzen.)
Dieses neue
Gelände mit nur zwei Gebäuden bekommt 1705 eine neue Festunsmauer
mit drei neuen Bastionen bis Haroldstr, im Düsselsumpf schräg zurück
zur Zitadelle. Nun gab es aber 2 Mauersysteme, denn die alten Mauern
an der Wallstr. waren stehengeblieben.
Zwei Mauern
waren natürlich kein Zustand, also entsteht 1787 die CARLSTADT
(Machtwort des Kurfürsten Carl Theodor nach langem Streit der
Stadtväter). Militärarrestanten rissen die jetzt innere Bastion
August ab und machten daraus den Carlplatz. 8m tiefe Gräben mussten
zugeschüttet werden. Wegen Hochwasser musste alles bis zum Niveau
der Hohestr erhöht werden, höchster Punkt und Gradmesser war das
Kasernentor. Das ganze Gebiet um heute Carlplatz, Bilkerstr, Poststr
war damals ein großer Düsselsee, „Cameralweiher“ genannt (=cameral=staatlich,
im Gegensatz zu privat oder städtisch, von Kämmerer), den man
langsam zurückdrängte bis zur Bastionstr. 1791 steht schon der
Carlplatz, 1792 die Synagoge Kasernenstr. Neuer Zugang wird jetzt
der Totenkeller der Kappuzinerkirche, die heutige Mittelstr, die
Cafes(Starbuck)wissen es zum Glück nicht. Die Kinder des 19.Jh
werden hier mit dem Schlitten von der Hohestr 3m hinunter in die
Flingerstr sausen
Von Jan Wellem
vorgegeben war das Rechteck der Kaserne, also wurde die ganze
Carlstadt in 18 Rechtecke(Quadrate genannt) eingeteilt. Weil es nie
ein Tor in der Carlstadt (zB zur Kö hinaus) gegeben
hatte(Ausnahme:kleines Soldatentor, heute Karltor), konnte man die
Strassen unabhängig von der Mauer anlegen. Ausschlaggebend war das
Nordende des Hospitals, hier entsteht die wichtigste Ausfahrt
Benratherstr. Die besten Rechtecke IV und V, hoch oben vor der
Kaserne, waren am schnellsten weg, bei den Gräben unten am
Carlsplatz dauerte es länger. 6 Pferde brauchte man z.B für einen
großen Zimmerbalken. Gewinner waren die reichen Bauunternehmer, die
gleich 10 Häuser bauten
Natürlich gab es
bei der rasanten Bauerei Ärger. Steuerberater Leers: „Mein Haus
liegt gegenüber dem Hospital, eine freie muntere Wohnung ist
vereitelt, indem mein Haus den ganzen Tag dem unangenehmen Anblick
kranker und müßiger Soldaten ausgesetzt ist“
Die Soldaten
werden später immer wieder Ärger machen. Journalist Landauer: „Ach,
die tapferen Soldaten, die nur immer tuten taten, ach, die
trefflichen Rekruten, die auch heute wieder tuten“. Später war der
Sündenbock der Gashersteller Middendorf aus der Benratherstr, der
1840 aus einem leckenden Möbelwagen Gas in eingepackten
Schweinsblasen verkaufte. Gestank überall. Die Kinder liefen hinter
ihm her: „Middendorf, Middendorf, böser alter Schiddendorf“.
Was für eine
Verschwendung, die ganze Geschichte!
1892 ist die
Carlstadt fertig mit neuer gewaltiger Stadtmauer, dann kommen die
Franzosen 1894, verstärken noch mal die Mauer und bauen 6Jahre lang
noch einen Gürtel von Aussenschanzen um Ddorf herum von Flehe bis
Derendorf.
Und dann nach
nur 10 Jahren 1801 wird alles abgerissen.
Die Franzosen
verlassen Ddorf und schleifen die gesamte Festung. Übrig bleibt nur
die „Kö“ mit einem Graben und einer Brücke darüber(Benrather Brücke)
Liebesgeschichten in der Carlstadt. Heine küsst die Henkerstocher
Josefa, das „Rote Sefchen“, Brentano schmachtet im heutigen
„Bastian“ für seine Luise Hensel(„müde bin ich, geh zur Ruh“), in
der Kurbelkiste(Bunker am Carlplatz)stiegen die Halbwüchsigen der
prüden 50iger vom Klo her unerlaubt ins Schmuddelkino, um erregt
Martine Carol oder Francoise Arnoul zu sehen, die in “Sittenfilmen“(das
war das Stichwort) einen Centimeter nackte Haut zeigten. Die
schönste Liebesgeschichte aber spielte in der alten Kaserne.
Josefine, die
Tochter des bürgerlichen Feldwebels Rinke, liebt Viktor, den
adeligen angehenden Offizier. Halb noch Kinder, mit erstem Weh im
Herzen, spielen sie zusammen, später ging das nicht mehr. Sie
rudern im Hochwasserkeller in einer Waschbütt: “Fahr mich, hauchte
Josefine,
Fahr mich noch
mehr“, der Nachen legte sich auf die Seite, Josefine stieß einen
Schrei aus, aber schon hatte Viktor sie umfasst. „Wirst du mich auch
nicht vergessen?“, „Nein o nein“. Da küsste er sie und sie küsste
ihn. Er fühlte nicht, dass seine Füße im Wasser standen, sie fühlte
nicht, dass ihr Rock durchnässt war, sie fühlte nur den heimlichen
Schauer, der ihr leise über den Körper rann.
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27. |
Düsselthal der
vornehme Zoo
Lore Lorenz
sagte einmal, ein Düsseldorfer ist jemand, der seinen Zoo
wiederhaben will. Das ist zu bezweifeln. Passen die stinkenden
Giraffen zum vornehmen Zoo?
Aber das
Eingangstor kann man noch fast sehen(Brehmplatz), auch die Teiche
und die künstliche Ruine (Rheinromantik war damals in).
Im Zooviertel
wohnten die gebildeten Großbürger in ihren Schiller- Goethe-
Schumannstrassen; die Arbeiter daneben in Flingern bekamen nur
Bäume und Blumen (Linde- Birken- Fichte- Rosmarienstrasse)
Heute ist Zoo
out und Flingern in
1707 hatte Jan
Wellem zur Urbarmachung des Düsselsumpfes den strengen Orden der
Trappisten ins Düsseltal geschickt. Man nannte sie „Speckermönche“.
„Specker“ waren Hölzer, mit denen man Knüppeldämme bauen konnte, so
dass die Gegend bald begehbar wurde. Die Speckermönche hatten, wie
alle Heiligen, eine Schwachstelle: den Kautabak. Alles war
verboten: die Liebe, die Lust, das Trinken, das Sprechen sogar, so
blieb nur der Kautabak. Sie fabrizierten dafür kleine Schachteln die
„Speckermönchedöschen“, die sie verkauften, die einzige Sünde
Man kann ihren
Friedhof, den kleinsten der Stadt, heute noch sehen
(Klopstockstrasse), weil auch die Nachfolger ihn benutzten. Graf
Recke kommt 1822 mit 20 Waisenknaben in das verlassene Kloster. Es
wird dort nicht einfach gewesen sein, der „Hungerturm“, Ecke Planck/Wüststr
zeugt davon. Reckes „Rettungsanstalt“ lag wie das Kloster zuvor
zwischen Recke-, Wüst-, Planckstr. Auf der Graf Reckestr. stand das
riesige Eingangstor und eine Pumpe. Auch Recke hatte eine
Schwachstelle. Mit der Pumpe und anderen Zutaten produzierte er ein
Duftwasser „Für Gott und die Waisen“
Die
Waisenanstalt brannte ab und 1876 nutzt der Zoo mit Resten und
Düsselwiesen das Gelände. Der Zoo entstand aus einer Entrüstung
heraus. Das Pferd des kleinen Mannes war der Hund. Die Stadt war
voll mit Hundekarren und die Hunde wurden brutal geschlagen.
Tiervater Brehm reiste mit Vorträgen durch die Lande. Ddorf gründet
1874 den Verein „Fauna“, dann den Zoo. Als der Zoo schon bald in
finanzielle Not geriet, stiftete der Kommerzienrat Scheidt, der in
der „Villa New York“(ratingerstr) mit schwarzen Tieren und schwarzen
Boys angeblich Orgien feierte, eine hohe Summe, damit der Zoo “auf
immer und ewig“ in Ddorf bliebe. Wegen dieses Schwurs geriet die
Stadt in der Nachkriegszeit in Bedrängnis
1880 nutzte die
Stadt das Zoogelände für ihre erste wirklich große
„Weltausstellung“. Nun war das schreckliche Trappistengebiet
plötzlich begehrt. Die neusten Pferdebahnen, dann die erste
„Elektrische“, fuhren natürlich zum Zoo. Die vornehme Welt wohnte
jetzt im Zoo
Aus dem Zoo
entsteht unser Eisstadion, wo Herr Rittberger seinen „Rittberger“
vormachte und Baran/ Falk Weltmeister wurden. Kult wurden dann die
Gesänge der DEG
Nebenan im
vergessenen „Hansapark“ lauerte der Vampir von Dorf, der Mörder
Peter Kürten auf seine Opfer, und am Rande des Viertels, wo der
neueste „Rheinische Bahnhof“ lag, hurten die Huren.
Das stille Tal
der Düssel, das Düsselthal, hat also viel erlebt.
Am Anfang der
Flinger Busch und der Düsselsumpf, eine Verbrecherecke mit
Galgen(Schillerplatz) und furchtlosen Mönchen. Dann Internatsnöte
und Tierschutz, Weltausstellung, elektrische Bahnen, Villen,
Sportgelände und Eisenbahn
Jetzt ist es
wieder still, das Düsselthal, es ruht sich aus
Eine kleine
Weile weiter den Bach hinab sang einst der Dichter Jacobi :
„Bei der stillen
Mondeshelle
treiben wir mit
frohem Sinn
auf dem Bächlein
ohne Wellen
hin und her und
her und hin
treues Lieben
und Gefallen
sei mit reiner
Lust gepaart,
und wie dieses
Schiffleins Wallen
Ruhig einst die
letzte Fahrt
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28. |
Volmerswerth die
Pirateninsel
Nun, das ist lange her.
Vielleicht ist es auch nur eine Legende. 881 überfallen die
Normannen (Nordmänner=Wikinger) Köln und andere Siedlungen am Rhein
Als letztes Schlupfloch vor dem großen Coup diente ihnen die Insel
des Volmar: Volmerswerth. Volmerswerth war zweifellsohne bis ca 1550 noch eine
Insel.
Verwegen sind sie schon,
die Volmerwerther, Nachfahren vielleicht der Piraten, verwegen auch
deswegen, weil sie dem Strom trutzen, hier an vorderster Stelle
Die ganze Gewalt des Rheins
schlägt hier am ehesten und fürchterlichsten zu.
Es gab drei Probleme:
1. Die Rheinmäander wandern im Lauf der Jahrhunderte stromabwärts.
Seit 1000 Jahren wirkt dem der Mensch entgegen. Volmerswerth liegt
genau am Anfang eines solchen Mäanders.
2. Bei Volmerswerth beginnt die Insel.
Seit Urzeiten floß ein rechter Rheinarm, die „Fleeth“, von
Krahkampweg- Aderdamm- Auf der Böck (heute bei Hochwasser ein
kleiner Bach). Die Fleeth verlandet seit ca 1550.
3. Während Flehe geschützt
3m höher auf der Kante der Niederterrasse liegt (letztes Flußbett
des Rheins bis 12 000 Jahre a. Chr.), ist Volmerswerth schutzlos in der
jetzigen Aue als Insel dem Rhein ausgeliefert. Zwei Wege: Förster-(heute Fleher) und Volmerswerther Str führen bequem zum Ort,
geschützt auf kleinen Sandhügeln: „schwarze Berge“, „Gantenberg“, „Bücker
Berg“, „Tetelberg“, also riskierte man die heikle Lage. Die
Franzosen nutzten diese natürlichen Sandhügel als Verteidigungswall
mit 30 Aussenschanzen von Golzheim bis Flehe.
Die Fleeth (der alte
Rheinarm) ist heute an der Volmerswertherstr. als Mulde kenntlich.
“En de Ehd“ heißt ein Lokal. Der Friedhof, heute Park, liegt in der
Mulde
Man kriegt es mit der Angst
zu tun, wenn man die Häuser an der Abteihofstr. Volmarweg, dicht
geduckt hinter dem hohen Damm sieht, die geballte Kraft des Stroms
direkt im Rücken
1000 Jahre lang Kampf mit
dem Strom. Die Chronik ist voller Schrecknisse. Die schlimmsten
Hochwasser: 1573, 1583, 1650,1715, 1723, dann die schwersten 1784,
1795 und 1926 (7-11m am Ddorfer Pegel, Zollstr, gilt als Hochwasser)
Der Deichbau wurde
kontrovers behandelt. Friedrich der Große hielt nichts davon.
Tatsächlich ist jeder Eingriff problematisch. Die Rheinregulierung
von Tulla 1809 besänftigte zunächst jedermann. Lange glaubte man im
19,Jh, die Überschwemmungen seien nun für immer gebannt, bis die
Katastrophen kamen. Auch Versteppung durch jetzt zu schnellen Ablauf
waren die Folgen.
Die älteste Rheinregulierung
von 1364 (Herzog Adolf I.) schuf wahrscheinlich schon den noch heute
bestehenden Aderdeich parallel zur Fleeth, also die Abgrenzung
zwischen der Volmarinsel und Düsseldorfer Festland. Etwas später kam
als Fortsetzung der Stoffeler Damm dazu bis zum Spaltwerk Harffstr,
Scheidlingsmühle, wo Düssel und Brückerbach auseinander gingen.
Ddorf war jetzt etwas geschützt, Volmerswerth und Stoffeln waren
verloren.
Um Volmerswerth zu
retten(1487 zu Ddorf eingemeindet), wurde später (1908) Stoffeln
ganz geopfert (heute Geisterdorf mit Christophstr und Stoffeler
Kapellchen). Stoffeln lag tief: eine Art Polder vor Volmerswerth,
den man fluten konnte, denn die Hauptkraft des Rheins schoß zunächst
auf Stoffeln zu. Um sicher zu gehen, wurde das Spaltwerk des
Brückerbaches (Harffstr)Scheidlingsmühle 800m weiter düsselaufwärts
gelegt mit starker Uferbefestigung des neuen Brückerbaches(1928).
Die neue Werstener Str wurde als Deich (1935)hochgelegt und schloß
die Lücke zum Stoffeler Damm. Der alte Brückerbach verschwand und
damit auch das Dorf Stoffeln. Die Düssel konnte nicht mehr
gefährlich werden, sie zweigte mit dem neuen Brückerbach vorher ab
in den Rhein.
Volmerswerth hatte am Anfang
miserable Dorfdeiche. Eine Katastrophe jagte die andere. Erst durch
das Stoffeln Opfer war der Druck etwas genommen. Unter den
Franzosen wurde ein „Flügeldeich“ bis zur „Grashütt“ gebaut. Die
Preussen wollten ihn abreissen „der Feind habe ihn gebaut“.
1879 bildet sich der Hamm-
Volmerswerther Deichverband. 1907 endlich beginnt der Bau des
heutigen Draapdeiches (Banndeich)zwischen Hamm und V
4 km lang ist er, 17m breit
die Grundfläche: das so genannte „Maifeld“ , eine 5m breite Krone
bekommt eine Strasse zur Deicherhaltung. Als der Deich bei
Volmerswerth etwas durchsickerte, wird ein „Dämmchen“ dahinter
gebaut (heute Strassenbahnkreuz und Volmerswerther Chaussee)
Kein Wunder, dass bei all
diesen Miseren die V Pfarrstelle eher einer Strafversetzung glich.
Einige urige Priesterworte sind überliefert „Da sitzt ihr nun wie
Scheibenkleister, es wäre besser, wenn man euch einen Mühlstein um
den Hals legte“.
Die Abteihofstr ist das Herz
des Ortes. Besitzerin des Hofes war die Äbtissin des Damenstifts
Schwarzrheindorf bei Bonn. 1853 wird die neue Dionysiuskirche
eingeweiht
Der „Jähle Hof“ liegt heute
allein, zunächst ungeschützt , im offenen Inselbereich am
Viehfahrtsweg, aber die Volmerswerther sind stolz darauf, direkte
Nachfahren der Ritter von Eller zu sein, sie waren die ersten
Besitzer des Hofes. Sie waren die stärksten Rivalen der Grafen von
Berg. Danach kommen die von Ingenhoven, heute noch ein wichtiger
Name im Ort.
Die Franzosen bauen 1795
eine Schanze gegenüber Grimmlinghausen. Der „Batterieweg“ führt
dahin. Lustigerweise erklären beide Autoren der „Düsseldorfer
Strassennamen“ das Wort „batterie“=“mit denen die Bauern zwecks
Regen auf Wolken geschossen haben“.
Die Grashütt, zum Jähle Hof
gehörig, lag 60 m südlich vom Segelhafen. Hier startete die wichtige
Fähre nach Grimmlinghausen. Noch heute führt hiervon ab ein Weg quer
durch den Draap zum Holterhof(Südfriedhof) und damit über den
Borisweg zur Altstadt
Die Bauernmädchen von
Volmerswerth müssen zuckersüß gewesen sein, die Herren von
Ingenhofen heiraten sie, verzichten auf ritterliche Rechte und
werden zu Korbmachern und Blumenzüchtern von Volmerswerth.
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29. |
Lohausen der Flughafen
Aber Lohausen hat auch
eine uralte Geschichte
Die Kaiserswerther
Strasse liegt genau auf der 2m höher liegenden Kante der Niederterrasse,
frei von Hochwasser. Links zum Rhein hinunter liegt die Aue. In dieser
gefährlichen Aue gab es zwei uralte Höfe: Leuchtenberg und Lohausen
Im Namen Lucht, Leucht,
Lo sitzt schon die Gefahr: „feuchte Waldwiese“.
Warum nun in aller Welt
lässt man sich so nah am Fluß nieder?
Es waren Wasserburgen,
von Altrinnen des Rheins umgeben und geschützt.
Und sie liegen an einer
sehr alten(Archäologen entdeckten hier eine germanische Siedlung des 3. Jh),
vielleicht schon keltischen Heerstrasse: der Neusser Weg. Es ist schon
gespenstisch, wie eine Strasse sich plötzlich im Nichts auflöst. Gehen Sie
den Neusser Weg Richtung Neuss: Wiese, Feld, Nichts
Und doch führte diese
Strasse bei Mönchenwerth, der Mönchinsel, über den Rhein, dann über Lörick,
Heerdt nach Neuss. Die Insel und eine Gesteinsbarriere halfen beim Übergang.
Heute noch sieht man bei Niedrigwasser die aus der Fahrrinne weggesprengten
Felsbrocken. Jan Wellem ließ zusätzlich hier eine Fähre bauen, als 1702, im
Spanischen Erbfolgekrieg, die wichtige Kaiserswerther Fähre zerstört worden
war.
Der Düsseldorfer
Kaufmannsohn Heinrich Balthasar Lantz war durch eine holländische
Handelsgesellschaft ins französische Mauritius gelangt. Durch Kobalthandel
reich geworden, kehrt er nach Ddorf zurück. 1800 kauft er Hof Lohausen und
macht daraus mit Hilfe des genialen Gärtners Weyhe den Lantzschen Park
Lohausen wird zusammen
mit Kaiserswerth 1929 eingemeindet
Von den 10 preussischen
Provinzen hatte 1815 die Rheinprovinz 5 Regierungsbezirke: Ddorf, Köln,
Aachen, Koblenz, Trier.
Der Regierungsbezirk
Düsseldorf hatte mehrere Kreise, der Landkreis Düsseldorf hatte 7
Bürgermeistereien: Kwerth, Angermund, Gerresheim, Hubbelrath, Benrath,
Eckamp, Hilden. Die Bürgermeisterei Kaiserswerth bestand aus Lohausen,
Stockum, Zeppenheim, Kalkum, Einbrungen, Wittlaer, Bockum.
Die Strasse Heidestieg
führt zu den Sandbergen der Golzheim- Lohausener Heide
Der Rhein schaffte es
mit den Westwindauswehungen des schweren Sandes nur 1km weit bis zur
Niederterrasse, der leichte Löß wurde viel weiter bis nach Mettmann
getragen. So gibt es Sandheidegebiete immer nur rechtsrheinisch auf der
Niederterrasse: zu nichts gut außer Exerzierfeldern und Flughäfen.
Am 21 Sept 1909 liefen
Geschworene, Richter und Angeklagter zum Fenster des neuen Gerichtsgebäudes
in der Mühlenstrasse. Die Strasse verdunkelte sich. Eigentlich wollte man
den Fall Ratte verhandeln, er hatte seine Schwiegermutter umgebracht. Jetzt
gab es Wichtigeres: Majestätisch zog Z3, der Zeppelin, dicht über Düsseldorf
In der ersten Euphorie
baute man die Luftschifferhalle. Sie stand auf der Golzheimer Heide, einen
Schritt vom Kaiserhain entfernt, am Stockumer Kirchweg (heute das Restaurant
„Rosati Due“, Am Hain)
Die Heide erstreckte
sich von Golzheim über Stockum, Lohausen bis Kalkum. Heidschnucken,
Wacholder, Wollgrasflöckchen im Wind, die Heide war der idyllischste Ort
Düsseldorfs. Man wanderte auf der Ulmenstrasse an verlorenen Orten wie
Thewissen vorbei zu zwei Burgen „Alte Burg“, „Große Burg“, dann am Kloster
Hain weiter bis Kalkum. Oder noch einsamer: von der Roßstrasse zu einem
berüchtigten einsamen „Roten Haus“ quer durch die Heide nach Zeppenheim.
Am 11. Juni 1912 fliegt
der Düsseldorfer Pionier Paul Veeh um 5.00 Uhr früh in seinem eigenen, aus
Mannesmannröhren gebauten, Schiff über den Rhein in den Nebel hinein bis zu
einem Feldweg bei Jülich. Das Ding war zusammenklappbar und am Abend in
Golzheim wieder startklar.
1913 baut das Militär
eine neue Schifferhalle südlich von Zeppenheim. 1914 wurde sie von einem
englischen Flugzeug zerstört. Die vornehme Lady Mulvany, Stieftochter des
berühmten Industrianten Mulvany, die in der Nähe wohnte, wurde des Verrats
angeklagt und verließ Düsseldorf. Man konnte sich anders die Sache nicht
erklären.
Immer schon hatte das
Militär auf der Heide seinen Exerzierplatz. Am Tannenwäldchen vorbei( der
Friedhof hieß früher „hinter dem Tannenwäldchen“) ritten Ulanen und Husaren
auf ihren Rossen(Rossstrasse) zu den Kasernen
Die rasante Entwicklung
des Flughafens begann nach dem 1. Weltkrieg 1925 nach dem Abzug der
Franzosen. Die Regierung bevorzugte allerdings Mülheim, Essen und Köln.
Ddorf wurde nur Notlandehafen. Nach Lindbergs Überquerung des Atlantiks 1927
setzte der Kampf ein Köln gegen Düsseldorf. 1929 fuhr die belgische Sabena
Düsseldorf an und dann gab es kein Halten mehr.
Airport City 2010: wo
das Maritim Hotel glänzt, lagerten die Bettler von der wilden Heine Siedlung
am Roten Haus. Wo Porsche und Co brillieren, zerschellten die ersten
Zeppeline.
„Grün ist die Heide…“,
nun, das ist nicht mehr, aber alle Ampeln am Flughafen stehen auf „Grün“.

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30. |
Wittlar der weiße Grund
Worpswede am Rhein
Die schöne Braut kam
zögerlich und spät(1975) zu Düsseldorf, aber Braut und Bräutigam kannten
sich seit Kindertagen
Die Heltorfs, die Spees,
die Hatzfelds, die Scheidts, die Winkelhausen, die Kaldenberg, sie hatten in
hohen Diensten mit dem beginnenden Düsseldorf zu tun.
Einbrungen, ein Name wie
aus einem Märchen, wird nach dem 2. weltkrieg zu einem kleinen Worpswede am
Rhein. „Einbrunger Freundeskreis“, berühmte Namen wie Pfau, Uecker, Hilla
und Bernd Becher, und ihre Gäste Grass, Maycock, „Flötchen“ Geldmacher. Das
hatte Tradition. Schneider Wibbel, alias Müller Schlösser lebte in Wittlaer
und bei Brandts Jupp traf sich Ende 19.Jh. die Malerwelt Dücker, Liesegang
und vor allem Max Clarenbach
Wenn man am Schwarzbach
steht und durch den weißen Nebel in der Ferne Schiffe wie Gespenster
auftauchen, wenn man das Tuckern hört unter dem Rauschen uralter Bäume, wenn
man auf der Wiese von Einbrungen liegt hoch über dem Bach ganz allein oder
in einer Kuhle nahe am Froschenteich, wenn.. ja, man könnte so
fortfahren, die Schönheit von Wittlaer.
Viele möchten hier
wohnen, höchste Mieten natürlich, höchste Dichte höherer Bildung auch,
höchstes Kulturleben
Eine Insel, zwei
Treidelwege an zwei Rheinarmen, die Mündung des Schwarzbaches in den Rhein,
nirgendwo sonst ist eine Mündung so großartig: der kleine gegen den großen
Fluß, ein ungleicher Kampf, rührend in seinem Mut
Die Kalkstrasse am
„weißen Stein“ hat wahrscheinlich den Namen Wittlaer und den Ort
hervorgebracht. Der Hafen „Kalkblääk“ (Kalkplatz)heute unterhalb von Brands
Jupp war der Endpunkt der Kalkstrecke, der Schwarzbach war der Transporteur
des Kalks von Wülfrath, Dornap bis Wittlaer, vielleicht schon in Römerzeiten
Der Rhein macht hier
viele Kapriolen: Inseln und Altarme: auf Kaiserswerth folgt rechts das
Wittlaer –Werth, gegenüber linksrheinisch die Spey-Insel. Der Froschenteich
war ein großer Rheinarm, davon zu unterscheiden sind die vielen kleinen
Rinnen, die hier Kuhlen heißen: Abflüsse die beim fliehenden Rhein in sein
Hauptbett nach der Eiszeit (vor 12 000 Jahren) zurückblieben.
Überschwemmungen schufen dagegen Sandbänke oder Geschiebelehme: Anhöhen, wie
den Heidberg zB.
1850 stöberten überall
Bergwerkbesitzer herum. Kohlemutungen auf der einsamen Insel Werth,
“Eisenhüttenwerk Wittlaer“ war im Gespräch
Nun, dazu ist es nicht
gekommen, aber so ganz unberührt blieb Wittlaer nicht.
Das alte Einbrungen ist
nicht mehr, die schöne Braut hat einige Kratzer bekommen, zuviel wurde hier
gebaut. Wittlaer lag fern der Eisenbahn, das machte es zu einem
verwunschenen Ort. Aber die Moderne kam in Form der neusten elektrischen
Kleinbahn, die Düsseldorf schon 1910 mit Wittlaer verband. Zuerst etwas
ruckelig „Kurz und Kleinbahn“ genannt, dann 1926 vornehm neu als D-Bahn.
Dann kam ein Geisterbahnhof, jetzt die S-Bahn mit bestem Anschluß natürlich.
Einer der
eindrucksvollsten Momente in Düsseldorf erlebte ich in Wittlaer.
Ein Weg aus dem
Mittelalter bei Winkelhausen. Ein Gewitter kündigte sich an. Schwarzer
Himmel, und dann, völlig allein in der Welt, kein Baum, kein Strauch, eine
schneeweiße Kapelle, unwirklich, entrückt
„es war als hätt der
Himmel die Erde still geküsst“
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31. |
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