Startseite

Informationen

Zur Person

Düsseldorf aktuell

 

 

Kontakt

Impressum

          

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Dieter Jaeger
- Geschichte -  Düsseldorf -


    I.  Die Düsseldorfer Stadtteile
II. Essen und Trinken einst und jetzt
    (letzte Änderung: 19.12.2011 17:48)
  I.

Die Düsseldorfer Stadtteile
Parallel zur Serie der RP: die Stadtteile

  1. Pempelfort, die heimliche Hauptstadt
  2. BILK  das andere Dorf an der Düssel
  3. Flehe   an der Fleeth
  4. Garath und Hellerhof-   Rosa Schmetterlinge und
      Grüner Turm
  5. Heerdt  in die Ecke gedrängt
  6. Flingern- Nord     Düsseldorfs Lieblingskiez
  7. Urdenbach, das Dorf mit Herz
  8. Eller  ein mächtiges Rittergeschlecht
  9. Benrath-schmachtende Liebe hinter Tapetentüren
10. Hassels--- die Siedlung im Wald
11. Angermund  die Rosenstadt
12. Lörick   uralt und hochmodern
13. Flingern-Süd  es lebe Fortuna
14. Kaiserswerth      Leben wie im Himmel
15. Ludenberg  schon mal gehört?
16. Lichtenbroich  hinter der letzten Landebahn

17. Kalkum   Idylle pur
18.
Unterbilk  der Renner
19.
Oberkassel    Insel der Seligen - Oder?
20. Mörsenbroich    „die Frösch“  von den „Benden“
21. Holthausen   alles Henkel oder was
22. Derendorf   bunter Batzen  dickes Ding
23. Vennhausen   reif  für  die Insel ?
24. Hamm   alles nur Kappes?

25. Itter    Fluß ohne Wiederkehr
26. Carlstadt    die junge  Altstadt
27. Düsselthal   der vornehme Zoo

28. Volmerswerth   die Pirateninsel
29. Lohausen   der Flughafen
30. Wittlar der weiße Grund Worpswede am Rrhein


 

  II.

Essen und Trinken einst und jetzt

  xx. Die letzte Bastion der Düsseldorfer, die Retematäng, die
       Ratingerstrasse, wankt.

 


 

     
  1.

Pempelfort, die heimliche Hauptstadt

Pempelfort war kein Ort, nicht mal ein Weiler, nur ein einzelner Hof an der Furt über die Düssel, der dem Bauer Pempel gehörte

Aber später wird aus dem herzoglichen Gemüsegarten des 16.Jh und dem Jagdzeughaus des Jan Wellem die erste Osterweiterung der Stadt zur alten Hauptstrasse Köln-Duisburg hin. Das Jagdhaus wird im 18.Jh zum Schloß, der Gemüsegarten zum 1. Garten Deutschlands, zum Prunkstück aller Touristik und Pempelfort wird seit Jacobi und Goethe zur heimlichen Hauptstadt, wo alle wohnen wollen.

 Hier entsteht mit Prinz Friedrich und Fürst Karl Anton im 19.Jh eine Art neuer Jan Wellem, ein neuer Sonnenkönig. Die Hofgartenstr und alle Strassen um das Schloß herum avancieren im 19/ 20 Jh zur vornehmsten Gegend der Stadt. Alle Maler wohnen hier, das Militär, die Literaten, die Industrieanten,  die creme de la creme. Die Kirche wird dann auch zum „Dom“ von Düsseldorf.

Vom Zentralen Marktplatz aus an der Furt ging man an Jan Wellems Marstall mit dem schönen Giebel vorbei nach Düsseldorf zur Ratingerstrasse, entgegengesetzt über die Düsselthalerstr zur größten Touristenattraktion des 18. Jh, dem unheimlichen Trappistenkloster in Düsselthal,  über die Adlerstrasse ins alte Flingern und über die Derendorferstr nach Derendorf und Rath,   und man saß natürlich an der Kutschenhauptstrasse zwischen Köln und Duisburg, ein Privileg, das Düsseldorf nicht hatte

Pempelfort war Düsseldorfs Sommerresidenz. Wer es konnte, hatte hier sein Sommerhaus mit großem Garten.

Der Pempelforter, der zwar seinen zentralen Platz und seine Kirche verloren hat, strahlt heute noch etwas von seiner alten Würde aus. Fast fürchtet man sich vor ihm. Am Rande des Stadtteils, an der Moltkestrasse z. B. nennt man sich schüchtern eher einen Bauern oder Soldaten von Derendorf.

     
  2.

BILK  das andere Dorf an der Düssel

1980 feierten sie „Düsseldorf bei Bilk“,  und Recht haben sie, die Bilker. Lange vor Ddorf erwähnt, Mutterkirche von St Lambertus, heute stolzer Kiez um Brunnen- Merowingerstr herum. Der Bilker ist eine Sonderform des Düsseldorfers

Der Ursprung an der Martinstr auf dem Tetelberg mit der ältesten Ddorfer Kirche und Friedhof ist heute etwas vergessen.  Die Entwicklung ging der Düssel entlang an der Suitbertusstr bis zur Fruchtstr, auf der man mit den Feldfrüchten heimkehrte.

Der Rest entsteht am Ende des 19. Jh.   Geschichtsbewußt bei der Namensgebung für die neuen Strassen fährt man in Bilk (auch wenn man nie ankommt) auf Merowinger- und Karolingerstrasse zur Kaiserpfalz nach Aachen(Aachener Strasse), denn nur hier in Bilk gab es einen karolingischen Königshof (Burghofstrasse)

 

Himmelgeist war die Endstation aller Rheinfahrer, die die gefährlichen Mäander(Kurven) bei Ddorf fürchteten:  die Himmelgeister Strasse sind sie dann die Reststrecke geritten, heute Brunnenstr (von den Himmelgeister/ Fleher Wasserwerken her), Die Brunnenstrasse ist das jetzige Zentrum von Bilk.

   Die andere Hauptstrasse führte seit Urzeiten vom Gerresheimer Neusser Tor über Bilk nach Neuss. Es ist die Oberbilker- Bilker Allee, die allerdings zunächst die Bachstrasse nutzte. Die Bilker Urkneipen sitzen hier:  Manes „Haus der Freude“ früher „Paulushaus“, Haus der Freiheit“, „Zwölf Apostel“, die andere Urkneipe sitzt neben der alten Kirche: „Deutzer Hof“

 

Im 20. Jh kommt das Krankenhaus, schließlich die Uni mit der medizinischen Fakultät nach Bilk, vorher gab es hier schon die Sternwarte, und so haben viele Strassennamen hier mit der Medizin oder den Sternen zu tun.

Ddorfs zweitältestes Industrieviertel (nach Pempelfort: beide hängen von der Düssel ab) hat wenige Spuren hinterlassen: Auto Becker`s großer Turm( eine Papierfabrik) und vor allem der Salzmann Bau (wiederum Papier) der Firma Jagenberg mit „Jazzschmiede“, „Offene Radio Werkstatt, „Leben in der Fabrik“, „Bürgerhaus Bilk“.

Bilk ist der größte aller alten Stadtteile, dh der kleinen Siedlungen, die schon 1390 mit Flingern, Derendorf,  Hamm zur Stadt Ddorf gehören. Jan Wellem lockte sie, von Bilk weg in die Stadt innerhalb der Stadtmauer zu ziehen. Steuerfreiheit gab es und eine eigene Strasse: die Strasse ihres Heiligen Martin: die Mertensgasse. Aber die Bilker blieben standhaft, sie sitzen heute noch da, wo sie immer saßen.

 Die Sonderrolle unterstreicht, warum es auch nur hier das einzige noch erhaltene Vorstadtkino , das „Metropol“gibt.

Dummerweise macht die Düssel am Tetelberg einen Knick nach Nord, sie mündet nicht in Bilk, sonst wäre Bilk heute Düsseldorf

     
  3.

Flehe   an der Fleeth

Flehe liegt auf der hohen Kante 2m höher als Volmerswerth, die Insel, die immer unter Wasser lag. Aber Volmerswerth hatte den fruchtbaren Lehmboden, Flehe hatte nur Sand. Volmerswerth war daher größer, hatte eine Kirche, Flehe nicht

Die Fleeth, eine Altarmrinne des Rheins, trennt die beiden feindlichen Schwestern. Sie ist heute noch sehr gut zu sehen im „Draap“ südlich von Hamm oder im alten Volmerswerther Friedhof, heute ein Park. Ein Deich hinter der Fleeth, der Aderdeich schützte bald Ddorf an seiner verwundbarsten Stelle. Auch er ist ganz erhalten

Die Fleher ärgerten die Volmerswerther: sie waren die ersten in der fremden Kirche, nahmen ihnen die besten Plätze weg Da rächen sich die Volmerswerther. Ein Holzgestell, fast eine Kirche, stand eines Tages an der Fleher Strasse. Streit, Krieg, die Fäuste flogen, ein Pferd wurde erstochen. Heute haben auch die Fleher eine Kirche

Am Ende der Fleherstr gibt es zwei Berge: den Gantenberg und den Bückerberg, so hoch liegt Flehe.   Es ist zwar das vorletzte Flußbett des Rheins, die so genannte Niederterrasse, aber auf diesem alten Flußbett gibt es oft kleine Sandverwehungen, die die Ddorfer „Geisten“(holländisch Geest, Himmelgeist z.B.) oder eben „Berge „ nennen.

Der Kutschenfranz von der Fleherstr saust mit seiner Kutsche und den Pferden Max und Moritz die Berge hinunter in die Altstadt, wo er Touristen die Stadt zeigt. Früher zog die tanzfreudige Jugend den Berg hinauf zum „Fleher Hof“, wo die Post abging.

Und wenn es sehr spät war, zogen sie weiter zum Fluß und hielten sich einander fest. Wenn die Liebe vorbei war,  gingen sie wieder zum Fluß und schauten dem ewigen Strömen zu. Das war wie ein großer Trost

 

     
  4.

Garath und Hellerhof-   Rosa Schmetterlinge und Grüner Turm

 

Als Howard Ebenezer 1902 sein Buch „Garden Cities“ schrieb, war das eine Sensation. Stadt und Land miteinander verbinden, weg mit den düsteren Slums der industriellen Revolution.Le Corbusier verfeinerte das 1933(Charta von Athen): strenge Trennung von Wohnen und Arbeiten. Heute sieht man das wieder ganz anders: der Trend ist eher zurück in die Stadt, wo alle Lebenfunktionen vereint sind. Arbeiten, Wohnen, sich Amüsieren, die „Altstadt“ eben als Idealfall

Garath war so eine Gartenstadt 1961 geboren,  aber sie kam in den 70igern einer Strafversetzung gleich: hohe Wohnkomplexe, Beton, Aussiedler, eine einzige Kneipe in Hellerhof.    Ratingen West und Garath wurden zu Schreckgespenstern: ein Heizturm statt einer Kirche als Wahrzeichen,  die hohen Bahnsteige der S-Bahn als zentraler Markt.

Heute sieht man  vieles in milderem Licht. Eine hervorragende Freizeitstätte, der bequeme öffentliche Verkehr, die vielen Vereine, der „Alte Rhein“ vor der Tür.

1961 hatte Friedrich Tamms, der Erbauer des Tausendfüßlers und der „Brückenfamilie“ die neue Stadt quasi aus der Wiese heraus geschaffen:  vier große Strassenbögen mit Stichstrassen in den Bogen hinein, das war die alte Ebenezer-Idee 

 Zuerst im NW: die Architektenstadt mit Strassennamen seiner Kollegen, dann der SW: das Literatenviertel, dann die Ostseite mit den Ostsiedlern und im SO den Widerständlern gegen Hitler, in der Mitte am Bahnhof:  die gerade verklungene Adenauerzeit(Schumacher, Ollenhauer, Erler). Aus Garath Süd wird dann mit kleinerer Bauweise in den 80igern Hellerhof (Logo: ein rosa Schmetterling)

 

Am Mühlenbach schließlich der Ursprung: Schloß Garath

Die Römer waren von ihrem Kastell Bürgel, das vor 2000Jahren noch linksrheinisch lag(Altarm Urdenbacher Kämpe) an der Stelle, wo die gefährdete Aue und Niederterrasse am schmalsten, also am schnellsten zur schützenden höheren Mittelterrasse hin überquert werden konnte, am heutigen Heller Hof und Haus Garath vorbei  zum uralten Mauspfad vorgestoßen, der rechtsrheinisch auf der geschützen Mittelterrasse an Morp und Haus Unterbach vorbei Richtung Ruhrtal führte.   Der römische  Vorgänger von Haus Garath hatte also Schutzfunktion über diesen wichtigen Rheinübergang und seine Fortsetzung zum Mauspfad.

Die Herren von „Garderode“ werden erst 1271 erwähnt. Der berühmteste Besitzer von Haus Garath war später die Adelsfamilie Vellbrück (seit 1550). Ein Vellbrück baute den heute noch vorhandenen Torturm 1610,  ein Vellbrück begleitet Jan Wellem auf seiner Cavalierstour 1674-77, ein anderer wird  Fürstbischof von Lüttich und ab 1730 sitzen die Vellbrücks auch im heutigen Stadtmuseum  Bäckerstrasse, dem schönsten Adelspalais von Ddorf

Graf Vellbrück von Garath/Lüttich war ein feuriger Liebhaber und Tänzer, die Lütticher haben ihm das ein wenig übel genommen. Für Garath tuts gut. Tanzen und Lieben rosa Schmetterling und grüner Turm

     
  5.

Heerdt  in die Ecke gedrängt

 

Wenn man von Heerdt nach Neuss will, kommt man im lieblich klingenden Barbaraviertel (uralte Barbarakapelle) durch eins der grausigsten Gebiete Düsseldorfs. Es ist, als ob Neuss den Abfall, den Verrat durch bestrafend scheußliche Bauten offenkundlich machen will. Heerdt liegt sowieso im Abseits,  schwer erreichbar. Umgekehrt gibt es die gleiche Distanz. Wenn die Oberkasseler nach Ddorf fahren, sagen sie „in die Stadt“, die Heerdter sagen „nach Düsseldorf“.

Vom Rhein bedroht, wie sonst niemand, von Neuss begehrt, später von Ddorf, dann aber fallen gelassen wie der Mohr, der seine Schuldigkeit getan, denn Oberkassel wurde das Objekt der Begierde. Heerdt blieb nur die Rolle einer riesigen Verkehrsspinne. Heute brausen wir auf Autobahnen über Heerdt und an Heerdt vorbei

Das Kirchspiel Heerdt, also der Mittelpunkt des linksrheinischen Düsseldorf mit den Bauernschaften Ober- Niederkassel und Ober-Niederlörick, war zwar von Anfang an Neuss und somit Köln untertan, entwickelte aber im Kampf um den Hafen bald eine eigene Position. Um z.B. dem Mühlenbann der Geismühle (existiert immer noch, 10 km weit bei Ossum) unter Amt  Linn zu entgehen( Köln besaß die Ämter  Neuss, Kempen, Uerdingen und Amt Linn mit 5 Kirchspielen, darunter Heerdt und Büderich),   kauft Heerdt 1574 eine eigene Mühle mit Mühlenbann auf dem Himmelsberg(Sie wurde 1923 von belgischen Soldaten als Schießplatz benutzt, dann abgerisen, heute gibt es neben dem Friedhof nur noch die Strasse “am Mühlenberg“)

 

Am Anfang von Heerdt standen  zwei  Damen: das Damenstift von Haus Meer im Norden und das Damenstift von Quirinus  Neuss im Süden( als Kloster von Gladbach aus schon 950 gegründet). Später  kommen die Städte Neuss und Ddorf und mit ihnen zwei Machtbereiche Köln gegen Jülich/ Berg

Heerdt steht immer in der Mitte und wird zerrissen

Die mächtigen Damen von Neuss (eine Äbtissin, Schwester des Papstes, hatte die Gebeine des Märtyrers Quirinus von der via appia in Rom nach Neuss geholt) bauen 1100 den Hof Heerdt und 1150 die Kirche. Neuss wurde Hauptstadt im Kölner Niederstift und  in den Wirren der Reformation, des Kölner Truchsesskrieges, werden dann Neuss und Heerdt zerstört

 

Seit 1250 etwa beginnt die Tragödie von Neuss.

 Der Rhein prallt vom Hochufer Grimmlinghausen ab in Richtung Hamm, zerstört dabei 1446 das Dorf Niel, verlegt sein Hauptbett von Neuss weit weg nach Osten. Der Zoll war 1372 nach Zons verlegt worden Seit dieser Zeit suchen die Neusser nun schon 800 Jahre lang wieder neuen Zugang zum Rhein. Sie lenken die Erftmündung vom Süden weg in einen Altarm des Rheins (Erftkanal),der südlich von Heerdt in den neuen jetzigen Rhein mündet. Im 19. Jh bietet  das dann die genutzte Chance, einen Riesenhafen zwischen Erftkanal und Rhein zu bauen, größer als in Ddorf, der in diesen Tagen ja auch Ddorf schluckt

Damals gehörte die neue Erftmündung  aber zu Heerdt und damit beginnt der Kampf  Neuss gegen Heerdt.

Heerdt besaß in seiner Blütezeit im 19. Jh die Mündung des Neusser Erftkanals, dann einen eigenen Hafenkai, dazu die einzige Eisenhütte weit und breit. Aber Heerdt pokerte zu hoch, lavierend zwischen Ddorf und Neuss verlor es am Ende seine eigene Seele.

Heerdt liegt ähnlich wie Neuss auf der höheren Niederterrassenkante Der Rhein muß hier am Himmelsberg eine Kurve zurück machen, weil aber diese früher sanfte Kurve durch die Rheinverlagerung immer spitzer geworden war, kommt es  beim  „Heerdter Loch“ 1784 zur Katastrophe. Um Ddorfs Deiche zu retten, wird Heerdt geopfert, später wird es wieder geopfert, diesmal, um Oberkassel zu feiern

Auf der alten Kirmeswiese nördlich vom Krankenhaus erinnert ein Stein an die gewaltigen Geröll- und Sandmasen, die hier hineinschossen.

 

Das Strassendorf Heerdt(Alt Heerdt) liegt in der Verlängerung der Schießstr-Lörickerstr nach Lörick, weil  Jan Wellem 1702 im Kampf um Kaiserswerth mit dem Habsburger Kaiser gegen die Franzosen von Lörick nach Stockum eine neue Fähre  gebaut hatte ( die Kaiserswerther Fähre war versenkt worden) Der Feldweg in Stockum heißt bis heute Neußer Weg und endet im Nichts. Lörick war also wichtig, nicht die kleinen Höfe von Ober- und Niederkassel

 

Wegegelder sind im 18.Jh eine gute Quelle für Städte, hier für die Stadt Neuss. Die Zollbarriere stand an der wichtigsten Wegegabelung: Neuss oder Krefeld, dazu noch an der ältesten Strasse: der Römerstr B9 (vom Römerlager Novaesium  über Neuss –Meer - Uerdingen nach Xanten.

Die Barriere ist der bekannteste Wegweiser  von Ddorf geworden, der

 „Handweiser“,  und hier liegt noch ein Unikum: Pfarrer Klinkhammers Bunkerkirche

Bei der Eingemeindung der Bürgermeisterei Heerdt (zum Kreis Neuss gehörend) in den Stadtkreis Düsseldorf 1909 wehrte sich Heerdt länger als alle anderen „neuen“ Stadtteile bis zuletzt. Der Hauptplatz heißt heute Nikolaus Knopp Platz, aber die Altheerdter grollen ihrem letzten Bürgermeister immer noch. Er hat ihre Gemeinde „verraten“ und als „Judaslohn“ auch noch den Posten des Ddorfer Beigeordneten bekommen. Als Herdter Bürgermeister verlegte er fast alle Amtsstellen nach Oberkassel. Die Bürgermeisterei firmierte früher stolz „Heerdt am Rhein“,  dann ab 1900 „Oberkassel bei Düsseldorf“

 

In der Ecke am Handweiser hatten belgische Soldaten 1923 Baracken gebaut, die später zum Schönauviertel mutierten, was gar nicht so schön war.   Tapfere Leute siedelten gleich nebenan in dieser unwirtlichen Gegend: die Rheinbahn, die Teekanne und die Rheinische Post.

     
  6.

Flingern- Nord     Düsseldorfs Lieblingskiez

Licht und Wärme kommen aus Flingern,  so hieß es um die Jahrhundertwende. Von wegen! Zunächst kamen Dreck und Gestank daher,   Gaswerk, EWerk, Verbrennungsanlage, alles aus Flingern

Die Malocher aus dem Flinger Broich kämpften gegen die feinen Pinkel aus dem Zooviertel, Fortuna gegen DEG.  Aber es gibt eine ausgleichende Gerechtigkeit in der Geschichte. Heute ist es umgekehrt: Flingern boomt, der Zoo dämmert dahin.

Das heißt, man muß unterscheiden: nur Flingern-Nord ist der Darling.

Hier fing ja auch alles an.

Den Edelherren von Flingern gehörte im 12. Jh quasi der gesamte Bereich der heutigen Altstadt, so z. B. die wichtigste Mühle an der jetzigen Mühlenstrasse,    und so führt dann die wichtigste Ausfallstrasse vom 1390 erweiterten Düsseldorf nach Flingern und heißt in der Altstadt Flingerstrasse, fortgesetzt als „Flinger Steinweg“, heute Schadowstrasse

Der Haupthof war vielleicht das jetzige „Tönnchen“ an der Lindenstrasse. An dieser Strasse, der Dorfstrasse, lagen alle anderen Höfe: der Engerhof, der Kürtenhof (heute noch erhalten) und der Euler Hof

Die Ackerstr(Ackerkoppelstr) war die Grenze zu den abgekoppelten Ackerflächen. In der „Dreifelderwirtschaft“ mussten immer zwei der wechselnden drei “Zelgen“ vor dem weidenden Vieh abgezäunt werden. Die Flurstrasse gab die Grenze der Wirtschaftsfläche, der „Flur“ zur gesamten Gemarkung. An der Grenze zum östlichen Sumpfland (Bruchstrasse), zu Kittelbach, Düssel und  Zoppenbrück, zur Ödnis also, waren diese Begriffe wichtig und haben sich als Strassennamen erhalten

Im Zooviertel saß bald das Großbürgertum, seine Strassennamen spiegeln die deutsche Kultur(Goethe Schiller Schumann). Für das Arbeiterviertel Flingern hatte man nur Bäume und Blumen(Fichte, Kiefern, Birke, Rosmarien), noch weiter östlich sind wir im Märchenland (Rapunzel- Schneewittchenstrasse)

Die Ackerstr wurde um 1900 zur dichtestbesiedelten Strasse von Ddorf

Heute ist sie Kult

     
  7.

Urdenbach, das Dorf mit Herz

 

Völlig richtig. Kaum irgendwo sonst ist es so atmosphärisch dicht, gehegt und gepflegt, eine kuschelige Ecke in unserem großen Dorf. Und ein Unikum dazu oder zwei

Unikum Nr 1: der einzige, bei uns  noch erhaltene, und bei Hochwasser aktive Altarm des Rheins

Unikum Nr 2: die älteste evangelische Kirche, ein Jahr vor Neander in der Altstadt. Da muss also was dran sein an diesem Urdenbach

 

1374  bei einer gewaltigen Hochwasserkatastrophe verlässt der Rhein sein altes Bett(heute der Bach“Alter Rhein“)und sucht sich den neuen jetzigen Lauf, bringt auf diese Weise Haus Bürgel ( römisches Kastell und damit das älteste Haus der ganzen Region Ddorf) auf die rechte Rheinseite- weiß der Teufel, wie die das überlebt haben.

Urdenbach ist älter als diese Katastrophe (Jahreszahl 1301 an einem Haus). Die Herren von Benrode (heute Benrath) hatten hier an der Mündung der Itter ihren Hafen. Der „Alte Rhein“ musste hier am Steilufer zur „Niederterrasse“ (so wird ein älteres Flussbett genannt 50 000 Jahre zurück) eine Kurve nach Westen machen. An so einem „Prallhang“ entsteht eine tiefe Rheinrinne, ideal für einen Hafen. Auch als der Rhein langsam wegdriftet( heute 800m vom Hafen entfernt), bleibt der Unterbacher Hafen, ausgebaggert, noch über Jahrhunderte schiffbar. Es entsteht ein wichtiger Holzhafen(Flößerstr), eine Handelsstation. Nur in Urdenbach gibt es den hanseatischen Begriff „Kauffahrteihof“= Handelskontor für Schiffahrt.  Es ist das heutige„Strohnsche“ Gebäude, hoch- wassersicher „Auf dem Ufer“ 5-13. Daneben stand die Mühle.

 

Wilhelm der Reiche (das ist der Schwiegervater unserer berühmten, im Schloßturm gemeuchelten Jacobe von Baden, 150 Jahre vor Jan Wellem) verlegte  die Benrather Mühle hierhin an die Ittermündung.  Seine Nachfolger lassen die Itter jetzt nur noch in Urdenbach enden.   Die Itter hatte sich früher in Benrath in zwei Arme geteilt und die Dörfer Hassels, Reisholz, Holthausen Elbroich, Itter und Himmelgeist geschaffen.  Alles Itterwasser wurde aber nun für das Wasserschloß Benrath benötigt und mündete dann in Urdenbach. Die anderen hatten das Nachsehen, keine Itter mehr, nur noch Brunnen

 

Wie wichtig der Urdenbacher Hafen und damit der Ort war (Urdenbach=Ort am Bach), zeigt das alte Gerichtsgebäude an der „Dorfstrasse“46 aus dem 16.Jh. Nicht nur Rechtsprechung für das Amt Monheim (die Grafschaft Berg hatte 8 Ämter, darunter Monheim), auch die Landstände: Ritterschaft und Städtebund(Vorläufer des späteren Ständehauses)tagten hier schon mal

Sehr früh kommt zu diesem Handelsplatz das Töpferhandwerk(Töpferstrasse). Es ist so berühmt, dass Peter der Große  aus Petersburg seine Leute hierhin in die Lehre schickt

Unikum 2: die evangelische Kirche, 1689 gebaut

Sehr früh, gleich nach Luther und Calvin im 16.Jh kommt die Reformation ins Herzogtum Berg von Elberfeld bis Urdenbach. Wilhelm der Reiche auf Schloß Düsseldorf, dem schon ein Land so groß wie das heutige NRW gehörte, fuhr einen toleranten mittleren Weg zwischen den Konfessionen, duldete Katholiken und Protestanten. Er gründet auch mit einem Gesetz den Ruhm des späteren Wuppertals als Textilstandort: Vorreiter der Düsseldorfer Industrie.

  Später kommen die Glaubensflüchtlinge, Niederländer hauptsächlich und Hugenotten nach Krefeld,  Elberfeld und Urdenbach. Sie sind alle Textilexperten.  Urdenbach wird Leineweberort und somit auch protestantischer Mittelpunkt. Später schützen die protestantischen Preussen, die nebenan in „Mark“ regierten, die Protestanten von Düsseldorf und Urdenbach. Im 19.Jh wird daraus eine enge Freundschaft zur Hohenzollernfamilie(Kaisereiche) Das führt zu einer Merkwürdigkeit: nur hier in Urdenbach werden die dubiosen, von den Preussen hochgeschätzten Afrikakämpfer der Kolonialzeit in Strassennamen geehrt.

Gehen wir noch einmal von der „Böke Pomp“, Bücherstr/Hochstr, am uralten Spritzenhaus vorbei die Dorfstr hinunter zum Hafen, zum bösen Müller. Alle Müller waren „böse“, weil sie den Mühlenbann(alle waren gezwungen, hier zu mahlen) besaßen, selbst aber kein Korn anbauen durften und weil sich alle Bauern immer vom Müller betrogen fühlten. Darum war hier  Streit bei Höchststrafe verboten. Es herrschte der „Mühlenfrieden“. Mit Frieden im Herzen schauen wir von hier hinab in die wunderschöne Aue

Urdenbach am Ende der Welt, aber was für ein schönes Ende.

     
  8.

Eller  ein mächtiges Rittergeschlecht

 

Schlittschuhfahren auf dem Schlossgraben, eine Jugenderinnerung für viele Düsseldorfer, auch für mich. Ich ahnte nicht, was das alles war.

 

Die Wasserburg Eller, eine Wasserburg, wie so viele im sumpfigen Osten von Düsseldorf? Mitnichten! Was für eine Burg, was für ein Schloß!

Die Herren von Elnere(Sumpf) waren verwandt mit dem Haus Oefte an der Ruhr, die ihren Urahn im berühmten Roland sehen, dem Held Karls des Großen(800) gegen die Sarazenen.  Das „chanson de roland“ ist der Anfang der französischen Literatur.

Sie waren verwandt mit Arnold von Tyvern, dem die innerste Altstadt gehörte(Lieferhaus, Lambertuskirche)und dem die Grafen von Berg das Lieferhaus, ihre erste Burg, abkauften. Kein Wunder, dass Eller dann in der Frühgeschichte Ddorfs mitwirkte. Eller gehörte das berühmte Marienbild an der Ratingerstr, aus dem die Kreuzherrenkirche werden wird. Für die Pilger zu diesem Marienbild (heute steht es in Lambertus links vor dem Chor)bauen die Elleraner  den „Gastes“, erstes Gasthaus (es stand neben “Bobbys Schnapsbude“) Sie stehen somit am Anfang der Düsseldorfer Gastronomie.  Sie beglaubigen die Stadterhebungsurkunde(1288), stiften zwei von sechs Kanonikerstellen für das Lambertusstift.

Reichtum und Ansehen der Ritter von Eller waren sprichwörtlich. Gumbert, der Ahnherr, Dietrich, der Kämpfer von Worringen, später Rütger und Konrad, Amtmann von Monheim und Schultheiß von Gerresheim, sie sind alle seit 1909  in den neueren Strassennamen von Eller verewigt. Im 15. Jh verlieren die Ritter von Eller gegen die alten Rivalen, die Herzöge von Berg

Aber auch die späteren Besitzer von Eller sind nicht ohne. Der Ritter von Quade baut den Turm, der heute noch erhalten ist, er baut auch den Gerresheimer Quadenhof. Ein Nachfolger, die Herren von Landskron, besitzen die Fischereirechte der Düssel, ihr Name lebt im „Laerkauft das Schlndskronweiher“ im Hofgarten fort. Die Edlen von Harff stehen am Anfang von Wersten.

 Die berühmtesten Besitzer der Neuzeit werden Prinz Friedrich von Preusen und seine kranke Gemahlin Wilhelmine Luise von Bernburg. Die neue Strasse um Eller herum heißt ab 1909  Bernburgstr. Prinz Friedrich von Preussen, Chef der Garnison Ddorf, eine Art neuer Jan Wellem auf Schloß Jägerhof,  lässt die Zufahrt von Ddorf nach Eller, zu seinem Schloß, durch eine breite Reitallee ausbauen: die heutige schnurgerade Ellerstr. Sie verlief, bevor die Eisenbahn kam, weiter als Ellerstr bis zur Friedrichstadt , wird dann später Luisenstr genannt nach eben derselben Wilhelmine Luise von Schloß Eller.

 

Das kleine Straßendorf Eller an der Ellerkirchstr, wo die erste große Kirche stand(Ecke Gumbertstr, von Schinkelschule erbaut)) entwickelt sich entlang der Reitallee nach Ddorf über Schlossallee- Gumbertstr (früher Kaiserstr)- Ludwigshafener –durch den Weiler Kleineller-  früher dann weiter über Geusen-Heerstr. zur Ellerstrasse. Die westlichen Seitengassen von dieser Haupttrasse werden um 1900 den neuen Marktplatz mit Rathaus und neuer Gertrudiskirche bilden. Weitere Seitengassen führen im Norden zu  Arbeitersiedlungen (Industrieort Eller mit zB Piedboeuf, Poensgen) an der Stelle des versunkenen Geisterdorfes Cruithoven( ein kleiner Weg erinnert an Cruithoven). Es lag am Ickbach, von dem noch Reste in der „Wäschlackstr“ zu finden sind.

 Das Schlesienviertel geht schon auf die 20iger Jahre zurück(Arbeiter aus Oberschlesien) Den Preussen eng verbunden durch den Schlossbesitzer Prinz Friedrich machen die Elleraner einigen preussischen Unsinn mit: die Flottenstrasse verherrlicht die Flottenmacke von Wilhelm II, dem letzten Kaiser(Kaiserstrasse). Im schlesischen Viertel werden alle Siege des „Alten Fritz“ noch mal gefeiert (Oelser-Glogau-Leuthenstr).  Bis in die Nachkriegszeit erfolgen kleine Nadelstiche gegen Polen: Oelser-, Trebnitzer-, Festenbergstr (heute alles polnische Städte), was man dann mit der neuen Hedwigkirche(polnische Königin) zu besänftigen sucht

Streit gab es zwischen staatlicher Eisen- und lokaler Straßenbahn. Anfangs waren Überführungen verboten. Die Rheinbahngäste mussten am „Anhalter“ aussteigen, um erst hinter der Bahn weiterzumachen. (Anhalter hat nun wieder mit Prinzessin Luise zu tun, Sachsen-Anhalt, passt aber hier schön)

 

Wenn man heute durch die alte Haupt- und  Prachtstr „Ludwigshafener“ geht, packt einen Wehmut. Sie sieht  armselig aus, eine Sackgasse, wo der Glanz nur noch zu erahnen ist. Sic transit gloria mundi.

 

     
  9.

Benrath-   schmachtende  Liebe hinter Tapetentüren

 

„Mit einem tiefen Seufzer schlang Rosalie die Arme um den Nacken des Jungen:  Ken Ken, stammelte sie, ich liebe dich“.    Wir sind hinter der geheimen Tapetentür im Benrather Schloß

Thomas Mann in der Novelle „Die Betrogene“ nutzt Filzpantoffel und Geheimgänge im Schloß für eine Liebesszene a la Dustin Hoffman und Mrs Robinson

Das Schloß war als „Morgengabe“ nach der Hochzeitsnacht von Herzog Philipp Wilhelm für seine später mit 17 Kindern geplagte Gemahlin Elisabeth 1661 gebaut worden. 100 Jahre später wird daraus das heutige Schloß Benrath, wiederum für eine Elisabeth gebaut, diesmal vom eifersüchtigen Kurfürst Carl Theodor, der damit seine brüchige Ehe retten wollte. Die neue Elisabeth war eine göttliche Jägerin, allerdings nicht nur nach Hirschen, auch schöne Knaben waren ihr Ziel, und so passt sie gut als Vorgängerin von Thomas Manns Rosalie.

 

Ganz früher hatten die Herren von Benrode hier an der Itter ihre Burg und eine Mühle. Zur Burg gehörte etwas nördlich auf einem Hügel die Eigenkirche „Cäcilien“.  Um die Kirche herum entwickelte sich Benrath und viele Höfe, die alle an der Itter lagen.

Diese Itter gibt es nicht mehr, sie kam von Hilden, zweigte in der Capitostr. im Viertel „Paulsmühle“ zum Hoxbach, Oerschbach nach Norden und  zur Cäcilienkirche nach Westen, wo sie sich südlich im „Schmeeds Loch“, dem späteren Schlossweiher, nochmals teilte in die Itter nach Urdenbach und die Itter nach Holthausen, Itter und die Mündung  Himmelgeist.   Alles Wasser wurde zum Wasserschloß Benrath umgeleitet in einem großen heute noch bestehenden Kanal, dem „Kapuzinerkanal“, auch „Schweißgraben“ genannt, nach der schweißtreibenden Arbeit des Hand- u Spann- Dienstes.  Dass die Dörfer plötzlich kein Wasser mehr hatten, störte die hohen Herren nicht sonderlich.

Stattdessen gab es eine Wallfahrt zur Kapelle „Einsiedeln“ der „Schwarzen Madonna“( wo der Kanal beginnt an der heutigen Einsiedelstrasse)

 

 Das Viertel um die Paulsmühle erzählt noch von der einstigen Pracht der Ur-Itter. Mehr noch vom Reichtum der Industrie, die Benrath zur „reichen Braut“ machen wird bei der Eingemeindung nach Ddorf

Die Cöln-Mindener Eisenbahn von 1845 und ihr Bahnhof bringen Eisenpioniere, wie die Siegerländer Flender, Capito, Klein und schließlich die gewaltige DEMAG nach Benrath ins Paulsmühlenviertel.   Benrath ist also nur etwas später als Oberbilk seit 1850/60 und lange vor der IDR (Industrieterrain Reisholz mit Henkel) die Urzelle der Düsseldorfer Industrie

 

Als die selbstbewusste Bürgermeisterei auf dem Weg zur Stadtgemeinde (gewaltiges Rathaus 1907, die Teile Garath, Hellerhof, Urdenbach, Hassels, Reisholz, Itter, Holthausen gehörten zu Benrath) von der preussischen Königsfamilie 1911 das Schloß abkauft, hatten sie sich übernommen. Henkel und andere müssen helfen. Geschwächt und widerwillig kommt die einst „reiche Braut“ 1929 zu Düsseldorf.

 Heute zerschneidet eine Betonwanne(Autobahn) die Hauptstrasse. Schade.

Das Schloß ist der schönste Rokokobau am Rhein

Wenn die Düsseldorfer Besuch haben, fahren sie nach Benrath, sie haben nichts Schöneres.

     
  10.

Hassels--- die Siedlung im Wald

 

Die letzte Eiszeit endete vor ca 12 000 Jahren. Die Eismasse der Nordkugel  reichte vom Pol bis Hamburg.  Düsseldorf hatte sibirische Zustände: Flechten-Tundrenvegetation.  Der Rhein pendelte auf einer Riesenfläche, wie Ob oder Lena heute, zwischen Krefeld und Hilden in vielen Armen hin und her. Diese Riesenfläche wegen des fast ständigen Hochwassers eine FASTEBENE, heißt „Niederterrasse“, weil es in den letzten 2 Millionen Jahren noch 2 höhere Rheinebenen gegeben hat: die „Mittel- und Hauptterrasse“.  Seit 12 000 Jahren gräbt der Rhein in der jetzigen Warmzeit mit größerer Geschwindigkeit, weil es Abfluß gibt, und daher mit größerer Kraft  sein heutiges Bett.

 Den vielen Gewässern, die vom Rheinischen Schiefergebirge herunterkommen und zum Rhein wollen, ist eins gemeinsam: sie stauen sich am Gebirgsfuß, einmal wegen des eigenen Schuttes, den sie hier anhäufen und zum andern, weil die Strecke zum Rhein ohne Gefälle zu lang ist (5-10 km).Der Randstreifen am Bergfuß  von Ratingen im Norden  bis Garath im Süden, ist siedlungsfeindliches Sumpfland.

 Die wenigen Pioniere, die sich hier hineinwagen, haben daher in ihrem Namen den Hauptfeind: die nasse Natur  (Lichtenbroich, Mörsenbroich, Vennhausen(Fehn= Moor),Eller(Sumpf)  oder das schwierige Roden dieses Feuchtwaldes( Benrath, Garath, Rath)

Reisholz und Hassels(Has=Moor) gehören zu diesen Pionieren.

 

Der Hoxbach kam parallel zur Itter aus dem Hülsen Hildener Raum,  dann floß er beim alten Exerzierplatz der Husaren südlich der Hülsenstrasse in die heutige Hoxbachstr in Hassels.  An ihm lag alles: der Hasseler Hof, die Töniskapelle,  das „Dinghaus“  auf der Alten Brücke (Altenbrückstr). Er floß  bis zur Wilckesfurth, wo man beim Bauer Wilcke rüberkonnte. Er wechselt hier den Namen in Oerschbach.

Heute hat man den Leben spendenden Bach aus dem Ort verjagt, an die Autobahn verlegt. ( Er schuf wenigstens vorher den Friedhof und heute  einige Grünflächen zwischen Tönis- und Heiligenhausstr, schließlich Sportplätze nördlich der alten Brücke(Altenbrück)). Das nördliche Hoxbachtal ist heute mit Plattenbauten zugeknallt („Klein Manhattan“ an der Potsdamerstr,   in Hassels leben mehr Menschen(18 000) als in Hamm, Flehe, Volmerswerth zusammen)

 

Wenn man früher die Benrather Hauptstr weiterging  bis zur Kreuzung mit der Forststr.  kam man auf dem Hasseler Weg am Buscherhof vorbei zum Hasseler Hof(wo heute das Kriegerdenkmal steht), also zur Mitte von Hassels.

 Dann gab es nur noch den Schönekamp: eine lange Strasse von Eller nach Hilden und den kleinen Tönisweg zur Pestkapelle St Tönis (Antonius war der Schutzheilige für das Vieh). Vom Wald her führte der „Richtweg“ (später Eberswalderstr, dann ganz verschwunden) zum „Dinghaus“ auf der alten Brücke. Das war ein Gerichtsgebäude für Waldangelegenheiten unter Vorsitz der Herren von Eller.   In Eller zur Grenze nach Hassels gibt es deshalb auch einen „Hasseler Richtweg“, der zu diesem HaUS führte. .Berühmte Piloten der ersten Fliegerei (Preussner, Purucker)  zeigten 1910 waghalsige Flugkünste, wobei sie den geraden Hasseler Richtweg als Landebahn nahmen

Nach einem Exkurs von 2 Millionen Jahren über Eis- und Warmzeiten lassen Sie uns wie die Piloten auch wieder den Richtweg nach Hassels nehmen

Meine Frau geht oft zur Maxkirche, zum Heiligen Antonius von Padua, wenn sie etwas verloren hat, was sie dann mit seiner Hilfe wiederfindet. Antonius oder Tönis ist ja nicht nur für Schweine im Hasseler Wald da.

Lieber Antonius, auch ich habe etwas Interessantes gefunden

Ich fand dort eine Strasse, wo ich geboren bin,  nicht direkt hier, nein, weit weit weg. Die traurige kleine Strasse in Hassels  verweist nur auf meinen  Ort: Marienburg an der Weichsel

 

 

 

     
  11.

Angermund  die Rosenstadt

 

Von „Kellnerei“ und „Freiheit“  hören wir, gibt es hier Freibier oder andere lose Verhältnisse?

 

 Da liegt sie nun die letzte schmucke Braut, die sich Ddorf 1975 holte. Überall Rosen auf geschnitzten Straßenschildern, einmalig in Ddorf, wie die eigene telefonische Vorwahl. Überall  Flieder, Wacholder,  Espen und Hollunder und schöne unbekannte Damen Klara und  Melanie (Strassennamen).   Nur 6000 Ew, aber der größte von allen 49 Stadtteilen

Und das ist auch richtig so.

 Angermund hatte das Sagen in gerichtlichen Dingen über Düsseldorf bis 1371. Nur über den grausamen „Gerichtschreiberweg“(heißt heute noch so) kommt man vom Gerichtsort Kreuzberg(Kaiserswerth), wo das Urteil gefällt, zum Sitz des Amtmanns nach Angermund, wo es vollstreckt wurde. Kein Wunder, dass es schaurige Geschichten gibt, vom „JungfernSchall“(wimmernde Hexen) und „Suitbertusmord“(Hinterhalt für die Gefährten des Suitbertus). Die Häuser „Sack“ und „Schall“, beide an der Anger, gibt es noch. Die Wirklichkeit war schaurig genug. In der Burg, der “Kellnerei“(8 m tiefe Keller) wurde eingekerkert, gefoltert, ertränkt.

Die Wallburg an der  Mündung in einen Altarm des Rheins ist an dieser strategisch wichtigen Stelle vielleicht schon von Kelten gegründet worden.

Hier, an der Grenze Franken gegen Sachsen (800), ist sie noch wichtiger geworden. Unter den Ottonen (Sachsenkaiser 10.JH ) beliebtes Jagdrevier, von Barbarossa, dem Staufer, 1160 verstärkt, in den Besitz des Kölner Erzbischofs 1188, dann vom Heiligen Engelbert,  der ein Berger Graf und Kölner Erzbischof war,1218 als Lehen erhalten. Von jetzt ab heißt es Amt Angermund, eines von acht Verwaltungszentren der Grafschaft Berg.   Residenz Witwensitz Partyschloß der Berger in den folgenden Jahrhunderten.

Im „Kuhkrieg“ Berlin gegen Düsseldorf 1654 (nur ein Paar Kühe bei Pempelfort mussten dranglauben) zwischen dem Großen Kurfürst und dem Großvater von Jan Wellem wird die Festung Angermund zerstört.

 

  Die Grafschaft Berg ,um 1000 an der Erft entstanden (1. Sitz Altenberg, heute Zisterzienserabtei), 1380 Herzogtum, 1690 Teil eines Kurfürstentums, 1806 Großherzogtum, 1822 preussische Rheinprovinz, 1946 zu NRW (Hauptstadt immer Düsseldorf)

Die straffe Verwaltung  haben alle Landesfürsten (Grafen oder Herzöge) der  karolingischen Hofverwaltung abgeschaut (seit Karl dem Großen(800), verfeinert vom Sachsenkaiser Otto(950).)

Die 5 wichtigsten Hofämter und ihre Bewährungsprobe(zunächst real, dann symbolisch) waren:

 Der Marschall (Mähre+ Schalk=Knecht, also Cowboy) mußte bis zur Brust in einen Haufen Hafer reiten. Für Militär verantwortlich

Der Mundschenk reichte einen Becher Wein, für Küche verantwortlich

Der Kämmerer, später Schatzmeister, trug eine Kanne und ein Handtuch.

Der Truchsess, (auf der Truhe sitzend) oder Seneschall (Senior), der älteste, erfahrenste Diener, schnitt von einem Ochsen eine Scheibe ab, später heißt er Hofverwalter, Hofmarschall. Er war der wichtigste Hofbeamte.

Der Kanzler (Schreiber hinter einem Gitterschrank=cancellari, meist Hofgeislicher, später Siegelbewahrer) Der Begriff hat die tollste Karriere gemacht.    Alle diese Amtsleute(später „Beamter“) wurden „Kammerherren“ genannt

Für die Verwaltung des Territoriums Berg gab es die Einteilung in 8 Ämter(eine Art Regierungsbezirk):Angermund, Mettmann, Solingen, Monheim, Bensberg, und heute fast unbekannte, wie Steinbach(Olpe), Bornefeld (Remscheid), Miseloh(Leverkusen). Zum Amt Angermund gehörten Wittlar, Kalkum, Bockum, Rath, Mündelheim, Rahm, aber auch Kaiserswerth, Ratingen und Lintorf

An der Spitze des Amtes standen drei Beamte: der Chef=Amtmann, der auch höchster Richter war, unter ihm: der Schultheiß (Vertreter des Amtmanns in Gerichtsachen), der Kellner=Rentmeister für Pachten, Zinsen, Zölle und Naturalien im Riesenkeller(z.B.Angermund 8m tief)

Das erste und oberste Gericht für die gesamte Grafschaft war anfangs der Ort Kreuzberg bei Kaiserswerth (seit span. Erbfolgekrieg 1702 verschwunden)Kreuzberg lag  im Amt Angermund, unterstreicht noch einmal die Wichtigkeit von Angermund Später bekommt jedes Amt sein Schöffengericht, gegliedert nach Hauptland- Land- Hofgericht.

 

Der Ort neben der Burg wird zur „Freiheit“(niedere Stadt mit Erdwall, statt Steinmauer) mit drei Stadttoren(alle um die „Engelbertstr“), ab 1826 heißt sie „Stadt“

 

Um 1880 sah Angermund immer noch wie im Mittelalter aus: es gab nur die eine Engelbertstr, sonst nichts. Es gab Rat, Schöffen, Bürgermeister, 4 Jahrmärkte, eine Schusterzunft. Und es gab zwei „Bierzapfer“, womit wir wieder bei der „Kellnerei“ sind.

Der Bahnhof stand im freien Gelände. 1896 Einweihung, Sensation.

Als die Bahn 1846 gebaut wurde, sollten die Gleise mitten durch die Scheune von Bauer Rademacher.

 Der Enkel erzählt: “Ja, leeve Jott,“   riep do mieh Gruhsvatter,   „dat geit äver nit“. „Haben Sie keine Angst, es wird reichlich vergütet“.  „Öm die paar Mark, do gäv ech nix drom. Äver die Moleste, die ech domet han“.  „ Moleste, wieso?“ „Ja, denkt Ihr denn, ech wör suh doll on stönd emmer nett parat ond diet jiedesmohl, wenn sonne Zoch kömpt, die Schüreporz op on to mahke.“

     
  12.

Lörick   uralt und hochmodern

 

Das „Paradies“ liegt hier,  und wo das Paradies ist, ist der Teufel nicht weit. Im Löricker Pappelwäldchen trieb der Massenmörder Peter Kürten sein Unwesen Der „Vampir von Düsseldorf“ stach mit einer Schere zu und trank vom Blut seiner Opfer

 

Dabei war hier heiliges Land: die strengen Mönche vom Trappistenorden saßen auf dem „Löricker Werth“, der „Mönchinsel“oder Mönchenwerth. Die Bauern von Niederlörick und das Hochwasser setzten ihnen so zu, dass der gnädige Jan Wellem sie auf die „angere Sick“ nahm, nach Düsselthal, wo sie das spätere Zooviertel vorbereiteten.

Niederlörick ist von Oberlörick aufgefressen, liegt auch jenseits der Grenze. Heute sprechen wir nur noch von Lörick

Der Yachthafen und das Freibad sind Reste der Inselvergangenheit. Vor der Insel gab es bei extremem Niedrigwasser die „Steinbrück“, das waren herausragende Steine von der Sohle des Rheinbettes, „Lochquarzite“, über die man fast trockenen Fußes rüberkonnte. Bei der Sprengung dieses Hindernisses für die Schiffahrt Ende 19.Jh. nutzten die Sprengmeister die natürlichen Löcher der Lochquarzite, um mit Stahltauen die Trümmer aus der Fahrmitte auf die Seite zu ziehen( bei Niedrigwasser kann man diese Trümmer mit den Löchern sehen).Die Löcher entstehen durch eingeschlossene Wurzeln, ähnlich, wie die Fliegen beim Bernstein.   Jan Wellem nutzte diese seichte Stelle für seine Fähre 1702 von Kaiserswerth nach Neuss (die Kw. Fähre war im Erbfolgekrieg Frankreich gegen Habsburg)versenkt worden.  Altheerdt ist ganz auf diese Lörickerstr ausgerichtet.  Lörick nach Heerdt war ein Katzensprung, Ober- und Niederkassel lagen weit weg.  Deswegen fühlte sich Lörick immer zu Heerdt und Neuss gehörig. Heerdt und Lörick kämpften deshalb gemeinsam gegen den Düsseldorfer Feind (bei der Eingemeindung 1909).

 

Das uralte Lörick (-ick oder -ich sind die ältesten  Ortsnamen, heißt: „Besitz des“ Laurus z. B.) hat aus der Treidelstation im Kern an der Bonifatiusstr ein Sternerestaurant gemacht. Die Treidelschiffahrt (flussauf von Pferden gezogen)ging immer nur einseitig an der Innenseite der Rheinbögen, weil dort die Strömung nicht stark ist,  also von Kwerth bis Stockum, dann übersetzen von Lörick bis Heerdt, dann übersetzen auf der Hammer Seite (Schneidemühl)weiter.

Die jungen Siedlungen in der Löricker Flur entstanden an der sensationellen Kleinbahnstrecke der Rheinbahn nach Krefeld(K-Bahn), aus der die breite Hansaallee wird, an der sich dann trassenartig die Industrie niederlässt (Ehrenreich, Krieger usw.). Zuerst  die „Rote Kolonie“ Arbeitervierel mit der Ambossstrasse (Stahlwerk Krieger).  Als die Arbeiter 1907 eine Radrennbahn bekamen, beleidigt sie Hitler 1932 mit einer Großkundgebung ausgerechnet hier im kommunistischen Lager. Die Beleidigung ging mit einer Spatensiedlung weiter(Angestellte der Rheinbahn, die „Bahner“)westlich des alten Lohwegs (jetzt Grevenbroicherstr), also direkt neben den Arbeitern mit Namen der Hitlerjugend (heute Schiefbahn- Glehnstr. usw) Die Radrennbahn(in den 60igern abgerissen) mit15 000 Plätzen, einer 600m Bahn, lag am Ende der Sportstr. rechts, wo jetzt die Strasse „am Kirschbaumwäldchen“ liegt.

Mit der Nordbrücke 1957 beginnt die Geschichte der Düsseldorfer Brückenfamilie und die Geschichte des Heerdter Dreiecks und des Löricker Sterns. Der  „Seestern“ im alten Löricker Ziegeleienland wurde bahnbrechend für  die Idee, nicht cityständige Einrichtungen (die in der City nichts zu suchen haben)aus der City zu verbannen an den Rand der Stadt, um so Luft für die Innenstadt zu bekommen            
Heute ist das ein riesiger Büro- und Hotelkomplex, der immer weiter wächst in die Industriebrachen hinein an der Hansaallee (Prinzenpark, Hansapark, Heinegärten). Aber das ist eine andere Geschichte.

Löricker sind stur, von den Olympiaideen des OB Erwin  hielten sie nicht viel.

Für ein Paradies ist das auch zu laut.

     
  13.

Flingern-Süd  es lebe Fortuna

Es wachsen keine Kiefern auf der Kiefernstrasse und auch keine Fichten nebenan. Keine Linden, Birken, Platanen, Pinien, die Strassen heißen nur so, ein wenig Hoffnung, Illusion für Illusionslose

Und doch fiebert in diesen Monaten Ddorf mit Flingern Süd, mit der Fortuna, der Glücksgöttin.“Toni, du bist ein Fußballgott“. Noch ein Gott.   Glück und Glas, wie leicht bricht das. Fortuna ist die Mannschaft mit dem turbulentesten Auf und Ab im deutschen Fußball.  Eigentlich gehört Fortuna schon zu Flingern Nord, gefühlsmäßig ist es der Süden.

Flingern Süd ist die Heimat des „Vampirs von Düsseldorf“, eine Strasse weiter sprengte ein Desperado sein Haus in die Luft, um die Ecke an der Haltestelle Ackerstr. versuchten Terroristen, russische Juden zu töten. Es ist, als ob das Unglück andere magisch anzieht.

 

Als die erste Düsseldorfer Eisenbahn (die vierte von Deutschland) am 20. Dez. 1838 vom Graf Adolf Platz nach Erkrath(später Wuppertal) fuhr, nahm sie kerzengerade genau die Strecke, auf der jetzt die berühmteste Strasse des Viertels liegt: die Kiefernstrasse(„verlassener Bahnkörper“ steht auf den Karten) Stellen Sie sich nach dem Knick auf die Strasse und blicken nach Westen durch das Orontogelände und alles Häusergewirr hindurch: Gehen Sie virtuell los, dann kommen Sie kerzengerade zum Graf Adolf Platz, dem 1. Bahnhof von Düsseldorf

Im Grunde war die Kiefernstrasse die einzige Wohnstrasse 1910 im industriellen Flingern: schöne große Häuser der Gründerzeit.

 

Flingern Süd war anfangs wüst und leer. Es gab den kleinen Ort Icklack(heute „An der Icklack“) und den Carlshof (heute Erkratherstr).

 Drei Feldwege: die Gerresheimer- Behrensstr  nach Gerresheim , vorher aber in den Sumpf des Flinger Broichs und dh zur FORTUNA,

 die Erkratherstr. von der Klosterstr. her nach Eller u Erkrath

 und den Höher Weg  im Sumpf nach nirgendwo.  Es gab immer schon den Feldweg vom Oberbilker Markt zum Carlshof, die spätere Fichtenstr und den Weg vom Oberbilker Markt nach Icklack, den man „Albertstr“ nannte (die Nazis mochten Poensgen nicht, also nahm man den Vornamen)

  

Die Eisenbahn änderte alles.  

Die erste „Bergisch Märkische Eisenbahn“ kam 1838 für Flingern zu früh, es gab noch keine Industrie.  Erst die zweite „Cöln Mindener Bahn“ 10 Jahre später löst in Ddorf die industrielle Revolution aus: im Süden von Flingern, in Oberbilk.

Das „Oberbilker Gleisdreieck“ mit den Schenkeln: Eisen-Mindenerstr und Worringerstr plus der „Verbindungsbahn“ enthält alle großen Namen der Ddorfer Eisenindustrie von 1850 -60.   Um 1860 war das Dreieck zugebaut.  Jetzt erst greift man in die Nachbarschaft nach Lierenfeld und Flingern über.

 DIE „Cöln Mindener“, die  als erste ins Ruhrgebiet  fährt(da spielte die Musik) brauchte zwei Bögen, die Schenkel des Dreiecks, um von  ihrer Linie Köln-Duisburg zum  Graf  Adolph Platz zu kommen

1866 kapiert auch die Urbahn von 1838,  dass man ins Ruhrgebiet muß. Sie baut die „Ruhrthalbahn“, und das ist nun Flingern.  Die Bahn ging von der Urbahn etwa beim leckeren „Club Portugues“ Erkratherstr. nach Norden ab und schuf dann alle Industrien von Flingern: das Gaswerk(1885, das erste stand in der Klosterstr, dann Luisenstr), mit dem Gas dann das E-Werk(1891), nach dem Krieg 1957 die Verbrennungsanlage, Hein Lehmann1889,  Habersang1891 und vor allem 1907 Peter Klöckner, der Schiffsbauersohn aus Koblenz mit seiner riesigen „Düsseldorfer Eisen- Draht Industrie“. Als Klöckner 1975 stillgelegt wurde, entstanden die „Kiefernstr“, „ZAKK“, „Tor Drei“, also die Kreativcenter des Viertels, die Kaderschmiede der Ddorfer Szene. Parallel zur Bahn entstand zunächst die „Ruhrthalstrasse“( heute eine winzige Einbahnstr, aber die Gleise kann man immer noch sehen am Höherweg) vom Oberbilker Markt bis zur Hoffeldstr und weiter bis zum Zoo. Die Ruhrtalstrasse ist die spätere Kiefernstr vor dem Knick.  Klöckner lag parallel zur Strasse.  Flingern braucht dringend einen historischen Industriepfad, so spannend ist es hier.

Heute gibt es das Wohnviertel von Icklack und Flinger Geisten (um die Mettmannerstr herum),  die Automonster Erkratherstr und Kettwiger(ganz jung),   und die Zigeunerstr „Höher Weg“(Sinti Roma), die zur Hochglanz- Automeile wurde

Und natürlich Fortuna,   immer noch im hintersten Sumpfwinkel des Flinger Broichs.  Wir fiebern mit, wieder einmal, und einige seufzen: “Ja, wenn der Janes und der Knöd heut noch Fußball späle tät“.

     
  14.

Kaiserswerth      Leben wie im Himmel

Wenn man im hochwassergefährdeten  Kaiserswerth 2M höher wohnte, im Clemensviertel z.b., lebte man „in der Luft“  oder schöner „im Himmel“. K ist der schönste von allen 49 Stadtteilen

K hat einfach alles: den Anfang unserer Düsseldorfer Christenheit, den Anfang auch Ddorfer Geschichte, den Ort, wo Weltgeschichte geschrieben wurde, den Anfang weltweiter Diakonie, den Anfang des Gerichtswesens, das Ende der Inquisition,

eine wunderschöne gewachsene Stadt mit fast mittelalterlichem Flair, die älteste Stadt im Ddorfer Großraum, eine herrliche Landschaft am großen Strom und zu allem Überfluß auch noch den besten Koch

Aber auch im Himmel gibt es die Hölle, die gefallenen Engel kommen daher.

Im Zuchthaus(Stockhaus)  (Stockhausgasse) wurde fleißig geprügelt, in den Kasernen auf dem „Hohen Wall“(jetzt sehr schick trotz Bunker)wurde gedrillt und schikaniert, in der düsteren Invalidenkaserne(1815 für Soldaten der Befreiungskriege, Ecke Markt/am Mühlenturm) war der Wahnsinn zu Hause(„Heim für Gemüthskranke“). Dann gab es unzählige Kriege( ständiger Machtwechsel einer wichtigen Zollstation und Wegekreuzung) bis zur völligen Zerstörung.   Im Stockhaus sah die Begrüßung (der „Willkomm“)eines kahlgeschorenen Neulings 20 Stockschläge öffentlich im Hof vor.  Die Arbeitszeit ging von 4.30-17.00 Uhr. Weil die Zuchthäuser im 18.J h auch Spinnereien waren, sagt man bis heute zu einem dem Knast Verdächtigen „Du spinnst ja wohl“.

Der „Gruhselige Berg“= Kreuzberg, Kaiserswerther Vorort, hatte neben dem 5000Jahre alten Menhir, dem „Blutstein“(Ecke Landstr/Zeppenheimerstr)  das Hoch- und Blutgericht mit entsetzlichen Todesstrafen. Es war das oberste Gericht für die ganze Grafschaft Berg.

   

 Alles beginnt mit einem Herrenhof auf einer Insel, die dem Urgroßvater Karls des Großen, dem Karolinger Pippin gehört.(Merowinger u Karolinger stammen von den Franken(Freie) ab, die um 400 das Römische Reich aufrollen. Die Ripuarier (ripa= Ufer) waren die Rheinfranken, die Salfranken (sal=Macht) saßen im Maas- Schelderaum.)    Pippin gibt Hof und Insel Suitbert dem angelsächsischen Benedektinermönch aus dem mächtigsten englischen Territorium Northumbrien bei York. Irland, England waren sehr früh (5.Jh) christianisiert worden. Die Insel war ein gefährlicher Außenposten der Karolinger gegen die Sachsen. (Die feindlichen Sachsen, später „Ottonen“, werden die Nachfolger der Karolinger).    Suitbert gründet um 700 ein Kloster, das bald zu einem Stift wird(freieres Kloster von Stifter abhängig). Daraus entsteht im 12.Jh. die heutige Basilika.

Aus dem Hof  neben der Kirche wird eine Königspfalz, ein Stützpunkt des Reisekönigtums im Mittelalter. (Palas, Palast, Pfalz= vom Palatinhügel Roms, auf dem die Regierung saß. Die „Pfalz“ in der Nähe des Kaisersitzes Aachen ist der Besitz der Pfalzgrafen=die höchsten Beamten des Königs oder Kaisers).      Karolinger und Ottonen beachten den Pippinhof noch nicht. Die Salier(Nachfolger der Ottonen und  wiederum Franken, wie einst die Karolinger, Name wahrscheinlich von „Salfranken“) machen Kaiserswerth berühmt. Das denkwürdigste kidnapping der Geschichte(der böse Kölner Erzbischof Enno kidnappt 1064 den 12jährigen Heinrich IV, der springt ins eiskalte Aprilwasser) findet hier statt. Noch berühmter wird Barbarossa, ein rotblonder, schlanker  Mann (Staufenkaiser Friedrich I.), der 1184 die heutige Pfalz  baut. Die Stadt entwickelt sich aus dem Markt: der verbreiterten Hauptstrasse und Kreuzung von Hellweg und Römerstr. Das alles passiert 300 Jahre vor Düsseldorf

 

Im16.Jh wird K. zur wichtigsten kurkölnischen Festung  mit z.Teil heute noch bestehenden fünf Bastionen und Mauern.   Friedrich Spee, Sohn des Burgvogts, schreibt 1631 das Buch, das den Hexenwahn beenden wird.    Unser Carl Theodor (Carlstadt) lässt 1769 protestantische Seidenweber aus Krefeld einwandern. Kaiserswerth  wird Seidenweberstadt.

Ein junger Mann landet im Mai 1822 mit Schwester und zwei Brüdern in einem wackeligen Kahn ( Dreitagesfahrt von Mainz)auf dem „Bähr“(Festungsvorsprung in den Rhein hinein)

  und gründet die heute weltweite Diakonie.

 

Kaiserswerth ,1702 völlig zerstört, 1822 bei Theodor Fliedners Ankunft zutiefst verarmt( ohne Treidelschiffahrt, ohne Seidenweber),  von der Aussenwelt durch die neue verhasste „Franzosenstrasse“ (heute Alte Landstr) gänzlich abgeschnitten,     aber die Insel eines Kaisers rappelt sich wieder auf.

 Gehen wir an der berühmtesten Düsseldorfer Pommesbude vorbei(Clemensplatz) über die Clemensbrücke(Kölner Kurfürst Clemens August 1756)hinunter und hinüber auf die Insel.  Auf dem Barbarossawall, der kleinsten und schönsten Lindenallee der Welt, zum Maulbeerbaum, zum Kuhtor (alte Hauptstrasse), am „Ritter“(Kneipe),an der „Freiheit“ (Poetensitz) vorbei zum Rhein, da, wo alles begann.

   Jetzt ist nur noch die uralte Ruine neben uns  und der noch ältere Strom. Es ist wunderschön hier, die Kaiserswerther leben im Himmel?

     
  15.

Ludenberg  schon mal gehört?

Vielleicht ist es gut, dass es noch Geheimnisse gibt, ein solches Geheimnis ist Ludenberg

Ludenberg östlicher Stadtteil von Ddorf, liegt beiderseits der Ludenberger- dann Bergischen Landstrasse, früher Elberfelderstr, noch früher „Reichsstrasse 1“ von Brügge bis Nowgorod.   Lose verstreute Siedlungen, kein Zentrum, der alte Ludenberger Hof lag abseits im heute südlichen Gerresheim an der Pilgerstrasse. Aus dem Flurnamen wird im 19.Jh. eine Gemeinde, die mit Gerresheim 1909 eingemeindet wird

Ludenberg ist Grafenberg, Tierpark, Rennbahn, Rochus Club, Galgenberg, Hexenhof und noch vieles mehr.

Die einzige Ostausfahrt von Düsseldorf nach Elberfeld(Schadow-Wehrhahn-Grafenberger) ist schuld, dass wir die drittälteste deutsche Eisenbahn bekommen und damit wirtschaftlich nach vorne katapultieren. Heute auch wieder eine grausam belastete Autostrecke war sie schon 1820 die meistbefahrene _Strasse Westdeutschlands. Eine Million Zentner an Gütern wurden hier mit der Kutsche jährlich befördert, 12 000 Postpersonen. Nur Berlin war noch toller. Also musste 1838 das neuste Verkehrsmittel, die Eisenbahn her: Ddorf- Elberfeld, denn Elberfeld war das Zentrum der Vorindustrie

Der Hafen ist schuld, dass wir den Grafenberger Wald bekamen. Die Pferderennbahn auf der Lausward mußte 1898 dem neuen Hafen weichen. OB Lindemann greift sofort zu, er hatte schon früher in Berlin für den Erwerb des Staatsforstes geworben. Mit dem Aaper Wald dazu hat Ddorf jetzt einen riesigen Erholungswald.

Gleich gab es verrückte Pläne. Stadtplaner Stübben(Hbf und drei Strassenringe um Ddorf 1885) wollte am Bergfuß und an seinem Aussenring einen „Tivoli“Vergnügungspark einrichten (heute Reste davon mit den eher traurigen  „Scarlet“, „Jägerhaus mit Türmchen“) Dann kamen „Licht und Luftbad“, „Waldschule“ für schwächelnde Kinder. Verrückt war es schon 1814 zugegangen, als General Hühnerbein im Wald mit Düsseldorfer Bürgern die Völkerschlacht bei Leipzig(Napoleons Ende) nachspielen wollte. Die hatten damit nicht viel am Hut und blieben in den Kneipen hängen. Hühnerbein:“Niederträchtiges Volk!“

Immer schon turbulent war es im heute eisentorbewehrten Haus Roland (uralter Rittersitz) eine Art „Sankt Moritz“ in den Düsseldorfer Bergen: Napoleons schöne Marie Luise und die creme de la creme, später die Malerschule mit rauschenden Festen. Im Krieg arg gebeutelt ( Bäume für Gewehrschäfte, Fichtensamen zur Ölgewinnung, Eicheln für Kaffee), schützt man den Wald durch Tierpark(1927), Rochusclub 1929(auf der alten „Fahneburg“ nach dem gewaltigen Historiker Fahne)

 Weil der Grafenberger Wald Düsseldorfs einziger Berg ist, holen wir etwas aus, zurück zu den Geschichten, die uns die Geologen erzählen.

Das Fleckchen Erde, auf dem Düsseldorf steht, hat in der Erdgeschichte eine rasante Reise hinter sich: vom Äquator zur jetzigen Breite 54 (Kontinentalverschiebung), und wegen der Eiszeiten besitzt Düsseldorfs Boden zusätzlich alle Vegetationen und Lebewesen: vom tropischen Regenwald bis zur arktischen Tundra

Von den 6Milliarden Lebenszeit der Erde erforschen die Geologen die letzten 600 Millionen Jahre. Das heutige Bild entsteht zum großen Teil  in der letzten Million(Quartärzeit).Wandern wir ein bißchen durch Ludenberg und weiter, so wandern wir durch 600 Millionen Jahre Erdgeschichte.

 400 Millionen: wir liegen am Äquator, westlich von uns beginnt ein Hochgebirge bis Kanada(Kaledonisch). In 5 Autostunden sind wir in Vancouver, den Atlantik gab es nicht.

380 Millionen: immer noch Äquatornähe, nördlich von uns ein Meer, das 100m dicke durch kalkschalige Organismen gebaute Kalksteine ablagert: die Neanderthalhöhlen

300Millionen: etwa Saharabreite, wieder ein Hochgebirge, diesmal im Süden(Variskisch), nördlich: ein Flachmeer mit Sumpfwäldern=spätere Steinkohle. Das Nördliche Meer wird bleiben bis heute.

180 Millionen: der Atlantik beginnt

35 Millionen:  die „Niederrheinische Bucht“ bricht ein, so wie sie heute ist.

30 Millionen: Lage: Nordafrika, letzte Meeresüberflutung für Ddorf. 30m hohe feine Meersande werden abgelagert (hohe gelbe Wand hinter der Gerresheimer Glashütte, 1887 abgegraben zur Auffüllung des jetzigen Hauptbahnhofs

25Millionen: immer noch subtropisches Klima, Waldsümpfe im Nordmeer= spätere Braunkohle Ville.

20Millionen: der Rhein beginnt, zunächst eher in der Erft-Maasrinne, dann ab   5 Millionen: heutiger Lauf

5 Millionen: (heutige Breite) Abkühlung bis „Eiszeit“

1 Million: 4 starke Eiszeiten und 4 Warmzeiten dazwischen. Der Rhein schafft sich die jetzigen  drei Rheinterrassen=ehemaliges Flussbett

 800 000:  Grafenberger Wald=Hauptterrasse

 400ooo: Gerresheim=Mittelterrasse der Neanderthaler taucht auf

100 000 :  Staufenplatz= Niederterrasse

12 000: Ende der letzen Eiszeit, Anfang der jetzigen Warmzeit bis heute (Holozän) Man teilt seit Tertiär(30 Millionen Jahre) ein in zän=griechisch= Zeitalter, paläo=alt, mio=mitte, holo=jüngst usw.

Wo gehen wir hin? Zur Wolfsschlucht, zur Knitkuhl,  zum Hexenhof?

 Keine Angst! Heute reiten die Damen auf Pferden .

     
  16.

Lichtenbroich  hinter der letzten Landebahn

Vom Verkehr umbraust und doch schwer zu finden, am besten vom Autobahnkreuz hinter dem Flughafentunnel die alte Kiesheckerstr finden (nur einmal blitzt „Lichtenbroich“ kurz auf), die unter der Autobahnwirrnis und über die Eisenbahn ins Zentrum führt

Es war die nördlichste Bastion Düsseldorfs bei der Eingemeindung 1909,

eine Eisenbahnersiedlung an der Ureisenbahn von 1838.   In den 30iger Jahren knallt man die Reichsautobahn (Nördlicher Zubringer) vom Mörsenbroicher Ei aus direkt auf die Grenze zu Ratingen. Lichtenbroich ist jetzt eingekeilt zwischen Bahn und Bahn, und 2002 wird der Ort vollends zugemacht mit der Flughafenbrücke, dh der Schließung der alten DüBoDo Autobahn 44 aus den 70igern(Düsseldorf-Bochum-Dortmund).

Früher gab es nur die Kiesheckerstr von Lohausen zur Volkardey (also Lohausener Dorfstr- Flughafenstr- Kiesheckerstr.-Volkardeyer Weg) An dieser Strasse wurden die ersten Empfangsgebäude des Flughafens angelegt. Das Auto konnte man bis in die 70iger an dieser Strasse vor dem Flughafen parken.  1955 geht der Flugbetrieb wieder los, die LTU (Luftfrachttransport) wird gegründet. Der Familienausflug zur Freiluftterrasse des Flughafens war ein Muß. Alles war Anfang, zusammen mit den großen Vögeln fingen wir an zu träumen. 1957 startete das erste Düsenflugzeug

 Die Ratherstr von der Pempelforter Schlossstr. her über Derendorf-Unterrath- Lichtenbroicher Weg endete hier in Lichtenbroich im Wald. Heute steht hier die schöne ungewöhnliche Kirche an der einzigen Kreuzung zur Kranenburg und Volkardey.   Nach dem Krieg kamen viele Siedlungen der Ostflüchtlinge in den Ort

 Tiefenbroich, Mörsenbroich, Lichtenbroich: wir sind in der Morastecke, dem feuchten Oststreifen von Düsseldorf, aber das ist lange her.

Kaum eine Gegend ist derart mit uralten Wallburgen gespickt wie Lichtenbroich, es muß hier, an der engsten Stelle zwischen Schwarzbach und Kittelbach eine entscheidende Grenze gegeben haben. (Kelten-Germanen? Sachsen-Franken?)

Von der Ikterburg am Kittelbach über Haus Hain zur Volkardey: die erste Defenslinie, dahinter mit Alter, Großer Burg, Heiligendonk die zweite Reihe.

Vielleicht war es so

Es war eine verwunschene Gegend, wenn wir Kinder an den Resten von Alter Burg und Großer Burg am Kittelbach standen. Am abenteuerlichsten war immer die „Volkardey“, das klang nach Völkerwanderung. Waren hier nicht die Burgunder durchgekommen, jenes sagenhafte Volk von Bornholm bis zum Rhein nach Worms, wo sie als „Nibelungen“ unter Krimhilds Rache sterben, im Königreich der Provence wieder auferstehen und schließlich als stolzes Herzogtum Burgund zum Kulturmittelpunkt werden, zum überragenden Vorbild  von Berg, Jülich, Kleve, Mark.

Die Kartause Hain lag geheimnisvoll fern aller Welt. Der Kartäuserorden war 1869 in die alte Burg gezogen und wieder gingen unsere Gedanken zurück zu der „Chartreuse“ in den Alpen 1084 und dem Roman von Stendhal, den wir verschlungen hatten, „Die Kartause von Parma“

Der Ikter Hof, die best erforschte Wasserburg(Motte), liegt nördlich der Kiesheckerstr unter dem Terminal A, Große und Alte Burg liegen unter dem Autobahnkreuz Flughafen, Haus Hain ist im Kaufring, C&A, E-Plus begraben. Nur die Volkardey hat alles überlebt, gehen Sie mal hin.


     
  17.

Kalkum   Idylle pur

Wer seine Liebste beeindrucken will, geht in Kalkum spazieren,  es gibt nichts Romantischeres

Uralte Mühle vor uralter Kirche neben uraltem Schloss, toller geht’s nicht.

Kein Laden, keine Kneipe, keine Schule, keine Bank, fast ein Geisterdorf.

Die Geister zu stören, ist gar nicht so leicht. Sackgassen, Einbahnstrassen, Sonderstrassen, nur der Einheimische kommt hier durch. Das sind durchweg gut situierte, sehr kulturbewußte Bürger (eigene wissenschaftliche Schriftreihe).

 

Wo Kalkstrasse und Schwarzbach aufeinandertreffen, lag der älteste Hof, ein Königshof sogar, mit Eigenkirche und Mühle, die Mühle zählt  zu den ältesten von ganz Deutschland. König Arnulf, aus der Karolingerreihe, schenkt 892 dem Damenstift Gandersheim im Harz seinen Besitz  Kalkum. Die Lambertuskirche ist noch älter, denn die Damen von Gandersheim hatten mit Lambertus nicht viel zu tun. Erstaunlich, wie bei den damaligen Wegeverhältnissen jemand aus Gandersheim sich um Kalkum kümmern konnte. Im Grunde musste der Besitzer ständig reisen, um vor Ort nach dem Rechten zu sehen. Viele Siedlungen fangen ja als Besitz geistlicher Institutionen an. Die Pfründe= praebenda =Unterhalt waren adeliger Grundbesitz, der  an die Kirche als Stiftung abgegeben wurde. Das Seelenheil, das man damit erkaufte, war das entscheidende Motiv. Die Kirche, hier Stift Gandersheim, wurde so sehr reich begütert.

Die Damen des Stiftes Gandersheim (es sind mit Essen, Herford, Quedlinburg die ältesten Stifte in Deutschland) waren einigermaßen frei: kein ewiges Gelübde, es waren unverheiratete Damen des Hochadels, die so versorgt waren. Gebet und Keuschheit waren die wichtigsten Gebote.  Roswitha von Gandersheim(950) schrieb  Bücher, wobei ihr die Keuschheit schwer fiel: “Brennende Röte übergoß mein Gesicht, denn ich musste mit dem Griffel festhalten die abscheuliche Torheit verbuhlter Knaben“.

Das Stiftsgut wird allmählich von den einheimischen „Hintersassen“, die adelig werden, aufgekauft. So kommt Kalkum zu den Raubrittern von Kalkum, den Herren von Winkelhausen, von Hatzfeld. Die Hatzfelds haben bis heute das Bild geprägt.

Ein uraltes Geschlecht von der Burg Hatzfeld in Hessen (mit höchsten Ämtern versehen, wie Reichsgraf, Feldmarschall, Kanzler) bekommt 1739 durch Heirat  mit denen von Winkelhausen das Schloss Kalkum. Graf Edmund heiratet 1824 seine Cousine Sophie aus einer anderen Linie  von Hatzfeld. Damit beginnt eine dreißigjährige Ehetragödie von großer Tragweite, denn die „Rote Gräfin“ und ihr glühender Verteidiger im Ehescheidungsprozess(31 Instanzen) Ferdinand Lassalle schreiben Düsseldorfer Geschichte.  Der 20jährige Nichtjurist Lassalle und die 40jährige  Gräfin, das war Stoff für die damalige Boulevardpresse. Lassalle, Gründer der sozialdemokratischen Partei, war einer von jenen von “Torheit verbuhlten Knaben“, die schon Roswitha von Gandersheim gegeißelt hatte; an einer dieser Torheiten ist er dann auch zugrunde gegangen. “In Fieberhitze lieg ich hier, in Wollust nach Dir… Du kannst doch nicht befriedigt sein von den hektischen Umarmungen eines alten Graukopfes, komm zu mir, und wenn unsere Lüste um die Wette rennen, will ich die Deinigen zu Tode hetzen“

Bei Kalkum zu Tode kam Leo Schlageter, ein verlorener Offizier aus dem ersten Weltkrieg, als er 1923 100m südlich der Schlossallee die Eisenbahnbrücke über den winzigen Haarbach sprengte und von den Franzosen dafür erschossen wurde.

In Unterkalkum liegt Düsseldorfs schönster Biergarten „Meyer Freemann“, etwas weiter, als Badegeheimtipp gehandelt, liegen die Kalkumer Baggerlöcher. Als das nackte Treiben überhand nahm, organisierten die Bauern eigene Kontrollen  mit Hund und Schlagbaum. Wer unbedingt die Abkürzung „Heiderpatt“ benutzen wollte, musste  sich ausweisen und die Zielperson benennen, das wurde dann telefonisch hinterfragt.

Gar nicht so einfach,  die Sache mit der Lust

     
  18.

Unterbilk  der Renner

 

Von der stinkenden Walachei zum Darling,  was für eine Karriere!  Unterbilk schlägt Bilk, unglaublich. Alles Zufall?

Am Anfang ein Nichts, ein paar Häuser nördlich der Eisenbahn ohne Namen, dann Industrieviertel, Slum, Hausbesetzerszene „UNterbilk UNS!“. Und jetzt wollen sie alle hier wohnen

Es ist das Kunterbunte, glaub ich, die unglaubliche Vielfalt in diesem Viertel Flingern hat fast nur die Ackerstrasse, hier gibt es die „LO“ (Loretostr),das Friedensplätzchen, die Manesecke(Paulushaus, Haus Rhein) =Mischung: urig Ddorf  mit Heavy Metal „Blende“, „Mengwasser“(jetzt der hippe Herr Spoerl), die Seifenhorstecke(am Dom), die rote „Villa Jück“( Sozialistenghetto um fürstenwall und konkordia), die Miniwelt der Reichsgasse, Spoerl und die Feuerzangenbowle(Fürstenwall), das Parkjuwel Kaiserteich/ Schwanenspiegel, Flora und Friedenskirche: die ersten Touristikattraktionen der Jahrhundertwende mit erster Pferdebahn, die Griechenecke mit „Pegasos“ und „Kreta“, die Brückenstr mit „clash of civilizations“, der große Turm, das Riesentor, der geheimnisvolle Bilker Bürger Park “Stonehenge“ mit großen Steinen auf nicht begehbaren Wegen, alles kleine Welten für sich.

Wolfgang Wilhelm: Großvater von Jan Wellem, hatte an der noch heute entscheidenden Wegkreuzung: Martin- Volmerswertherstr seinen Sohn Philipp Wilhelm nach gefährlicher Cavalierstour in die Arme genommen und als Dank eine Marienfigur an diese Kreuzung gesetzt. Daraus wird unter Jan Wellem die „casa di loreto“, das Geburtshaus Jesu aus Nazareth, das von Engeln über Ägäis und Adria nach Loreto(südlich Ancona) getragen worden war und das nun in der Barockzeit in vielen Städten nachgebaut wurde. Daraus entsteht die Loretokirche, der „Bilker Dom“. Die Farbholzmühle daneben, an der Kreuzung Düssel/ Bilker Allee, des späteren Bürgermeisters Rompold wird zum Jesuitenhof, der für die Loretoprozessionen verantwortlich war.

 

 Eine andere Mühle am Fürstenwall, die Eichenlohe zur Ledergerbung verarbeitete, stank so sehr, dass man das ganze Viertel „Die  Walachei“ nannte: ein Malaria brütendes Sumpfloch, das die Soldaten der Kasernenstrasse krank machte. Der große Gartenmann Weyhe half und  verwandelte 1825 die Baggerlöcher in Kaiserteich und Schwanenspiegel.

Jan Wellem hatte sein Ddorf bis zum Fürstenwall vergrößern wollen, übrig von den Plänen blieben stattliche Häuser(Hubertusstift) und Riesengrundstücke(Polizeipräsidium) an der Neusserstr. In der Schule am Fürstenwall (altes Geschw. Scholl Gymn., jetzt Berufskolleg) litt Heinrich Spoerl und verprügelte nachts mit anderen Pennälern in der dunklen Reichgasse die ungelieben Lehrpersonen. Bömmel: “Nee, wat habt ihr für ne fiese Charakter“

Das Strassensystem der Zitadelle hatte die Richtung der „Neustadt“ gegeben (Neusserstr),  die Friedrichstadt 1854 verläuft als Fortsetzung der N-S Carlstadt. Um beide Systeme zu verbinden, entsteht das dreieckige Friedensplätzchen mit der alten  Badeanstalt zur samstäglichen Körperpflege

Meine Tante Ernie war Tochter des ersten Harley Davidson Fahrers in Ddorf. Seine Tankstelle mit Durchfahrt (Neusserstr 27) zur Moselstr  existiert noch. Gehen Sie durch den Torbogen von 1709 und berühren Sie die alte Handpumpe. April 1945 kamen die Amerikaner um die Ecke Fürstenwall/neusserstr. Das Präsidium, am 17. April eingenommen, bedeutete für uns das Ende des Krieges. Einen Tag vorher hatte man noch sechs tapfere Bürger unter Polizeihauptmann Jürgens erschossen.

Ernie Claassen: “Ich hab durch den Torbogen um die Ecke gekuckt, da ist auch schon ein Panzer angerollt, ich bin weggelaufen, hab mich in unsere Küche gesetzt und weiter mit meiner Mutter Schach gespielt. Auf einmal steht da so ein Baum von Mann in der Tür mit seinem Gewehr, ein Schwarzer, sagt nichts, guckt nur eine halbe Stunde lang. Er ist dann wiedergekommen, hat Süßigkeiten gebracht, dann eines Tages war er weg für immer.“

Der Portobelloturm hatte die Volkschule von 1870 verdrängt, der Kindergarten wehrte sich. Stararchitekt Döring  musste um ihn herum bauen, die Kinderkes haben jetzt 2m Auslauf, dann knallen sie an die braune Wand.

 

Unterbilk ist allerdings auch die Brücken-, die Erft-, die Wupperstr. „Offlimit“ seinerzeit, heute allererste Sahne. Unfeine Methoden der Hausbesitzer, um die Armen rauszukriegen und gegenüber OGehry 1500 EURO Mieten zu verlangen. Es ist ein Ghetto, man nahm ihnen die schicke Siemensbrücke über die Völklinger und ihre Kirche „Canisius“, man sollte sie mal fragen nach all dem Hype im Hafen, direkt neben dem sozialen Wohnungsbau gibt es die goldumwickelten Currwürste.

Starten wir den Tag bei „Frida“ oder den Sambamädchen gegenüber(Bossa Nova) oder im „Tagtraum“, wo der „Überblick“ begann,   ein Bummel über die geliebte Lo, wo man noch Transistorradios kaufen kann, aber auch Verrucht Seidiges oder Begräbniskarten.  Mittagessen bei den urigen „12 Apostel“ oder “Grenzenlos“,  Kaffee zum „Seifenhorst“ im kaputten Gebäude der Gründerzeit,  spazieren im Florapark, beim Türken zum Friseur, daneben zum Hosenkürzen, gegenüber Türli, Dolmasie und Riesenbohnen kaufen, abends lecker  bei „DEVini“, danach Abhängen im schrägen „Modigliani“, ein Absacker bei „Alexander“ daneben oder doch zurück zu den Wurzeln „Hubertusklause“, die jetzt „Ora“ heißt.

 

Unterbilk ich singe Dein Lied

     
  19.

Oberkassel    Insel der Seligen - Oder?

 

 

Natürlich gehen wir alle nach Oberkassel, weil wir da so lecker essen können

Aber…. Vielleicht, nein ganz bestimmt, ist es mein Vorurteil.

 

Es gibt herrliche Geschichten, fangen wir gleich mit einer am Belsenplatz an. Die Bistrots wechseln jedes Jahr, egal. „Bels“, glaub ich oder „Liebevoll“, jetzt der große „Hülsmann“. Frühstück wunderbar! Die Toilette. Wandelnde Klobrillen, Musik von Zarah Leander, gut, kannten wir alles schon. Duft von Guccio Gucci, auch gut. Ich bin eingeseift und jetzt? Ein Boudoir aus Edelholz, die Seife kam irgendwoher, aber jetzt, wo ist der Wasserhahn? Wo kann hier überhaupt etwas abfließen? So steh ich da, eingeseift, bepudelt, wo sind denn wenigsten  Handtücher? Ich hab mich tatsächlich trockengetucht, bevor ich das Wasser fand.

Manchmal möchte ich bei „Saita“ reinschneien wie der Penner Muggel oder Big Lebowski Jeff Bridges, unrasiert, unbeschuht. Früher dachte ich „extra Klamotten für Okassel“, mit dem Alter gibt sich das.  Wir können heute ja alle Hummer richtig zerlegen, wir wissen Barossa Valley  zu unterscheiden von Barbera d Asti, ich glaube, die Leute lernen hier französisch: sommelier und fromager affineur geht ihnen von den Lippen

Die „Hallöchensager“, die „ich denk denn mal“, die Syltautos, die Schoßhündchen.

Ist ja gut, sag ich heute, let it be, let it be,  ich bin ja selbst reich, unglaublich reich an Erfahrung

OKassel ist eine Erfindung der „Industrianten“, wie Lueg, Bagel, Heye Poensgen, der gewieften Politiker wie Marx, Knopp, Spiekenheuer,  sie erfinden die IDR(Industrie Terrain Reisholz) oder die „Rheinbahn“. Sie bauen Brücken, wie seinerzeit Jan Wellem und Eisenbahnen und Industrien und ganz nebenbei ein neues Stadtviertel Oberkassel. Mit ihren Visionen verbinden sie Stadtlandschaften wie Krefeld, Duisburg durch modernste Verkehrsmittel.(erste elektrische Kleinbahn Deutschlands).Es sind  Visionen des heutigen 10 Mill Raums Rhein Ruhr.  

 

Eigentlich haben wir ja mit der „schääl sick“ nichts am Hut: Römerland, Welsches Land, Franzosen, Belgier, Köln

Der Rhein als unerbittliche Grenze. Fähren: Kaiserswerth, Neuss, aber auch Ddorf:1248 schon.

Dann die Franzosen. Sie wollen den Rhein als Grenze. Der Raubritter und Sonnenkönig Louis xiv attackiert, sein Bewunderer und Feind Jan Wellem kontert 1684 mit seinem Fort „Düsselburg“(wo die JH ist,) 1689 folgt zum Fort hin von der Zollstr aus seine „Fliegende Brücke“(feste Fähre). Das Fort ist ein trojanisches Pferd: die Feinde nutzen es. Drei mal Angriff von hier aus auf die schwache Rheinseite von Ddorf: Die Preussen( alte Dessauer 1758)und wieder die Franzosen (1733 Louis xv und 1794 die Revolution). Ddorf verliert jedes Mal, also weg mit dem Ding. Aber das Fort (mit der Düsseldorferstr nach Heerdt)war der Beginn des neuen Oberkassel.

Unter Napoleon im „Departement de la Rur“ gehen 30 linksrheinische Herrschaften unter. Oberkassel gehört jetzt zur Mairie Heerdt, zum Canton Neuss, zum Arrondissement Krefeld. Sogar Köln geht unter.  Oberkassel wird jetzt Zollgrenze zwischen Frankreich und Deutschland(Berg). Und die Franzosen bauen eine Fähre von Okassel zur Neusserstr, die die jetzige  Kniebrücke vorwegnimmt.

 

Am 10. Okt 1813  jagen Kosaken und Preussen die Franzosen durch die Retematäng (Ratingerstr) über den Rhein.

 Europa wird neu geordnet. Preussen bekommt die „Wacht am Rhein“

 

Köln kommt zurück, wehrt sich mit Stapelrecht und verliert. Seit 1831 gibt es mit der  „Rheinschiffahrtsakte“  den „freien Rhein“. Belgien entsteht 1831, will einen „Eisernen Rhein(Eisenbahn).  Die belgischen Eisenbahnen(Lüttich) verändern  die Welt.

1838 bezahlt Berlin die erste “Stehende Brücke“(Schiffsbrücke)des Rheins von der Zollstr nach Oberkassel an Stelle der alten „Fliegenden Brücke“ Jan Wellems.  Neuss bekommt  nur eine Fähre(Auf den Steinen).

  Die „Rheinische Eisenbahn“ fährt 1853 um Neuss herum nach Oberkassel zu einem eigenen Bahnhof auf der heutigen Kirmeswiese(„Rheinstation“),  Die Eisenbahnstrecke verlief auf der jetzigen Wildenbruch- Sonderburgstr zum  Bhf Belsenplatz. Vom Graf Adolf Platz nahm man die Bahn bis Zollstr, dann musste man umsteigen auf die Wackelbrücke zur Eisenbahn auf der Kirmeswiese, von dort dann weiter nach Paris. Neben dem Bahnhof gab es bis 1900 einen kleinen Nothafen für die bei Sturm ausgefahrenen Brückenteile.

 

Der badische Ingenieur Tulla  hatte 1809 mit Rheinbegradigungen und Deichen angefangen. 1896 mit dem Lauswardhafen werden gleichzeitig das Düsseldorfer Rheinufer 30m westwärts verschoben (Rheinuferstr entsteht) und die  Golzheimer Insel angedockt (der Rheinpark: Gelände für Weltausstellungen, entsteht)

Jetzt schlägt LUEG zu mit seiner Oberkasseler Brücke, seiner RheinBahn, seinem neuen Stadtviertel Oberkassel

 

Die neue Brücke in der Mitte des Rheinbogens trifft genau den alten nutzlos gewordenen Hafen, wo Damenbad und Rekrutenbad pikant nebeneinander gelegen hatten, genau die Stelle zwischen Kunstakademie und Hofgarten, wo der größte Boulevard begann (Heineallee)

 

Genialer Vorschub des Oberkasseler Deiches um 400m und man hatte Platz für die Konstruktion des Planers Stübben: die zentrale Achse der Rheinbahn und mehrer Ringe, die sich dem Rheinbogen anpassen, hinter dem Bahnhof, säuberlich vom Wohnen getrennt, die Industrie

Das Viertel war von Anfang an für gut betuchte Großbürger vorgesehen, oft “Ostländer“, die eifrigen preussischen Protestanten aus Berlin, die ab 1850 in Ddorf die Oberschicht bilden.   Wunderschöne Jugendstilhäuser, die wir heute wieder bewundern(Gründerzeit war lange out). Weil alle Oberkasseler  gebildet sind, fliegt in den Strassen die ganze deutsche Geschichte an uns vorbei, von Wodan bis Kaiser Wilhelm. Das Tolle ist: Kaiser Drusus und  die Cherusker, sie sind ja alle tatsächlich hier  vorbeigefahren

Die Eingemeindung 1909 ging nicht ohne Blessuren ab. Das alte dominierende Heerdt ist abgemeldet, Lörick auch, Niederkassel in Nussbäumen versteckt,

überlebt.

Der Krieg und danach :Trizonesien damals schon 1919: Engländer Franzosen Belgier. Belgisches Oberkassel war absolutes Ausland. Wenn es zu bunt wurde in der Stadt mit Spartakisten, Separatisten, Rheinlandwehr, Freicorps, floh man über die Dächer und den Rhein ins Ausland Oberkassel.

Die Sebastianer zogen sehr früh über die Brücke “Größte Kirmes am Rhein“

Mit dem neuen Namen „Apollinariskirmes“ wäre ich vorsichtig, wir feiern zwar jedes Jahr im Juli den Namenstag des Märtyrers, des Stadtpatrons, die “Kirchmesse“(Kirmes)des Apollinaris also. Aber die Geschichte, wie die Gebeine nach Düsseldorf kamen, ist gelinde gesagt eine Räuberpistole. Wir feiern auf der größten Kirmes am Rhein eine Räubertat

Die Urstrasse Oberkasselerstr hinter dem alten Deich mit dem Dorfanger ist noch da. „Vossen links“ ist noch da mit dem Heiligenhäuschen, wo der verlorene Sohn heimkehrte aus dem Napoleonischen Grauen des Moskaufeldzuges 1812

Aber Vossen links, Rheinlust, Lido, Confetti, Sasafras, Pauls, d.h der Beginn von Oberkassel mit Brücken und Eisenbahn ist heute fast vergessen

 

Im „Muggel“ versöhn ich mich wieder mit Oberkassel. Im „Souterrain“, eingequetscht mit Kinofreaks wie ich, das große Vorführrad hinter mir, die Kaffeetasse in der Hand,   Bogart, der Unvergleichliche vor mir (ihm zulieb wäre ich fast Zigarettenraucher geworden),  der Gong, der Vorhang. Vielleicht bin ich sentimental, ich bin glücklich.

 

     
  20.

Mörsenbroich    „die Frösch“  von den „Benden“

 

„Die Frösch“, so nannte man die Mörsenbroicher, die „Benden“ war ihr Land.

Vor 100 Jahren (1910) beschrieb ein Mörsenbroicher seine Heimat.

„Murmelnd hupft der Kittelbach vorüber. Über die Brückchen rechts vom Mörsenbroicher Weg rumpelten die Heuwagen, hoppelten die Karnickel. In der endlosen Niederung blinzelte ein Wasserloch und ein breiter See neben dem anderen zum lachenden Sommerhimmel. Riedgräser, Rohrkolben sorgten für eine würdige Fassung. Fasan und Feldhuhn, Wildenten und Schnepfen. Im feuchten Element veranstalteten Frösche und Kröten einen ganzen Sommer lang ihr ohrenbetäubendes Konzert. Das war das Land der Mörsenbroicher, der „Frösch“. Nach der Schneeschmelze überschwemmte der Kittelbach Kilometer weit das flache Land.      Nach dem Bau der Heinrichstrasse und dem kanalisierten, eingezwängten Kittelbach war die Freiheit, die unberührte Schönheit vorbei. Störche und Reiher verschwanden, die quakende Sippe ging zurück. Wohl rattert heute noch ein Pflug über das Steinpflaster, blökende Schafherden und buntscheckige Kühe ziehen zur Weide, aber auch solche Bilder werden bald vorbei sein“

 

Der Kittelbach, in Urzeiten berühmter als die Düssel, durchquert zusammen mit der Düssel die „Zoppenbrück“ in Grafenberg. Er entsprang nicht weit davon aus einer berühmten Quelle: Jan Wellems  Brunnen, der seit einiger Zeit wieder bestaunt werden kann.

Mörsenbroich, sehr jung (18.Jh), entstand mit einigen Häusern, wo Münsterstr( erste Notkirche u. Schule) und Mörsenbroicher Weg, Vogelsanger Weg und Kittelbach zusammentrafen. Wegen des grausamen Verkehrs an dieser Stelle hat Mörsenbroich bis heute keinen Mittelpunkt.

Der König von Preussen, Friedrich Wilhem III. 1815 zur „Wacht am Rhein“ über die Franzosen berufen, baute zuerst seine beiden Hauptstrassen nach Berlin zu „Chausseen“ aus: die alte Reichsstrasse 1 (Schadowstr.- Grafenberger Allee)  und die Münsterstrasse, von der Retematäng (Ratingerstr) über Ratingen nach Münster. Sie fuhr an Derendorf und Mörsenbroich vorbei.

Mörsenbroich, Rather Broich, Aaper Broich,  da musste man durch, meist auf Knüppeldämmen, bis die sichere Höhe von Ratingen erreicht war. Bis ins 14.Jh hinein floß hier am Rand des Schiefergebirges einer der vielen Altarme des Rheins.

Die zwei Strassen, die Mörsenbroich schließlich völlig veränderten, waren die Heinrich- und die Franziskusstrasse.

Die Stadtplaner um 1900 kannten kein Pardon. Stübben zog um 1890  seine drei Ringe um Ddorf. Der „Aussenring“ wurde die Heinrichstrasse. In den Planspielen von 1910 sah man Düsseldorf, eine in „amerikanischem Tempo wachsende Stadt“, die um 1940 die Millionengrenze überschreiten würde.

Die dritte private Eisenbahngesellschaft, die „Rheinische Bahn“, hatte kackfrech von Grafenberg herkommend in großer Schleife ihren Bhf an die Rethelstr (neben dem Puff) gesetzt, nun musste sie zurück zur Strecke in Grafenberg. Am 2. Febr 1876 fährt sie mitten durch Mörsenbroich. Am 1.Okt 1908 mußte sie diese Strecke zurücknehmen und dort fahren, wo sie jetzt noch fährt vom Vogelsanger Weg mit großer Kurve nach Rath.

   Die alte aufgegebene  Strecke wird die kerzengerade Franziskusstrasse.

 

Als 1936 Hitler in die entmilitarisierte Zone Ddorf(ein Überbleibsel der Besatzungszeit nach dem 1. Weltkrieg)Soldaten einmarschieren ließ und sich kein internationaler Protest regte, wurde Ddorf unter Jubel wieder zur alten Garnisonsstadt mit neuen Kasernen. Eine davon ist die Reitzensteinkaserne, die jetzt zum Wohnviertel (Gartenstadt Reitzenstein) umgebaut wird(Freiherr von Reitzenstein war um 1900 Chef des 7. westfälischen Artillerieregiments).

Mit weniger Drill geht es nebenan zu in der „Heine Gesamtschule“ plus Rethelgymnasium (friedlich vereint?), dazu noch das „lycee francais“.

 

Das Mörsenbroicher Ei, in allen Radiosendern bekannt, entstand, wo 7 Strassen aufeinanderprallen. Nicht weil es ein Ei ist, es sieht nur so aus.

Dem Osterhasen wäre ein anderes Ei lieber gewesen

     
  21.

Holthausen   alles Henkel oder was

 

Kann man fast so sagen, Ata, Imi, Pril, Rei, Somat, Pritt, Schwarzkopf, Polycolor, alles Henkel, alles Holthausen. „Für Gabi tu ich alles“(letzter Slogan der Henkelaner:Gabriele Henkel).

Ein Glück, dass es vor Henkel immer schon den Berg gibt, auf den die Itter prallte und somit den „Langen Weiher“ schuf: der Grund, warum Holthausen existiert. Auf alten Karten heißt es nur „Langer Weiher“. „Holthausen“ bürgert sich erst im 18.Jh. ein.  Der „Kamper Acker“ von heute(Zentrum des Ortes) ist der „Lange Weiher“ von 1760, als die Itter versiegt, weil das Benrather Schloß gebaut wurde. Der „Kamper Hof“(1932 abgerissen, heute Restaurant) stand auf der Westseite des Weihers, um den die alte Kölner Strasse(jetzt Bonnerstr), wie heute noch, einen Bogen machen mußte

Und Holthausen hatte das Glück, an der Urstrasse Köln- Duisburg zu liegen, die älter als Ddorf ist, parallel zum noch älteren „Mauspfad“ von Marseille bis Rotterdam. Holthausen bildet ab1898  mit dem Kirchdorf Itter eine Dorfgemeinde, daher liegen die ältesten Häuser an der Itter- und Bahlenstrasse. Da liegt auch Elbroich und damit sind wir am Anfang der neueren Zeit:

 

Der 25 jährige Christian Gottfried Jaeger, ein Weinhändler,  kommt 1782 mit seinem Kompagnon Pfeifer und seinem Neffen Trinkaus aus Trabach an der Mosel nach Düsseldorf, um Farbhölzer zu verkaufen. Ddorf wurde ab 1800 der Hafen und das Färbereizentrum (türkisch rot, indigoblau)für die Textilumgebung (Viersen, Krefeld oder Elberfeld, Barmen)

Am modernen Carlplatz entwickelt sich Jaeger zum Großkaufmann, der 1798 mit anderen den Vorläufer  der heutigen Handelskammer gründet. Christian Gottfried Trinkaus erbt das Ganze und  bildet die erste Dorfer Bank. Er war Sohn eines Hofmeisters mit Hang zum Adel. So bezog er 1832  das prächtige Adelspalais des  verarmten Freiherrn von Pritzelwitz an der vornehmsten Strasse der Stadt, der Hofartenstr: dem künftigen Köbogen. (Trinkaus wollte 2008 in den Köbogen, stieg dann aber aus). Trinkaus hatte durch adelige Verwandte Schloss Elbroich geerbt. Durch Heirat kommen Trinkaus und Heye zusammen.

 

1838 im Jahr der ersten westdeutschen Eisenbahn vom Graf Adolf Platz über Gerresheim nach Erkrath, später Elberfeld, wird Ferdinand Heye, Bremer Kaufmannsohn, geboren. Die Eisenbahn hatte Raseneisenerze, enorme Sandmassen, vor allem den Bhf Gerresheim hervorgebracht.  Heye gründet hier die Gerresheimer Glashütte.  Heye konnte durch den Trinkausbesitz von Elbroich in Holthausen makeln. Er kauft die Höfe Ober-und Niederheid, baut im nirgendwo einen Bhf Reisholz und seine Großtat: er gründet 1897 die Firma IDR (Industrie Terrains Reisholz), die bis heute Ddorf gestaltet (Automeile Theodorstr, Elbsee, KIT, Schloss Eller, Schlösser Ratingerstr, Fernsehturm)

Die IDR ist Ddorfs größtes Industriegebiet.

Und jetzt sind wir bei Henkel

 Fritz Henkel startet in Aachen 1876, dann 1878 in Ddorf seine Bleich Soda Fabrik auf den Schießständen der Schützenstr, wo schon ein anderer Chemiker saß: der Bleiweißhersteller Deus Moll. Umzug nach Icklack (Flingern)( an der Stelle wird der Mörder Kürten 1929 die 11jährige Anna K. erstechen und vergraben.)   Henkel legt 1899 seine Fabrik als einer der ersten ins neue IDR Viertel, dh. nach Holthausen

Es geht um Fett (Öle, Walöl z.B. Henkels Walfängerschiff „Jan Wellem“ 1936), das zu Seife wird,  um Herstellung von Wasserglas aus Sand und Sulfaten, also ein echter Hüttenbetrieb, die Bindung von Wasserglas an Soda,  um die Zerstäubung des Ganzen, das dann in die richtige Verpackung gerät, und gerade bei der Packungsform mit einem Markennamen war Fritz Henkel ein Meister.

Persil (PERborat SILikat)1907 war eine Sensation. Weil es das erste „selbsttätige Waschmittel“ der Welt war, wie durch Geisterhand wirkend, taucht es in Verbindung mit der „Weißen Frau“(die ermordete spukende Jacobe von Baden) auf  und bekommt als Persil Uhr einen Ehrenplatz auf dem Burgplatz neben dem Schlossturm.  Drei Ehrenbürger von Dorf gehören zur Henkelfamilie.

Erste Großreklame 1910, erster Fernsehspot 1956,   „voll fett und geil“ würde mein Enkel sagen

Gehen wir von der Ikea Welt in  Oberheid den Berg runter zur Niederheid(es waren wirklich sandige Heidehügel). Am „Langen Weiher“ auf dem „Kamper Acker“, dem Zentrum also, im tosenden Verkehr von Bus, Strassen-und U-Bahn machen Sie bitte die Augen zu. Es gibt eine hübsche Simulation von Reinhard Pott von Holthausen-online:  der „Lange Weiher“ist wieder da, Gondeln, Markusplatz, Venedig in Holthausen.

Oder noch besser: nach  Elbroich. Der Urbesitzer war jener Arnold von Tyvern, dem ganz Ddorf gehörte(die Grafen von Berg kauften es ihm ab). Vieles spricht dafür, dass von Tyvern hier seinen Wohnsitz hatte.

Holthausen, der Anfang von Düsseldorf, das ist doch was.

 

     
  22.

Derendorf   bunter Batzen  dickes Ding

Fast schon ein zweites Düsseldorf, so bunt, so groß.  Wer sich verlaufen will, fahre ins herrlich chaotische Derendorf.

Ich habe ein zärtliches Verhältnis zu dem Ort, meine erste große Liebe kam daher.

Es gab anfangs schon 5 Strassensysteme mit verschiedenen Richtungen: die uralte Münsterstr.(die „Pilgerstraat“), die Düsselstrassen (Derendorfer und später Prinz Georg), die Torstrassen(zum Ratinger Tor) : (Winkelfeld, Stern, später  Garten Rosen),  die zum Trappistenkloster wollten( Bagel u. Düsselthaler), die durch die Heide gehen( Rather, Ulmer, Roß),  die Urstrasse: Köln-Duisburg.

In dieses an sich schon chaotische System setzt der Stadtplaner Stübben 1885 noch 6 seiner geliebten Sternplätze, Plätze, in die 4, 5 Strassen münden(Bagel, Mostert, Moltke, Collenbach, Glocken, Spichern). Wilhelm I hatte was gegen die „Strasseneckigmacher“, Stübben, sein gelehriger Schüler, baut runde Sterne. Derendorf, eine schwierige Schöne, die erobert werden will.    

Derendorf ist in den Köpfen der Menschen viel größer, als es die Stadtteilgrenze will. Nordstr und Moltkestr fühlen sich als Derendorfer, der Kennedydamm ist für die meisten die Grenze nach Golzheim. Ich meine dieses größere Derendorf.

 

Derendorf war von Anfang an dabei. Die vier Urgemeinden der Stadt extra muros (Flingern, Derendorf, Bilk und etwas später Hamm,   Golzheim und Volmerswerth schlabbern wir mal)) werden 1384 vom „eigentlichen Stadtgründer“, dem ersten Herzog von Berg Wilhelm I  wegen der Düssel eingemeindet. Mit Derendorf und Bilk hatte er die ganze Düssel unter Kontrolle. Hamm besorgte den Abschluß des großen Rheinbogens, die Herren von Flingern waren eh die ersten Besitzer von Ddorf

Die Fürsten versuchten natürlich, diese Aussengemeinden in ihre ummauerte Stadt zu bringen. Den Bilkern gab man mit ihrem Heiligen Martin die Mertensgasse, die Derendorfer bekamen die Randstrasse Hunsrück, andere „Ausländer“ durften dann später auch hierhin, z.B. die Millowitschfamilie vom Kölner Hänneschentheater( das hören die Kölner nicht so gern). Alles, was an Strassen N-S lief (Hunsrück, Mertens), war nicht so wertvoll, wie die Urdüsselstrassen( dem Lauf der Düssel folgend) Ratinger, Bolker, Flinger.

 

Derendorf war ärmer als Bilk oder Hamm, bekam daher spät, aber immerhin als erster Ort der neueren Zeit 1692 eine eigene Kirche Trinitatis(Aus ihr werden um die Jahrhundertwende 6 Tochterkirchen in Groß -Derendorf entstehen)

 

Die Düssel ist an vielem schuld: an ihrem Aussenbogen (wie immer), der Becherstr=Bach, entsteht das Dorf (so alt wie Düsseldorf). Die Düssel muß dann erst einmal rheinaufwärts fahren, bis sie in Pempelfort die Kurve kriegt und das Dörfchen Ddorf hervorbringt. Zwischen Becher-und Münsterstr steht dann auch die erste Kirche. Früher mussten die Derendorfer zur Hochzeit oder zum Tod bis Ddorf laufen. Der Weg war so weit, dass  der Dichter Grabbe aus der Altstadt, wenn er seinen Gönner Immermann(Collenbachstr) besuchte, nie alleine hinfand. Er war dann so verwirrt, dass er der schönen Gastgeberin in die Hand biss (Ende der Freundschaft). Der erste Friedhof liegt neben der Kirche(heute St Vinzenskrankenhaus). Die neue Trinitatis wird 1891 100m südlich versetzt, ausgerechnet auf den von Stübben hier vorgesehenen zweiten Ring. So steht sie nun verkehrsumbraust auf einer Insel, die Gläubigen rennen um ihr Leben zum Seelenheil

Der Stadtteil hatte nicht immer einen guten Ruf. Jan Wellem legte die Siechenhäuser der Leprakranken, aus denen Verbrecherbuden wurden, nach Derendorf(Annastr), er verlegte auch den Galgen vom heutigen Zoo auf einen gut sichtbaren Hügel, aus dem später die „Ulmer Höh“ wird.   Das hätte er mit Bilk oder Hamm nicht machen können. Viel viel später kommt dann auch die RAF hierhin(Augustastr)

Derendorf/Pempelfort wird wegen der Düssel Ddorfs erstes großes Industriegebiet. 8 Fabriken gruben sich gegenseitig das Wasser ab. Es ging um Textil und vor der Dampfmaschine brauchten sie alle Wasser. Möhlau ´s „Derendorfer Blaudruck“(lag an der Annastr)wird weltberühmt mit Preisen auf der Londoner Ausstellung 1851

Den Stempel aufgedrückt auf diesen Stadtteil haben die Soldaten mit 20 Namen seiner Strassen und Plätze (9 preuss. Generäle vom uralten Schwerin, über den“Alten Fritz“ (Zieten, Seidlitz) zu Napoleon und schließlich zu den damals 1880 aktuellen Heroen des Krieges 70/71. 9 Schlachtfelder von  Weißenburg bis Spichern, 2 Regimenter (Ulanen, Füsiliere).

Zeit für eine Entmilitarisierung.

   Die großen Carrees an der Roßstr, auf denen heute Archiv(die „Rostlaube“) oder Versorgungsamt stehen, waren die ersten Kasernen der Ulanen und Husaren, auch der Ziegelbau Ecke Schwerin/Nord ist eine alte Kaserne. Dann kam die Tannenstrasse, die jetzt mit dem „Baumhaus“ Furore macht. 

Auf stolzen Rössern zog die Kavallerie auf der Roßstr zum Exerzierfeld auf der Heide, das man nach dem Besuch des Kaisers „Kaiserhain“ nannte(heute Strasse: „am Hain“ in Golzheim)

 Neben die Soldaten und den Knast zog „Rheinmetall“, Waffenschmiede, die den Tod brachte für Freund und Feind. Der Derendorfer Güterbahnhof(einer der ganz großen in Europa!) war der ideale Verkehrsanschluß. In Zukunft träumt hier „Klein Paris“ (Wohnviertel mit nur französischen Namen).Damit alles stimmt, liegt neben „Les Halles“, wie in Paris, der Puff.

Vielleicht wegen Schlachthof, Milchhof,  Großmarkt, die alle in Derendorf am BHf liegen, ist dieser Stadtteil auch zum Mekka der Gourmets geworden, auch die Brauereien kommen hierher(Hirschchen, Rosen, Dietrich, Schlösser)

Bei „Sansone“, Ulmenstr haben wir alle angefangen mit Spaghetti und Co. Aus den verspotteten Makkaronis sind die Lieblinge der Gastroszene geworden. Wer von der intellektuellen Fakultät ist, geht nur zu “Da Forno“ zum Nougateis und zu „Michele“, er singt sogar mit, auch wenn er sonst über den Dingen steht. Alle 10 Jahre kommen neue Delikatessen auf.  Farfelle, Pappardelle waren vor kurzem noch unbekannt. Zuerst gab es nur Cappucino, heute ist das out, man muß die ganze Machiato Latte runterleiern, ciao Luigi, come va? Immer neue dolce  erfreuen unser Herz, tiramisu, einst  der Renner, heute geht’s um panettone, granita und buccelatini

Und bei all dem Süßen muß ich wieder an meine Liebe denken und an die Bank in Derendorf, wo wir uns zum ersten Mal küssten.

     
  23.

Vennhausen   reif  für  die Insel ?

 

Willkommen im Niederen Venn“, im Moor also.  Am Ende des Eller Forstes,  wo ein kleiner „Baggerteich“ war, aus dem dann der große Unterbacher See wird, kann man  im Waldstück „Fette Erde“ tief in die pechschwarze Torferde hineinsehen. Und manche Erlen im nassen Boden haben mangrovenartige breite Luftwurzeln, ein bisschen „Everglades“ hier, der Alligator lauert an der Ecke.

 

Gleich daneben war der Sand. Die Kraft des Westwindes reichte mal gerade aus, um den Sand auf das höhere Unterbach zu tragen. Ganz Unterbach war Sand und die Unterbacher Sandträger schufen die ersten Wege durch Vennhausen: den „Sandträgerweg“ und den „Kikweg“. Weil es lebensgefährlich war im Moor, baute man den Kikweg kerzengerade zum „durchkieken“ im Fall einer Not

Vennhausen ist auf drei Inseln gebaut

Vor der Dammer Mühle bildeten  zwei Düsselarme die erste Insel mit Freibad südlich der Mühle.  Hier schon, an der Badeanstalt, trennten sich die beiden Süddüssel(Bilk und Schulstr)und Norddüssel(Pempelfort, Altstadt) auf ewig.

Das heutige Spaltwerk Höherhof kam viel später.

Die Haltestelle„Knuppertbrück“ (Glashüttenstr über die Düssel) erinnert noch an die alte Düsselbrücke.

 Beide Düsselläufe liefen dann nahe beieinander, so das sich hier der Begriff „Alte Insel“ entwickelte, ein Stadtteil, den Gerresheim unbedingt für sich in Anspruch nimmt, denn hier war einer der großen Siedlungskerne der Glasarbeiter. Man lebte mit der Katharinenkapelle „auf der Insel“, von den vornehmen Meisterburgen(Höherhofstr, Flaschenstr) durch die Düssel getrennt.

 

 Die Ursüddüssel gibt es heute nicht mehr, sie floß in wunderschönen Krümmungen zwischen Kamperweg und Vennhauser Allee. Seien Sie ein Pionier und suchen Sie die Spuren dieser Düssel. Bei der Bebel- Lassalle-und Zwickauerstr und um die Fabrik herum werden Sie fündig.

Erst in den 30igern machte man dann die dritte “Neue Insel“, indem ein Kanal  vom neuen Spaltwerk Höherhof zum Kamperweg geführt wurde. Heute gibt es nur noch diesen Kanal. Neben dem Kanal die Tannenhofsiedlung der 30iger Jahre.

„Auf einer Insel wird die Freiheit wohl grenzenlos sein“,  könnte man singen. Und so ist es. Es gab 2mal die Siedlung „Freiheit“, die große, heute noch bestehende, und die „Freie Erde“: eine wilde Siedlung besonderer Art

1921 in den Nachkriegswirren sponserte der jüdische Fabrikant die „Siedlung Freiheit“ mit ihren Helden in den Strassennamen (Berten=Ddorfer Arbeiterführer, Bebel, Lassalle, Engels) schönfeld wird von den nazis ermordet

Die freie Erde (südlich Gödinghover Weg im Wald) war im Grund nur ein Haus, in dem mehrere Familien in neuer freier Art nach Ideen des Journalisten Landauer lebten(freie Liebe, nun ja, es war alles schon mal da). Wie so oft wurde die Idee von Extremleuten missbraucht. Dann zur Touristenattraktion, wo der Bürger erschauern konnte, schließlich Avantgardisten (Maler, Schauspieler, Gruendgens z.B.)

Und Vennhausen fragen Sie?   Wo liegt nun Vennhausen?wir finden nur den Namen Knuppertbrück Das Zentrum am ehesten noch auszumachen „In den  Kötten/ am Kamper Weg“, Daneköthen, Blotschekothen (an der Düssel also, bei den Kätnern, den Armen, die nur eine Kate besaßen), aber eigentlich war es nur ein Flurname, ein einziges Haus, welches?  Wo liegt Vennhausen?   Im Nirgendwo.

 

     
  24.

Hamm   alles nur Kappes?

Mitnichten. Hamm ist eine Burg, uneinnehmbar. Wer es dennoch wagt, einzudringen, bleibt ein „Zugereister“, ein Fremder, sein Leben lang. Die stolzen Bauern besaßen halb Neuss, das Riesengebiet drüben heißt immer noch „Hammfeld“, die Hammer fuhren seelenruhig rüber, um dort Spargel zu stechen.

 Linksrheinisches Neussland heute war damals rechtsrheinisch Hamm

Die Bauern beherrschen bis heute mit ihren Traktoren die Strasse, die Töchter reiten hoch durch Hammer Land

Um jeden Meter wird erbittert gerungen.  Zuviel hatte man ihnen abgenommen: die Lausward, den Draap mit Kläranlage und Monte Klamott(Kriegsschuttberg). Hammer Land, heiliges Land, das spüren die Hafenbetreiber, die aus dem Hafen nur mit einer  schmalen Plockstrasse rauskommen

Auf der Lausward(heute Medienhafen) saß der älteste wichtigste Hof „Hammer Hof“ oder “Brongewanges“Hof( nach Baron Wange, heute Spedition Karcher)

1866 gab  es hier die erste Pferderennbahn und daneben das Strandbad „Onin“.

 

Hamm reichte im Norden bis zum „Eigelstein“, Stromstr, wo die Düsseldorf- Hasser das falsche Bier trinken, im Osten bis Mr Wash, im Süden bis zum Friedhof.

 Die vielen Inseln nördlich von Hamm: Lausward, Carl Theodor, dann links: Oelgang, Schandert, Tipers zwangen die Treidelschiffer,  von Heerdt aus auf die rechte Rheinseite überzuwechseln, in den Innenbogen zu gehen, wie immer ist hier am Gleithang die schwächere Strömung. So entsteht auch erst hier, fern von allem Inselwirrwarr, die älteste Düsseldorfer Fähre von Hamm-Auf den Steinen nach Neuss.  Durch die vielen Mäander des Rheins auf seiner  Verlagerung von Neuss nach Hamm(13.Jh.) war Hamm selbst etwas ins Hinterland an einen Altarm gekommen. Hamm brauchte einen Hafen:  “Auf den Steinen“, hier konnte man bei Niedrigwasser auf festem Gestein (Lochquarzite) fast trockenen Fußes rübergehen. „Auf den Steinen“ ist heute eine Ruine, vom Rhein überrollt, die Hauptstrasse endet abrupt im Wasser, ein anderes Dorf „Niel“ verschwand ganz.

 

 

Von manchen Bauern erzählt man sich, sie haben im Garten einen erschlagenen Franzosen begraben oder einen  Hannoveraner, einen Brandemburger, einen Schweden. Hamm war das Aufmarschgebiet der Feinde, die Soldateska verwüstete das Land. Man musste Ddorf von oberhalb erobern, so besaß man den Rhein vor der Stadt. Die „Batteriestr“ führt heute noch zu einer  verschwundenen französischen Geschützstellung (am jetzigen Segelhafen).

 

Die Kappesbauern sitzen auf gutem Boden. Während im Norden(Golzheimer Heide) noch der nacheiszeitliche Sand, von Westwinden hergetragen, die Gegend unfruchtbar macht, hatte Hamm  immer die großen Überschwemmungen, die den fruchtbaren tiefen Lehmboden brachten. So war und ist Hamm zum Gemüse- Blumengarten von Düsseldorf geworden (Kappes und „Schawu“=choux de Savoie),

 

Das stolze Hamm(im Hamme=Im Bogen des Rheins), so alt wie Ddorf,  mit eigener Gerichtsbarkeit  und zusätzlichem Hofgericht, mit einer Kirche vielleicht älter als Lambertus, mit einem uralten Schützenverein, mit der  ältesten Brauerei (Möhker 1830),  ist dann doch von Ddorf 1394 eingemeindet worden. Ddorf wollte unbedingt die wichtige Fähre haben.

 

Bei Hochwasser ist Hamm wieder eine Insel. Das Hochwasserbett reicht bis zum Borris- Kapellweg, dh bis zur 3m hohen Kante der Niederterrasse.  Auf diesem gesicherten Weg(heute am Hochsicherheitstrakt vorbei) gingen die Gläubigen in sieben Fußfällen von der Jan Wellem Kapelle(1658 zu seinem Geburtstag gebaut) zum Kalvarienberg neben Lambertus. Die 3km lange Strecke sollte genau den Leidensweg Christi in Jerusalem wiederholen vom Herodespalast nach Golgatha.

Auf demselben Weg kommt man in anderer Richtung zu den Urhöfen Ader-,                 Boris-, Holterhof.  Gehen Sie auf dem Feldweg mutig über den tosenden Südzubringer weiter zum einzig noch stehenden Borishof. Beim Holterhof an der Friedhofsmauer kratzen Sie nur noch einige Ziegel hervor(drei Strassen kreuzten sich hier einst: immer noch zu erahnen). Der Aderhof (unter der Strassenbrücke) ist ganz verschwunden. Aber der Urdeich(Aderdeich), hinter dem diese Höfe standen, ist noch da, er setzt sich in der Strasse „Auf der Böck“ fort.

 

Lebhaftes Treiben gibt und gab es neben der Pestkapelle(1675) am Deichtor auf dem „Ponteberg“(„Ponte“ war die Fähre): heute Kirmes und Schützenzelt, früher Ausflugslokale: Esser, Stern, Hecker. Auf dem „Blääk“, dem “Bleichplatz“, dem Zentrum, steht die neue Kirche St.Blasius(1910), mächtig den Reichtum der Hammer verkündend.

Die Eisenbahnbrücke, erste  Ddorfer Brücke überhaupt, führte 70/71 in den Krieg. Sie hat bis heute die Reste eines Gefechtsstandes, eines „Sperrforts“,  in dem jetzt ein Indianerclub tagt

 

Die erste Beschreibung von Ddorf ist uns aus Hamm überliefert. Albrecht Dürer nimmt 1520 die berühmte Fähre auf einer Reise in die Niederlande. Er weiß nicht viel zu berichten, aber das Wenige  klingt verheißungsvoll: “von Nays zum Stain, dort übernachtete ich, weiter nach Ddorf, ein Städtlein. Ich aß und trank dort gut für 6 Weißpfennige“.

 

     
  25.

Itter    Fluß ohne Wiederkehr

Sie ist dahin, unwiederbringlich, aus vorbei. „Seine Majestät brauchen Wasser“, die Bauern wurden nicht gefragt. Philipp Wilhelm der Vater von Jan Wellem baute 1660 das erste Benrather Wasserschloß. Viel Wasser musste her. Die Itter, der stolze Fluß, der Hilden hervor gebracht hatte, Haan und Benrath, Urdenbach, Cäcilienstr, münchenerstr(ein breiter altarm des rheins, den die itter benutzte)Reisholz, Holthausen, Elbroich, Himmelgeist, also den ganzen Süden Ddorfs, sie ist nicht mehr, ihre Spuren muß man suchen im Unterholz. Ich wollte es herausfinden durch Feld und Weide, Privat- und Öffentliche Gärten, im Kampf mit Hunden und Hundebesitzern, mit Zäunen und Wildhütern. Ich war ihnen nicht geheuer, ein Sittenstrolch vielleicht, ein Hühnerdieb. Ich hab sie gemocht, meine Itter.  Einmal war ich ihr ganz nahe, ich  konnte ihren Herzschlag spüren, die Füße im tiefen Morastgraben, die Hände von Brombeeren zerrissen. Es war „am Haferkamp“ neben Ickerswarderstr, hinter einem öden Autoparkplatz

Wer es genau nachwandern will: Hildenerstr(Benrath) bei Schimmelpfennig ins Paulsmühlenviertel, in der „Hessestr“ im Garten, zur Paulsmühlenstr(am Ende, wo noch ein anderer Bach dazukam),Capitostr 10(im Hinterhof), Unterführung zum Rest vom Pritschauhof neben dem Friedhof, dann runter(man spürt es) zum Marktplatz(hier teilte sich die Itter in Hauptzweig nach Itter und Urdenbachzweig), Urdenbacher Zweig: Sistenichstr bis „Schmeeds Loch=späterer Schlossweiher, dann nach Urdenbach. Der Hauptzweig: Cäcilienstr, Münchenerstr(alter Rheinarm, den die Itter benutzte)),Kappeler Hof (Riesenhof damals Ecke Nürnbergerstr/Kappelerstr),  Sportanlage Niederheid (über dieFußgängerbrücke) zum Reiterhof mit Urbaum, dann Bonnerstr bei Heggemannstr im Garten gucken, immer Bonner entlang bis zum Berg Holthausen, wo es nicht weiter geht(heute noch 5M höher), dort entstand „Langer Weiher“(heute eine Strasse), Linkskurve am Berg vorbei zum Elbroichpark ( im Knick der „Bahlenstr“ hinein, am „Falder“ raus), Bahlenstr bis Wokerstr: dann im Grünstreifen parallel zu „Haferkamp“, unter der Autobahn westlich: schwieriges matschiges Gelände,  westlich von „Wetsche“ bis „Steinebrück“, „auf Winkel“ nach Süden, dann scharfe Ostkurve bis Hauptstrasse von Itter: „Broichgraben“.

Der Altrhein floß nicht weit davon zwischen „Jücht“(eine Insel) und Kaldenberg. Bei seinem langsamen Wegrücken von Itter entstand der riesige „Itterdamm“ mit dem gesicherten „Kölner Weg“ dahinter. Auch Himmelgeist liegt noch in der alten Itterdamm- Richtung.  Je mehr der rhein  Itter verlässt, umso größer der neue Rheinhafen Himmelgeist als fährstelle.

Die Hubertuskirche, eine der vier ältesten von Ddorf liegt genau im alten Bachbogen. Siedlungen liegen immer am Aussenbogen(Prallhang), dass war etwas höher und sicherer und hatte immer Wasser, die Gegenseite( Gleithang) war trocken(wie Oberkasse in anderer Größenordnung). Itter an der Ittermündung, (wie Düsseldorf an der Düsselmündung) war früher viel größer Holthausen an der Itter gehörte dazu (der Itter Friedhof liegt im heutigen Holthausen, auch die einzige Kneipe). Die beiden bilden später eine Gemeinde, so wie Himmelgeist mit Wersten zusammenging, weil zuerst ein Nebenzweig des Werstener Brückerbaches hier mündete.

Zwei Kirchen (ein Kirchspiel war ja schon weit oben in der Hierarchie der dörflichen Siedlungen)  direkt nebeneinander, das geht nicht gut. Die „Steinbrück“ über die Itter (Denkmal!) trennt die feindlichen Schwestern. Bis heute haben die beiden nicht viel miteinander zu tun

  Vater Rhein, der Grausame,(in alten Mythen verschlingt er die Kinder sündiger Frauen) ist auch grausam zu seinen Kindern, den Nebenflüssen

Oft lässt er sie km weit neben sich herlaufen, bevor sie münden dürfen. (Mündungsverschleppung sagen die gelehrten Geographen dazu) Der seitliche Erosionsschutt ist so hoch, dass das  Bächlein nicht durch kann. So geschieht es mit der Süddüssel, die eigentlich schon in Hamm münden wollte, mit der Anger, dem Schwarzbach, dem Kittelbach

Und auch die Itter wollte ja schon in Niederheid rein, bumms in Holthausen stößt sie an einen hohen Berg, nun geht gar nichts mehr. Wenn sie dann weiter nach Itter fließt, treibt der böse Rhein seine Scherze mit ihr, er lässt sie in Richtung Köln, also zurückfahren, ätsch ,dann merkt sie den Irrtum, kehrt um und wird am Ende vom Nebendorf reingelegt

Etwas traurig da Ganze. Aber die Itterer sind fröhliche Leute, sie leben in einer wundersamen Landschaft. Der Bogen bis zur „Jücht“ ist Ddorfs urigste Natur

     
  26.

Carlstadt    die junge  Altstadt

 

„Welch ein himmelweiter Unterschied zwischen dem düsteren Köln und dem reinlich hellen Düsseldorf!“

So fangen viele Reiseberichte des 18. Jh. an, es geht um die Carlstadt, ein gerade entstandener, neugierig machender Stadtteil

Die Hauptstrassen verliefen(entgegen zur alten Düsselrichtung W-O in der Altstadt) kerzengerade genau auf einem Meridian(Mittagslinie N-S), die Blöcke  waren, dem Zitadellblock abgeschaut, sehr groß, die Häuser, klassizistisch, standen ohne Zwischenraum mit durchgehender Fassade an breiten Strassen.

 

Die Carlstadt ist immer noch reinlich, hell und schön und sehr smart dazu, ein In-Viertel mit hohen Preisen. Eingeteilt in Kultur: Bilkerstr(Heine, Schumann, Frankreich „Pain quotidien“ kann allerdings keiner aussprechen, Theater),

 Essen Trinken: Hohestr(Jeronimos lecker,“Kontor“ sehr schick),

 Antiquitäten: Bastionstr,

Geld und Industrie: Kasernenstr,

Mode: Breitestr. Wohnen: Post- Südstr         

   und den Markt, das heimliche Herz von Ddorf: Anfang der wilden Fastnachtweiber, Anfang der Radschläger,  laut, chaotisch, prall.

 

Murat, ein in bunten Göringuniformen karnevalesk auftretender Chef(von Napoleons Gnaden) des Großherzogtums „Berg“ mit Hauptstadt Düsseldorf, ritt über die einzige Brücke  aus seiner neuen Carlstadt heraus querfeldein nach Benrath in 20 Minuten. Ist heute kaum mit der UBahn zu toppen. Brücke und Strasse heißen immer noch „Benrather“.

 

 Die Carlstadt war der Höhepunkt und gleichzeitig das  Ende  der Festung Ddorf

Eine Zeit, in der „Düsseldorf  2/3 seiner Fläche dem Krieg, den Rest den Menschen zum Leben gab“ (Trottmann). Das Festungsgelände reichte von der Kasernenstr bis zur Berliner Allee, von der Zicke/Stadtmuseum bis zum Ständehaus. In der letzten Phase gab es nur einen Ausgang (Elberfelderstr), das Bergertor war wegen Wassergefahr dauernd geschlossen. Wer z.B in der Bastionstr wohnte, musste also bis zum heutigen Kaufhof, um rauszukommen

 

 

Jan Wellem, wie so oft, hatte angefangen. Seine Pläne( schon seit 1684)gingen bis zum Fürstenwall(ein Wall war schon ausgehoben, aber das Geld reichte nicht) die Stadt wäre 5mal größer gewesen als die Altstadt

 

1702 reicht es immerhin für eine Kaserne  (Ostseite Kasernenstr von GAP Hochhaus-Stahlhof  bis Nordende Luisengymnasium)   und ein Hospital mit Kirche   nördlich der Kaserne (bis zur Benratherstr, Commerzbank).

 Skandal, als 1718 dem Ausländer Marbais ein Teil der Kaserne für eine Fabrik gegeben wird. „Unsere Steuergelder!“ „Strafe Gottes!“, als in grandiosem Naturschauspiel die Blitze 1781 gebündelt in die gerade erfundenen  Blitzableiter am Hospital einschlugen 

Keiner wollte hier wohnen, es waren nur die Soldaten der Kaserne und die Armen im Hospital. Der Zugang war das kleine Stadtbrückchen bei der Neustrasse(heute noch vorhanden als Strassenbezeichnung, gehen Sie durch das Marxgebäude durch zum Cafe do Brazil, wo im Sommer  beim Fußballweltsieg- und sie siegen immer- die nackten Sambamädchen tanzen.)

Dieses neue Gelände mit nur zwei Gebäuden bekommt 1705 eine neue Festunsmauer mit drei neuen Bastionen bis Haroldstr, im Düsselsumpf schräg zurück zur Zitadelle. Nun gab es aber 2 Mauersysteme, denn die alten Mauern an der Wallstr. waren stehengeblieben.

 

Zwei Mauern waren natürlich kein Zustand, also entsteht 1787 die CARLSTADT (Machtwort des Kurfürsten Carl Theodor nach langem Streit der Stadtväter). Militärarrestanten rissen die jetzt innere Bastion August ab und machten daraus den Carlplatz. 8m tiefe Gräben mussten zugeschüttet werden. Wegen Hochwasser musste alles bis zum Niveau der Hohestr erhöht werden, höchster Punkt und Gradmesser war das Kasernentor. Das ganze Gebiet um heute Carlplatz, Bilkerstr, Poststr war damals ein großer Düsselsee, „Cameralweiher“ genannt (=cameral=staatlich, im Gegensatz zu privat oder städtisch, von Kämmerer), den man langsam zurückdrängte bis zur Bastionstr. 1791 steht schon der Carlplatz, 1792 die Synagoge  Kasernenstr.  Neuer Zugang wird jetzt der Totenkeller der Kappuzinerkirche, die heutige Mittelstr, die Cafes(Starbuck)wissen es zum Glück nicht. Die Kinder des 19.Jh werden hier mit dem Schlitten von der Hohestr 3m hinunter in die Flingerstr sausen

 

Von Jan Wellem vorgegeben war das Rechteck der Kaserne, also wurde die ganze  Carlstadt in  18 Rechtecke(Quadrate genannt) eingeteilt. Weil es nie ein Tor in der Carlstadt (zB zur Kö hinaus) gegeben hatte(Ausnahme:kleines Soldatentor, heute Karltor), konnte man die Strassen unabhängig von der Mauer anlegen. Ausschlaggebend war das Nordende des Hospitals, hier entsteht die wichtigste Ausfahrt Benratherstr.   Die besten Rechtecke IV und V, hoch oben vor der Kaserne, waren am schnellsten weg, bei den Gräben unten am Carlsplatz dauerte es länger. 6 Pferde brauchte man z.B für einen großen Zimmerbalken. Gewinner waren die reichen Bauunternehmer, die gleich 10 Häuser bauten

 

Natürlich gab es bei der rasanten Bauerei  Ärger. Steuerberater Leers: „Mein Haus liegt gegenüber dem Hospital, eine freie muntere Wohnung ist vereitelt, indem mein Haus den ganzen Tag dem unangenehmen Anblick kranker und müßiger Soldaten ausgesetzt ist“

Die Soldaten werden später immer wieder Ärger machen. Journalist Landauer: „Ach, die tapferen Soldaten, die nur immer tuten taten, ach, die trefflichen Rekruten, die auch heute wieder tuten“.  Später war der Sündenbock der Gashersteller Middendorf aus der Benratherstr, der 1840 aus einem leckenden Möbelwagen Gas in eingepackten Schweinsblasen verkaufte. Gestank überall. Die Kinder liefen hinter ihm her: „Middendorf, Middendorf, böser alter Schiddendorf“.

 

Was für eine Verschwendung, die ganze Geschichte!

 1892 ist die Carlstadt fertig mit neuer gewaltiger Stadtmauer, dann kommen die Franzosen 1894, verstärken noch mal die Mauer und bauen 6Jahre lang noch einen Gürtel von Aussenschanzen um Ddorf herum von Flehe bis Derendorf.

 

Und dann nach nur 10 Jahren 1801 wird alles abgerissen.

 Die Franzosen verlassen Ddorf und schleifen die gesamte Festung. Übrig bleibt nur die „Kö“ mit einem Graben und einer Brücke darüber(Benrather Brücke)

 

Liebesgeschichten in der Carlstadt. Heine küsst die Henkerstocher Josefa, das „Rote Sefchen“, Brentano schmachtet im heutigen „Bastian“ für seine Luise Hensel(„müde bin ich, geh zur Ruh“), in der Kurbelkiste(Bunker am Carlplatz)stiegen die Halbwüchsigen der prüden 50iger vom Klo her unerlaubt ins Schmuddelkino, um  erregt Martine Carol oder Francoise Arnoul zu sehen, die in “Sittenfilmen“(das war das Stichwort) einen Centimeter nackte Haut zeigten.   Die schönste Liebesgeschichte aber spielte in der alten Kaserne.

Josefine, die Tochter des bürgerlichen Feldwebels Rinke, liebt Viktor, den adeligen angehenden Offizier. Halb noch Kinder, mit erstem Weh im Herzen, spielen sie zusammen, später ging das  nicht mehr. Sie rudern im Hochwasserkeller in einer Waschbütt: “Fahr mich, hauchte Josefine,

Fahr mich noch mehr“, der Nachen legte sich auf die Seite, Josefine stieß einen Schrei aus, aber schon hatte Viktor sie umfasst. „Wirst du mich auch nicht vergessen?“, „Nein o nein“. Da küsste er sie und sie küsste ihn. Er fühlte nicht, dass seine Füße im Wasser standen, sie fühlte nicht, dass ihr Rock durchnässt war, sie fühlte nur den heimlichen Schauer, der ihr leise über den Körper rann.

     
  27.

Düsselthal   der vornehme Zoo

Lore Lorenz sagte einmal, ein Düsseldorfer ist jemand, der seinen Zoo wiederhaben will.  Das ist zu bezweifeln. Passen die stinkenden Giraffen zum vornehmen Zoo?

Aber das Eingangstor kann man noch fast sehen(Brehmplatz), auch die Teiche und die künstliche Ruine (Rheinromantik war damals in).

Im Zooviertel wohnten die gebildeten Großbürger in ihren Schiller- Goethe- Schumannstrassen;  die Arbeiter daneben in Flingern bekamen nur Bäume und Blumen (Linde- Birken- Fichte- Rosmarienstrasse)

Heute ist Zoo out und Flingern in

 

1707 hatte Jan Wellem zur Urbarmachung des Düsselsumpfes den strengen Orden der Trappisten ins Düsseltal geschickt. Man nannte sie „Speckermönche“. „Specker“ waren Hölzer, mit denen man Knüppeldämme bauen konnte, so dass die Gegend bald begehbar wurde. Die Speckermönche hatten, wie alle Heiligen, eine Schwachstelle:  den Kautabak. Alles war verboten: die Liebe, die Lust, das Trinken, das Sprechen sogar, so blieb nur der Kautabak. Sie fabrizierten dafür kleine Schachteln die „Speckermönchedöschen“, die sie verkauften, die einzige Sünde

 

Man kann ihren Friedhof, den kleinsten der Stadt, heute noch sehen (Klopstockstrasse), weil auch die Nachfolger ihn benutzten.  Graf Recke kommt 1822 mit 20 Waisenknaben in das verlassene Kloster. Es wird dort nicht einfach gewesen sein, der „Hungerturm“, Ecke Planck/Wüststr  zeugt  davon. Reckes „Rettungsanstalt“  lag wie das Kloster zuvor zwischen Recke-, Wüst-, Planckstr. Auf der Graf Reckestr. stand das riesige Eingangstor und eine Pumpe. Auch Recke hatte eine Schwachstelle. Mit der Pumpe und anderen Zutaten produzierte er ein Duftwasser „Für Gott und die Waisen“

Die Waisenanstalt brannte ab und 1876 nutzt der Zoo mit Resten und Düsselwiesen das Gelände.  Der Zoo entstand aus einer Entrüstung heraus. Das Pferd des kleinen Mannes war der Hund. Die Stadt war voll mit Hundekarren und die Hunde wurden brutal geschlagen. Tiervater Brehm reiste mit Vorträgen durch die Lande. Ddorf gründet 1874 den Verein „Fauna“, dann den Zoo.  Als der Zoo schon bald in finanzielle Not geriet, stiftete der Kommerzienrat Scheidt, der in der „Villa New York“(ratingerstr) mit schwarzen Tieren und schwarzen Boys angeblich Orgien feierte, eine hohe Summe, damit der Zoo “auf immer und ewig“ in Ddorf bliebe. Wegen dieses Schwurs  geriet die Stadt in der Nachkriegszeit in Bedrängnis

1880 nutzte die Stadt das Zoogelände für ihre erste wirklich große „Weltausstellung“. Nun war das schreckliche Trappistengebiet plötzlich begehrt. Die neusten Pferdebahnen, dann die erste „Elektrische“, fuhren natürlich zum Zoo. Die vornehme Welt wohnte jetzt im Zoo

Aus dem Zoo entsteht unser Eisstadion, wo Herr Rittberger seinen „Rittberger“ vormachte und Baran/ Falk Weltmeister wurden. Kult wurden dann die Gesänge der DEG

Nebenan im vergessenen „Hansapark“ lauerte der Vampir von Dorf,  der Mörder Peter Kürten auf seine Opfer, und am Rande des Viertels, wo der neueste „Rheinische Bahnhof“ lag, hurten die Huren.

 

Das stille Tal der Düssel, das Düsselthal,  hat also viel erlebt.

Am Anfang der Flinger Busch und der Düsselsumpf, eine Verbrecherecke mit Galgen(Schillerplatz) und furchtlosen Mönchen. Dann Internatsnöte und Tierschutz, Weltausstellung, elektrische Bahnen, Villen, Sportgelände und Eisenbahn

 

Jetzt ist es wieder still,  das Düsselthal, es ruht sich aus

 

Eine kleine Weile weiter den Bach hinab sang einst der Dichter Jacobi :

„Bei der stillen Mondeshelle

treiben wir mit frohem Sinn

auf dem Bächlein ohne Wellen

hin und her und her und hin

 

treues Lieben und  Gefallen

sei mit reiner Lust gepaart,

und wie dieses Schiffleins Wallen

Ruhig einst die letzte Fahrt

     
  28.

Volmerswerth   die Pirateninsel

Nun, das ist lange her. Vielleicht ist es auch nur eine Legende. 881 überfallen die Normannen (Nordmänner=Wikinger) Köln und andere Siedlungen am Rhein Als letztes Schlupfloch vor dem großen Coup diente ihnen die Insel des Volmar: Volmerswerth. Volmerswerth war zweifellsohne  bis ca 1550 noch eine Insel.

Verwegen  sind sie schon, die Volmerwerther,  Nachfahren vielleicht der Piraten, verwegen auch deswegen, weil sie dem Strom trutzen, hier an vorderster Stelle

Die ganze Gewalt des Rheins schlägt hier am ehesten und fürchterlichsten zu.

Es gab drei Probleme:
1. Die Rheinmäander wandern im Lauf der Jahrhunderte stromabwärts. Seit 1000 Jahren wirkt dem der Mensch entgegen. Volmerswerth liegt genau am Anfang eines solchen Mäanders.

2. Bei Volmerswerth beginnt die Insel. Seit Urzeiten floß ein rechter Rheinarm,  die „Fleeth“, von Krahkampweg- Aderdamm- Auf der Böck (heute bei Hochwasser ein kleiner Bach). Die Fleeth verlandet seit ca 1550.

3. Während Flehe geschützt 3m höher auf der Kante der Niederterrasse liegt (letztes Flußbett des Rheins bis 12 000 Jahre a. Chr.), ist Volmerswerth schutzlos in der jetzigen Aue als Insel dem Rhein ausgeliefert. Zwei Wege: Förster-(heute Fleher) und Volmerswerther Str führen bequem zum Ort, geschützt auf kleinen Sandhügeln: „schwarze Berge“, „Gantenberg“,  „Bücker Berg“,  „Tetelberg“, also riskierte man die heikle Lage. Die Franzosen nutzten diese natürlichen Sandhügel als Verteidigungswall mit 30 Aussenschanzen von Golzheim bis Flehe.

Die Fleeth (der alte Rheinarm) ist heute an der Volmerswertherstr. als Mulde kenntlich. “En de Ehd“ heißt ein Lokal. Der Friedhof, heute Park, liegt in der Mulde

Man kriegt es mit der Angst zu tun, wenn man die Häuser an der Abteihofstr. Volmarweg, dicht geduckt hinter dem hohen Damm sieht, die geballte Kraft des Stroms direkt im Rücken

1000 Jahre lang Kampf mit dem Strom. Die Chronik ist voller Schrecknisse. Die schlimmsten Hochwasser: 1573, 1583, 1650,1715, 1723, dann die schwersten 1784, 1795 und 1926 (7-11m am Ddorfer Pegel, Zollstr, gilt als Hochwasser)

Der Deichbau wurde kontrovers behandelt. Friedrich der Große hielt nichts davon. Tatsächlich ist jeder Eingriff problematisch. Die Rheinregulierung von Tulla 1809 besänftigte zunächst jedermann. Lange glaubte man im 19,Jh, die Überschwemmungen seien nun für immer gebannt, bis die Katastrophen kamen. Auch Versteppung durch jetzt zu schnellen Ablauf waren die Folgen.

Die älteste Rheinregulierung von 1364 (Herzog Adolf I.) schuf wahrscheinlich schon den noch heute bestehenden Aderdeich parallel zur Fleeth, also die Abgrenzung zwischen der Volmarinsel und Düsseldorfer Festland. Etwas später kam als Fortsetzung der Stoffeler Damm dazu bis zum Spaltwerk Harffstr, Scheidlingsmühle, wo Düssel und Brückerbach auseinander gingen. Ddorf war jetzt etwas geschützt, Volmerswerth und Stoffeln waren verloren.

Um Volmerswerth zu retten(1487 zu Ddorf eingemeindet), wurde später (1908) Stoffeln ganz geopfert (heute Geisterdorf mit Christophstr und Stoffeler Kapellchen).  Stoffeln lag tief: eine Art Polder vor Volmerswerth, den man fluten konnte, denn die Hauptkraft des Rheins schoß zunächst auf Stoffeln zu. Um sicher zu gehen, wurde das Spaltwerk des Brückerbaches (Harffstr)Scheidlingsmühle 800m weiter düsselaufwärts gelegt mit starker Uferbefestigung des neuen Brückerbaches(1928). Die neue Werstener Str wurde als Deich (1935)hochgelegt und schloß die Lücke zum Stoffeler Damm. Der alte Brückerbach verschwand und damit auch das Dorf Stoffeln. Die Düssel konnte nicht mehr gefährlich werden, sie zweigte mit dem neuen Brückerbach vorher ab in den Rhein.

Volmerswerth hatte am Anfang miserable Dorfdeiche. Eine Katastrophe jagte die andere.  Erst durch das Stoffeln Opfer war  der Druck etwas genommen. Unter den Franzosen wurde ein „Flügeldeich“ bis zur „Grashütt“ gebaut. Die Preussen wollten ihn abreissen „der Feind habe ihn gebaut“.

1879 bildet sich der Hamm- Volmerswerther Deichverband. 1907 endlich beginnt der Bau des heutigen Draapdeiches (Banndeich)zwischen Hamm und V

4 km lang ist er, 17m breit die Grundfläche: das so genannte „Maifeld“ , eine 5m breite Krone bekommt eine Strasse zur Deicherhaltung.  Als der Deich bei Volmerswerth etwas durchsickerte, wird ein „Dämmchen“ dahinter gebaut (heute Strassenbahnkreuz und Volmerswerther Chaussee)

Kein Wunder, dass bei all diesen Miseren die  V Pfarrstelle eher einer Strafversetzung glich.  Einige urige Priesterworte sind überliefert „Da sitzt ihr nun wie Scheibenkleister,  es wäre besser, wenn man euch einen Mühlstein um den Hals legte“.

Die Abteihofstr ist das Herz des Ortes. Besitzerin des Hofes war die Äbtissin des Damenstifts Schwarzrheindorf bei Bonn. 1853 wird die neue Dionysiuskirche eingeweiht

Der „Jähle Hof“ liegt heute allein, zunächst ungeschützt , im offenen Inselbereich am Viehfahrtsweg, aber die Volmerswerther sind stolz darauf, direkte Nachfahren der Ritter von Eller zu sein, sie waren die ersten Besitzer des Hofes. Sie waren die stärksten Rivalen der Grafen von Berg. Danach kommen die von Ingenhoven, heute noch ein wichtiger Name im Ort.

Die Franzosen bauen 1795 eine Schanze gegenüber Grimmlinghausen. Der „Batterieweg“ führt dahin. Lustigerweise erklären beide Autoren der „Düsseldorfer Strassennamen“ das Wort „batterie“=“mit denen die Bauern zwecks Regen auf Wolken geschossen haben“.

Die Grashütt, zum Jähle Hof gehörig, lag 60 m südlich vom Segelhafen. Hier startete die wichtige Fähre nach Grimmlinghausen. Noch heute führt hiervon ab ein Weg quer durch den Draap zum Holterhof(Südfriedhof) und damit über den Borisweg zur Altstadt

Die Bauernmädchen von Volmerswerth müssen zuckersüß gewesen sein, die Herren von Ingenhofen heiraten sie, verzichten auf ritterliche Rechte und werden zu  Korbmachern und Blumenzüchtern von Volmerswerth.

  .  
  29.

Lohausen   der Flughafen

Aber Lohausen hat auch eine uralte Geschichte

Die Kaiserswerther Strasse liegt genau auf der 2m höher liegenden Kante der Niederterrasse, frei von Hochwasser. Links zum Rhein hinunter liegt die Aue. In dieser gefährlichen Aue gab es zwei uralte Höfe: Leuchtenberg und Lohausen

Im Namen Lucht, Leucht, Lo sitzt schon die Gefahr: „feuchte Waldwiese“.

 

Warum nun in aller Welt lässt man sich so nah am Fluß nieder?

Es waren Wasserburgen, von Altrinnen des Rheins umgeben und geschützt.

Und sie liegen an einer sehr alten(Archäologen entdeckten hier eine germanische Siedlung des 3. Jh), vielleicht schon keltischen Heerstrasse: der Neusser Weg. Es ist schon gespenstisch, wie eine Strasse sich plötzlich im Nichts auflöst. Gehen Sie den Neusser Weg Richtung Neuss: Wiese, Feld, Nichts

 

Und doch führte diese Strasse bei Mönchenwerth, der Mönchinsel, über den Rhein, dann über Lörick, Heerdt nach Neuss. Die Insel und eine Gesteinsbarriere halfen beim Übergang. Heute noch sieht man bei Niedrigwasser die aus der Fahrrinne weggesprengten Felsbrocken. Jan Wellem ließ zusätzlich hier eine Fähre bauen, als 1702, im Spanischen Erbfolgekrieg, die wichtige Kaiserswerther Fähre zerstört worden war.

 

Der Düsseldorfer Kaufmannsohn Heinrich Balthasar Lantz war durch eine holländische Handelsgesellschaft ins französische Mauritius gelangt. Durch Kobalthandel reich geworden, kehrt er nach Ddorf zurück. 1800 kauft er Hof Lohausen und macht daraus mit Hilfe des genialen Gärtners Weyhe den Lantzschen Park

 

Lohausen wird zusammen mit Kaiserswerth 1929 eingemeindet

Von den 10 preussischen Provinzen hatte 1815 die Rheinprovinz 5 Regierungsbezirke: Ddorf, Köln, Aachen, Koblenz, Trier.

Der  Regierungsbezirk Düsseldorf hatte mehrere Kreise, der Landkreis Düsseldorf hatte 7 Bürgermeistereien: Kwerth, Angermund, Gerresheim, Hubbelrath, Benrath, Eckamp, Hilden. Die Bürgermeisterei Kaiserswerth bestand aus Lohausen, Stockum, Zeppenheim, Kalkum, Einbrungen, Wittlaer, Bockum.

 

Die Strasse Heidestieg führt zu den Sandbergen der Golzheim- Lohausener Heide

Der Rhein schaffte es mit den Westwindauswehungen des schweren Sandes nur 1km weit bis zur Niederterrasse, der leichte Löß wurde viel weiter bis nach Mettmann getragen. So gibt es  Sandheidegebiete immer nur rechtsrheinisch auf der Niederterrasse:  zu nichts gut außer Exerzierfeldern und Flughäfen.

 

Am 21 Sept 1909 liefen Geschworene, Richter und Angeklagter zum Fenster des neuen Gerichtsgebäudes in der Mühlenstrasse. Die Strasse verdunkelte sich. Eigentlich wollte man den Fall Ratte verhandeln, er hatte seine Schwiegermutter umgebracht. Jetzt gab es Wichtigeres: Majestätisch zog Z3, der Zeppelin, dicht über Düsseldorf

In der ersten Euphorie baute man die Luftschifferhalle. Sie stand auf der Golzheimer Heide, einen Schritt vom Kaiserhain entfernt, am Stockumer Kirchweg (heute das Restaurant „Rosati Due“, Am Hain)

Die Heide erstreckte sich von Golzheim über Stockum, Lohausen bis Kalkum. Heidschnucken, Wacholder, Wollgrasflöckchen im Wind, die Heide war der idyllischste Ort Düsseldorfs. Man wanderte auf der Ulmenstrasse  an verlorenen Orten wie Thewissen  vorbei zu zwei Burgen „Alte Burg“, „Große Burg“, dann am Kloster Hain weiter bis Kalkum. Oder noch einsamer: von der Roßstrasse zu einem berüchtigten einsamen „Roten Haus“ quer durch die Heide nach Zeppenheim.

Am 11. Juni 1912 fliegt der Düsseldorfer Pionier Paul Veeh um 5.00 Uhr früh in seinem eigenen, aus Mannesmannröhren gebauten, Schiff über den Rhein  in den Nebel hinein bis zu einem Feldweg bei Jülich. Das Ding war zusammenklappbar und am Abend in Golzheim wieder startklar.

1913 baut das Militär eine neue Schifferhalle südlich von Zeppenheim. 1914 wurde sie von einem englischen Flugzeug zerstört. Die vornehme Lady Mulvany, Stieftochter des berühmten Industrianten Mulvany, die in der Nähe wohnte, wurde des Verrats angeklagt und verließ Düsseldorf. Man konnte sich anders die Sache nicht erklären.

 

Immer schon hatte das Militär auf der Heide seinen Exerzierplatz. Am Tannenwäldchen vorbei( der Friedhof hieß früher „hinter dem Tannenwäldchen“) ritten Ulanen und Husaren auf ihren Rossen(Rossstrasse) zu den Kasernen

 

Die rasante Entwicklung des Flughafens begann nach dem 1. Weltkrieg 1925 nach dem Abzug der Franzosen. Die Regierung  bevorzugte allerdings Mülheim, Essen und Köln. Ddorf wurde nur Notlandehafen. Nach Lindbergs Überquerung des Atlantiks 1927 setzte der Kampf ein Köln gegen Düsseldorf. 1929 fuhr die belgische Sabena Düsseldorf an und dann gab es kein Halten mehr.

 

Airport City 2010: wo das Maritim Hotel glänzt, lagerten die Bettler von der wilden Heine Siedlung am Roten Haus. Wo Porsche und Co brillieren,  zerschellten die ersten Zeppeline.

„Grün ist die Heide…“, nun, das ist nicht mehr, aber alle Ampeln am Flughafen stehen auf „Grün“.

 
     
  30.

Wittlar der weiße Grund Worpswede am Rhein

Die schöne Braut kam zögerlich und spät(1975) zu Düsseldorf, aber Braut und Bräutigam kannten sich seit Kindertagen

Die Heltorfs, die Spees, die Hatzfelds, die Scheidts, die Winkelhausen, die Kaldenberg, sie hatten in hohen Diensten mit dem beginnenden Düsseldorf zu tun.

Einbrungen, ein Name wie aus einem Märchen, wird nach dem 2. weltkrieg zu einem kleinen Worpswede am Rhein. „Einbrunger Freundeskreis“, berühmte Namen wie Pfau, Uecker, Hilla und  Bernd Becher, und ihre Gäste Grass, Maycock, „Flötchen“ Geldmacher. Das hatte Tradition. Schneider Wibbel, alias Müller Schlösser lebte in Wittlaer und bei Brandts Jupp traf sich Ende 19.Jh. die Malerwelt  Dücker, Liesegang und vor allem Max Clarenbach

Wenn man am Schwarzbach steht und durch den weißen Nebel in der Ferne Schiffe wie Gespenster auftauchen, wenn man das Tuckern hört unter dem Rauschen uralter Bäume, wenn man auf der Wiese von Einbrungen liegt hoch über dem Bach ganz allein oder in einer Kuhle nahe am Froschenteich, wenn.. ja, man könnte so fortfahren,    die Schönheit von Wittlaer.

Viele möchten hier wohnen, höchste Mieten natürlich, höchste Dichte höherer  Bildung auch, höchstes Kulturleben

Eine Insel, zwei Treidelwege an zwei Rheinarmen, die Mündung des Schwarzbaches in den Rhein, nirgendwo sonst ist eine Mündung so großartig: der kleine gegen den großen Fluß, ein ungleicher Kampf, rührend in seinem Mut

Die Kalkstrasse am „weißen Stein“ hat wahrscheinlich den Namen Wittlaer und den Ort hervorgebracht. Der Hafen „Kalkblääk“ (Kalkplatz)heute unterhalb von Brands Jupp war der Endpunkt der Kalkstrecke, der Schwarzbach war der Transporteur des Kalks von Wülfrath, Dornap bis Wittlaer, vielleicht schon in Römerzeiten

Der Rhein macht hier viele Kapriolen: Inseln und Altarme: auf Kaiserswerth folgt rechts das Wittlaer –Werth, gegenüber linksrheinisch die Spey-Insel. Der Froschenteich war ein großer Rheinarm, davon zu unterscheiden sind die vielen kleinen Rinnen, die hier Kuhlen heißen: Abflüsse die beim fliehenden Rhein in sein Hauptbett nach der Eiszeit (vor 12 000 Jahren) zurückblieben. Überschwemmungen schufen dagegen Sandbänke oder Geschiebelehme: Anhöhen, wie den Heidberg zB.

1850 stöberten überall Bergwerkbesitzer herum. Kohlemutungen auf der einsamen Insel Werth, “Eisenhüttenwerk Wittlaer“ war im Gespräch

Nun, dazu ist es nicht gekommen, aber so ganz unberührt blieb Wittlaer nicht.

Das alte Einbrungen ist nicht mehr, die schöne Braut hat einige Kratzer bekommen, zuviel wurde hier gebaut. Wittlaer lag fern der Eisenbahn, das machte es zu einem verwunschenen Ort. Aber die Moderne kam in Form der neusten elektrischen Kleinbahn, die Düsseldorf schon 1910 mit Wittlaer verband. Zuerst etwas ruckelig „Kurz und Kleinbahn“ genannt, dann 1926 vornehm neu als D-Bahn. Dann kam ein Geisterbahnhof, jetzt die S-Bahn mit bestem Anschluß natürlich.

Einer der eindrucksvollsten Momente in Düsseldorf erlebte ich in Wittlaer.

Ein Weg aus dem Mittelalter bei Winkelhausen. Ein Gewitter kündigte sich an. Schwarzer Himmel, und dann, völlig allein in der Welt, kein Baum, kein Strauch, eine schneeweiße Kapelle, unwirklich, entrückt

 „es war als hätt der Himmel die Erde still geküsst“

 

     
  31.